Mannheim
Compact Memory

Handwerk und Gewerbe · 1916-02-01 · 1. u. 2. Februar-Heft · p. Seite 229

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
9 (1916)
Issue
1. u. 2. Februar-Heft
Date
1916-02-01
Page
Seite 229 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4883069-5771070-5771131--150-4883615
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1. u. 2. Februar-Heft HANpWERK UNÜ GEWERBE Wl ') 229 Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender zu Hamburg. Geschäftsstelle: Weidenallee 38,40 Fernsprecher: Cnippe V. 2852. Bankkonto: Volksbank unter Bhd. Heinemanii. Bericht der Hauptversammlung vom 10. Januar 1916. Der Vorsitzende, Herr Bhd. Heine mann eröffnete mit einer Begrüßung die schwach besuchte Versammlung. Mit dem Wunsche für ein glückliches neues Jahr sprach er die Hoffnung aus, daß der Krieg recht bald siegreich zu Ende geführt werde, damit wir unsere Lieben und unsere vereinskollegen wieder bei uns hätten. Nach Verlesung urd Genehmigung des Protokolls der letzten Versammlung erstattete der Vorsitzende denl Jahresbericht 1915 und wurde allseitig gewünscht, daß derselbe in der Verbandszeitung veröffentlicht werde. Herr Eduard Berlin dankte im Namen des Vereins dem Vorsitzenden sowohl für seinen so schwungvoll verfaßten Jahresbericht, als auch für seine aufopfernde Tätigkeit im verflossenen Jahre: Der Kassenführer, Herr Max Cossen, erstattete sodann den Kassenbericht, die Belege sind in Vertretung von Herrn B. Benjamin geprüft worden. Die Abrechnung wurde als richtig anerkannt und Herrn Cossen Entlastung erteilt. Für dessen mühevolle Arbeit im vergangenen Jahre spraci Herr S. Emanuel den Dank der Versammlung aus. Nach Verlesung eingegangener Schriftstücke und Feldpostkarten einberufener Mitglieder teilte der Vorsitzende mit, daß anläßlich seiner Anwesenheit in Berlin eine Verbandsvorstandssitzung stattgefunden habe. In dieser seien verschiedene interne Verbandsangelegenheiten besprochen und erledigt worden. Von ihm sei angeregt worden, Fühlung zu nehmen mit der in Berlin neu gegründeten Vereinigung der deutschen Judenheit, die sich mit der Berufsberatung der Juden befassen will, damit Handwerk und Gewerbe richtig vertreten wären. Inzwischen seiauch diese Vereinigung an ihn herangetreten zwecks Unterzeichnung des von dieser zu erlassenden Aufrufes und habe er selbstverständlich seine Unterschrift hierfür gegeben. Ueber diese Vereinigung, deren Ziele und Wirken; entspann sichl eine lebhafte Debatte, an deij sich die Herren/ Berlin, Moses, Nissensohn und Ph. Wolff beteiligten. Dieselben Herren sprachen auch gegen den Vorschlag des Vor/itzenden be reffs Aufnahme weiblicher Mitglieder in den Verein. Auf Antrag des Herrn Cossen wurde dieser Punkt aufpie Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt. Die Neuwahl der vier Vorstandsmitglieder wurde auf ein Jahr verschoben. Der Vorsitzende teilte mit, daß von unsern Mitgliedern Herr Hugo Biskupitzer in russischer Gefangerschaft sei, Herr Max Levinson verwundet in einem Lazarett liege; Herr M. Blatt zum Feldwebel befördert und Herr W. Oppenheijmer das Hanseatenkreuz erhalten habe. Jahres b tri c h t 1915. Als ich vor Jahresfrist den Jahresbericht für 1914 schrieb, da hatte ich und wohl jeder von uns in seinem hinern die feste Hoffnung gehegt, daß beim Schreiben des Jahresberichts für 1915 wieder Frieden auf Erden sein werde. Dem ist leider nicht so. Mit unverminderter Heftigkeit dauert aas Völkerringen noch an, dessen Ende auch jetzt noch nicht abzusehen ist Ueberwältigend groß sind die Erfolge, die unsere Verbündeten Heere im Kriegsjahre 1915 errungen haben. Mit Stolz können wir auf die unvergleichlichen Siege zurückblicken; aber auch mit Dankbarkeit wollen wir unserer Helden gedenken, die auf dem Felde der Ehre geblieben sind. Ebenso lassen sie uns aller unserer Tapferen in Dankbarkeit gedenken, die gern bereit waren und es auch ferner sind, ihr Leben zu jeder Zeit für das Sein und für die Wohlfahrt des deutschen Volks in seiner Gesamtheit zu opfern. Unsere besonderen Wünsche, so dringend sie auch sind, müssen zurückstehen vor der großen Aufgabe, die