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Der jüdische Handwerker · 1938-08-01 · 8 (8.1938) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
8 (8.1938)
Date
1938-08-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Es ist fast unnötig zu sagen, daß der Einwanderer nicht alle diese Wege gleichzeitig gehen kann. Er muß sich heraussuchen, was für ihn paßt. Ebenso selbstverständlich ist, daß alle Wege ein energisches Betreiben von Sprachstudien voraussetzen. Englischlernen kann, wie oft hervorgehoben worden ist, gar nicht ernst genug betrieben werden. Radio und Sprechfilm sind ■ wertvolle Hilfsmittel, aber sogar zusammen mit der night school sind sie sehr häufig unzureichend. In Universitätsstädten kann man meist einen Studenten oder eine Studentin gegen sehr bescheidenes Honorar für Konversationsstunden, Korrektur von Briefen und Manuskripten bekommen (jede Universität hat ein studentisches Arbeitsamt). Das ist nicht nur für die sprachliche Vervollkommnung wertvoll, sondern besonders auch deshalb, weil ein intelligenter Student einem sehr viel über die Gepflogenheiten des Landes sagen kann. Wie soll der Neuankömmling den Amerikanern gegenübertreten? Die Wahrung der gesellschaftlichen Formen, die in Amerika anders sind als in Europa, ist natürlich auf die Dauer erstrebenswert. Aber weit wichtiger als Wahrung der Formen ist allgemein menschlicher Takt. Es ist durchaus nicht nötig, alles Amerikanische zu loben. Aber es ist notwendig zu vermeiden, daß dem Amerikaner die Frage auf die Lippen kommt: Wenn 'Dir zu Hause alles besser gefiel als hier, warum bist Du dann eigentlich herübergekommen? Oerade wenn der Amerikaner Europa preist und amerikanische „shortcomings" (Unzulänglichkeiten) unterstreicht, erwartet er, etwas Freundliches über sein eigenes Land zu hören, aber er hat ein feines Gefühl dafür, ob so etwas nur aus oberflächlicher Liebenswürdigkeit oder mit Ueberzeugung gesagt wird. Lieber Einwanderer: Angenommen, Du hast Olück und kommst herüber, so kannst Du sicher sein, daß Dir schon im ersten Jahr ein halbes Dutzend Bekannter schreiben, Du möchtest ihnen doch mitteilen, welche Möglichkeiten es für sie gibt. Schreibe Deinen Freunden wahrheitsgemäß, daß die Berufschancen des einzelnen im voraus überaus schwer abzuschätzen sind, und daß niemand dem Einwanderer die Mühe, die Kosten und das Risiko des Suchens abnehmen kann; daß die Liebergangszeit immer schwer ist, und daß heute für niemand, allenfalls mit Ausnahme von sehr haushalterfalirenen und körperlich kräftigen jüngeren' Frauen, Stellungen bereitstehen; daß aber begabte, tüchtige, energische und \ sprachlich geschulte Menschen, wenn sie nicht ausgesprochene Pechvögel sind, Aussicht haben, nach kürzerer oder längerer Zeit etwas zu finden, wenn vielleicht auch für ein sehr bescheidenes Gehalt und, was noch wichtiger ist, ohne Garantie der Beständigkeit. Daß es auch besser gehen kann, versteht sich am Rande. Eine große Schwierigkeit für den Einwanderer besteht in Amerika darin, daß er in einem reichen Land lebt In diesem Land, in dem der gelernte Arbeiter, wenn er das Olück hat, ständig beschäftigt zu sein, es leicht auf über 2000 Dollar Jahreseinkommen bringt, in dem ein Lehrer verhältnismäßig rasch auf 3000 Dollar kommt, in dem verheiratete Frauen oft berufstätig sind und damit das Farotlienelnkommen ergänzen, ist es weit schwieriger, sich die vielen kleinen Dinge zu versagen, die sich der neue Einwanderer nicht leisten kann, als in einem Land, in dem alte einfach leben. Natürlich lassen sich diese Schwierigkeiten überwinden; zumal ja die Amerikaner es einem verhältnismäßig leicht machen. Aber die Versuchung, die Grenzen dessen zu überschreiten, was man sich leisten kann, sind sehr groß. Auch aus diesem Grund ist die seelische und geistige Rüstung für die Auswanderung nach Amerika mindestens ebenso wesentlich für den Erfolg wie---- die materielle. Ausbildung Jüdischer Landwirte und Siedler Auf der Konferenz von Evian ist mit besonderem Nachdruck auf die Notwendigkeit einer beruflichen Umstellung der zur Auswanderung gelangenden jüdischen Menschen hingewiesen worden. Die Aufnahmefähigkeit der Einwanderungsländer für jüdische Kaufleute und Akademiker .ist im allgemeinen so gut wie erschöpft. Dagegen gibt es überseeische Länder genug, die eine Einwanderung tüchtiger jüdischer Landwirte, Handwerker und Techniker wünschen und auch zu erleichtern bereit sind. Schon auf der Internationalen Arbeitskonferenz im Mai d. J. gab der argentinische Regierungsvertreter eine Erklärung ab, in der dargelegt wird, daß das Ziel der argentinischen Einwanderungspolitik darin bestehe, die neuen Einwanderer im Boden zu verwurzeln und ihnen deshalb kultivierbaren, fruchtbaren Boden zu übergeben. Aus diesem Grunde sei die Einwanderung kleiner Landwirte und Siedler In erster Linie erwünscht