Handwerk und Gewerbe
- Journal
- Handwerk und Gewerbe
- Volume
- 9 (1916)
- Issue
- 1. u. 2. September-Heft
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 285 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1. u. 2. September-Heft HANDWERK UND GEWERBE 285 dem erster. Städtebauer Chanoch ward mit dem Fundament der Häuser in logischer Folge auch die Grundlage'für die Verschönerin der friedlichen Beschäftigung der Hüttenbewohner, für die Musik gelegt urid es erscheint der Jubal, der Erzeuger der Harfen und Zither. Gleichzeitig aber erscheint auch der Verfertiger der praktischen Geri te, Jubal- Kain, auf dem Plan, der die Werkzeuge in Eisen und Kupfer liefert, wie sie den einfachen Bedürfnissen der Weltbürger jener Zeitperiode entsprachen. Dabei ist die Beobachtung von Wert, daß diese Urväter des Handwerkerstandes aus einer und derselben Familie, Abkommen des Lemech waren, weil schon hier .sich deutlich'zeigt, wie die Anschauung im Elternhaus zu emer Tradition wird, die auf Enkel und Urenkel forterbend, den Sinn und die Fortentwicklung des Handwerks heiligt und zu einer treibenden Kraft im Völkerleben gestaltet. Damit ist aber auch zugleich klar der Beweis erbracht, daß der Sinn für die Betätigung der Handfertigkeiten bei Jen Juden im Altertum schon hoch entwickelt war, als man! bei den sogenannten klassischen Völkjem kaum eine Ahnungj von der Bedeutung desselben hatte. Ijst es doch eine bekannte Tatsache, daß die Griechen und [Römer in den Handwerkern -nur Banausen, d. h. Unwissende sahen, daß sie mit einer gewissen Verachtung auf dieselben herabsah und die dazu gehörende Beschäftigung mit dpm Handwerk den Sklaven überließ, die in bürgerlicher und rechtlicher Beziehung einfach nicht mitgezählt wurden. Eine höhere Wertschätzung des Handwerks ergibt sich jedoch bei Errichtung des Allerheiligsten, bei der Gründung des Volksheiligtums, beim Bau der Stiflshütte in [der Wüste Sinai. Mit dem „Heiligtum" sollte für alle Zeiten dievtraditionelie Vermittelungsstätte, die geistige Verbindung zwischen Gott und Menschen, ihren dem Auge sichtbaren Ausdruck erhalten und demgemäß die dem höchsten Ideale des jüdischen Denkens entsprechende höchste und würdigste Form erhalten. Darum mußte dieses Heiligtum aus den Mitteln des ganzen Volkes freiwillig gespendet, aus edelsten Stoffen hergestellt und von Männern bewirkt werden, die als kunstverständige, von Gottes Geist erfüllte Männer den Bau zu j leiten und auszugestalten den Auftrag erhielten. Und wenn schon zügegeben werden soll, daß hier von Künstlern als solchen die Rede ist, so folgt dies stillschweigend den hohen Grad der Entwickelung des Handwerks zu jener Zeit schon voraus, der es ermöglichte ein so imposantes Werk in das Leben zu setzen, dessen Ueberreste allein das Staunen der Nachwelt hervorrufen. Schon die Namen dieser Künstler verraten die Wertschätzung dieser Männer, denn m. E. sind es Synonyme, die nur das geistige Wesen derselben versinnbildlichen, wie Bezalel, der im Schatten Gottes Arbeitende, d. h. durch Gottesgeist direkt Beeinflußte, der Sohn Uris (meines Lichtes) usw. Und in unmittelbarer Verbindung damit wird ausgeführt, welcher Art das Wirken dieser Männer in die Erscheinung tritt, nämlich (2. B. M. 31.): „Gedanken auszudenken und diese Gedanken auszuführen in Gold, Silber und Kupfer, im Bearbeiten der Steine zum Einsetzen, und im Verarbeiten des Holzes, auszuführen in alle/ Geschicklichkeit." Wie