Mannheim
Compact Memory

Handwerk und Gewerbe · 1915-09-01 · 1. u. 2. September-Heft · p. Seite 191

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
8 (1915)
Issue
1. u. 2. September-Heft
Date
1915-09-01
Page
Seite 191 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4883069-5771066-5771118--112-4883577
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1. ü. 2. September-Heft IANDWERK UNI) GEWERBE 91 einen eventuell eintreffenden Zug mit Flüchtlingen zu erwarten. (Nebenbei sei bemerkt, dafi man vielen Juden gestattete, in Riga auszusteigen, | und sie in Frachtwagen weiter transportierte, ohne den Ankunftsort anzugeben. In vielen Fällen hielten sie 4 5 Tage lauf kleinen Stationen, ohne daß sie den Wagen verlassen durften.) Es traf auch gleich darauf ein Zug ein, aus dem -ein erschütterndes Gejammer erscholl. Als wir die Wagentüren öffneten, erblickten wir eine Gruppe alter Juden in Tallis und Tefillin, des „Mussaf'-Gebet Verrichtend, mit einem Weinen und Jammern, das nicht einmal ani Jörn Kippur seinesgleichen hat. Ein alter Rabbiner, ein ()0 jähriger Greis, in der ganzen Gegend berühmt und ein großer Gelehrter, lag auf dem Boden und konnte sichnicht einmal zum „Achtuhrgebel" aufrichten. Seine trockenen Lippen flüsterten immerforj: „Umipne chataenu galinu mearzenu" („Wegen unserer Sünden wurden wir aus unserem Lande verbannt" . [ ) Das Bild machte auf uns einen derart erschütternden Eindruck, daß ich darauf eine Woche lang krank darniederlag. ' , Demgegenüber war aber auch die Hilfstätigkeit von jüdischer Seite eine beispiellose. In Riga arbeitete das Hilfskomitee in . einer Weisle, daß es einem Juden, der es nicht miterlebt hat, unglaublich erschiene. Das Komitee* hat nicht allein Geldbeträge, sondern, auch Kleidungsstücke und Nahrungsmittel verteilt. Ein Jeder gab mehr, als er konnte, und außerdem arbeiteten alle Tag und Nacht mit. Jüdische Schuhmacher verfertigten Schuhe, Schneider Kleidungsstücke für die Flüchtlinge, Tischler arbeiteten an den Wohnungseinrichtungen usw. Es war dies unser einziger Trost im Elend". Tangermünde. Bei der Unterbringung jüdischer Arbeiter aus den besetzten Teilen Russisch - Polens, einer Aufgabe, die aus einer Reihe von Gründen recht schwer ist, ist es gelungen, hier 220 Arbeitern in der Zuckerindustrie Beschäftigung zu verschaffen. Die Arbeiter sind nach getroffener kontraktlicher Vereinbarung am Sabbat und den jüdischen Feiertagen von der Arbeit dispensiert.. Konstantinopel. Der Sultan ließ durch den ersten Kanzler Tewfik Bey und den ersten Sekretär/Fuad Bey dem Großrabbiner und durch ihn der jüdischen Bevölkerung seine Grüße übermitteln und seine Freude über die Anhänglichkeit der Juden zu Thron und Vaterland aussprechen^ die sich in so treuer Weise während dieses Krieges, insbesondere aber auch während seiner Erkrankung gezeigt habe. Ein türkischer Prinz! über die I Juden in der Türkei. Prinz Faud, der Flügeladjutant des! türkischen Sultan hat in einem Gespräch mit einem ungarischen Journalisten die Meinung ausgesprochen, daß die Türkei die großen Verdienste der jüdischen Bevölkerung um das Land anerkennt. Mit größter Begeisterung ziehen sie in den Kampf und gehören zu den tapfersten Soldaten der Armee. Die „Jüdische Legion", welche auf den Dardanellen operiert, verrichtet wahre Wunder. Der Kommandant der Legion, ein türkischer,, Jude, bekam den Hauptmannstitel und eine Auszeichnung, in den übrigen Militärteilen kämpfen die Juden zusammen mit anderen ausgezeichnet. Die türkischen Militärbeamten machen daher keinen Unterschied zwischen jüdischen und nichtjüdischen Soldaten. Das Gleiche kann hinsichtlich der jüdischen Zivilbevölkerung gesagt werden, welche im jetzigen schweren Moment opferwillig dem Lande hilft, so viel sie nur vermag. Die jüdischen Bestrebungen in Palästina sind gut bekannt; niemand zweifelt an dem Patriotismus der türkischen