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Handwerk und Gewerbe · 1916-07-01 · 1. u. 2. Juli-Heft · p. [Seite]

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Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
9 (1916)
Issue
1. u. 2. Juli-Heft
Date
1916-07-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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1. u. 2. Juli-Heft HANDWERK UND GEWERBE 2fi7 bessere Leistungen bedacht sein. Dies anzustreben ist die Aufgabe der Organisationen des Handwerks. Auf der Organisation ruht, die Zukunft des Handwerks Organisation gepaart mit der richtigen Selbsthilfe und aufgebaut auf dem richtigen Geschäftsgeist Was, für den Handwerkerstand für allgemein gilt, das gilt auch für den jüdischen Handwerkerstand im besonderen. Eine neue Frage für das jüdische Handwerk wird in Deutschland der zu erwartende Zuzug jüdischer Handwerker aus dem Osten, aus Rußland bilden. Wie können diese zuziehenden jüdischen Handwerker denn ausreichend Lohn und Brot, eine' gesicherte wirtschaftliche Existenz finden, ohne die schon im Inlaude seßhaften jüdischgff Handwerker durch ihre ■ Konkurrenz wirtschaftlich zu schädigen -oder gar zu vernichten? Wie kann der nach dem Kriege zu erwartende jüdische Handwerkerbtrom so geleitet werden, da» er sich ordnungsmäßig vollzieht, daß er zu keinen Beschwerden und Unzuträglichkeiten führt? Das ist das Problemdas nach dem Kriege zu lösen ist. Die Entwicklung des Handwerks - - auch des jüdischen Handwerks - nach dem Kriege wird sich nur auf dem Wege der Organisation in gesunder Weise vollziehen können. Der Handwerker muH'noch mehr als bisher sich in den Dienst einer .dazu berufenen handwerklichen Organisation stellen und die Handwerker-Organisation also auch die Organisationen der jüdischen Handwerker müssen so gut geleitet sein, müssen so aufgebaut werden, daß sie das Handwerk vorwärts treiben, dali sie jedem Handwerker nützen. Nach dem Kriege wird es viel Arbeit geben, die zu bewältigen ist, denn der Krieg hat vieles zerstört und vernichtet. Große Waren- und Gütermengen wurden während des Krieges aufgebraucht. Den großen Bedarf nach dem Kriege allein zu decken, dazu wird die Industrie bei aller Leistungsfähigkeit, die sie besitzt — nicht im Stande sein, denn sie steht auch vor Aufgaben des auswärtigen Handels, der auswärtigen Güter- und Warenversorgung, die gelöst werden müssen. Das Handwerk muß also mithelfen bei der Versorgung des inländischen Absatzgebietes für Waren und Güter; das inländische Absatzgebiet ist ja auch die eigentliche Domäne. Aber nach dem Kriege 1 werden voraussichtlich auch die Geldmittet knapp sein und es werden die Steuer- und sonstigen öffentlichen Lasten ins Ungeheuere steigen. Da läßt sich nur planmäßig, systematisch,- mit Hilfe einer entsprechenden Organisation, das Richtige erreichen. Schon jetzt im Kriege ist die Bedeutung der Organisation im Handwerk gestiegen man denke nur an die großen Heereslieferungen, die an das Handwerk durch Vermittlung der Handwerksorganisatibnert vergeben worden sind , nach dem Kriege wird die Wichtigkeit der O ganisation für das Handwerk noch mehr steigen, auch für das jüdische Handwerk. Die preußischen Handwerkskammern haben bereits eine besondere Organisation zur Uebernahme größerer Heereslieferungen mit dem Sitze Berlin gegründet Da nun aber das jüdische Handwerk gerade im Bekleidungsgewerbe sehr stark vertreten ist (vgl. hierzu die statistische Aufstellung in der vorig. Nummer dieser Zeitschrift), so wird man eine besondere jüdische Organisation zur Uebernahme solcher großen Lieferungen schaffen müssen. Damit würde auch nach dem Kriege eine geeignete Grundlage gegeben sein, wie sich das jüdische Handwerk — selbst bei starkem Zuzug aus dem Osten — eine fruchtbare und ersprießliche Entwicklung sichern kann. Denn durch den usammenschluß zu leistungsfähigen Lieferungsverbänden, ie größere Heeres-, Staats- und Privatlieferungen im anzen übernehmen und dann auf ihre Mitglieder vereilen, kann das jüdische Handwerk in