Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 30 (1938)
- Issue
- 9 (9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492337-5771062-5923387--724-4883489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
kehrsmlttel entgegenstehen, ist der Flugverkehr in Bolivien von außerordentlich großer Bedeutung. Das Flugverkehrsnetz, das teilweise auch durch Wasserflugzeuge bedient wird, ist den übrigen Flugverkehrslinien Südamerikas angeschlossen. Mit dem Flugzeug gelangt man in einem Tage von Buenos Aires nach La Paz. Das Klima Boliviens ist nicht einheitlich. Für den europäischen Einwanderer kommen aber in der Regel nur die Hochebenen des Landes als Wohnsitz in Frage. Hier ist das Klima zwar gesund, doch stellt die große Höhenlage (sie übertrifft die Columbiens noch beträchtlich) an die Leistungsfähigkeit des Herzens bedeutende Anforderungen. Namentlich für ältere Menschen ergeben sich hieraus erhebliche Schwierigkeiten der Akklimatisierung. Die Regenzeit, die hier an die Stelle des Winters getreten ist, dauert vom Monat Dezember bis zum Monat Mai. In der übrigen Zelt des Jahres fällt wenig Regen. Die Stielte Boliviens Die einzige Großstadt des Landes ist L a P a z. Sie ist die am höchsten gelegene Hauptstadt der Welt Sie zählt ISO 000 Einwohner. Wirtschaftlich ist La Paz heute in Bolivien von Uberragender Bedeutung. Alle anderen größeren Städte haben nur eine Einwohnerzahl von 30 000 bis 50 000. Der Universitätssitz S u c r e ist eine Stadt von alter Kultur. Hier befindet sich auch der größte Gerichtshof des Landes. Das Klima ist in Sucre milder und für den Europäer angenehmer als in La Paz. Die zweitgrößte Stadt Boliviens ist aber nicht Sucre, sondern Cochabamba, das inmitten eines sehr fruchtbaren Agrarbezirks liegt und gleichfalls aus klimatischen Gründen vielfach vor der Hauptstadt bevorzugt wird. Andere wichtige Städte sind Oruro, das der Mittelpunkt eines großen Bergwerksdistrikts ist, P o t o s i, das Zentrum des bolivianischen Silberbergbaus, aber ebenso wie Oruro sehr hoch gelegen, sowie Santa Cruz de la Sierra, in der Nähe wichtiger Erdölfelder und außerdem an einem alten Handelswege nach Argentinien und Paraguay gelegen, aber infolge seiner niedrigen Lage heiß und daher für Europäer als dauernder Wohnsitz weniger geeignet Die wirtschaftlichen Fundamente y Bolivien ist ungewöhnlich reich mit Naturschätzen, Insbesondere mineralischen, ausgestattet. Es ist kein reines Agrarland wie die meisten anderen südamerikanischen Länder. Mindestens in gleichem Maße wie die Landwirtschaft ist vielmehr der Bergbau Auswanderungsvorschriften für die Juden in Deutschland Unter diesem Titel ist eine Broschüre erschienen, die eine beachtenswerte Arbeit unseres Verbandsdevisenberaters Dr. jur. Heinz Cohn, der unseren Mitgliedern als Mitarbeiter unteres Blattes, aber auch als Auswanderungsberater gut bekannt ist und des Dr. Erich Gottfeld darstellt. Die Broschüre ermöglicht durch ihre übersichtliche und allgemeinverständliche Darstellung, sich über die Auswanderungsvorschriften zu unterrichten. die Nahrungsquelle der Bevölkerung Boliviens. Damit hängt es auch zusammen, daß die hochgelegenen Bergwerksbezirke am dichtesten besiedelt sind. Während in früheren Zelten In den bolivianischen Bergen viel Gold und Silber gewonnen wurde, Ist heute der Zinnbergbau von überragender Bedeutung für die Wirtschaft des Landes. Unter den Zinnerzeugungsländern der Welt rangiert Bolivien an zweiter. Stelle. Während des Chaco-Krieges Ist die bolivianische Zinnerzeugung zwar etwas zurückgegangen, sie befindet sich aber jetzt wieder in aufsteigender Entwicklung. Die Zinnvorräte des Landes sind fast unerschöpflich. Die Ztnnläger sind Uber einen großen Teil des Landes verteilt. Es gibt acht Zentren des Zinnbergbaus, in denen zur Zeit 25 Groß-, 28 Mittel- und 264 Kleinbetriebe mit der bergbaumäßigen Gewinnung von Zinn beschäftigt sind. Ein Teil der Minen arbeitet nach den modernsten Bergbaumethoden. < Außer dem Zinn werden auch andere Metalle in Bolivien gewonnen. Das Land Ist reich an Gold, Silber, Kupfer, Blei, Antimon, Platin, Wolfram, Eisen, Quecksilber usw. Die vorhandenen Kohlenläger sind noch nicht erschlossen. Für eine Industrialisierung des Landes sind also zwar die besten Voraussetzungen vorhanden, aber mit dieser Industrialisierung ist, wenn man von den Bergbauwerken absieht noch nicht einmal begonnen worden. Eine andere wichtige Grundlage für eine künftige wirtschaftliche Entwicklung des Landes bilden Erdölvorkommen, die mit Recht als eine der Voraussetzungen für eine Industrialisierung angesehen werden. Gegenwärtig zwar reicht die Petroleumgewinnung Boliviens nur für den eigenen Bedarf des Landes aus. Sie ist aber außerordentlich entwicklungsfähig und kann auch zu einem wichtigen Exportträger werden. Zwischen Bolivien und Uruguay Ist kürzlich ein Kompensationsabkommen geschlossen worden, das