Handwerk und Gewerbe
- Journal
- Handwerk und Gewerbe
- Volume
- 9 (1916)
- Issue
- 1. u. 2. September-Heft
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 282 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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282 HANDWERK UND ÜE WERBE 1. u. 2. September-Heft Zur Lehrlingsfrage. L, , ...;!. 11. " Zu den wichtigsten und, wie gleich bemerkt sein mag, schwierigsten Fragen im Bereich des jüdischen Handwerkerstandes gehört die Lehrlingsfrage, also die Schaffung und Heranbildung eines geeigneten Nachwuchses, der dazu berufen ist, die Ziele und Traditionen, die sich Jn'den Worten: „Handwerk bei den Juden" heute verkörpern, fortzusetzen und zu weiterer erfolgreicher Entwicklung zu bringen. Ungleich mehr und größere Schw ierigkeiten bereitet diese Frage hier dem Handwerk ais b^i den andersgläubigen Handwerks-Körperschaften. Letztere sind die ältesten Formen der gewerblichen und gewerkschaftlichen- Tätigkeit innerhalb des Staatsgebildes, sind mit der Volksgemeinschaft seit Jahrhunderten, ja Jahrtausenden aufs engste verknüpft und verwachsen und gewinnen ans dieser engen Verwachsung immer neuen Nährboden, der sich trotz der mancherlei Schwierigkeiten, die auch hier für das Handwerk im Laufe der Zeiten entstanden sind, doch immer wieder als fruchtbar erweist. Fbenso führt dieser Umstand.hier dem Handwerk ganz von selbst den notwendigen Nachwuchs, ein quantitativ und qualitativ ausreichendes Lehrlingsmaterial zu, und wenn auch bei den christlichen Handwerkskollegen in der letzten Zeit ebenfalls ein gewisser Lehrlingsmangel zu verzeichnen ist, so ist dieser doch niemals so wesentlich gewesen, daß er sich zu einer „Lehrlingsfrage" hätte answachsen können. panz anders liegen die Verhältnisse im jüdischen Handwerkerstand, so wie es im Zentralverband selbständiger jüdischer Handwerker Deutschlands verkörpert und organisiert ist. Dieses hat noch immer . darüber wollen wir uns keinem Zweifel hingeben — um seine Existenzberechtigung zu kämpfen, und zwar nach aulien wie nach innen. Nach außen gegen die andersgläubige Volksgemeinschaft, die1 noch nicht in. vollem Umfange von dem Ernst der Bestrebungen eines jüdischen Handwerkers überzeugt ist, nach innen vielfach auch gegen' die eigene Glaubensgemeinschaft, die zum erheblichen Teil den Bestrebungen des jüdischen Handwerkerstandes zwar sympathisch, aber zugleich auch noch unkundig gegenübersteht, wie es wenigstens in den Großstädten der Fall ist. Gewiß, dieses wie jenes sind Vorurteile, aber Vorurteile sind sehr fühlbare und wirksame Tatsachen und können einer strebenden Gemeinschaft oder Körperschaft, wie sie unser „Zentralverband" darstellt, das Leben recht sehr erschweren. Aus diesen Vorurteilen resultieren auch die Schwierigkeiten der Lehrlingsfrage. Sie sind die Ursache, dar! die Zahl der jungen Leute jüdischen Glaubens, die sich das Handwerk zum Beruf erwählen und als Handwerkslehrlingo melden, eine verhältnismäliig spärliche ist, sie sind weiter die Ursache, daß die Unterbringung des jüdischen Lehrlings nicht so leicht von statten geht, wie im andersgläubigen Handwerk, sie sind endlich auch die Ursache, daß dem jungen Mann während seiner Lehre aus vielerlei Gründen gewisse Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten erwachsen, besonders dann, wo er mit nichtjüdischen Lehrlingen oder Arbeitern zusammenarbeitet, daß er also bereits bei Beginn seiner gewerblichen Laufbahn ein gewisses Maß von Selbstüberwindung aufbieten muß, um „durchzuhalten". Diese und noch eine Reihe anderer Umstände verursachen die Schwierigkeiten der Heranbildung eines geeigneten Nachwuchses im jüdischen Handwerk. Andererseits aber wenden die Kreise des jüdischen Handwerkerstandes durchdrungen von der besonderen Wichtigkeit dieser Frage gerade für ihre Bestrebungen, der Lehrlmgsfrage ihre vollste Aufmerksamkeit zu, und zwar nicht nur theoretisch, sondern vor allem auch praktisch. Wohl auf allen Tagungen des Zentralverbandes nahm bisher die Erörterung der Lehrlingsfrage einen großen Raum ein, stets auch wurden gute Vorschläge unterbreitet, stets auch Maßnahmen empfohlen