Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 17 (1925)
- Issue
- 10.1925
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift ..Zei Schrlftleitung intralwerband für Handwerk und Gewerbe, herausgegeben vom jüdischer Handwerker Deutschlands", e. V., Sitz Berlin Vdrbandsleiti ing Anzeigen-Ann U. Sekretariats Hermann Schwarz, Berlin NO. 18, Gr.Frankfurterstr.80-81. Fernsprecher: Amt Königstadt 2490. : Wilhelm Marcus, Berlin S. 42, Ritterstr. 11. ahme: Max Silberberg, Berlin C. 2, Spandauer Brücke 6. Norden 9601. Oktober-Ausgabe 1925 Bezugspreis vierteljährlich 1,— Goldmark Inhalt: Wie steht es mit Darlehnskasse. Der Steuerabzug v dem Handwerk unter den Juden, von Paul Goldinann, Hannover Die jüdische \usstellung von Lehrlingsarbeiten jüdischer Waisenkinder Aus den Vereinen, i Arbeitslohn. — Rundschau. — Arheitsmarkt Versamntlungskalender. Ach tun rr' Anläßlich des 30. Stiftungsfestes des Berliner Vereins erscheint die * * November-Ausgabe unserer Zeitschrift bereits am 2. November. Redaktionsschluß für diese Nummer erfolgt am 24. Oktober 1925. Wir bitten daher, alle Zuschriften bis zu diesem Tage an uns gelangen zu lassen. Die Schriftleitung. Wie steht es mit dem Handwerk unter den Juden? Von Paul Goldmann, Glasermeister, Hannover. Das größte Interesse in allen Bewegungen, gleichviel ob wirtschaftlicher oder kultureller Natur, muß der Jugend gewidmet sein;| denn wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft. Und gerade wir Juden haben die Verpflichtung, der Zukunft unsere ganze Aufmerksamkeit zu schenken. In den letzten Jahren ist sehr oft auf die Berufsumschichtuno; und die manuelle Betätigung der jüdischen Jugend hingewiesen worden, und in fast allen Gro-ßgemeinden haben die Vereine zur Förderung des Handwerks unter den Juden diese Frage mit besonderer Sorgfalt behandelt. Auch der „Zen.t raiverband jüdisch erHandwerker Deutschlands e. V." mit seinen ihm angeschlossenen Vereinen widmen einen sehr großen Teil ihrer Tätigkeit , der Förderung des Nach Wuchses. Alle Vereine, die sich seit mehr als 50—60 Jahren um die Förderung des Handwerks unter den Juden bemüht haben, waren von den besten Vorsätzen beseelt, dem jungen Juden die Wege für den Beruf zu ebnen. War dieser Weg aber immer der richtige? Ist dieser Weg nicht oft zu sehr vom Standpunkt des Mitleids aus angesehen worden? Hat man sich woht an die zur Schulentlassung kommende Jugend, deren Lehrer, Eltern oder Vormünder gewandt? Hat man versucht, durch Vorträge oder Veranstaltungen ihnen die Vorzüge des Handwerks zu zeigen und Liebe und Achtung für dasselbe ihnen einzuprägen? Man hat größtenteils die Kinder, welche sich dem Handwerk widmeten, unterstützt, weil sie aus gai'Z kleinen Verhältnissen kamen und deren Eltern nicht imstande waren, ihre Kinder während der Lehrzeit, die günstigsten Falles 3 Jahre, meistens aber 4 Jahre beträgt, I durchzuhalten. Haben diese Vereine sich wohl je darum bemüht, ob der junge Jude geistig oder körperlich fähig war, den zu ergreifenden Beruf voll und ganz auszufüllen? Hat man nicht größtenteils, ich möchte fast sagen systematisch, nur die Kinder dem Handwerk zugeführt, welche in anderen Berufen nicht unterzubringen waren? Haben diese Vereine, Eltern oder Vormünder diesen Jungen nicht von Anfang an zu einem bemitleidenswerten Menschen geste'mpelt? Wäre es nicht richtiger gewesen, einen solchen Jungen abzuweisen? Laden Eltern, Vormünder und Vereine nicht schwere Verantwortung auf sich, den Jungen einem Beruf zuzuführen, in welchem er nicht allein es