Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 30 (1938)
- Issue
- 4 (4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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DU betten Arbeiten wurden von einem unparteilichen Gremium beurteilt und eingezeichnet. Die Feierlichkeiten wurden durch eine Abendveranstalt u n g bei Tanz und Vorträgen abgeschlossen. Die Teilnahme der fHlsseldorfer war auch jetzt wieder to stark, daß die Räume sich ah) viel zu klein erwiesen, und wiederum ein Teil der Gaste nicht mehr zugelassen werden konnte. In fröhlicher Stimmung saßen die Kollegen bis tiel in die Nacht beisammen. Zwischenzeitlich worden noch die Jubilars des Vereins vom Verbandsvorstand Mehrt, wobei Kollege Paul Goldmann treffende Worte fand. So bleibt die Jubiläumsfeier des Düsseldorfer Vereins für alle, die an dem Tag teilnahmen, unvergeßlich. Wir freuten uns, so viele Kollegen aus dem Reiche unter uns zu sehen und sind gewiß, daß alle, die daa silberne Jubiläum mitfeiern durften, zum goldenen sich einfinden werden, sobald die Düsseldorfer Ortsgruppe wieder ruft. Anläßlich des 25iährigen Jubiläums des Vereins selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender Düsseldorf e. V. schrieb der Vorstand der Synagogengemeinde Düsseldorf; „Dem Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender in Düsseldorf gilt zu seinem 25jährigen Bestehen unser Glückwunsch und Gruß. Wir freuen uns seiner segensreichen Tätigkeit für Handwerk und Gewerbe wahrend seines Bestehens. Wir gedenken der ununterbrochenen guten Beziehungen zu unserer Gemeinde, wir danken ihm für die Pflichttreue, mit der er sich stets der Ausbildung unserer Lehrlinge angenommen hat, die an seinem Ehrentage mit Stolz Leistungen ihrer Ausbildung aufweisen werden. Die Anteilnahme der jüdischen Handwerkskreise aus allen Teilen des Reiches verbindet sich mit uns in der Wertschätzung und in Zukunftswünschen für den erfolgreichen Verein. Seine Gäste sind uns in unserer Gemeinde willkommen."' Im Jüdischen Gemeindeblatt für den Synagogenbezirk Düsseldorf veröffentlichte Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf, längere Ausführungen über den jubilierenden Verein, aus denen wir folgendes wiedergeben. „In den.Jahren nach dem Kriege wurde der Verein der Boden, auf dem sich alle jüdischen Handwerker in Düsseldorf zusammenfanden. Er hat seine tüchtigsten Mitglieder mit der Führung seiner Verwaltung beauftragt und ihnen dadurch eine Schulung in der Erledigung öffentlicher Aufgaben gegeben, die ihnen selbst und dem ganzen Handwerk zum Nutzen geworden ist. Wie die alten Zünfte mehr waren als nur Berufsverbände, wie sie auf der Grundlage der Arbeit ihre Mitglieder zu einer Lebensgemeinschaft zusammengeschlossen haben, so durchdringt auch der Verein selbständiger jüdischer Handwerker das gesamte Leben seiner Mitglieder. Seine regelmäßigen Vereinsabende sind für seine Mitglieder die natürliche und erfreuende Geselligkeit, und seine großen durch Witz, Humor und gute Stimmung immer sich auszeichnenden Feste die Höhepunkte ihrer Geselligkeit, eine Freude auch für zahlreiche Gemeindcmitglieder außerhalb des Vereins. Der jüdische Handwerker lebt mehr mit den Seinen zusammen als andere Berufet er verdankt diese größere Gemeinsamkeit seinem Verein. Immer war Handwerk ein guter Beruf, in Krisenzeiten erweist er sich als der beste. Die Meister, die jüdische Lehrlinge herangebildet haben, und der Verein, der die Fürsorge für diese Ausbildung als eine Hauptaufgabe betrachtet, haben damit zugleich gut für die jüdische Zukunft gesorgt. Sie haben das Judentum in Deutschland für die Aufgaben geschalt, die die Gegenwart, die die Zukunft ihm stellen. Jüdische Auswanderung Im Jahre 1937 Im Februarheft des „Jüdischen Handwerkers" wurde bereits Aber die Ergebnisse der Statistik der jüdischen Auswanderung in den ersten 9 Monaten des Jahres 1937 berichtet Inzwischen ist der 6. Bericht der Meldestelle für Binnen- und Auswanderung veröffentlicht worden, der die Auswanderungsstatistik für das 4. Quartal 1937 umfaßt Hierdurch