und ergriffen, die der Beschaffung und der Heranbildung eines geeigneten Nachwuchses dienen. Mit gutem Erfolg hat sich unser Zentralverband von jeher - i; j eie mit di Einrieb reichen vollem ungeac für die W der jü mal so der ih Anford jeder Male a übe Aul iliscl I n; M eine über, tung, und pc tun und zu sich voll an zum H produk brechet Boden der an Stell im allgem Bed lob v tracht bildlii;«. alle V werden m Gegenstand befaßt, und die Bestrebungen und ungen, die dem Zwecke der Heranbildung eines auslen und geeigneten Nachwuchses dienen, sind in Gange und lassen, der mancherlei Schwierigkeiten itet, die hier zu überwinden sind, günstige Ausblicke Zukunft zu. c' der jüdische Handwerker selbst, so nimmt auch le Lehrling eine doppelte Aufgabe auf sich. Eindas Handwerk sein wirtschaftlicher Beruf werden, eine Lebensexistenz sichert und den materiellen :rungen Genüge leisten kann, die ja nun einmal ensch an Beruf und Arbeit knüpft; zum anderen >er und hier liegt ein höheres, idealeres Moment nimmt er als jüdischer Angehöriger des Handwerks gäbe seiner jüdischen Glaubensgenossenschaft gegenne Aufgabe, die darin besteht, die gewaltige Bedeuie dem jüdischen Handwerkerstand für die soziale Iitische Stellung des judentums zukommt, zur Gelbringen und in immer weiterem Maße zu betätigen fördern. Er soll mithelfen, das alte Vorurteil, das in unserer Zeit noch immer und so verhängnisdie Fersen des Judentums heftet, daß der Jude nur indler, zum Kaufmann geboren sei und von der iven Arbeit des Handwerks nichts wissen wolle, zu und zum Verschwinden zu bringen und damit den für eine gerechtere Beurteilung des Judentums seitens ersgläubigen Volksgenossen und eine Besserung der und des Verhältnisses des Judentums inmitten der neu Volksgemeinschaft zn bereiten. Diese ideale des jüdischen Handwerkers wird heute ja gottallen Einsichtigen anerkannt, und von dieser Bej aus müssen auch die Bestrebungen zur Herandes Nachwuchses für das jüdische Handwerk und rschläge 21"" Lehrlingsfrage beurteilt und geleitet gerade eutimg Oll un Hi seinem sichern Winnen wollen, muß von de teresse Kräften sein könnte, unterbreitet raus ergibt. sich, daß das jüdische Handwerk in Bestreben, sich den notwendigen Nachwuchs zu und die notwendige Anzahl junger Leute zu gedie als Lehrlinge im jüdischen Handwerk eintreten sich an die Allgemeinheit des Judentums wenden daß es dieses für seine Bestrebungen gewinnen, es Bedeutung derselben im allgemeinen jüdischen Inüberzeugen und es auffordern muß, ihm mit allen an der Zuführung von Lehrlingen behilflich zu welcher Weise diese Propaganda ausgeführt werden dafür sollen in nachfolgendem einige Vorschläge werden. i] zusetze i mählicli sich zu wickelt Hinsicht das gebtacl anlagui auf di bisher stand c Vera e;e er inlag wären, rufe ü sie mit wählen ferner tums w werden Mensch geeignet mehr g muß d eingrei Das erste Feld, auf dem diese Propaganda bereits einhätte, wäre die Schule. Dort, wo der Knabe alldem Entschlüsse entgegenreih, welchem Berufe er wenden soll,, wo, sich die berufliche Neigung ent- und wo er für sachgemäße Einwirkung nach dieser empfänglich ist, muß zuerst auch der Gedanke an Hahdvverk gepredigt und den jungen Menschen nähert werden, um diejenigen von ihnen, die ihrer Verg und Neigung nach zum Handwerk geeignet sind, berufliche Bahn hinzulenken. Derartiges geschieht och so gut wie garnicht. Gegenwärtig ist der Zur, daß viele von den jüdischen Schülern, die ihrer jung nach sehr wohl für das Handwerk geeignet dennoch zum Handels- bzw. kaufmännischen Behjergehen, weil es an der nötigen Leitung fehlt, die dem Gedanken, das Handwerk zum Beruf zu "erbekannt und vertraut machen würde, und weil es noch immer in den meisten Kreisen des Judenitionell ist, daß der Knabe, wenn er sich nicht der aftlichen Laufbahn zuwenden kann, Kaufmann müsse. Dieser Tradition beugt sich dann der junge auch wenn er vielleicht zum Kaufmann so unwie möglich ist und wenn ^Seine Neigung auf eine swerkliche Berufstätigkeit hinziehen würde Hier also Schule, muß der Lehrer regehrd und hinweisend natürlich der jüdische Lehrer, dem diese Auf- ]» traui /issensch iE fjn,