Mannheim
Compact Memory

Handwerk und Gewerbe · 1915-08-01 · 1. u. 2. August-Heft · p. Seite 183

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
8 (1915)
Issue
1. u. 2. August-Heft
Date
1915-08-01
Page
Seite 183 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4883069-5771066-5771114--099-4883565
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1. u. 2. August-Heft HANDWERK UNI) GEWER JE für ihr Vaterland gefallen'waren, ai.f dincm gemeinsamen, geschützten Toteiiacker ihre Ruhestätte neu zu bereiten. Jeder einzelne nahm an der Verwirklichung dieses Wunsches teil; durch den kleineu gleichen Beitrag von wenigen Pfennigen, den jeder Mann beisteuerte, wurde eine Summe zusammengebracht, durch die unter Innchaltuug aller Rechtsformen eine stille, friedliche Wiese angekauft werden konnte. Sie liegt an einem - sanften Bergesabhang, der ( inen freien Ausblick weithin über die an- und'absteigendtii Wellen der Landschaft gewährt. Alle, die, die hier und dort in ihren verstreuten Stätten geruht hatten, Freund nnd I eind, wurden nun hierher, überführt und nebeneinander, jeder in seinem Grabe, gebettet. Die Weihe des Ackers ünd an einem schönen Spätnachmittag statt, der mit seinem fümmernden Licht die niedrigen Denksteine vergoldete ilnd in den Blumen und Zweigen glänzte, welche die niedrigen Ifüge) schmückten.' Liu dichter Kreis umstand den Friedhof, neben den^öenerälen zahlreiche Offiziere und Vertretet der Mannschaften, und alle empfanden es gewiß, was dieser l'iatz erzählte von den ernsten schweren Tagen, die wir durchlebt, und von den guten Tageif die wir erhoffen. Aus den Wcihcredcn, zuerst sprach der katholische Truppenpfarrer,f danach1 ich und zum Schluß einer der evangelischen Geistlichen der Division klang dies hervor. Aber das ergreifendste Wort sprach doch der stille Friedhof selbst. - 1 Neben solch ernsten Stunden des Rückblickes und Ausblickes bringt der Lauf der Tage auch frohe, in denen nur der Oedanke der Gegenwart, nur der Augenblick den Sinn erfüllt. Auch in dieser Heiterkeit der Stunde, die nur die Stunde sieht, soll sich die Spannung lösen, mit der das Erlebte und das Erhoffte das Gemüt festhält. In einem der Dörfer, in denen ich seit Monaten regelmäßig den Gottesdienst abhalte, ist jetzt ein Soldatenheim eingerichtet, um auch bei ungünstiger Witterung Stunden der Geselligkeit zu ermöglichen, die die engen Quartiere nicht gestatten. Line geräumige Scheune ist hierzu umgewandelt, Fenster und Türen sind angebracht, Bänke und Tische sind aufgestellt, geschickte Hände haben die kahlen Wände mit Inschriften und Gemälden geschmückt. Hier blieben Wir, die die Andacht soeben vereint hatte, noch -zu geselligem Kreise für zwei Stunden, die nur zu schnell verflogen, zusammen. Es gab unter uns Vortrags- und Sangeskundige, welche altes und neu erworbenes Können im Singen und S.igen darboten, gemeinsame Lieder wechselten damit ab, e;n Glas Bier und Zigarren, für jeden sein bestimmter Teil, wurden gespendet, Gäste, die zu den' offenen Türen hereinkamen, nahmen an unserem Frohsinn teil, bis die festgesetzte Stunde an den Abschied mahnte und eine kurze Ansprache, wie sie unser Zusammensein eingeleitet hatte, so es wieder beschloß. ' I Die Gottesdienste, die ich zu Beginn nannte, uhd ebenso diese und ähnliche frohe Stunden, galten vor allem der Feier unseres Wochenfestes. Daher waren sie, nach .Möglich keit, in die Tage des Festes wie in die Tage vor ihm hineingelegt. und nach ,£ViiC,CiiCS*',& 2 Unterhaltungsteil. H fr*^!!SOfi'C>gjM>C^ Der Pfefferkuchenjunge. Von Thekla Skorra. (2. