Handwerk und Gewerbe
- Journal
- Handwerk und Gewerbe
- Volume
- 8 (1915)
- Issue
- 1. u. 2. Juni-Heft
- Date
- 1915-06-01
- Page
- Seite 168 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kit} HANDWERK UND GEWERBE 1. u. 2. Juni-Heft . Ereher/og Peter Ferdinand zijjer Jaliren. Ich kann mich erinnern, daß er in Czernow Schichten der Bevölkerung leutseliger Weise verkehrte, ersten Male die jüdischen Masse,, als geschlossene Gru kenneu gelernt haben. Der Di visionär Peter Ferdinand ist4: ein ch aus Mann mein gebenen sehr beliebt; auch er mit dem! kameradschaftlic 'reichi'scU-ungprischen Armee ü Liebenswürdigkeit lud er denn erstattern zu Tisch und/ wies s neben sich ihre Plätze an. mäßigen Mables erzählte er s herigcn Kriegserfahrungen. E von der Willigkeit. TapTerkei der, ihm unterstellten Mannsch "zählte er von einem 74jährigen in den vieroch hus meiner Pennälerzeit z ditnte und1 dort mit allen gleirh liebenswürdiger und amah dürfte er auch zum taatsbürger Oesterreichs als pe. qeY Gesamtbevölkerung ist bei seinen Unteren jüngsten Leutnant spricht en „i)u", das | in der österich ist, an. Mit bezaubernder nich die Gruppe von Berichten Gästen rechts und li.nks ährürtd des einfachen feldnen Gasten von seinen bissprich voll Bewunderung und Aufopferungsfähigkeit ften. Besondeils gerührt eraltei^ Mann, der eines Tages bei der Divisjon erschienen sei und eich freiwillig gemeldet habe, mit der Begründung, dall seihe drei Söhne, sein einziges Vermöge», in dieser Division dienen, und daß er als 'alteY Spldaf es nicht» übers Here bringen könne, untätig zu Hause zu bleiben. Nun ,.dient der alte Hüttler mit seirjen iJrer Söhnen" unter einer gemeinsamen Fa|ine. „Leider habe ich den Vornamen des altan Hüittler vergessen", schloß Feldmarschall-Leutnant Peter Ferdinand seine Erzählung; ..aber das werden wir gleich wjssin" setzte er sofort hinzu, als ein bärtiger Unteroffizier die Off ziersmenage betrat, dem der Erzherzog aufi-ug, den Vornamen d<s Hüttlers zu ermitteln. Der Unteroffizier verschwand uni der Erzherzog sagte: „Ein wackerer' verläßlicher Mensch, dieser Unteroffizier, es ist ein galizischer Jude und wie Sie an seinem Barte erkennen konnten, gesetzestreu". Der Unteroffizier kam bald mit der Auskunft zurück, dali der „alte nüttler" Moritz heiße. Der Divisionär dankte für die Auskunft und sagte: „Sie sind ein braver Baal-Milchome". Die Anwesenden lächelten darüber, daß der Erzherzog einen hebräischen Ausdruck gebraucht hatte. Peter F erdinand erklärte die Bedeutung dies Wortes und es entspann sich ein allgemeines Gespräch über die Juden als Soldaten. -Ein Hauptmann erzählte von den vielen jüdischen Landsturmmännern, wfclche in traditioneller Barttracht ihren Militärdienst versehen und äußerst zuverlässig und eifrig sind. Der Erzherzog meinte darauf: „Meine Herren, es freut mich, daß sich Gelegenheit bietet, darüber zu sprechen Wollen Sie also zu Kenntnis nehmen, was für Erfahrungen ich mit meinen jüdischen Soldaten gemacht liahe. Sie sind alle außerordentlich verwendbar und sehr gjJIHMIIIIIlP IUI iilltüi HU Hll 'itliliin ||||| <ii||||ii> II | urn 1 Für die' mir unlaßlidi mt wiegcnen Aufmerksamkeiten § wansche. die mir von nah ai\s dem Kreise meiner Haiidw %-gangCn siiid, ^spreche teh wür/isten und innigsten Dank I es mir audi weiterhin vergönnt f meines Alters insbesondere? unseres . Zentralvcrhandes i! ines Ehrentage^ er- sowie für die Öflüeks / fern insbesondere § erksbrüder zugS- §= jiermit allen meinen 1. f . J. j BERLIN, den X fitni 1915 illll »IIIIIIK llllr'illllllHIII.....Ith' IUI millin Hill 'HIHIIH Hill Annoncen-Annahme und Verlag : Dr. Bäsch & Co., G; m. b. H., Redaktion: Dr. Car Bäsch, Wilmersdorf D " IIm'IIII 'Hllllli' IUI 'illllii' III »Hlllin HUI aus und hoff eh da sein wird, 'trOi f.s tz ±. für, die Interessen