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Handwerk und Gewerbe · 1915-06-01 · 1. u. 2. Juni-Heft · p. Seite 167

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Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
8 (1915)
Issue
1. u. 2. Juni-Heft
Date
1915-06-01
Page
Seite 167 (sequence 9)
Language
German
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1. u. 2. Juni Heft HANDWERK UND GEWERBE 167 Kleinliche Geister Sehn Arme, Und Arme, Nichts Großes Kund uns das Und daß Du T die der Stünde leben, hochgereckt zuj Fluch und Hohn ausgestreckt um Sold und Lohn, sehen wir rings in Tun und Streben! Wunder, daß Du doch vertraust, gläubig in die Zukunft schaust." Der Meister neigt das Haupt: „Ich will's Euch sagen! Folgt mir empor! Ihr steht zu tief!" Die Schar Folgt ihm zum Kulm des Bergs. Wie göttlich klar, Wie rein di^ Gipfel in den Aether ragen! er also: „Hier lernt tiefer schauen! Ihr, der Brüder wogend Heer, Gestreckter Arme lodernd Flammenmeer, Ein Zünglein, Zucken, Flackern, Brodeln, Brauen, Ein leidenschaftlich wogend Armgewimmel, Millionen Arme, hochgereckt zum Himmel! Doch dieser Arme Glut geht nicht verloren! Seht, aus dem Brand, der diese Arme streckt Und sie verlangend oder fluchend reckt, Wird eine Wolke meinem Blick geboren; Die seh ich schwer von meines Volkes Säften. Schweben und schwellen. Schaut, im Morgenstrahl Steigt sie empor, sie füllt das ganze Tal. Die Wolke strotzt von ungenützten Kräften, Doch sie birgt Blitze] Tngt zu Tal die Kunde. - Die Wolke birst! Bald nafit die große Stunde." Hugo Salus. Seder in Feindesland. Es dürfte Sie sowohl; wie einen großen Teil Ihrer Leser interessieren, zu erfahren, daß wir auch hier in St. Quentin nach althergebrachter Sitte die Sederfeier würdig begangen haben. Gewiß war, es nicht wie zu Hause, die bekannten, lieben Gesichter fehlten, und trotzdem weilten wohl die Gedanken aller Teilnehmer gerade ah den Sederabenden doppelt zu Hause. Wohl entsann man sich: noch vor einem Jahr saßest du an diesem Abend und lauschtest andächtig, wie der Vater die Geschichte von dem Auszug der Kinder Israels erzählte, und gewiß dachte man damals nicht, daß man den nächsten Sederabend, durch den Krieg von den Seinen getrennt, weit in Feindesland verleben würde. Der Anregung unseres jüdischen Feldgeistlichen Herrn Rabbiner Dr. Levy-Berlin zufolge, hatten sich an beiden Sederabenden eine stattliche Anzahl Glaubensgenossen in dem ehemaligen Kinematographen-Theater in St. Quentin, Rue Cambrai 16, eingefunden. Durch Armeebefehl war es den irgend abkömmlichen - Soldaten, zum Teil aus der Front, erntöglicht worden, eigens zur Sederfeier nach hier zu kommen. Es waren alle Chargen vertreten, Aerzte, höhere Beamte und ein preußischer Leutnant. Anschließend an den Gottesdienst in der hiesigen kleinen Synagoge, die wohl noch nie eine so stattliche Zahl von Besuchern gesehen hat — in St. Quentin gibt es zu Rosch ha Schono sowie an Jörn Kippur in Friedenszeiten kaum Minjan — begaben sich die Teilnehmer zusammen zur gemeinsamen Sederfeier. Herr Dr. Levy las ius der Hagada vor und erklärte den andächtig lauschenden Zuhörern die schwer verständlichen Stellen, von denen er annahm, daß sie nicht so leicht begriffen wurden. Eine Freude war es, zu sehen, wie nachher den Soldaten, die zum Teil lange in den Schützengräben gelegen hatten, die Sedermahlzeit schmeckte. Ein eigenartiger Kontrast war es: der festlich erleuchtete Saal mit weißgedeckten und blumengeschmückten Tischen und die Soldaten in ihren, von vielen Strapazen zeugenden Uniformstücken. Es war eine Feier, die bei allen Beteiligten zeitlebens unvergeßlich sein wird. Dank gebührt vor allen Dingen außer Herrn Dr. Levy den beiden jüdischen Schwestern Mälly Drucker und Leoni Wolff aus Berlin, die trotz ihres ohnehin anstrengenden Dienstes bereitwilligst sie i in den Dienst der guten Sache gestellt haben. Wenn man die Speisekarte sieht, die eigens zu dem Zweck hergestel i Wurde, und von der jeder Teilnehmer ein Exemplar a s Erinnerung mitnahm, kann man sich wohl denken, daf einem) an heiße Kämpfe und Entbehrungen gewohnter Soldaten das Wasser im Munde zusammenlaufen mußte Was es alles gutes gab, können Sie aus dem beifolgende Speisezettel ersehen, und vor allem waren es die Mazze k|löße, die nur eine Stimme des Beifalls fanden. Am ersten Abend waren es etwa 75 und am zweiten Abend etwa 90 Kameraden, die. an der Feier teilnähmefi und alle waren voll. Dank gegen diejenigen, welche sie um das Gelingen des schönen Festes verdient gemacht harter Als wir uns am Schluß der Sederabende trennten, hatte eder Teilnehmer den Wunsch, die nächste Sederfeier in (reise seiner Lieben zu feiernr PESSACH-FEIER zur Zeit des y S t. Q U .Mi großer in Krieges e n t i n * I 29. und 30. .März 1915 (\4. und US, Nisan 5673) I. Sederabend Eier mit Salzwasser Suppe mit Mazzeklößen Rinderbraten mit Kartoffelbrei Kaffee — Torte 2. Sederabend Eier mit Salzwasser Rinderbraten mit Kartoffelbrei Gemüsebeilage Mazzeklöße mit Backobst Kaffee Erzherzog Peter Ferdinand über die jüdischen Soldaten. (Originalbericht der „Jüdischen Rundschau".) K. u. K. Kriegspressequartier, 25. Januar 1915. Die im Österreich-ungarischen Kriegspressequartier vereinigten Berichterstatter besuchen in kleineren Gruppen einzelne Armeeteile, um aus persönlicher Anschauung ein Bild vom Zustand der Truppen sowie von der Situation] am Kriegsschauplatz zu gewinnen. Eine solche, unter Führung des Hauptmanns Miakesch stehende Gruppe, gelangte in gen ersten Armeebereich. Ein Mitglied dieser Gruppe, ein Redakteur der Budapester Tageszeitung „A Nap", Geza Herczeg, erzählte mir von den schönen Stunden, welche er leim Divisionskommandanten Erzherzog Peter Ferdinand ■erbrachte. Da ich nicht das Glück hatte, dieser Berichterstattergruppe zugeteilt zu sein, mich führte das Los zu einem anderen Armeeteil, will ich nachstehend den Bericht neines Freundes und Kollegen vom „A Nap" der Oeffent chkeit zur Kenntnis bringen.

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