Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 30 (1938)
- Issue
- 8 (8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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kräftiges Herz und eine feste Gesundheit. Menschen bis zu 50 Janren, die diese Voraussetzungen erfüllen, können Sich gut akklimatisieren. Kolumbienist. 1,28 Millionen qkm groß, also reichlich doppelt so groß wie Deutschland und Oesterreich zusammen. Auf dieser großen Fläche wohnen nur 9 Millionen Menschen. Trotzdem gehört Kolumbien schon heute zu den verhältnismäßig am dichtesten besiedelten südamerikanischen Ländern. Auen nimmt die Bevölkerungszahl, teils .infolge des hohen Geburtenüberschusses, teils infolge der Einwanderung schnell zu. Die Bewohner sind in der großen Mehrzahl Weiße oder Mischlinge. Die Zahl der reinen Indianer und Neger ist verhältnismäßig gering. Der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren zwar erhöht, ist aber abgesehen von drei Großstädten des Landes (Bogota, Cali und Medellin), noch sehr niedrig. Spanisch ist Landessprache, und die Beherrschung des Spanischen ist für jeden, der in diesem Lande beruflich tatig sein will, eine selbstverständliche Grundbedingung. Die Agrarwirtschaft Wer nach Kolumbien auswandern will, muß stets im Auge behalten, daß dieses Land seinen wirtschaftlichen Fundamenten nach durchaus ein Agrarland ist und noch lange bleiben wird. 70 Prozent seiner Bevölkerung leben auf dem Lande. Die große Fruchtbarkeit des Bodens ermöglicht es, mit einem Teil des Ueberschusses der landwirtschaftlichen Erzeugung die Weltmärkte zu beliefern. Kolumbien ist neben Brasilien das .bedeutendste Kaffee- Erzeugungs- und Kaffee- Exportlandland der Erde. Der kolumoische Kaffee, namentlich der im Bezirk A n t i o - q u i a, dessen Hauptstadt Medellin ist, gewonnene, zeichnet sich durch Milde und hohe Qualität aus und erzielt infolgedessen auf den Weltmärkten recht gute Preise. Aber das starke Vorwiegen der Kaffeekultur hat sich wegen der sehr stark schwankenden Weltmarktkonjunktur und Weltmarktpreise des Kaffees auch als nachteilig erwiesen. Man ist deshalb bestrebt, die kolumbische Agrarwirtschaft auf eine breitere Grundlage zu stellen und auch die Ausfuhr anderer Produkte zu fördern. Erhebliche Bedeutung hat namentlich der Export von Bananen erlangt, die in den tropischen Flußtälern im nördlichen Teile des Landes mit großem Erfolge angebaut werden. Tabak wird in fast allen Teilen des Landes kultiviert, und 'die besten Sorten werden auch in erheblichen Mengen exportiert.' Die Blumw o 11 gewinnung ist vor allem in den Bezirken Magdalena und A n t i o q u i a (Hauptstädte Santa Marta und Medellin) bedeutend. Sie betrug freilich im Erntejahre 1036/37 erst rund 17300 Ballen und blieb damit hinter der anderen südamerikanischer Länder, so z. B. Brasiliens, Argentiniens und Perus, aber auch der Paraguays, noch weit zurück. Unter den Baumwollerzeugungsländern der Welt nimmt Kolumbien erst den 25. Platz ein. Die Baumwolle wird für den heimischen Bedarf vielfach noch handgesponnen. Andere wichtige Erzeugnisse der Landwirtschaft Kolumbiens sind Kakao, Zucker, Weizen, Mais, Reis usw. Erwähnt 'sei auch die Gewinnung von Heilmitteln und Heilkräutern, die der Bevölkerung Kolumbiens ebenfalls beträchtliche Einnahmen bringen. In den Ebenen des Ostens -des Landes werden, ähnlich wie, in Argentinien, Rinder gezüchtet. Der Export von Gefrierfleisch nimmt ständig zui Da nur ein Teil des anbaufähigen Landes genutzt wird, ist die Landwirtschaft noch sehr entwicklungsfähig, und für Farmer oder Siedler sind große Möglichkeiten vorhanden, zumal gutes Land sehr billig zu erwerben ist. Voraussetzung der landwirtschaftlichen Entwicklung ist allerdings die Herstellung guter Verkehrswege umf Transportmögüchkeiten, wobei in dem gebirgigen und größtenteils von dichtem Urwald bedeckten Lande große Schwierigkeiten ' zu überwinden sind. ' Rohstoff gewinnung. An Naturschätzen und Rohstoffen ist Kolumbien außerordentlich reich. In den Gebirgen wird O o I d und Silber gewonnen. Größere weltwirtschaftliche Bedeutung hat die lewinnung von Platin erlangt. Abbaufähige große Kupfer lägcr sind in verschiedenen Teilen des Landes vorhanden. Auch an Steinkohle fehlt es 'nicht Der Kohlenbergbau befindet sich aber noch in den Anfängen seiner Entwicklung. In Kolumbien werden ferner Smaragde bergwerksmäßig gewonnen und in erheblichen Mengen ausgeführt. Die Erdöl Produktion und der Erdölexport haben einen bedeutenden Umfang erreicht. Das Zentrum der Erdölverschiffung ist die Hafenstadt Cartagena, die durch eine Oelleitung mit den Gewimiungsstätten verbunden ist. Eine wichtige Quelle des Reichtums und der Rohstofferzeugung Sind die ausgedehnten Wälder Kolumbiens. An der karibischen Küste bestehen sie vorwiegend aus Mangrovehäumrn, die ein wertvolles Bauholz liefern. Im Hochland findet man ausgedehnte Eichen-, Pinien- und