den meisten Fällen ede Konkurrenz aufnehmen, selbst mit der Industrie. Voraussetzung ist natürlich, daß diese Organisation richtig aufgebaut und hinreichend mit Kapital versehen ist Ratsam wäre es, eine zentrale Organisation dafür iu bilden — vielleicht mit dem Sitze Berlin, wo ja cjoch he meisten Reichsbehörden vorhanden sind, die Aufträge zu vergeben haben. Dieser zentralen Organisation können dann Landes-, Provinz-, Orts- oder Fach-Lieferungsverbände, am besten in der Form einer Gesellschaft mit beschränkter faftung angegliedert werden, die untergeordneten Lieferungsverbändc könnten auch die Genossenschaftsform haben. pTe zentrale Organisation sorgt für hinreichende Aufträge und deren zweckentsprechende Verteilung, sowie für die F nanzierung und Verrechnung. Die untergeordneten Organisationen übernehmen die Ausführung im einzelnen; il neu könnten sich ja nach Bedürfnis beliebig viele jüdische Handwerker, auch zuziehende aus dem Osten, anschließen, die dann immer, wenn die Organisation richtig geleitet ist, über hinreichende Beschäftigung zu angemessenen Preisen verfügen. Die deutsche Ostjudenfrage kann dadurch, soweit sie für das Handwerk besteht, auf die einfachste und natürlichste Weise gelöst werden; das jüdische ~ Hand werk inf Inland gewinnt damit außerordentlich. Das dazu nötige Kapital kann durch Zeichnung, durch jüdische Gönner oder aif dem Genossenschaftswege aufgebracht werden. Dem jüdischen Handwerk wäre damit auch nach dem Kriege die nötige Leistungsfähigkeit gesichert. 17. Beutscher Kandwerkertag. Am 20. Juni a. c. fand unter Beteiligung von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden, sowie vieler Gemeinden und sonstiger öffentlicherKörperschaften in Berlin der 17.Deutsche Handwerkertag statt. Eröffnet wurde die Tagung vom Vorsitzenden Herrn Klempnerobermeister Plate-Hannover. Er w es darauf hin,, daß die diesmalige Tagung sich hauptsächlich mit der wirtschaftlichen Kräftigung der durch den Krieg geschädigten Stahdesgenössen befassen werde. Die Hauptsache wäre, daß ^as Handwerk sich schon heute auf die spätere Friedensarbeit vorbereiten müßte. Seitens der Staatsregierung sprach Wirkl. Geheimer Oberregierungsrat Spielhagen dem Hindwerk heißen Dank für das treue .Durchhalten und für di: tatkräftige Unterstützung während der Kriegszeit aus. D e verbündeten Regierungen würden diese treue Hilfe des selbständigen Mittelstandes nicht vergessen .und nach Friedensschluß dafür Sorge tragen, daß das Handwerk durch geeignete Maßnahmen seinen goldenen Boden behält Den Jahresüberblick gab in längeren Ausführungen Her Geschäftsführer des Kammertages Dr. Meusch-Hannover. Erbetonte besonders, daß die Auseinandersetzung mit Industrie und Handel nach dem Kriege nicht die Form eines Kampfes annehmen möchte, sondern auf dem Wege gütlicher Verständigung erreicht werden müßte. Das Handwerk hätte trotz aller Schwierigkeiten seine Lebenskraft vollauf bewiesen und es wäre die hehrste Pflicht der verbündeten Regierungen dafür zu sorgen, daß das Handwerk auch ein starkes Glied unseres Wirtschaftskörpers bliebe. Ueber die Fürsorge für Kriegsbeschädigte lag folgender Antrag der Handwerkskammer Weimar vor: „Der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag ersucht die gesetzgebenden Stellen, in Würdigung der von uns vorgetragenen Gründe in eine nochmalige Prüfung der Sachlage einzutreten und eine Gesetzes.- vorlage zu bringen, auf Grund deren die Abtretbarkeit mindestens eines Drittels der Zulagen zu den Kriegsbeschädigtenrenten an hierfür zugelassene Versicherungsunternehmen, zum Zwecke des Abschlusses von Lebensversicherungen, statthaft ist während letztere wiederum als Sicherheit für die Beschaffung von gewerblichem Betriebskapital sollen verwendet werden dürfen, unter bestimmten Voraussetzungen, die noch näher festzulegen sind." n Dieser Antrag wurde nach lebhafter Debatte für und wider zurückgezogen. Dagegen wurde von der Ulmer Handwerkskammer folgender Antrag eingebracht: '

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