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Der jüdische Handwerker · 1938-10-01 · 10 (10.1938) · p. Seite 4

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
10 (10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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hochindustrialisierten Landern nicht mit ausreichendem Erfolg bearbeitet werden können. Ferner hat sie sich das weitere Ziel gesetzt, die Einfuhr von Verbrauchsgütern möglichst zu vermindern und die Einfuhrwaren durch Erzeugnisse der eigenen Industrien zu ersetzen. An Stelle der bisherigen Einfuhr von Verbrauchsgütern sollen mehr Produktionsgüter, also Maschinen aller Art u. a., importiert werden. Auf diese Weise hofft man, eine Verminderung des Handelsaustausches Brasiliens mit den Industrieländern und damit auch eine Verminderung der Ausfuhr brasilianischer Rohstoffe vermeiden zu können. Wenn es auf diese Weise gelingt, die Hindernisse, die einer Expansion der brasilianischen Industrien zur Zelt entgegenstehen, zu Uberwinden, oder wenigstens ihre Auswirkung für die Wirtschaft Brasiliens abzuschwächen, so >lMk Brasilien als erster der südamerikanischen Staaten die schwierige Aufgabe lösen, an die Rohstofferzeugung des Landes eine möglichst umfangreiche Industrielle Rohstoffver-. arbeitung anzugliedern, ohne daß dadurch die Rohstoffausfuhr wesentlich beeinträchtigt wird. Eine befriedigende Lösung dieser Aufgabe kann und wird dann zu e.ner grundlegenden Veränderung der Wirtschaftsstruktur Brasiliens und damit wohl auch zu einer Umstellung der brasilianischen Einwanderungspolitik führen. Auswanderer berichten Berufsmöglichkelten in Australien Victoria, July, 24th, 1938. Sehr geehrte Herren vom Hilfsverein! Ich bin im November 1937 hier In Melbourne angekommen. Unglücklicherweise kam ich In einer schlechten Saison an, so daß ich nicht sofort Arbeit fand. Nach 14 Tagen aber fand ich Arbeit als Mechaniker. ' Nach drei Tagen flog ich hinaus, da ich mich nicht verständigen konnte. Das sollte eine Warnung für Nachkommende sein, nicht ohne genügende Sprachkenntnisse loszufahren. Nach weiteren 14 Tagen fand ich wieder Arbeit, wurde aber eine Woche vor Weihnachten mit 27 anderen aufs neue entlassen, da die Firma andernfalls verpflichtet gewesen wäre, die Weihnachtsfeiertage ml tzu bezahlen. Zwischen Weihnachten und Neujahr fand ich dann wieder für vier Monate Arbeit Es folgte dann abermals Entlassung wegen Arbeitsmangels. Nach weiteren drei Stellungen, Immer nur als Aushilfe für kurze Zeit, verließ ich Melbourne und ging aufs Land, wo die Arbeltsbedingungen etwas besser sind, und wo ich bis heute bin. Australien gefällt mir Jetzt großartig, heute, wo ich die Sprache spreche und mich dadurch erst richtig eingelebt habe. Das Land (nicht die Stadt) ist fähig, viele Menschen aufzunehmen, die allerdings erstklassige Fachleute sein müssen. Es wird hier wahnsinnig schnell gearbeitet, das richtige amerikanische Tempo! Wer mit dem Tempo nicht mitkommt, und das sind wir aus Europa alle, fliegt unbarmherzig raus. Eine andere Schwierigkeit: Selbst wenn wir schon englisch sprechen können, so wissen wir oft nicht die Fachausdrücke für Werkzeuge, Autoteile usw. Die Lebensbedingungen in Australien sind nicht sehr schwer, obwohl man vieles, was man gewöhnt war, zu Hause lassen . muß. An die englische Küche wird sich Jeder erst gewöhnen müssen. Für Frauen, besonders für Hausmädchen — die hier nicht zu haben sind, da die Australierin lieber in die Fabrik geht, wo mehr zu verdienen Ist — bieten sich hier gute Möglichkeiten. Die Löhne sind durchweg stabilisiert, und wer versucht, die Löhne zu drücken, wird schwer bestraft. Die Gewerkschaften sind ungeheuer stark und haben In jeder Hinsicht die Unterstützung der Regierung. Die Regierung sagt sich: Der Arbeiter muß verdienen, denn nur so gehen die Geschürte gut In der Tat verdient der Arbeiter im Verhältnis zu Europa 40 Prozent mehr, was auf die Lebensbedingungen ungeheuren Einfluß hat. Schriftmaler (Signe writer) werden täglich in der Zeltung gesucht. Neuseeland sucht Maurer (Bricklayer). Vorige Woche wurden 60 für Wellington gesucht Garantie: Zwei Jahre Arbeit! Köche, die die australische Kochkunst kennen, haben große Chancen. Die Konfektion Ist dagegen Überfüllt, und ich würde keinem raten, als Konfektionär herüberzukommen. Auch Verkäufer.jeder Branche sind in Massen vorhanden. Chauffeure haben keine Aussichten, da jeder hier seinen Wagen selbst fährt Für Sprachlehrer gibt es keine Erwerbsmöglichkelten, dagegen haben