Juden. Ich muß bekennen, daß es eine Zeit gab, in der unsere Regierung mit der jüdischen Bevölkerung nicht einverstanden war und auch nicht gegen die arabischen Stämme, die sich schlecht gegen die Juden verhielten, auftreten konnte. Jetzt befindet sich bei unserer Regierung ein Memorandum, das gewisse jüdische Kreise eingereicht haben und bis jetzt noch nicht beantwortet wurde. Man darP. aber hoffen, dali günstig sein wird. Die voll in die Zukunft hl' der Ausgang dieser Angelegenheit Juden der Türkei können vcrjtraijiQns-;kcn. ^"iC'Ci'C'n&Cm^C'C'C i Unter n Äi'r,'*'is.i|i."'C''*'''ii'i~''ir'i.T *•'lÄlhTlHIII|l^l~'lS^"'C,^"|',4'l'"|,'-' laltungsteil i'ail"'iasd'iiii«^~'C^.*.',ri<|!rMiS|c, Vloses. Von Auge Auf Nebos Höhen Sonne fiat sein Haar Furchen in seine Wangen kraftvoll und sein die weite Landschaft, war,' als sehe er mehr die grünenden Fluren wechselten, es schien, eine Zukunft, nebelig die weit, weit unten Bilde verschmolz. und Fl uhd diej öde Wüste, die mit :i eindri als wollte sein Auge und unklar wie die üußerst: Ferne, Horizont zu einen) undeut chen am I! d;r nur s e Ein reiches Leben der Tod. In seiner verachteten Volke königlichem Hofe des weisesten Volkes Vornehmsten des ersteh das Vieh in der Wüsjent in dem Alter, da die sehnen, des Treibens eigentlichen Lebenswer gene nur Vorbereitun viele Jahre hindurch gewesen, eines Volke und deren Wenige des Landes, in dem widerspenstiges Volk, und wider den Stachel Aber auch ein edles großen Väter bell leuchjtete in der Ferne dämmerten an die Schwelle des schichte beginnen sol einen Vollreifen Baum, eingesetzt, eine Pflanzung schlagen hatte, uud wachsen, ihre Zweig» r Blätter. und Bliuue^/}e Und er, der wußte, gehrte den Schleier wie sein Gedeihen Zeichen, das ihm sageh sich so brennend sehn:e Antw ort d(r Aber keine Höhen, der sein Leber hatte. Keine Decke aber während er so danken mit Dank in der Zukunft weilten, und hielt seine Schläge nieder, das Auge schlqß seinen treuen Diener war, ehe sein Auge ehe ein drückendes AI mat ') Einleitung zu den im Verlag iL. Ludwig U Holger Jahn.*) SWS C'i Sorr) s saß qin Greis. Vieler gebleicht, manches Wirrte i gegraben, aber seine Gestalt klar. Ruhig glitt s:in ie sich vor ihm ausbreitete, als die! Bergeshänge Bl ck ab iB$ •3 =i iti!« tragen wfelche Gefahren ihm drohten, um zu ssin Zukunft zu lüften, würde, er suchtje nach konnte,, was zu scha aen sein« wurde dem Altai auf Nebos hinter sich und den Tod vor sich wu^de vor seinen Blicken im Bergeshang saß der Vergangenheit, »erührte Gotteshand sollte, er besehen, einem Seele fortgen o mmettf ind seire Gemit Glaub eise sein en in Herz Brust sich in Frieden. Still hatte Gott ibgerufen, da sein Werk vollbracht wurde und seine Kr ifte schwanden, er den Gewaltigen beugte. an; sein Kopf sank auf die Still halt: Bildern aus dem alten Israel", dr i gelenk, Dresden, 1,'ios. mer Weh war über er es ulMäler, hander ngen in lag hinter dem Greist, vor ihn lag irgend hatte er,'wiewohl aus'Einem Sohnesstelle an Aegyptens war vertrajt worden mit Weisheit und hatte «ich unter den Volkes bewegt; als Mann hütete er nsamkeit am Berj;e Hotebpi und meisten Menschen sich nach Ruhe libi rdrüssig, war er erst zu seinem ( berufen, für das alles Voraipsgegangewesen. war. Und nun war er Führer und Erzieht r eines Volkes von Hirten, die in Zelten lebten, etwas begriffen von der Weisheit als Fremdlinge gelebt hatten; ein das nicht Joch, nocl Zügel | liebte lökte, der es vorwärts treiben sollte. Volk, über dem das Andenken der und dem gewaltig«: Verlies ßjungen Und nun hatte er dieses sfein Volk Landes geführt, in t em seine Gete, er hatte in seinen Boden nicht sondern einen bescheidenen Stepkling Gottes, die schon Wufz*l ge ie Jahrhunderte, hindurch langsam nach allen Seiten hin lausbreiten und endlich auch Früchte chienen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.