Handwerk und Gewerbe
- Journal
- Handwerk und Gewerbe
- Volume
- 8 (1915)
- Issue
- 1. u. 2. Mai-Heft
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 157 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1. u. 2. Mai-Heft um 6 Uhr: HANDWERK UND GEWERBE 15 (vor en Dr. tfter: Sternwarte Treptow Eingang), bis ' ,8 Uhr: Besichtigung des Astronomis Museums Anschließend:. Vortrag des Herrn Dir Archenhold: Mars und seine Kanal Mit Beginn des Dunkelwerdens bei klarem We Beobachtungen mit dem großen Fernrohr.. . Teilnehmerkarten: (Vorzugspreis) 80 Pfg. (atistatt 2 Mk.), zu beziehen dunh die Herren Vorstandsmiiglileder. An der Kasse bei Nenni ng unseres Vereinsnamens f Mk. Die Karten behalten auch zu jedefn anderen Abend] ihjre volle Gültigkeit'. Wir laden unsere Mitglieder hierzu freundlichst und erwarten zahlreiche Beteiligung. Der Vorstand i. V.: Max Silbertferg, II. Vorsitzender An der Spandauer Brücke 6. ein Unsere Generalversammlung am 12. April, die lieider nur mäßig besucht war, hitte sich in der Hauptsache mit den neu bearbeiteten Satzungen zu beschäftigen. Die gesamten 42 Paragraphen; fanden die Zustimmu ig der Versammlung. Nur geringfügige Zusätze wurden noch gemacht. Die Anträge dies Herrn Gutheim sind zum großen Teil darin berücksichtigt worden. Die Wahl des Vorstandes wurde durch Akklamation erledigt. D;r Vorsitzende brachte hierauf ejinige Schreiben zur Verlesung und übermittelte herzliche Grüße des,ersten Vorsiizenden Herrn Louis Wolff. Sodann teilte Herr Silberberg mit, daß am 14. März eine vertrauliche Besprechung zwecks Gründung einer Kreditgenossenschaftskasse, statt» nd, die von Herrn Rabb. Dr. Jacobus, Magdeburg, einberufen war und an der auch eini je Herren unseres Vere ns teilgenommen hatten. Greifbare Formen hat diese Zusammenkunft leider nicht gezeitigt, obwohl die Notwendigkeit einer solchen Gründung nach den klärenden Ausführungen des Herrn Willy Marcus von allen Teilnehmern anerkannt wurde. Einige Herren sind denn aucr mit der Beschaffung des entsprech jnden Materials1 betraut worden. Herr Willy Marcus hat infolge seiner bevorstehenden Einberufung zum Heere die dort zum Ausdruck gebrachten Gedanken schriftlich niedergelegt und diese . Herrn Dr. Jacobus übersandt. Eine Abschrift davon hat er auch uns in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt. Diese kommt sodann zur Verlesung. Nachstehend geben wir den Wortlaut wieder: Sehr gecjhrte Herren! Als wir unsere erste Besprechung hatten, waren Sie alle mit mir überzeugt, daß es unbedingt notwe ndig ist, in irgend einer Art Mittel und Wege zu schafften, dem Mittelstand nicht nur wählend des Krieges, sondern auch darüber hinaus zu helfen, um so auch an seiner Erhaltung . beizutragen. Gestatten Sie mir noch einmal Ihnen zuerst die unbedingte Notwendigkeit tiier eingreifen zu müssen, zu beweisen. Schon vor Beginn des Krieges waren verschiedene Kreise des Mitte Standes durch die schwankende Konjunktur i nd die Erwerbsverhältnisse gezwungen, sich durch aufzunehmende Kredite über Wasser zu halten. Dieser Zustand hat sich aber seit Beginn und durch die lange Dauer des Krieges bedeutend verschlimmert. Während zu Beginn desselben immerhin noch etwas Arbeitsgelegenheit, vor allem durch Aufarbeiten der alten Aufträge vorhanden war tat dieses durch die Länge des Krieges mit Ausnahme eini ger Branchen (Schneider, Sattler, Schuhmacher), die mit Heeresbedarfslieferungen beschäftigt sind, zum größten Teil aufgehört Ferner haben diejenig en, die zu Beginn des Krieges und bis heute einberufen sind enorme Verluste erlitten, die durch die weitere Einberufung immer größer werden, -''zumal ein Ende des Krieges noch gar nicht abzusehen