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Handwerk und Gewerbe · 1916-09-01 · 1. u. 2. September-Heft · p. [Seite]

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Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
9 (1916)
Issue
1. u. 2. September-Heft
Date
1916-09-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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I. u. 2. September-Heft 1916 Jahrgang Deutschlands Verlag: Dr. Bäsch & Co., G. m. b. H., Berlin, Nassauische Straße 24. Jahresabonnement für Nichtmitglieder 4,80 Mark. c!i»0' Erscheint am Mittwoch nach dem 1. jeden Monats Inhaltsverzeichnis! Die Berufswahl. - Zur Lehrlingsfrage. - Handwerk und Handwerker in jüdischer Auffassung *■ elteriiL'eld. —{Verbandsnachrichten. Ans den Vereinen..*- Umschau. Kric^- Die Berufswahl. Die Berufswahl ist eine der schwierigsten Fragen, mit der sich die Eltern vor der Schulentlassung ihrer Kinder zu beschäftigen haben. In unbedachter Verblendung lassen sich die Eltern leider oftmals von Gesichtspunkten leiten, die im Augenblick wohl verlockend erscheinen, aber in der Zukunft sich bei den Kindern bitter rächen. So glauben manche Eltern, wenn der Knabe in der Schule gut mitgekommen ist, daß er unbedingt Kaufmann werden muß. Alle Nebenumstände lassen sie beiseite. Sie reizt nur das große Einkommen Einzelner. Daß es nur wenige sind,! die zu solchen Gehältern sich emporschwingen können, wird von ihnen übersehen. Wie viele müssen sich hingegen mit einem ganz geringen Einkommen begnügen und zeitlebens im Abhängigkeitsverhältnis bleiben? Da es sich hier zumeist um Kinder gering bemittelter Eltern handelt, wird der fast jedem Menschen innewohnende Drang, eine unabhängige, selbständige Existenz zu erlangen, nie befriedigt werden können. Wesentlich anders liegt die Sache beim Handwerker. Unser Verband würde sich keinen Augenblick der Aufgabe, intelligente jüdische Knaben dem Handwerke zuzuführen, unterzogen haben, wenn er nicht auf die großen Vorteile hinweisen könnte, die die Ergreifung des Handwerksberufes bietet. Ganz abgesehen davon, daß nach dem Kriege ein Handwerkermangel bestehen und dadurch schon eine gesicherte Zukunft gewährleistet wird, so ist auch der Handwerker in anderer Zeit dem, Kaufmann gegenüber im Vorteil. Was beim Kaufmann bei Begründung eines eigenen Geschäftes das große Kapital ausmacht, liegt hier in der persönlichen Kraft. Es werden also geringere Geldmittel schon ausreichen, einen eigenen Betrieb aufzumachen. Allerdings wird auch der Handwerker einige kaufmännische Vorbildung resp. Begabung nicht entbehren können. Und darum darf man sich nicht von dem irrigen Grundsatz leiten., lassen, daß der intelligente Knabe sich hier nicht I entfalten könne. Die Ansprüche, die an seine Fähigkeiten gestellt werden, sind keinesfalls gering einzuschätzen. Wenn es uns nun ganz(besonders darum zu tun ist, einen gesunden Nachwuchs zu erlangen, so soll in dem Gesagten nicht ausgedrückt «ein,-dal! der weniger Befähigte ganz auszuschalten ist. Auch für ihn wird im Handwerk Platz sein, nur mit dem Unterschiede, daß er im Abhängigkeitsverhältnis wird bleiben müssen. Nun wird bei der Berufswahl der Wunsch des Kindes nicht ganz aüßer acht gelassen werden; aber nur selten vermag der Knabe sich bestimmt zu äußern» da ihm die Anregung fehlt. Die Liebe zur werktätigen Arbeit muß in dem Kiink' schon in der Schule wachgerufen werden. Es müßten Gelegenheiten gesucht werden, wo den Kindern Einblick in die verschiedensten Berufe gewährt wird. Dann dürfte eher der Wunsch des Kindps in die Erscheinung treten und manche wertvolle Kraft an der richtigen Stelle untergebracht werden. I Wir möchten .diese unsere Vorschläge den Herren Leitern und Direktoren von Schulen zur Erwägung unterbreiten und sind wir sicher, daß bei Eingehen nicht allein den Eltern, vielmehr auch den Kindern eine Erleichterung geschaffen wird, die von allen Seiten mit größter Dankbarkeit begrüßt werden würde. Wenn weiter die Knaben die ihnen gewöhnlich vonden Direktoren auf den Weg gegebenen Lehren, die in der Schule empfangenen Kenntnisse späterhin noch weiter auszubauen, beherzigen, und niemals zu rasten, dann können wir sicher sein, einen Nachwuchs zu bekommen, der sich, seinen Lehrern und allen, die ihm nahe stehen, zur Ehre gereichen wird. Zentral-Verband .selbständiger jud. Handwerker Deutschlands (Sitz Berlin). Geschäftsstelle: J. Löwenstein, Vorsitzender. '• Berlin N 24, Krausnickstraße 9.

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