Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 30 (1938)
- Issue
- 10 (10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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zu «teilen. Aber alle Teilnehmer der Tagung waren sich der Notwendigkeit und der hohen Bedeutung ihrer Arbeit für die Jüdische Gemeinschaft voH bewußt. Die sociale Arbeit steht heute mehr denn Je Im Brennpunkt des gesamten Jüdischen Lebens. Um so mehr wurde es daher bedauert, daß nun auch einer der besten Männer, die auf diesem Gebiete bisher führend und wegweisend tatig waren, Dr. GeorgLubinski, Deutschland verläßt, um seine Arbelt in Palästina fortzusetzen. Seine wertvollen Leistungen auf dem Gebiete der Berufslenkung und Berufsausbildung sowie auf dem der gesamten Jüdischen Wohlfahrtspflege werden von allen, die als Mitarbeiter auf diesem Gebiet tätig sind, dankbar anerkannt. Die für den jüdischen Mittelstand überaus wichtigen Fragen der Kredithilfe wurden in einer besonderen Besprechung der . Leiter und Mitarbeiter Jüdischer Darlehnskassen erörtert. Dr. Bruno Mendeisohn behandelte in seinem Referat namentlich die neuen Aufgaben, die sich bei der Liquidierung von Betrieben ergeben. Zu ihrer Lösung ist häufig eine Kredithilfe nötig. Daneben ist natürlich ganz allgemein das Bedürfnis für Institutionen produktiver Wirtschaftshilfe und Kreditfürsorge gewachsen. Im Rahmen der verfügbaren Mittel wird versucht, möglichst viele Jüdische Menschen in dem Bemühen um Erhaltung Ihrer Substanz zu unterstützen. Denn die beste und darum auch die billigste Sozialfürsorge ist die Hilfe zur Behauptung einer, sei es auch noch so bescheidenen Existenz, und wenn das nicht möglich ist, zur Erhaltung der für die Auswanderung erforderlichen Mittel So sind in den Beratungen der Sozialarbeiter alle brennenden Fragen Jüdischer Not und jüdischer Hilfsbedürftigkeit eingehend besprochen worden. Soweit keine voll befriedigende Lösung gefunden werden kann, wird versucht werden, mit den vorhandenen Mitteln möglichst, hohe Leistungen zu erzielen. Diese Leistungen werden um so mehr gesteigert werden können, in je höherem Maße es gelingt, weitere und zusätzliche Mittel für die Linderung sozialer Not zum Einsatz zu bringen. Jüdische Winterhilfe Organisation Der Herr Reichsbeauftragte für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes hat angeordnet, daß die Sammlung und die Betreuung für die Winterhilfe unter den Juden durch uns selbst, wie in den Vorjahren, durchgeführt werden. Als monatliches Pflichtopfer ist mit Genehmigung des Herrn Reichsbeauftragten für das Winterhilf swerk des Deutschen Volkes neben den regelmäßigen Sammlungen, im Hause (Eintopfspende, Haussammlung, Pfundspende) festgesetzt: a) Lohn- und Gehaltsempfänger zahlen während der sechsmonatigen Dauer des Winterhilfswerks 1938/39 (1. Oktober 1938 bis 31. März 1939) monatlich mindestens 10% der abgeführten Lohnsteuer, mindestens RM 0,25 monatlich. b) Lohn-und Gehaltsempfänger, die wegen ihres geringen Einkommens nicht herangezogen werden, entrichten ein Opfer von monatlich 25 Pfennigen. c) F es t b es o 1 d e t e, die neben ihrer Lohnsteuerleistung noch zur Einkommensteuer veranlagt werden, entrichten neben ihrer monatlichen Spende in Höhe von mindestens 10% ihrer Lohnsteuer ein monatliches Opfer in Höhe von 1% ihres für das Jahr 1937 veranlagten Einkommensteuerbetrages an die Jüdische Winterhilfe, soweit die Steuerschuld nicht durch Lohnabzug getilgt wird. Diese 1% werden also lediglich von der Einkommensteuerschuld errechnet, die durch Vorauszahlung und die Abschlußzahlung getilgt worden Ist, mindestens RM 1,— monatlich. d) Gewerbetreibende und Angehörige freier Berufe, sowie sonstige Einkommenbezieher, die zur Einkommensteuer veranlagt werden, entrichten monatlich ein Opfer in Höhe von 1% des für das Jahr 1937 veranlagten Einkommensteuerbetrages an die Jüdische Winterhilfe, mindestens RM 1,— monatlich. e) Inhaber von offenen Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften entrichten monatlich 1% des für das Jahr 1937 veranlagten Einkommensteuerbetrages an die Jüdische Winterhilfe, mindestens RM 1,— monatlich f) Gewerbetreibende und Angehörige freier Berufe, sowie sonstige Einkommenbezieher, die nicht zur Einkommensteuer veränlagt werden, opfern einen Betrag von mindestens Ml 1,— monatlich während der Dauer der Winterhilfe. g) Personen, die nur zur Vermögenssteuer, nicht aber zur Einkommensteuer veranlagt sind, entrichten monatlich ein Opfer in Höhe von 1% des für das Jahr 1937 veranlagten Vermögensteuerbetrages an die Jüdische Winterhilfe. Personen, die sowohl zur Einkommenals auch zur Vermögenssteuer veranlagt sind, entrichten 1% des veranlagten Vermögenssteuerbetrages, wenn die auf dieser Grundlage errechnete Summe höher ist als der auf Grund der