gelost werden muß, wenn unserem Vaterlandeund damit auch unserepi Stande ein glückliches Gedeihen beschieden sein soll. Obgleich unser Verein ein so kleiner und unbedeutender ist, darf ich doch sagen, daß er Großes während dijs Kriegsjahres geleistet. Hat er doch etwa 3000 Mark dem Wohlfahrtswesen der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Abteilung Kriegshilfe, zugeführt. Von dieser ist unser II. Vorsitzender, Herr Ed. Bei Im, in die Hamburgische Kriegshilfe berufen worden. Unsere in Not geratenen Mitglieder erhalten von" obigem Wohlfahrtswesen Unterstützung sowohl in bar als. auch in Lebensmitteln; Schulgelder, Mieten usw. werden teilweise bezahlt Und in jeder Weise völlig diskret für unsere Mitglieder gesorgt. Wir haben uns verschiedentlich mit der Regelung geschäftlicher Angelegenheiten unserer einberufenen Mitglieder befaßt, auch unseren Kriegerfrauen milt Rat und Tat zur Seite gestanden, sowie einigen Mitgliedern durch Darlehen ermöglicht, ihfe Geschäfte fortzuführen. Wir haben aber nicht etwa nur deji Mitgliedern oder unseren Glaubensgenossen, sondern dej- Allgemeinheit gedieht. Als gute Hamburger Bürger haben wir dem Eisernen Michael unser Scherflein geopfert und als treue deutsche Staatsbürger unser Vereinsvermögen in Deutsche Kriegsanleihe angelegt. Für i Kriegshilfszwecke zeichne ich als Vorsitzender dieses Vereins bei verschiedenen gemeinnützigen Vereinigungen allmonatlich einen Betrag. Der Mitgliederbestand war am Schlüsse ,des Jahres 99. Neu aufgenommen wurden 3, ausgeschlossen 3, ausgetreten sind 27 und verstorben 2 Mitglieder. Wenn wir auch mit einem Zugang von Mitgliedern während des Krieges nicht rechnen können, so ist doch der Abgang von 27 Mitgliedern recht bedauerlich, bestimmt aber auf die jetzige scHwerje Zeit der Not zurückzuführen. Der Bestand unseres Vereinsvermögens ist jtrotz der vielen notwendigen Aus- und Abgaben zufriedenstellend. Der Verein hielt eine Haupt-, eine Vorstands-, sowie neun Mitglieder-Versammlungen ab.. Veranstaltet "wurden : zwei Familienabende und ein Sommervergnügen. Geschäftsjubiläen hatten unsere Mitglieder, die "Herren Max Cossen und S. Mündheim jr., sowie der Verbandsvorsitzende Herr J. Löwenstein, Berlin. Leider hat der unerbittliche Tod zwei Mitglieder allzufrüh aus unserer Milte gerissen. Unser jüngst aufgenommenes Mitglied, der Bürstenmacher J. Hirsch, Oldesloe, ist den Heldentod fürs Vaterland gestorben, ferner verstarb unser treues Mitglied, der Auktionator D. v. Halle; wirj werden ihnen ein treues Gedenken bewahren. Außerdem sind einige unserer Mitglieder durch den Tod naher Anverwandter in tiefe Trauer versetzt worden. Den Schmerz der^ Hinterbliebenen empfinden wir mit ihnen und bringen ihnen unser innigstes Beileid entgegen. 33 Mitglieder sind einberufen, mit den meisten stehen wir in brieflichem Verkehr und schicken Liebesgaben. Von einem Förderer unseres Vereins und dessen. Gemahlin ist unserer Vereinskasse ein Betrag, der zur Unterstützung1 der Kriegsteilnehmer verwandt werden soll, zur Verfügung gestellt worden." Unser Verein wird auch im nächsten Jahre wie bisher die ihm zur Verfügung stehenden Kräfte für die Milderung der schweren wirtschaftlichen Folgeerscheinungen dis Krieges einzetzen. Große Aufgaben werden die Berufsvereine nach dem Kriege zu erfüllen haben. Deshalb ist es Pflicht jedes Berufsgenossen, ihren Bestand zu sichern. Die hier in der Heimat Verbliebenen haben gegenüber ihren für sie auf den Schlachtfeldern gefallenen Soldaten die Pflicht, in späterer Friedensarbeit das zu vollenden, wozu diese durch ihren Tod -den Boden vorbereitet haben. Das Jahr 1915 hat uns militärische Großtaten gebracht, möge uns das Jahr 1916 Großtaten des Friedens bringen, die uns die Wohlfahrt unseres Volkes sichern. Unseren draußen vor dem Feinde stehenden Mitgliedern wünsche ich im kommenden Jahre „Glückliche Heimkehr".] Mit diesen Hoffnungen und Wünschen schließe ich den Jahresbericht 1915, möge er dazu beitragen unsere Freunde zu mehren und die Entwicklung .unseres Vereins zu fördern. Bhd. Heinemann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.