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Der jüdische Handwerker · 1925-10-01 · 10.1925 · p. Seite 3

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
17 (1925)
Issue
10.1925
Date
1925-10-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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DER DER JUDISCHE HANDWERKER So leicht es» ihm peine Berufskollegen machen, so -schwer findet er oft Verständnis und wirtschaftliche Hilfe bei seinen Glaubensgenossen. Glauben doch viele, vom Irrtum befangen, dem Antisemitismus! die Wege zu ebnen, wenn sie dem jüdischen Handwerker Arbeit geben Unsere christlichen Mitbürger sind vielmehr erstaunt, daß das so oft und viel gerühmte Solidarität; gefühl der Juden hier kläglich Schiffbruch leidet. Kommt es doch oft j vor, daß ein jüdischer Handwerker, der jahrelang zur Zufriedenheit seines Auf" traggehelrs die ihm übertragenen Arbeiten ausgeführt hat, bei Vergebung größerer Arbeiten übergangen wird. Ist das der richtige Weg,fum den jüdischen Handwerksmeister zu einem selbs:är>digen freien Menschen zu erziehen, muß er nicht mit Beschämunig erkennen, daß man i h Tri wohl mit schönen Worten, aber nicht mit Arbeit die Wege ebnet? Muß es dr-n jüdischen Handwerker nicht vielmehr mit Erbitterung erfüllend daß man den christlichen Kriegen teilweise viel größeres Vertrauen entgegenbringt?! Darum sollte es Ehrensache eines (jüdischen Bauherrn sein, daß er den jüdischen Handwerksmeister bei Vergebung! von Arbeiten mehr berücksichtigt. Der jüdische Handwirker verlangt keine Ausnahmestellung, aber volle Gleichberechtigung. Was nützen dem jüdischen Handwerksmeister Vereine, welche sich die Förderung des Handwerks unter den Juden zur Aufgabe -machen, aber deren Mitglieder fast ausschließlich bei Nichtjuden arbeiten lassen. Auf dem Verbandstage der jüdischen Handwerker Deutschlands in Frankfurt a. M. hat seinerzeit der Vertreter des C. V. den jüdischen Handwerksmeister den Frontsoldaten des Friedens genannt. Der Frontsoldat, der gewohnt ist, dort zu stehen, wo der Kampf am schwersten tobt, kann aber nur dann dem Gegner gegenüber Stand halten, wenn er mir der nötigen Munition versehen wird. Diese Munition besteht bei dem jüdischen Handwerker aus Auftragserteilungen. Wir wollen nicht aus Mitleid mit Aufträgen bedacht werden, sondern wir wollen Unterstützung durch Arbeit, weil wir ein Recht darauf haben. Es ist nicht wahr, daß der jüdische Handwerker seinem christlichen Kollegen nicht ebenbürtig ist. In allen Großstädten finden wir jüdisch^ Handwerksmeister, welche an Intelligenz und Qualitätsarbeit keinem ihrer christlichen Kollegen nachstehen. Aber auch der jüdische Handwerker hat zu beweisen, daß es ihm mit seinem Streben und Wirken ernst niemand sei» 7.iel erreichet!. Darum rufe ich Dir, jü meister, zu: „Schließe D ist. M ü h e l o S w 1 r ( disch er Handwerksich in den Städten,- in welchen jüdische Handwcrkervereine < x'sticren, diesen an, aber sei keine ■Nummer im V tr.-g entrichtet, erein, die nur ihren Beisondern hilf mit raten und tat«n, denk nicht, auf Dich kommt es nicht an. Ein jeder, dt r nicht mithiift, a fut d ausbauen, ist ein Schäjdling unserer Sajche!", j Die jüdische Oarlehnskasse. Aus «lern vor kurzer Zeit erschienene» Täligkeits- Darlehnskasse G. in. b. H. 1924-25 entnehmen wirf beruht der ..jüdisch»'!) über das, Geschäftsjahr gendes Die indische Pnrleltnskasse wurd 13. 1924 mit einem Stammkapital von 5000 Goldin.uk als' Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet. In dankenswerter Weise haben sich .auf Anregung des Herrn Wilhelm Marcus, des Vorsitzenden des „Verbandes jüdischer Handwerker Deutschlands e. V. (Sitz Berlin)", 'der Vorsitzende des Wohlfahrtsamtes der jüdischen Gemeinde] Herr Eugen Caspary, die Firma J. Michael & Co. sowie Herr Adolf Schoyer' in den Dienst der Sache gestellt und durcii Hergabe von Kapitalien die Gründung der Kasse ermöglicht. Die Leitung der Geschäfte liegt dem Geschäftsführer Herrn Dr. Katzen stein ob, bei dessen. Verhinderung Herrn Dr. Segall. I - Die Gewährung der Darlehen geschieht nach folgenden Grundsätzen: Die Darlehen werden gegen Bürgschaft meist, auf 10 Monate gegeben, und zwar beginnen die Rückzahlungen vier Wochen nach Empfang des Darlehns. Zur Deckung der Verwal-' tungskosten ist es notwendig, Gebühren zu erheben. Diese betrugen bis 31. jDezember 1924 1.° ,, seit diesem Zeitpunkt *, •_. ",„ im Monat. Es bedarf Keiner Begründung, daß das ursprüngliche Kapital von 5000 Mark bei weitem nicht ausreichte, um nur einen geringen Bruchteil der eingegangenen' Gesuche, zu befriedigen und idic Aufgaben der Darlehnskasse zu erfüllen. Es situl folgende Beträge geleistet worden: von der Jüdischen Gemeinde 50 000 Mark, 'von J. Michael & Co. j . . . 23 900 „ .. vom Finanzkonsortium Schoyer 19 565 „ . Auch diese Kapitalien genügten jedoch nicht, um. bei dem Massenandrang von Antragstellern den dringendsten Gesuchen gerecht zu werden. Den fortgesetzten Bemühungen der Herren Wilhelm Marcus, Direktor Kareski und des Geschäftsführers gelang es, im März 1925 durchzusetzen, daß der Gemeindevorstand die Bürgschaft für ein größeres Darlehen zu übernehmen sich bereit erklärt hat.

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