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Handwerk und Gewerbe · 1916-02-01 · 1. u. 2. Februar-Heft · p. Seite 231

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Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
9 (1916)
Issue
1. u. 2. Februar-Heft
Date
1916-02-01
Page
Seite 231 (sequence 9)
Language
German
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1. u. 2. Februar-Heft HANDWERK ÜNU GEWERBE 231 Alsdann unter Nero der 'große Aufstand-in Jerusalem ausbrach, prägten die Juden wieder eigene Münzen, jetzt auch aus Silber die dicken Schekel, die'mit ihren einfachen Biftlern, Kelch und Lilie, doch einen guten Geschmack zeigen. Sie tragen die Jahreszahlen 1—5, nebst der Umschrift: „Schekel Israels," und „das heilige Jerusalem." Nach der Zerstörung wurden in Rom Siegesmünzen geprägt, besonders solche mit einem Palmbaum und einer trauernden Jüdin. Eigentlich jüdische Münzen finden sich dann erst wieder aus der Zeit des letzten Aufstandes, 132—135, auf denen zum Teil ihr Führer Barkochba unter dem Namen Simeon genannt ist. In dieser Zeit wurden auch große Schekel und Viertel (Drachmen) aus Silber, aber, auch Kupfermünzen in verschiedener Größe geprägt. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgt der dichtgefüllte Saal, in dem viele Charakterköpfe bekannter jüdischer Gelehrter auftauchten, den anregenden Ausführungen des Vortragenden. ' " f. Der Untersuchungsrichter im Kischinewer-Progrom-Prozeß Freynoht, wurde wegen Hochverrats zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. Er war Mitschuldiger des zum i .'de verurteilten Obersten Miassojedow. Braunschweig. Herr Lnndesrabiner Dr. Rülf ist bei der beerdigung eines Kriegsteilnehmers während der Predigt vom Schlage gerührt und bald darauf versiorben, Berlin. Der Seelsorger der Beth-Zion Gemeinde, Herr Rabhiner L. Höxter, der unseren VerehuMnitglicdern durch seine häufig gehaltenen Vorträge wohl bekannt ist, konnte am 15. Januar auf eine 25jährige, seelsorgerische Tätigkeit in dieser Gemeinde zurückblicken. Die Gemeinde beging diesen Tag durch einen Ftst-Gottesdienst, Herr Rabbiner D^. Weisse hielt die Festpredigt. Berlin. Herr Komtnerzienrat Mandelbaum ist vom Kpnig von Bulgarien anläßlich einer persönlichen Audienz zum Generalkonsul ernannt worden* Herr Kommerzienrat Mandelbaum hat auch für die jüdische Handwerkerbewegung stets regstes Interesse gezeigt und ihre Bestrebungen eifrigst unterstützt. Aus kleinsten Verhältnissen hervorgegangen, ist er heute der Inhaber eines Welthauses, das ein Heer von Angestellten und Arbeitern beschäftigt und dessen Wohlfahrtseinrichtungen vorbildlich für andere Betriebe geworden sind. Türkische Sprachkurse. Die jüngst gegründete „Deutsch- Israelitisch Osmanische Union" veranstaltet in Ausführung eines ihrer Programm punkte einen Kursus für die türkische Sprache, dem sich der Unterricht im Arabischen angliedern soll. Schriftliche Anmeldungen von Herren und Damen, die sich zu beteiligen wünschen, sind zu richten: An das Büroder „Deutsch-lsraehtischOsmanischen Union", Berlin W, Kurfürstendamm 150. . Von Westen nach Osten. (Bericht des Feldgeistlichen Rabbiner Dr. Baeck an den Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde.) Seit ich meinen letzten Bericht erstattete, hat mein Weg mich nach dem Nordosten geführt, in ein /völlig neues Gebiet meiner Tätigkeit. Es ist, ganz wie das, . welchem ich bisher zugewiesen war ein sehr weites, sowohl dem Räume, wie der Zahl der Truppenteile nach. Aber die Erfahrungen, die die -vergangenen Monate im Westen gebracht hatten, werden diesen neuen Aufgaben nützlich sein. Der Weg hierher war mit mancherlei Schwierigkeiten und Mühen verknüpft und erforderte eine nicht unbeträebtliche Zeit, besonders, da sein letzter Teil, etwa 150 Kilometer, zu Wagen zurückgelegt werden mußte, auf der beschwerlichen russischen Landstraße, der der Wechsel von Schneetreibeh und Tauwetter noch neue Beschwerlichkeit gab. Ich hibe zunächst in dem Hauptort der Armee Quartier genommen, da ich die erste Zeit dazu verwenden mußte; um einen Ueberblick über die neuen Verhältnisse zu gewinnen, mit den Plätzen und Wegen