Handwerk und Gewerbe
- Journal
- Handwerk und Gewerbe
- Volume
- 9 (1916)
- Issue
- 1. u. 2. September-Heft
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 283 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1. u. 2. Septembef-Heft HANDWERK UND GEWERBE! 283 gäbe wohl ausschließlich zufallen wird, isei es der Lehrer an den Unterrichtsanstalten der jüdischen Gemeinden selbst, der eo ipso Jude ist, sei es der jüdische Religionslehrer an den auch von jüdischen Knaben besuchten Simultanschulen. Damit wollen wir nun. keinesfalls gesagt haben, daß der jüdische Lehrer nun predigen müsse, dali jeder jüdische Knabe sich das Handwerk zum Beruf erwählen solle und daß er das Handwerk nun mit einem Male als den alleinigen oder auch nur hauptsächlichsten Beruf des Juden verherrlichen solle. Eine solche Uebertreibung wäre natürlich ebenso verfehlt, wie die sich in entgegengesetzten Bahnen bewegende Tradition, daß der Jude nur zum Händler oder Kaufmann geboren sei und nur dieser Stand als Berufsfeld für ihn in Betracht komme. Nein, was hier geschehen soll, ist nur, jener extremen und in dieser Extremität unberechtigten Tradition entgegenzutreten und solche jüdische Knaben, die sich ihrer Veranlagung und Neigung nach besser zum Handwerk als zum Handel eignen, aber auch nur solche, auf die Bahn des Handwerks zu weisen, damit sie nicht trotz ihrer entgegengesetzten Veranlagung ebenfalls den traditionellen Weg des kaufmännischen Berufes überantwortet werden. Eine Sichtung der jungen und vor die Frage der Berufswahl gestellten jungen Elemente nach beruflicher Neigung und Veranlagung sollen Schule und Lehrer vornehmen, nicht mehr. Aber in dieser Beschränkung bietet sich ein weites Feld zu erfolgreicher und fruchtbarer Wirksamkeit in dem dargelegten Sinne. I|>ie Achtung vor dem Handwerk und die Liebe zum Handwierk muß gelehrt werden, und ebenso ist auf die große soziale, politische und kulturelle Bedeutung des Handwerks für das Judentum hinzuweisen wie auch auf die Aufgabe, die der jüdische Handwerker und ebenso der jüdische Handwerkslehrling für das Judentum übernimmt, wie wir es oben dargelegt haben. Auch die Bibel liefert für diese hinweisenden und regelnden Bestrebungen, den jüdischen Knaben mit dem Gedanken an das Handwerk als Beruf vertraut zu machen, ein zahlreiches Material. Die Bibel zeigt den Juden viel öfters als Landwirt und als Handwerker, denn als Händler, und sie berichtet vielfach von den Einrichtungen, den Hilfsmitteln und den Erzeugnissen des biblisch-jüdischen Handwerks. Ist doch der Bau des Tempels Salomons, an dem alle Gewerke tätig waren, nach dem biblischen Bericht gleichsam eine Verherrlichung des Handwerks. Auch aus den anderen literarischen Hauptwerken des Judentums würde der Lehrer vielen. Stoff finden, der das Handwerk veranschaulicht und der sich daher auch in glücklichster Weise eignen würde, den jungen Berufskandidaten dem Gedanken des Handwerks als Beruf näher zu bringen. Auch durch geeignete befehrende Schriften müßte für das Handwerk Propaganda auf der Schule gemacht werden. Wir alle wissen aus unserer, eigenen Jugendzeit, welchen großen Einfluß Jugendschriften auf den Knaben ausüben können. Daher wäre es angebracht, auch in Jugendschriften Darstellungen bedeutender jüdischer Handwerker zu geben, sei es in genauer bipgraphischer oder in mehr frei dichterischer Darstellung, wie es solche Jugendschriften oftmals bevorzugen und wie es dem noch kindlichen Gemütjies Lesers solcher Schriften auch am meisten entspricht. Zahlreiche Gestalten weist die Geschichte des Judentums von Männern auf, die Handwerker1 von Beruf waren und dabei doch Zeit und Muße fanden, sich mit den höchsten Ideen und Bestrebungen des Judentums vertraut zu machen und Hervorragendes auf diesem Gebiete zu leisten. Die Mitarbeiter des Talmud waren keinesfalls Männer, die nur Gelehrte waren, es waren oftmals Handwerker, die gleichzeitig sich auch bedeutendes talmudisches Wissen angeeignet hatten, ebenso wie einer der größten Denker und Philosophen, den das Judentum der Welt geschenkt hat, Baruch Spinoza, von Beruf nicht Philosoph, sondern ein Handwerker, ein Brillenschleifer war. Lassen solche Beispiele nicht den idealen Geist erkennen, den gerade das Judentum in das Handwerk hineingelegt hat, und würden sich solche Beispiele nicht in glücklichster Weise verwerten lassen, um diesen Geist des Handwerks auch im heutigen Judentum in vollem Umfange zu Ehren und zur Geltung zu bringen und vor allem, um den jüdischen Knaben für diesen Handwerksgeist in des Wortes bestem Sinne zu gewinnen? ✓ Ein weiteres Mittel endlich, durch welches Schule und Lehrer die Liebe zum Handwerk in den Kreisen der jüdischen Schüler anregen und das Interesse für dieses erwecken könnten, bestände in dem gemeinschaftlichen Besuch von einzelnen Handwerksbetrieben. Hier, am .Bilde der handwerklichen Arbeit selbst, würde sich vielleicht die Teilnahme des Knaben, der Veranlagung für das Handwerk hat, am deutlichsten bekunden, würde sein noch unentschiedenes und schwankendes berufliches Streben vielleicht am sichersten geleitet werden können. Eine Erläuterung der Technik und vielleicht auch ein belehrender Uebcrblick über dieGeschichte, die Entstehung und Entwickelung des Handwerks im allgemeinen wie auch in seinen einzelnen Zweigen könnte mit solchen Besuchen verknüpft werden. Bietet doch die Ge- N.JSRAEL Spandauer str. 16 Berlin C Königstr.11—14 ^Wäsche- Ausstattungen von einfacher bis ZU elegantester Ausführung Anfertigung in eigenen Werlstätten . Möhel- Einrichtungen Ständige, große Aussteifung fertig eingerichteter Zimmer Neues S*föbcJ-Haus 4 Stockwerke Möbel Spandauer Straße- — Ronigstraß* — Portstraß* — Profststraße