uuernd einzutreten: Söwehstein. i illlllli'HI|Millllii' Hll<nl|||ih||||MiiNiii ums tapfer. Die Juden haben sich in meiner Division heldenhaft geschlagen und ich bin mit ihnen sehr zufriedenf': Die rückhaltlose Anerkennung aus so berufenem Munde gereicht dem jüdischen Soldaten zur Ehre und freudigen Genugtuung. Nicht minder werden sich die vielen Hunderttausende jüdischer Flüchtlinge freuen, daß ihre Brüder die bedrohte Freiheit ihrer Heimat so wacker verteidigen helfen. M. Waldmatin. I .' go«g»a^oc>gNa5<gs&^ t iißiii Bücherschau, illllii 1 w«0«N&Oapi,25,C> - ^-'CO'ÄOOCi -,'"iB<OiB"Ji,|ö. Kriegsbriete deutscher und österreichischer Juden. Herausgegeben von Dr. Eugen Tannenbaum. IV plus 192 Seiten. Gewicht 230 Gramm. Preis 2,50 Mk. gebunden. Neuer Verlag, Berlin W 15, S^chsischestrasse 8. Daß eine Sammlung von Feldpostbriefen jüdischer Soldaten jetzt erst erscheint ist eigentlich verwunderlich. Bilden doch die Juden eine so ausgesprochene Gemeinschaft, |daß es höchst reizvoll sein muß, zu sehen, wie sie als Soldaten, Bürger und Juden auf die gewaltigen Erlebnisse des Krieges reagieren. Aufschlüsse darüber gewährt die vorliegende Sammlung. Sie enthält 64 Briefe aus Frankreich, Belgien, England, Ostpreußen, Russisch-Polen, Galizien, Bosnienlind Serbien, die einen Zeitraum von vollen acht Kriegsmonaten umfassen. Bunt wie die Herkunft der Schreiber — sie (gehören allen Schichten und Berufen, allen religiösen ijind politischen Richtungen an, die die Judenheit nur kennt ist auch der Inhalt. Sie schildern alle möglichen militärischen Situationen, von der Einkleidung des Rekruten bis zum Krachen der Schrappnells in offener Feldschlacht. Wir lesen den Abschiedsbrief des kleinen jüdischen Viehhändlers, Vater von sieben Kindern. Er hat sich mit sich und seinen Artgehörigen beraten und ist auf die Stimme seiner Mutter gegangen. „Ich bin", sagt er, „die fünf Bücher Moses durchgegangen, ich habe mich in dieGeschichte von Abraham, Mosche, Jehoschua, Debora, den Richtern und den Makkabäern zwei Nächte lang vertieft, und ich kam zu dem Schluß, daß wir unter allen Umständen unser Vaterland, unsere Familie, unseren Glauben schützen müssen". Wir hören von dem fast beschaulichen Leben in einer kleinen Garnison und von kühnen Ritten, vom Eisernen Kreuz, vom Leben in englischer Gefangenschaft und vom Gottesdienst am Versöhnungstag in einer katholischen Kirche. ' Daß dpr Schützengraben eine grosse Rolle spielt, braucht wohl nicht gesagt zu werden. Mancher Schreiber lebt nicht mehr. S|o der österreichische Leutnant Alfred Kraus, der kurz naqh Abgang seines enthusiastischen Briefes „im serbischen Urwald" einer Kugel erlag. - Die meisten Briefe berühren durch ihren frischen Ton. Es fehlt auch nicht der spezifisch-? jüdische Humor in seiner ätzenden Form („Rekrutenleben't)'; wie auch als Galgenhumor (Ein „anständiges" Schrappnell). j Die Originale zweier Briefe sind jiddisch und mit hebrä^ ischen Buchstaben geschrieben. Der eine ist klischiert und übersetzt, der andere mit deutschen Lettern transkribiert und mit' Fußnoten versehen, die das Verständnis erleichtern. -4 Da der Krieg mit den großen jüdischen Feiertagen zu« sammenfiel, kommt die religiöse Note und das Solidaritätsgefühl für die jüdische Gemeinschaft sehr stark zur Geltung. Den Tod im Auge, hat mancher Jude an den ernsten Tagen, am Roschhaschonoh und Jörn Kippur alte Zusammenhänge ganz anders empfunden, als es die seelische Lässigkeit sonst erlaubt. Aber auch die heiteren Tage der Chanukah-'-und Peßachwoche bleiben nicht vergessen. Die Erzählungen von den Chanukahfeiern im Schützengraben und dem Kriegsseder gehören vielleicht zu den anziehendsten Seiten des Buches.' rlin-Wilmersdorf, Nassaüische Str. 24. - Verantwortlich für die V: D. Feilchenfeld, Berlin SW 19, Beuthstr. 19. . U ' ' .