Walnuß-Wälder. Wertvolles Nutzholz ist fast überall reichlich vorhanden. Eine Besonderheit Kolumbiens stellt die T a g u a - oder Elfenbein-Nuß dar, die als Steinnuß zur Knopffabrikation verwendet wird. Gummibäume wachsen in den Flußtälern des Ostens. An den Küsten Wird P e r 1 e n fischerei betrieben. Die großen Naturreichtümer Kolumbiens sind zum großen Teil noch ünausgebeutet, und soweit die Ausbeutung begonnen hat, ist sie noch sehr steigerungsfähig. Industrieeil er Aufbau. Aus der agrarischen Struktur des Landes ergibt sich auch der Charakter seiner Industriewirtschaft. Sie ist in der Hauptsache auf die Zubereitung und Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Landes gerichtet. Damit ist schon gesagt, daß sie im wesentlichen Konsumgüter herstellt. Die Investitionsgüter werden fast ausnahmslos importiert. Eine wichtige Rolle im Rahmen der Industrie Kolumbiens spielen daher die Lebensmittelindustrien im weitesten Sinne, die den Inlandsmarkt z. B. mit Bier und anderen alkoholischen Getränken, mit Mineralwasser, Schokolade, Oelen und Fetten, Seife usw., ferner mit Zigarren und Zigaretten sowie mit Streichhölzern versorgen. Einheimische Agrarprodukte werden auch von den zahlreichen Getreidemühlen, Gerbereien, Sägewerken und Panama-Hutfabriken des Landes verarbeitet. In das gleiche Gebiet gehört die Herstellung von Kaffeesäcken, Sandalen, Seilen und Bindfaden aus den Fasem einheimischer Agaven- oder Sisal-Pflanzen. Aber auch die übrigen Oebrauchsgüterindustrien nehmen ihren Ausgang von der Bedarfsbefräedigung der breiten Massen der einheimischen Bevölkerung, deren Ansprüche an die Qualität der Waren infolge ihrer Armut und der Notwendigkeit, billige Waren zu kaufen, nicht sehr hoch sind. Die bedeutendsten dieser Industrien sind die Baumwollspinnereien und - Webereien, die besonders in Medellin und Barranquilla sowie in der Hauptstadt Bogota ihren Sitz haben. Dieser bedeutendste Industriezweig Kolumbiens hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Der Wert seiner Erzeugnisse wurde schon im Jahre 1936 auf mehr als 20 Millionen Pesos veranschlagt. Er deckte damals bereits etwa die Hälfte des Gesamtbedarfs der Bevölkerung, denn etwa ebenso hoch war in dem gleichen Jahre die Einfuhr ausländischer Baumwollwaren. Um die einheimische Textilindustrie gegen die Konkurrenz der Einfuhrwaren zu schützen und auf diese Weise eine weitere Ausdehnung des wichtigsten Industriezweiges des Landes zu erreichen, sind kürzlich Baumwoll- und Wollstoffe von der Einfuhr nach Kolumbien ausgeschlossen worden. Neben der Baumwollindustrie, die sich infolgedessen in schneller Aufwärtsbewegung befindet, sind auch Wollwaren- und Seidenfabriken in dem Lande vorhanden. Was die übrigen Industriezweige anbetrifft, so seien Leder- Und Schuh waren-Fabriken, Olas- und keramische Fabriken, Zement- Fabriken, Schiffswerften sowie eine Reihe anderer eisenverarbeitender Fabriken, die z. B. Draht, Stahlmöbel und andere einfachere Eisenwaren herstellen, erwähnt. Einige Bedeutung besitzt auch die chemische und pharmazeutische Industrie Kolumbiens. Elektrizitätswerke beliefern fast das ganze Land mit Strom, und die außerordentlich reichen Wasserkräfte des Landes ermöglichen niedrige Strompreise. Ohne Zweifel wird die Industrialisierung des Landes in den nächsten Jahren weitere Fortschritte machen, und die Industrien werden allmählich dazu gelangen, auch höhere Qualitätsansprüche der Bevölkerung an Oebrauchsgütern aller Art zu befriedigen. Die natürlichen Grundlagen für den Aufbau von Industrien verschiedenster Art sind in reichem Maße vorhanden. < Handel und Verkehr. Der Handel Kolumbiens ist natürlich in den Oroßstädten und Hafenstädten des Landes konzentriert. Neben den großen und kleineren Seehäfen sind auch die größeren Flußhäfen an der Güterbeförderung beteiligt. Die großen Wasserstraßen Kolumbiens, insbesondere der Magdalena-Strom, sind last in ihrem ganzen Lauf schiffbar. Andererseits bilden die sehr hohen Gebirge schwer zu überwindende Hindernisse der Verkehrsentwicklung. Das Eisen bahnnetz ist infolge _ der Schwierigkeiten, die in dem gebirgigen Lande beim Eisenbahnbau überwunden werden müssen, noch nicht sehr dicht. Aber auch der Eisenbahnbau macht ständig Fortschritte. Sehr große Bedeutung für die Wirtschaftstätigkeit hat der Luftverkehr erlangt. Zwischen Bogota und New York besteht z. B. eine direkte Fluglinie, auf der Passagiere und Briefpost in 2 bis 3 Tagen befördert werden. Bedarf an Kaufleuten und Händlern, namentlich aber an Hausierern ist in Kolumbien zweifellos nicht vorhanden. Angehörige kaufmännischer Berufe werden dort nur in seltenen Fällen eine Existenz finden können. Günstiger sind die Aussichten für Handwerker. Aber auch an die handwerkliche Leistung werden heute bereits höhere Ansprüche gestellt, als DOS HRUS DER BUTEN HEPPEN UND UNQBENULEIDUN8 rvcwT! r BERLIN-SCHONEBERG, HPUPTSTR.1 ■ , ■■