Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 17 (1925)
- Issue
- 10.1925
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DER JÜDISCHE HANDWERKER nie zu etwas br Später, wenn . er si sollte, den andern "Rockschöße geh einen ganzen S bringt.. Wir könne ngen wird, sondern selbständig machen als Pfuscher an die ngt wird und so and in Mißkredit noch heute das klägliche Schauspiel erleben, wenn ein jüdischer Handwerker mal eihe nicht einwandsfreie Arbeit liefert, der ganze Stand dafür belastet wird Hier nauß unbedingt Abhilfe geschaffen werden. Ist es allen denen, die sich für die Berufswahl in Bezug auf das Handwerk interessierjen, ernst,- dann muß mit dem bisherigen Verfahren aufgeräumt werden. jNur der Junge, der geistig und körperlich fyr den zu ergreifenden Beruf fähiig ist, sofl diesem zugeführt werden. Wird aber mit den bisherigen Gepflogenheiten nicht gebrochen, so fällt die Schuld auf diejenigen zurück, welche das Handwerk in oben geschilderten Ausführungen in Mißkredit bringen Die Lehrer sollen die Kinder in den letzten Jahren vor der Entlassung auLdie Vorzüge des Handwerks aufmerksam machen. Es muß endlich mit dem Vorurteil gegen das Handwerk, in welchem noch ein | großer Teil unserer Glaubensgenossen befangen ist, energisch aufgeräum.t werden. Spricht es nicht Bände, daß einem jüdischen Lehrer, als er seine Schüler für das Handwerk interessieren wollte, ihm von dem Vater eines Schülers gesagt wurde: rHätte Ich gewußt, daß Sie meinen Sohn für einen Handwerksberuf interessieren wollen, dann hätte ich ihn nicht zu Ihnen in die Schufte geschickt — mein fange soll mal etwa» Besseres lernen." Hat der jüdische Handwerksmeister sich 5 Ibst immer so um den Lehrling gekümmert, wiees zur gedeihlichen Fortentwickelung nötg ist? Auch erj hat manches versäumt. Er glaubte sehr ofi seine Pflicht getan zu haben, wenn er den Vereinen, die sich um die Entwickelung des Handwerks unter den Juden bemühen, seinen Beitrag zahlte. In den letzten Jahren ist hierin eine Besserung eingetreten, dank des Zusammenschlusses in dem . Zentralverbarid jüdischer Handwerker Deutschlands". Dort sitzen die berufenen Vertreter, die Einsjtellung und Ausbildung der jungen Menschejn üherwachen. » Der jüdische Handwerksmeister sollte aber auch seinen Stolz darin suchen, seine eigenen Kinder denn Handwerk zuzuführen. Kann man es doch leider erleben, daß manchem Handwerksmeister der echte Handwerkerstolz fehlt. Der Stolz, durch sein Können und Wirken etwas zu schaffen, das dem Schaffen und Wirken anderer Berufe nicht nachzustehen braucht. Eskommt nic'ht darauf an, welchen Beruf man hat, sondern wie man ihn ausfüllt; denn jeder Beruf ist ehrenwert, wenn man in ihm nur voll: und ganz seine Pflicht tut. Sollen doch leider sogar im eigenen Hause des Handwerkers Stimmen laut werden, welche abfällig und geringschätzig über das Handwerk reden und urteilen, ja sogar, daß die Kinder, wenn sie erwachsen sind und nach dem Beruf des Vaters gefragt werden, oft eine etwas zögernde, ausweichende Antwort geben, der man anmerkt, daß sie sich des Handwerks ihres Vaters schämen. Ich kann mir zwar nicht denken, daß dieses bei einem Handwerker vorkommen kann, der seinen Beruf mit Gründlichkeit, Liebe und Verständnis ausübt Haben wir aber die Pflicht, den Lehrling während der Lehrzeit zu überwachen, so erwächst1 uns eine noch viel größere Verpflichtung, die Verbindung mit den jungen Gehilfen nicht zu verlieren. Denn sehr leicht verliert der junge Gehilfe, der in das Leben hinaustritt, <* den Zusammenhang mit seinen Glaubensgenossen. Schon die Organisation seines Berufsverbandes zieht ihn in den Kreis seiner Arbeitskollegen und deren weiblichen Anhang, und gerade durch diesen Verkehr gehen durch das häufige Eingehen einer Mischehe viele junge Menschen dem Judentum verloren. Denken wir daran, daß die Arbeitskollegen und noch mehr die Kolleginnen den jungen Juden, der befürchtet, in den Kreisen seiner Glaubensgenossen über die Achsel angesehen zu werden, gerne mit offenen Armen empfangen. Hier finden Jugend- und Handwerkervereine ein Feld dankbarer Betätigung. Hat sich der Geselle eine Reihe von Jahren draußen in der Welt umgesehen, dann denkt er daran, sich selbständig zu machen. Er wird bei seinen Berufskollegen in den Innungen aufgenommen und, wenn er kein Schmutzkonkurrent ist, mit Wohlwollen und Kollegialität gern gesehen. Nicht selten, daß man ihn in den Fachverbänden Vorstands- und Ehrenämter anträgt. |'