Hiermit stimmte die Stellungnahme einer Reihe anderer südamerikanischer Regierungen in der Einwanderungsfrage durchaus überein. In Evian wurden jüdische Massensiedlungen freilich ab- Belehnt oder wenigstens für'zur Zelt undurchführbar erklärt, m so stärker aber wurde die Notwendigkeit von Einzel- und O r u p p e n Siedlungen jüdischer Einwanderer betont. Jüdische Siedlungen setzen aber selbstverständlich das Vorandensein einer genügend großen Anzahl landwirtschaftlich ausgebildeter jüdischer Menschen voraus. Es darf in diesem Zusammenhang daran erinnert werden, daß auch die Errichtung landwirtschaftlicher Siedlungen in Palästina zunächst durch die Ausbildung einer genügenden Anzahl jüdischer Landwirte und landwirtschaftlicher Arbeiter vorbereitet werden mußte. Dank den Bemühungen des Hechaluz und des Brit Chaluzim Datiim ist es mit wachsendem Erfolge gelungen, junge jüdische Landwirte, Arbeiter und Siedler für Palästina heranzubilden. In der von der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland herausgegebenen „Denkschrift für Berufsausbildung" wird festgestellt, daß sich im Jahre 1937 unter je 100 jüdischen Auswanderern nach Palästina, die sich zwecks Beschaffung der Passage des Palästina-Amts bedient haben, bereits 28,05 Landwirte befanden. Die gleichen zwingenden Notwendigkeiten, die eine systematische Ausbildung jüdischer Landwirte und Landarbeiter für Palästina forderten, gelten auch für die jüdische Auswanderung nach den meisten uberseeischen Ländern. Ueberall werden dort Landwirte und Handwerker als Einwanderer gewünscht. Da es heute in Deutschland an Möglichkeiten einer Einzelausbildung von jüdischen Landwirten und Siedlern mangelt, ist eine große Anzahl von Kollektivausbildungsstätten geschaffen worden. Wir nennen hier nur die altbewährte Oartenbauschule in Ahlem, die Siedlerschule in Oroß-Breesen, die landwirtschaftliche Ausbildungsstätte in Lobitten bei Königsberg, das Landwerk Neuendorf bei Fürstenwalde. Ferner verfügen der Hechaluz in Elguth bei Steinau In Oberschlesien und in Schniebinchen, Kr. Sommerfeld, der Makkabi in Halbe in der Mark und die Zionistischen Jugendbünde in Winkel, Post Spreehagen, über größere Ausbildungsstätten, in denen Jugendliche eine landwirtschaftliche Erstausbildung erhalten und Erwachsene aus anderen Berufen in gründlicher Weise zu Landwirten und Siedlern umgeschichtet werden. Die Ausbildung jüdischer Landwirte und Siedler hat in grundsätzlicher Hinsicht mit der jüdischer Handwerker und Facharbeiter manche Berührungspunkte. Der Ausgangspunkt und das Erstziel Ist in "beiden Fällen die Gewöhnung an körperliche Arbelt. Ebenso wie bei der handwerklichen Tätigkeit im Gegensatz zur Industrie die Handarbeit gegenüber der Maschinenarbeit überwiegt, hat auch für den Kleinlandwirt und Siedler die eigene körperliche Tätigkeit im Vergleich zur mechanischen Maschinenarbeit überragende Bedeutung. Darum ist es notwendig, dem künftigen Siedler, der aus anderen Berufsschichten stammt, Liebe zur körperlichen Arbeit, auch wenn diese anfangs hart und schwer ist, zu vermitteln. Zunächst wird natürlich eine Auslese der Geeigneten vorgenommen, die auch in diesem Beruf unumgänglich ist Liebe zur Natur, zu Tieren und Pflanzen. Bereitschaft zu geduldiger unverdrossener Arbeitsleistung, auch wenn sie eintönig oder wenig abwechslungsreich ist, aber auch Freude an dem Werk der eigenen Hand sind die wichtigsten Eigenschaften, die der Künftige Landwirt haben soll und muß. In den Kollektivausbildungsstätten werden sowohl die jungen Menschen als auch die älteren Umschichtler zu allererst dazu erzogen, Ihre eigenen Sachen in gutem Zustande zu erhalten und jede hierfür erforderliche Arbelt selbst zu tun. Sie lernen ihre Lederstiefel selbst zu pflegen, Feuer zu. machen, Knöpfe anzunähen, kurz alle Arbeiten selbst sachgemäß auszuführen, für die der Siedler oft keinen Handwerker und keine Hilfskräfte zur Verfügung hat. Wichtig ist ferner die systematische Erziehung zu gleichförmiger, häufig der Abwechslung entbehrender körperlicher Arbelt Der junge Landwirt muß erkennen, daß es überhaupt keine hochwertige oder minderwertige, keine angenehme oder langweilige Arbeit gibt, daß vielmehr alle Arbeiten gleichwertig sind, weil keine von ihnen überflüssig und jede, sobald iie notwendig ist, getan werden muß. Hierbei wird Menschen, die noch in ihrer Ju- Send Beziehungen zum ländchen Leben hatten, die Gewöhnung und Anpassung naturgemäß leichter werden, als denen, die in großstädtischer Umgebung aufgewachsen sind. Eine richtige Anweisung und Erziehung wird wesentlich zur Ueberwindung .der auf diesem Gebiet vorhandenen Schwierigkelten beitragen. Der junge Mensch, dem in richtiger Weise erklärt wird, warum P.VG RUN FELD * U*M» »M« I LapdfK Sil Uli ZU Mm Brill M-M taStMa

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