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Handwerk und Gewerbe · 1916-02-01 · 1. u. 2. Februar-Heft · p. Seite 226

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Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
9 (1916)
Issue
1. u. 2. Februar-Heft
Date
1916-02-01
Page
Seite 226 (sequence 4)
Language
German
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226 HANDWERK UND GEWERBE l. u. 2. Februar Heft lichkeit wendet sich leicht für das Verschulden des) Einzelnen gegen die ganze Gemeinschaft. Zusammenarbeitend jüdischer beiden Reichen ist Die Vorbedingung eines nandwerkerorgauisajioiien in fettige .Kenntnis der Verhältnisse des jüdischen H st indes hier und drüben. Für die österreichischen lländer bildet Galizien ein Re scrvoir jüdischer Handwerker. Es gibt dort kein daß nicht auch yön Juden ausgeübt wird. Die Handwerk«.rvereine stammen wurden damals in eine Zünft die gesell mdwerker- Handwcrk, galizischen us der Zeit der Zijnfte. Juden nicht aufgenommen, weil dieselbe auch kirchliche Funktionen zu versehen hatte. Die damals gebildeten jüdischen Handw^rkervereinc Handwerk, Tätigkeit dieser Gilden best ^■gründet. Jedes oder Betzimmer und ht zum großen Teil in der Unterstützung notleidender Mitglieder. In sozialem Sinne betätigen sie sich weiliger. In Wien wirken mit Erfolg mehrere jüdische Handwerkernerbiiuluugen neben einer reichdo.tierten, Institution für die Verbreitung des jüdischen Prag hatte Es ist historisch bef f Handwerkerstandes. Die böhmische Hauptstadl eigene t unsere uumgefunden schon im Mittelalter jüdische}! Zünfte, bannt, da 15 bei -der Belagerung Prags im Jahre 1Ö4S sich die Zunfy der jüdischen Fleischer bei der Verteidigung der Judenstadt besonders hervorgetan hat Heute besteht in Prag ein großer blühender rjlandwerkerverein, welcher im ganzen Lande Mitglieder hal. Sonst gibt es vereinzelt Handwerkervereinej in Mähren und Schlesien, namentlich in den an Galizien angrenzenden Gegenden. In der ungarischen Reichshälfte mit ihfer starken jüdischen Bevölkerung stehen die Verhältnisse dejs jüdischen Handwerkerstandes ähnlich wie in Galizien. In dem vom Krieg so blutig heimgesuchten Galizien wird es nach dem Frieden noch lange dauern bis sie glücklichen Standesgenossen dort wieder zusanun . und soweit erholt haben, daß sie ihre alten Standesvereine wieder aufleben lassen können. Der Ruf nach einer engen brüderlichen Verbindung jüdischer Handwerker in den treu verbündeten Kaiserreichen darf nicht mehr verhallen. Wir müssen diesen! Gedanken wach erhalten und in der unserer Bewegung wohlmeinenden Presse propagieren. Mögen unsere Feinde bald niedergerungen und ein segensreicher Friede uns beschieden sein, dann werden äich hier und drüben die jüdischen Männer der Arbe t gemein- .schaftlich zum Ausbau einer großen brüderlichen Ver einigung zusammenschließen. Mährisi h-Ostrau, am 14. Januar 1916. Julius Landes, 'Schneidermeister. Vorstandsmitglied des jüdischen Handwerker Hillsvereines in Mähr.-Ostrau. G6u erneur v. Puttkamer über die Ost judenf rage. Ai •.Tag'' 1 einem Artikel des Gouverneurs von Puttkamer im folgendes wiedergegeben: „Ich habe schon vor mehr als dreißig Jahren, wälirend eines längeren Aufenthaltes im-Gouvernemeut Witehsk. Frasje studiert.....Der Handel und das Ga diese thofwaren auf religiöser Basis hatte seineu eigenen Tempel Religfonsfunktionä/c. Noch I cuto gil t es in jeder größeren galizischen Judeiigcineinde eruen Handwerker/erein. Die j^' gewerbe sind ganz, das Handwerk zum großen Teil jüdisch. Ich habe dort unter den jungen, den Holzhandel betreibenden Juden wahre Prachtexemplare gesehen, hochgewachsene, schlanke, muskulöse und energische Menschen, die in Ihrem nicht immer ganz ungefährlichen