Einkorrynensteuerveranlagung zu errechnende Betrag, mindestens RM 1,— monatlich. Für Familien aus Mischehen zwischen Deutschblütigen und Juden ist die Jüdische Winterhilfe sowohl in der Sammlung von Geldspenden als auch in der Betreuung zuständig, wenn der Haushaltungsvorstand Jude im Sinne des Reichsbürgergesetzes ist Unterstützungsanträge für die Jüdische Winterhilfe Am Mittwoch, dem 12. Oktober hat in allen Bezirks- und Zweigstellen der Jüdischen Winterhilfe die Annahme der Unterstützungsanträge begonnen. Die Anschriften der einzelnen Stellen sind aus den im „Jüd. Gemeindeblatt" veröffentlichten Bekanntmachungen zu ersehen. Bei der Anmeldung sind unbedingt mitzubringen:" Polizeiliche Anmeldung, Mietsvertrag, Stempelkarte, Steuerbescheide und Rentnerausweise. Eröffnungsfeier Die Jüdische Winterhilfe zu Berlin begann am 9. Oktober das vierte Jahr ihrer Tätigkeit mit einer stark besuchten Eröffnungsfeier in der Synagoge Prinzregentenstraße. Die im Mittelpunkt der Feier stehenden Ansprachen des Präsidenten der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Rabbiner Dr. Leo Baeck und des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Direktor Heinrich Stahl wurden von einem musikalischen Teil umrahmt Das Orchester des Jüdischen Kulturbundes Berlin unter Leitung von Rudolf Schwarz und die Sängerin Ruth Kisch-Arndt, Köln, trugen durch ausgezeichnete Leistungen dazu bei, die Feier , eindrucksvoll zu. gestalten. Rabbiner Dr. Baeck gab in seiner Ansprache dem Dank an die Geber Ausdruck, die in den vergangenen Jahren der Jüdischen Winterhilfe zu so außergewöhnlich großen Erfolgen verholten haben, und dankte ebenso auch allen denen, die das Geben lenkten und ordneten. Die Leistungen der ersten drei Jahre konnten nicht besser und treffender gekennzeichnet werden als durch die Feststellung Dr. Baecks, daß sie das größte Werk in der Geschichte jüdlscherSozlalarbeit darstellen. 3K Millionen #M seien im letzten Winter aufgebracht worden. Aber abgesehen von diesem äußeren Erfolge, liege die besondere Bedeutung der Jüdischen Winterhilfe; so führte der Redner aus, In Ihrer seelischen Einwirkung auf die Geber wie auf diejenigen, denen geholfen werden konnte. Innerlich aufrecht bleiben, die innere Sicherheit bewahren, das sei heute die Forderung, von deren Erfüllung alles abhänge. Wer gibt und hilft, der erhalte sich dadurch eine innere Gewißheit, die ihn stärkt und erhebt. Diese Gewißheit allein aber könne die Juden von heute vor der Gefahr der Vereinsamung und Isolierung bewahren. Dr. Baeck wies dann auf die große Zahl der alleinstehenden jüdischen Menschen hin, die heute die größte Gruppe unter den Unterstützten bildeten. Ihnen gebe die Jüdische Winterhilfe das Bewußtsein, daß sie in Wirklichkeit nicht vereinsamt und verlassen sind, sondern von der jüdischen Gesamtheit, zu der sie gehören, nach Kräften gestützt werden. Die Ansprache klang in die Mahnung aus, im Helfen zusammenzustehen. Dann werde die Jüdische Winterhilfe zum Segen für die Empfangenden wie für die Gebenden werden. Direktor Stahl gab eine Uebersicht über die Leistungen der Winterhilfe in den ersten drei Jahren ihrer Wirksamkeit und betonte nachdrücklichst, daß das Jahr 1938/39 die Organisation und die Helfer vor unendlich schwerere Aufgaben als die bisherigen stellen werde. Unter den unzähligen jüdischen Menschen, die in den letzten Monaten ihren Erwerb verloren haben, seien viele, die bisher zu den Gebenden gehört haben, und die sich nun künftig als Nehmende würden melden müssen. Die Zahl der großen Spender habe sich verkleinert. Diese Schwierigkeiten und Hemmungen könnten nur dadurch überwunden werden, daß jeder noch größere Opferwilligkeit als in den letzten Jahren zeige, und daß sich immernoch mehr Helfer in den Dienst der Jüdischen Winterhilfe stellen. Damit der wachsenden Zafil der Jüdischen Menschen, die in Not sind, geholfen werde weiterzuleben, sei jeder Jude und jede Jüdin, die noch in der Lage dazu sind, in diesem Winter verpflichtet, nicht nur zu spenden, sondern zu opfern. Der Redner wies dann noch auf die große Zahl der Lieferanten hin, die durch die Jüdische Winterhilfe Arbeit und Aufträge erhalten, und teilte mit daß hinsichtlich der äußeren Form der Sammlungen und auch der Unterstützungsleistungen einige Aenderungen gegenüber den' früheren Jahren notwendig geworden seien. Am Schluß seiner Ausführungen betonte er besonders, daß fortan alle anderen Sammlungen gegenüber denen der Jüdischen Winterhilfe zurückstehen müßten und mahnte eindringlichst zu opferwilliger, konzentrierter Zusammenarbeit im Dienste des großen sozialen Jüdischen Winterhilfswerks 1938/39. Juristische Sprechstunde Jeden Montag, 6 bis 8 Uhr, Oranienstraße 61, I (direkt am Morltiplatz). Jeden Mittwoch, 4 blt 5 Uhr, Nachodstraße 8, In der Geschäftsstelle. 6