schon oben bemerkt, setzt diese künstlerische Tätigkeit, einen Stand des Handwerks voraus, den man für jene Zeit als außerordentlich hoch bezeichnen muß, schon wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Bearbeitung der genannten Stoffe außergewöhnliche Genauigkeit und sorgsamste Heachtung der- Eigenartigkeit der verschiedenen Metalle bedingt, mehr jedoch muß uns in Erstaunen setzen -der Grad der Textilarbeiter die für die farbenfrohen Orientalen Gebilde schuf, die. nach den uns geschilderten Entwürfen des Pentateuch uns zu der Bewunderung hinreißen, wie es möglich gewesen ohne Maschinen solch herrliche Werke zu gestalte». Wolle, Seide und feinste Linnen werden für die Priesterkltidung in. den leuchtenden Farben blau, purpurrot und karmoisinrot in Verbindung mit echtem Gold und Edelsteine verarbeitet, in die Steine werden die Namen der Söhne Israels graviert und Goldeinfassungen zieren das Ganze. Wahrlich, der Handwerkerstand, der hier als Gehilfe für die Künstler unbedingt die notwendige Voraussetzung bildet, er muß gewaltig gearbeitet haben, er muß ungemein tätig gewesen sün, um dies« Höhe zu erreichen, von der wir bei den übrigen Völkern des Altertums'jener Zeitperiode kaum eine Spur besitzen. F.ssoll und kann hier nicht eine Geschichte des jüdischen Handwerks gebracht werden, sondern nur ein kurzgefaßter Hinweis auf die Pflege des Handwerks bei den Juden, eine Pflege, die allein Resultate wie die in dem vorstehend Geschilderten zeitigen konnte und diese Pflege, sie hat auch in der Folge ihre Weiterbildung und zu jeder Zeit treue Hüter bei den Bekennern des Sinaiglaubens gefunden.. Dies geht soweit, daß selbst die Gelehrsamkeit bei unseren Weisen nur in Verbindung mit der gewerblichen Tätigkeit als segensvoll angesehen wurde, und daß einer unserer Gelehrten es geradezu als Sünde bezeichnet, den Sohn nicht einem Handwerk zuzuführen. So sehen wir auch noch im Mittelalter das Gewerbe der Handwerke bei den Juden blühen und den Neid der nichtjüdischen Handwerker herausfordern und dieser Neid ist es bekanntlich gewesen, der die staatlichen und damals allmächtigen kirchlichen Behörden so lange mit seinen Commutationen belästigte, bis durch ein allgemeines Verbot, den Juden jede Betätigung eines Handwerks durch Gesetz untersagt wurde. Diese für die Juden so unendlich leidvolle und in Verbindung damit so verhängnisvolle Periode der Zeitgeschichte, sie liegt G. s. D. hinter uns und nun gilt es, der Welt zu beweisen, daß der alte jüdische Sinn für das Handwerk wieder zu einer neuen Blüte gelange und daß die antisemitische Lüge, als ob der Jude nur für den „Schacher" Befähigung habe in ihrer ganzen Schamlosigkeit erkannt und entkräftigt werde. Und ich bin der festen Ueberzeugung, daß auch für die jüdischen Handwerker sich alsbald die Mehrheit erweisen wird, daß auch für sie das Handwerk noch einen goldenen Boden hat, sofern es nur im richtigen Geiste, in richtiger religiöser Begeisterung erfaßt wird, denn dieser religiöse Geist, es ist der Gottesgeist, der nach der höchsten Vollendung strebt und ein Heiligtum zu erbauen dient, das über die weite Erde leuchtend, den Geist des Judentums predigt in dem uralt bis in alle Ewigkeit klingenden Hohen Liede, dem Hohenlied der Arbeit. __ J. Mansbacher. Kriegselterngeld. Von Rechtsanwalt Dr. B e r t Ii o 1 d, Leipzig. Der Krieg hat uns an Ungeheueres gewöhnt. Die gewaltigen Opfer an Gut und Blut, die er uns seit nunmehr /