Gewerbe vorl keiner Gefahr zurückschreckten, Makkabäergestalten. Ich habe) von jener Zeit her und auf Grund persönlicher Erlebnisse großes Interesse für den polnischen Juden empfunden, wie ich ihn dort in den Niederungen und Wäldern au der Düna gewissermaßen im Urzustände kennen gelernt habe. Diese Leute, deren Vorfahren im Mittelalter aus Deutschland ausgewandert sind, teils von den polnischen Königen gerufen, tun einen im Lande fehlenden Mittelstand zu bilden, teils vertrieben durch Judenverfolgungen, bilden einein sich abgeschlossene wohlorganisierte Sprach- und Knlturgemeinschaft, von der später mehr zu reden Gebieten sollen etwa 2 ., Millionen, im übrigen beben Rußland weitere 4 Millionen Juden vorhanden Der oben erwähnte Ursprung dieser jüdischen Bevölkerung erklärt ihre eigenartige Sprache, den Jargon, der nichts weiter als ein (wutscher Dialekt, gemischt mit hebräischen und slawischen Brocken, ist und von jedem Deutschen verstanden wird. Der Jargon ist das feste Bindeglied die Gemeinschaft, die meisten unserer Klassiker sind ir übersetzt; so bildet die Sprache wieder den Zusammen zwischen Deutschland und den Juden des Ostens, die gewissermaßen in der Diaspora lebend - - im fremden Lande und der slawischen Bevölkerung gegenüber den germanischeu Ge lanken vertreten. Trotz aller Bemühungen, sie zu russifizieren oder zu polemisieren, haben die Ostjuden mit verschwindenden Ausnahmen, im Gegensatz zu ihren Stammesgenossen im Westen Europas, Eigenart und Sprache rein crhalteiji und bilden aus diesem Grunde ein hervorragendes,- nicht zu unterschätzendes Bollwerk gegen| das Russentum und die Gefahr des Ostens. Es liegt somit auf der Hand, daß wir ein erhebliches Interesse daran haben, die Judenschaft des Ostens als solche zu erhalten und ihr erträgliche Lebensbedingungen zu schaffen; auch können wir uns nur so vor einer andernfalls unausbleiblichen Masseneinwanderung polnischer Juden schützen, die doch gewiß recht unerwünscht sein würde. Mit der Staatsbürger!ichen Gleichberechtigung wird sich sehr rasch ein Aufschwung des jüdischen Volkes zu höherer Bildung vollziehen. Und da reicht der nicht entwicklungsfähige Jargon nicht aus, der wohl für die Volksschule genügt, aber sicherlich schon in den Mittelschulen durch eine zivilisierte Sprache ersetzt werden muß. ■ Es bleibt also nur die Wahl zwischen Deutsch und Polnisch,— und unser Interesse verlangt da gebieterisch die Überleitung der jüdischen Volksschule aus dem Jargon in das Deutsche. Nicht plötzlich und auf einmal kann sich diese Wandjung vollziehen, denn die Menge des Volkes hängt mit großer Liebe wie an religiösen Ueberlieferungen auch am Jargon; aber allmählich und naturgemäß wird sich mit höherer Fildung auch das'Bedürfnis nach der neuen Ausdrucksform entwickeln. j Hierfür vorzusorgen, wird eine der vornehmsten Aufgaben des neuen Staates sein. Als einfachstes Mittel j zur Erreichung dieses Zieles erscheint die Einrichtung von Matrikeln und zwar für alle nationalen MinderheitetJ — nach Analogie der Konsulatsmatrikel, wie sie schon der österreichische Reichsratsabgeordnete Renner (vorgeschlagen hat, um die Nationalitätenkämpfe in dem gemeinschaftlichen Landtage zu verhüten. Jedem geschlossenen Volksbestandteil soll hiernach vollkommen Autonomie in allen Sprach- und Kulturangelegenheiteu gegeben werden, zu welchem Zwecke die Eintragung in die Matrikel erfolgt. Da die Mitglieder euer Matrikel eine Sprachgemeinschaft bilden, regeln! sie örtlich das Volksschulwesen;-mehrere örtliche Gemeinschaften w[erderf~pu einem „Kreise" zusammengefaßt, dem die SoVge sehr wird. . * Millionen, In im den okkup erten eufopäsein. eicht für ihn taug

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