ist. Nicht allein, daß allen an diesen Vierhältnissen Beteiligter die Existenz, die sie sich mühsam in jahrelanger Arbei 'aufgebaut haben, verloren geht, und sie den größten Tei ihres Vermögens einbüßen, siel stehen auch vor der großen Gefahr nach Beendigung des Krieges aller Mitte beraubt zu.sein, die zu einer neuen1 Existenz notwendig sind, sollte eben nicht von Kreisen, die dazu berufen' zeitig genug'etwas geschaffen Verden, diesen Zustand zu verhinderii. Es ist eine nicht zu bestreitende Tatsache, daß aus den Ihnen 'aufgeführten und Ihnen zum größten Teil bekannten Gründen der Mittelstand am meisten gefährdet dasteht. Während für Großbetriebe und Unternehmer eine ganze Anzahl von Maßnahmen, so die Kriegsdarlehnskasse, Beleihung von Buchforderungen usw. zu ihrer Hilfe getroffen sinef, während füit die Arbeiterklasse durch Staats- und Gemeindebehörden,|gesorgt wird, sind besondere Maßnahmen für die Fürsorge des Mittelstandes bisher noch nicht geschaffen. Ich begrüße es daher mit Freuden, daß sich Herren aus [allen Kreisen zusammengefunden haben um hier helfend einzugreifen, um so wenigstens den jüdischen Mittelstand von seinem Untergang zu retten. Nun komme ich zum Kenpunkt der indem ich frage, wie und auf welche kann nun geholfen werden. Zwei Wege wurden bei unserer erörtert. Die Gründung einer einer Kriegsdarlehns-Akt.-Ges. ganzen Art und Sache Weise ersten, Besprechung Kreditgenossenschaft oder Ich möchte nun für Korn-, binierung beider Gedanken unter folgender Begründung eintreten: i Es war uns allen sehr überrascht, daß gerade die Herren der Chevra Kadfscha zuerst dieses Problem in die Hand nahmen und die Ausführungen des Herrn Dr. Jacobus .haben mich überzeigt, daß es sich bei alledem nicht nur darum handelt dem jüdischen Mittelstand zu helfen, sondern auch ein neues Band zu knüpfen: Glaubensgenossen untereinander nahe ::u bringen, ihnen als solche zu helfen, und mit dieser.Gründung auch etwas Jüdisches zu schaffen. Hierbei ist es zunächst e nerlei, ob die Idee von der Chevra Kadischa oder einer anderen jüdischen Institution ausgeht. Die Hauptsache ist, daß bedürftigen und bedrängten Glaubensgenossen zu rechter Zeit auf anständige Art und Weise geholfen wird. Um aber das jüdische Banc hierbei zu'erhalten, erscheint mir die Gründung einer Kriegdarlehns-Akt.-Ges. ganz und gar unangebracht und ungeeignet, so sehr verlockend im ersten Augenblick die leichte Art der Gründung und Kreditbeschaffung ist. Abgesehen davon, daß es immerhin zweifelhaft erscheint, ob sich genügend Kapitalisten für ein derartiges Unternehmen finden werden. Auch die Gründung einer Genossens :haft von kreditbedürftigen Glaubensgenossen selbst, wi rde, so sehr ich die Selbsthilfe hierbei begrüßen würd«:, den Keim des Verfalls in sich tragen, weil die durch die Mitglieder eingezahlten Ansprüchen stehen zu den :u schwerlich zu beschaffen . haben betont, daß die wohlerster Reihe dazu berufen sind Erwägungen schlage ich (en Gelder in keinem Verhältnis würden und Bankkredite da sein werden. Sie selbst, meine Herrer habenden jüdischen Kreise in hier zu helfen, und aus die folgendes vor: jJ Wir gründen eine Kreditgenossenschaft zu der entweder die Jüdische Gemeinde oder andere Vereine, oder Philantropen ein genügendes Kapital mit' mäßiger Verzinsung zur Verfügung stellen. Die Mitglieder nehmen hierzu Anteile in einer noch zu bestimmenden Höhe. Durch diese und die Haftsumme ist die Sicherheit für die zur Verfügung gestellten Beträge gewährleistet. Hierbei ergänzen sich beide Teile,: indem die erstgenannten Kreise etwas für ihre Glaubensgenossen selbst,stark an der guten Entwickelung dieser Genossen schaffen und die Mitglieder