einen Austausch bolivianischen Erdöls gegen uruguayschen Weizen vorsieht. Ungelöst ist jedoch größtenteils noch die Frage des Transports des bolivianischen Erdöls nach anderen südamerikanischen Verbrauchsländern. Eine systematische Erschließung der Erdöllager des Landes wird dessen wirtschaftliches Gedeihen zweifellos beträchtlich fördern. Nur darf man nicht außer acht lassen, daß in dieser wie in anderer Hinsicht der Aufbau der bolivianischen Wirtschaft erst in den Anfängen steckt Die Landwirtschaft Boliviens nimmt neben dem Bergbau erst die zweite Stelle hinsichtlich der Bedeutung für die Wirtschaft des Landes ein. Der Boden ist zwar sehr fruchtbar, aber es fehlt eine genügend zahlreiche Verbraucherschaft für die Bodenerträge. Für landwirtschaftliche Siedler, die weniger für den Markt als für den Eigenverbrauch wirtschaften, sind jedoch günstige Aussichten vorhanden. In den fruchtbaren Tälern wird Gemüse und Obst mit oft erstaunlichen Erfolgen angebaut Die Ebenen und Täler sind meist auch für Ackerbau und Viehzucht geeignet Hier gedeiht vor allem Getreide und Mais. In manchen Teilen des Landes wird auch Tabak, Kaffee, Kakao, Vanille, Reis und Baumwolle erzeugt Die dichten Urwälder liefern wertvolle Nutzhölzer sowie Kautschuk, Chinin u. a. m. Tüchtige, erfahrene und mit den Landesverhältnissen vertraute. Siedler können, besonders wenn sie moderne maschinelle Methoden der Bearbeitung des Bodens anzuwenden in der Lage sind, gut vorankommen. Da Bolivien durch den mehrjährigen Chaco-Krieg mit Paraguay erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden ist, bemüht sich die Regierung sehr, Bergbau und Landwirtschaft zu fördern, zu modernisieren und vor allem geeignete Einwanderer heranzuziehen. Voraussetzungen der Einwanderung Trotz der grundsätzlichen Förderung der Einwanderung wird aber zur Zeit unter den in Frage kommenden Einwanderern eine ziemlich scharfe Auslese getroffen. In der Hauptsache werden nur diejenigen Einwanderer zugelassen, die ihrer Vorbildung und ihrer beruflichen Betätigung nach dem Lande in seinem heutigen Entwicklungsstadium Nutzen bringen können. Erwünscht ist daher die Einwanderung von Angehörigen folgender Berufe: 1. Hoch- und Tiefbau-Ingenieure; 2. Geologen zur Entwicklung der Bergwerksproduktion und der Petroleumgewinnung; 3. Maschinenbauer; 4. Gut ausgebildete und im Beruf erfahrene Maschinen-, Motoren- und Bauschlosser; 5. Gelernte und beruflich' leistungsfähige Rohrleger (keine Umschichtler); 6. Gelernte Landwirte (mindestens 3jährige praktische Ausbildung wird verlangt). Voraussetzung für die Angehörigen aller Berufe ist selbstverständlich die Beherrschung der spanischen Sprache. Einwanderungsanträge können an die bolivianischen Konsulate in Deutschland gerichtet werden. Konsulate befinden sich u. a. in Berlin, Breslau, Hamburg, Kassel, München, Wuppertal, Bremen und Dresden. Die Anträge werden im Lande selbst geprüft, und zwar vor allem unter dem Gesichtspunkt, ob die Einwanderung des einzelnen Antragstellers dem im Lande vorhandenen Bedarf an Kräften entspricht Die Erledigung der Anträge dauert daher meist drei bis vier Monate und noch länger. Schneller führt in der Regel eine Anforderung zum Ziel, die entweder durch Betriebe in Bolivien, die den Einwanderer beschäftigen wollen, erfolgen kann, die aber -auch von Angehörigen, Bekannten, Freunden usw., die im Lande bereits ansässig sind, veranlaßt und vermittelt werden kann. Anträgen auf Erteilung der Einreiseerlaubnis nach Bolivien ist ein Geburtszeugnis, ein Paß, ein ärztliches Zeugnis, ein Leumundszeugnis der Ortspolizei über die letzten fünf Jahre sowie ein Ausweis über die in den letzten fünf Jahren ausgeübte Erwerbstätigkeit beizufügen. Ein Vorzeigegeld von etwa 50 £ ist in der Regel erforderlich Doch kann der Einwanderer in Ausnahmefällen, besonders bei Anforderungen und bei vorherigem Abschluß eines Arbeitsvertrages hiervon befreit werden. Nach vierjährigem Aufenthalt im Lande kann der Einwanderer die bolivianische Staatsangehörigkeit erwerben. Wie man aus alledem ersieht, ist es ein engbegrenzter Kreis von jüdischen Menschen, für die eine Auswanderung nach Bolivien in Betracht kommt Die an sich erfreuliche Oeffnung Boliviens auch für die jüdische Einwanderung kann einzelnen, wenn sie einen geeigneten Beruf haben, neue, gangbare Wege zu einer Existenz in Uebersee weisen. Aber sie bedeutet leider praktisch keine ins Gewicht fallende Erweiterung der jüdischen Auswanderungsmöglichkeiten. Dr. Hugo Nathansohn. Einreise nach Argentinien Der Hilfsverein teilt mit: Im Hinblick auf die am 1. Oktober 1038 in Kraft tretende Neuregelung der argentinischen Einwanderungsbestimmungen werden gegenwärtig auf Llamaden keine Visen erteilt. Inhaber bereits visierter Pässe dürfen landen, und zwar nach den neuesten Nachrichten auch dann, wenn sie nach dem 1. Oktober in einem argentinischen Hafen eintreffen. 6