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Natterle, Natterle, back uns doch Katterle" schwirrte und summte es wie ein Bienenschwärmlein um ihn her. Sie meinten es nicht bös und wollten wohl nur ihre Lust haben. Sie ahnten gar nicht, wie das dem Einsamen weh tat Tapfer biß er die Zähne zusammen; er konnte ja st ine Körbe ZU wehren; Ende gewe Frechlinge, sich doch hastige Sprü Rathause hii konnte Natt nicht hinstellen, um ri sonst wär's mit seinen P en. Da aber wagten gerade an dem jetzt mi au seine Ware heran, c geschickt zwischen de durch und in die schmale JudengaSse auael sich retten. . Aufs Steinstufen lagen heute Arbeitstisch, [gekreuzten in seinem Lehnstuhl •» ein Gebe er erschreckt Eindringling (pratewohl sprang er über die ausgetretenen in den Laden des Schneiders Rubensohn. Da Nadel und Schere friedlich auf ,de«n hohen auf dem der fleißige die Woche! üter mit einen zu hocken pflegte. *Heute alber saß er en, braunen Sonnabendsrock auf dein cin/i.i :r. armseligen Beh.iusiu g und murmelte über, i gebeugt, andächtig vor sich hin. NiHfl fuhr B laug i e ibu:l Ach, Pf.'ffe. hen zu kaufen, leichte seitvkargje dienst nicht hin, und heute am Sc labbos kaufte el Oberhaupt nichts Da aber sprang sehe kleine Tochter Sara, die schnellet begriffen hatte, aus ihrer Ecke, in der sie über ein paar am seligen Spielsachen ges;ssen; geschwind schob sie von innen den Riegel, vor die Ladentür, daß die Umbände von craulien nicht hineinkörnte. Sie hatte ji selbst oft genug von ihnen zu leidenden: bt,und wußte, wit's tat. Ha zei; hin Mit f dankbar nac führte sie i Laden und ungekannter zeigte sie i von Vaters Zwölfjährige die Narretei sollte der Nathanael sa die dunkel hier so ganz kleinauf von immer nur bald sie ihn So seltsam in der doch Wie geborge fühlen konnte in denen Bangen nie 183 en sich zu Wen it. freien FUnd efferkuchen schnell ein paar der nscheHleerenj Afltrnarkt Nur durch! ei Fleischbänken i paar interm hinein, in die Höhe und winkte ab. ärgerlich dem störende; er Verroh eni Knabe sie an un ch wie eine Aufatmen sah der ihrer Hand. Zutraul hinein in die hialbdijmkle Stube fhi igte ihm ihr kleines R.'ich, von dem Sabbatfriede den Fremden umfing, die sie sich aus allerlei Flicken und Werkstatt zürecht >gewiekelt, und mit so gerne noch spielte, schalt; sie hatte ja polnischen Magd das dem Mädchen andäch aren, wie seine eigenen anders als die kleinen Blondinen,; die der Klosterschule her kannte; urid d cherten und sich in die Ohren tuschellt »ahen. Das-'würde Sara sicher nie tun Die trotzdem der Va feilte Mutter; me Haus besorgen ig erstaunt in die Wie war doch d faßte Scpwester dein h^utc ein Puppe Abfällen ler die er über lr und helfen. \ugen, diese er von e dochen, so heimisch wurde ihm in der engeti Stube, die wenigen Möbel geflickt und geleimt waren, n man sich doch unter solcher niederen Decke In den himmelhohen, weiten Klostergängen, war er ein kindisches Schritt nachhallte 3S geworden. jeder Dankbar schenkte er seiner neuen Freundin 4us dem ack, das er für seinen eigenen Appetit verzehren durfte] Und er wollte wiederkommen, recht, recht oft. Heute wunderten sich alle im Kloster, wie frisch und lustig der Junge angesprungen kaij; Vierzehn Jahre war der Pfftjgling nun schon durfte nach der Ordensregel nicht länger bei frauen bleiben. Gerade als die Stadtväter berieten sie ihn nun un sollten, begab sich's, daß die alt und Klosterwohin Feste Thom r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.