bekannt zu werden und vor allem auch, um den verschiedenen Stäben mich vorzustellen und die etforderlichen Vereinbarungen mit ihnen zu treffen. Ganz wie im Westen habe ich auch hier liebenswürdiges Entgegenkommen und bereitwilliges Eingehen auf meine Wünsche gefunden. ' In einigen Tagen will ich mein Quartier ein einem weiter vorwärts gelegenen Orte pehmen, von dem ausJ ich zu den einzelnen Divisionen, leichter gelangen kann. Ich hoffe, dann auch hier eine regelmäßige Reihenfolge der Gottesdienste für jeden Truppenteil fest- Mein nächster, Bericht stellen und innehalten zu können, soll darüber Genaueres mitteilen. Dieses Gebiet, in dem ich jetzt tätig bin, ist litauisches und kurländisches, eine wellige Ebene mit Zahlreichjen Flußläufen und Seen, mit vielen kümmerlichen Dörfern und Marktflecken und keiner größeren Stadt. In aUeji Orten mit städtischem Charakter, die ich bisher kennen lernte, sind jüdische Gemeinden, deren Angehörige einen erheblichen Teil der Bevölkerung bilden. Ihre Erscheinung hat manches von dem jjbäuerlicnen Gepräge, das den Menschen dieser Gegend eigelr ist, meist sind es gesunde, kräftige und stattliche Gestalten.' Ihre religiöse" Eigenart ist eine andere, als die in Südpolen.. Der Chassidismus mit seinejr Poesie und seiner Gefahr, seiner Stimmung und seinem; Wahn, »einer Weichheit und seiner Verweichlichung, hat hier nur wenig Eingang gefunden. Die Frömmigkeit hat hier etwas ehr Nüchternes und Lehrhaftes, aber damit auejh etwas estes und Strenges. Das Wissen und Wollen gilt in ihr ehr als das Empfinden und Wünschen. Es ist in ihr in starker, gesunder Grund, auf dem auch Neues sich aufauen läßt. J Die Zukunft wird manche Probleme bringeri. Ganz sö, wie es gewesen ward, wird es in diesem Lande kaum (leiben, auch nicht in dem geistigen Dasein der jüdischen emeinden. iDann wird in ihnen die Frömmigkeit den Bleweis ihrer Kiaft und ihrer Zukunft ablegen müssen. Es ist zu hoffen, daß die litauische'Relig osität ihn 'bestehen i wird. , - Freitagabend in Feindesland. Kein Tag ist wdhl mehr gieignet bei uns jungen Juden in Feindesland Heimatser nnerungen zu erwecken, wie der Schabbos. Wie manche Freitag Nachtin vorderster Linie auf Posten oderauf Patrouille, wahrend rechts und links laut krachend die Granaten einschlugen, stiegen die wehnfütigsten Heimatserinnerungen in mir auf. Gerade eben kommen sie* nach Hause aus der Schul, jetzt benscht mein Vater meine Geschwister, und datltn sitzen wir um/den elterlichen Tisch im sanften Schein Sabbatkerzen. Und wir jetzt hier draußen? Unser Feldprediger hat 3 Divisionen zu versehen. Um nun jeder Division ihren 'wöchentlichen Gottesdienst zu geben, muß er jetzt immer einen am Freitag Abend abhalten. So]hatten wir Jetzten Freitag Abend die Freude, diesen Gottesdienst bei uns zu haben. | Ein halbes hundert Kameraden hatte sich zur angegebenen Zeit in der Kirche unseres Ruhequartiers, des Dörfchens V., eingefunden. ^Die Kirche prangt noch im Tannenschmuck der vergangenen j christlichen Feiertage- Rechts und links des Altars-stehen zwei mächtige, schön geschmückte Tannenbäume. Aber m|an merkt auch so recht den Krieg. In der Fässer. Hier ist einer Ecke stehein allerhand Kisten und gleichzeitig ein L|ebensmitteldepot. Gegenüber «flem Altar zwischen den Tannenbäumen nimmt unser Prediger Aufstellung. Unvergeßlich! wird mir dieses Bild sein: Die schlicht in den Mannschaftsmantel gekleidet, mit einem Tallis versehene Gestalt im Angesicht des prunkvoll, mit allerlei Heiligenbildern versehenen Altars. Wir beginnen mit dem Minchagebet und den Mismaurim. Machtvoll, aus rauhen Soldatenkehlen schallt dann das Lechodaudi durch| die Kirche. Sonst etwas ganz undenkbares : Synagoge und Kirche. Aber hier gibt es keinen würdigeren Raum. Synagogen gibt es in unserer Gegend keüie'Und so hilft die Kirche dann aus. Nach dem Mismaur-Sir-Ieschabbos ergreift unser Prediger dann das Wort. Er erzählt uns vom Freitag Abend zu Hause, von der morgigen Sidra, jenem machtvollen Freiheitsgesang des aus egyptischef Sklaverei befreiten Israel und schließt mit dem Kaisergebet

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