Spartlehrer, die eine Gymnastikschule eröffnen, gute Chancen. ... \^ Als Btubenmaler In Buenos Aires „Ich war ursprünglich Lagerist in der Schuhbranche, wurde aber im Jahre 1934 als Neunzehnjähriger zum Stubenmaler umgeschichtet und kam vor einem Jahre nach Buenos Aires. Schon vier Tage nach meiner Ankunft gelang es mir, dank der Unterstützung des jüdischen Komitees, bei einer englischen Baufirma beschäftigt zu werden. Seitdem bin ich ununterbrochen dort tätig. Ich arbeite täglich von 7 Uhr früh bis 7 Uhr nachmittags mit einstundiger Mittagspause als Stuben- und Fassadenmaler und verdiene 80 Centavos die Stunde. Das ist ein guter Lohn, mit dem Ich die hiesigen Kosten meines Lebensunterhalts gut decken kann. Ich habe in allem vl-el Glück gehabt und bin mit meinem Schicksal sehr zufrieden." Nach rückwärts umgeschichtet „Vor meiner Ausreise nach Südafrika habe ich in Deutschland drei Jahre lang Elektrotechnik gelernt. Aber die Lehrzeit war für die hiesigen Erfordernisse nicht ausreichend. Denn in den größeren Städten Südafrikas müssen Elektrotechniker, um in ihrem Beruf tätig sein zu dürfen, eine Lizenz haben, die erst nach fünfjähriger Lehrzeit und Ablegung einer Prüfung erteilt wird. Die fehlenden zwei praktischen Lehrjahre aber konnte ich hier nicht nachholen, da nach den in Südafrika geltenden Bestimmungen jemand, der Uber 21 Jahre alt ist, nicht Lehrling sein darf. So blieb mir nichts weiter übrig, als den Beruf zu wechseln. Ein Bekannter verschaffte mir eine Stellung als Lagerist in einer Hosenfabrik in Kapstadt. Hier bin ich seitdem tätig, und zwar auf Grund eines festen Arbeitsvertrags. Das'ist eine große Seltenheit denn im allgemeinen gilt hier monatliche, vielfach sogar tägliche Kündigung. Meine Arbeitszeit dauert von 8 bis 18 Uhr (Sonnabends nur von 8 bis 12 Uhr) mit einstündiger Mittagszelt und kurzen Frühstücks- und Teepausen." Ein Bäcker muß Kellner werden „Bevor ich nach Südafrika auswanderte, hatte Ich Bäcker' gelernt Aber als ich im Herbst 1938, damals 43 Jahre alt, auf der von dem „Hilfsverein" gecharterten „Stuttgart" mit Frau und Kind nach Südafrika gefahren war, war es mir trotz größter Bemühungen nicht möglich, dort in meinem Beruf Beschäftigung zu finden. So mußte ich notgedrungen eine Stellung als Kellner annehmen. Heute arbeite ich in dem größten Hotel einer südafrikanischen Provinzstadt Der Lohn ist zwar nicht hoch, aber auskömmlich, da es reichlich Trinkgelder gibt. Nach der Arbeitszeit darf man freilich hier nicht fragen ... Ich muß in der Saison oft 14 bis 18 Stunden arbeiten. Es sollte niemand auswandern, der sich nicht hundertprozentig umstellen kann und über gute Sprachkenntnisse verfügt. Denn nur diesen beiden Eigenschaften verdanke ich es, daß ich mich und meine Familie über Wasser halten und hier zu einer befriedigenden Existenz gelangen konnte." Malermeister in Paraguay , „Ich war früher Architekt und schon 45 Jahre alt, als ich vor mehr als zwei Jahren nach Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay, kam. Mit einem Anlaufskapital von 1000 WH gründete Ich einen Stuben-, Fronten- und Schildermalerei-Betrieb. Mein 19jähriger Sohn arbeitet als Maler in dem Unternehmen mit. Das Geschäft geht so gut, daß ich Jetzt weiteren Einwanderern ausDeutschland Arbeit geben kann. Ein früherer Geschäftsführer eines Einheitspreisgeschäftes, der In letzter Zeit ebenfalls hierhergekommen ist, ist als ungelernter Arbeiter bei uns beschäftigt Anfangs hatte ich unter dem hiesigen Klima etwas zu leiden, aber heute bin ich kerngesund. Es ist mir gelungen, hier eine gute selbständige Existenz für mich und meinen Sohn aufzubauen." Steuerkalender vom 20. Oktober bis Ende November 19» 20. Oktober Lohn- und Wehrsteuer dar vom 1.—15. Oktober elnbehaltenen Beträge. An Finanzamt. 5. November Lohn- und Wehrtteuer der vom 16.—-31. Oktober einbehaltenen Beträge. An Finanzamt. 5. Ney—»her Zahlung von Bürgersteuern der Im Oktober •Inbehaltenen Beträge. An Steuerkaite. 10. November Fälligkeit der BUrgersteuertellbeträge bei Monats- und Wocrrenlohnempfängern. DI* Einbehaltung Ist bei der nächstfälligen Lohn¬ bzw. Gehaltzahlung vorzunehmen. 10. November Bürgertteuern für all« Veranlagten. An Steuerkatie. 10. November Umsatzsteuern für Monats- und Quartalszahler. An Finanzamt. 11. November Gewerbesteuern. An Steuerkatte. 11. November Grund- und Gebäudesteuern. An Steuerkatte 20. November Lohnu. Wehrsteuer der vom 1,-15. November einbehaltenen Beträge. An Finanzamt 4

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