wird nunmehr eine Uebersicht über die jüdische Auswanderung im gesamten Kalenderjahr 1937 ermöglicht, die einige weitere interessante und wichtige Schlußfolgerungen zulaßt Alles in allem sind im Kalenderjahr 1937 bei der Meldestelle 23766 jüdische Auswanderer registriert worden. Hiervon entfielen 10963 oder 48,5 Prozent auf die 7 preußischen Großgemeinden (Berlin, Frankfurt/M., Breslau, Köln, Düsseldorf, Essen und Hannover). Zählt man hierzu noch die 590 Auswanderer aus Hamburg (die Hamburger Statistik ist freilich seit Juni 1937 unvollständig) hinzu, so ergibt sich, daß 51,5 Procent aller Auswanderer aus den genannten 8 Großgemeinden stammten. Die übrigen preußischen Gemeinden stellten insgesamt 5 044 oder 23,3 Prozent die nichtpreußischen (einschl. Saargebiet) 6019 oder 26.2 Prozent der Auswanderer. Berücksichtigt man, daß ein Teil der Meldungen noch immer unvollständig ist, so wird man die Gesamtzahl der jüdischen Auswanderer für das Jahr 1937 auf 23500 veranschlagen dürfen. Eine wesentliche Verlagerung ist im 4. Quartal 1937 insbesondere in bezug auf die Wanderungs ziele festzustellen. Die Auswanderung nach Palistina umfaßte in diesem Zeitabschnitt nur 412 Personen. Sie war an der Gesamtauswanderung nur mit 8.1 Prozent (gegenüber 18,2 Prozent In den ersten drei Vierteljahren) beteiligt. Stark zurückgegangen ist ferner infolge der Einwanderungssperren die Auswanderung nach Südafrika (von 2.8 auf 1 Prozent) und nach Brasilien (von 4,9 suf 1,1 Prozent). Beträchtlich gestiegen ist dagegen wieder die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten. Sie machte im 4. Quartal 1937 allein 40,9 Prozent der Gesamtauswanderung (gegenüber 32,7 Prozent in den ersten drei Vierteljahren) aus. Dabei ist bemerkenswert daß an der Auswanderung nach den Vereinigten Staaten die Juden in Süddeutschland und Westdeutschland sehr viel stärker als die in Nord- und Ostdeutschland beteiligt waren. Zugenommen hat ferner die Auswanderung nach Argentinien (von 5,7 anf 103 Prozent), nach Columbien und nach Australien. Im gesamten Kalenderjahr 1937 sind von den mehr als 19000 jüdischen Auswanderern, deren Auswanderungsziele statistisch erfaßt werden konnten, 6665 oder 34,9 Prozent nach den Vereinigten Staaten und 2950 oder 15,5 Prozent nach Palästina gegangen. Argentinien war an der jüdischen Auswanderung mit 1357 Personen oder 7,1 Prozent beteiligt, Brasilien nur noch mit 754 oder 3,9 Prozent, die sonstigen amerikanischen Länder mit 1247 Personen oder 6,5 Prozent Nach europaischen Ländern wanderten insgesamt 5 306 Juden oder 27,8 Prozent aller jüdischen Auswanderer aus. Doch handelt es alch .hier teilweise nur um Zwischenziele der Auswanderung. Ein nicht unerheblicher Teil der hier Registrierten dürfte sicherlich nach einem kürzeren oder längeren Aufenthalt in diesen Landern nach Amerika oder Palästina welterwandern. Die Statistik des Landesverbandes umfaßt ferner Angaben über den Altersaufbau, den Familienstand und die Berufsgliederung der Auswanderer. Von den im Jahre 1937 statistisch erfaßten 21 557 Personen waren 22,1 Prozent noch nicht 30 Jahre alt, 45,6 Prozent standen im Alter von 30—40 Jahren, 15,6 Prozent waren 40—50 Jahre und 16,7 Prozent über 50 Jahre alt. Der Anteil der höheren Altersklassen hat zugenommen. Offenbar wurde bereits eine größere Anzahl von Eltern und anderen Verwandten durch die zuerst ausgewanderten Jüngeren angefordert. Auch an der Auswanderung nach den Vereinigten Staaten sind ältere Menschen in verhältnismäßig beträchtlicher Zahl beteiligt. In der Uebersicht über die Berufsgliederung der Auswanderer werden 223 Prozent der Registrierten als Kaufleute und Sl Prozent als Angestellte bezeichnet Selbständige andwerker und Handwerksgehilfen werden insgesamt 1587 gezahlt Diese Gruppe war daher mit 7.5 Prozent an der Gesamtzahl der Auswanderer beteiligt. Weitere 0,9 Prozent waren Arbeiter, 3,7 Prozent Landwirte und 3,3 Prozent Hausangestellte. Der Anteil der Landwirte hat sich erfreulicherweise relativ erhöht. 20,2 Prozent der Auswanderer waren Ehefrauen ohne Beruf, 14,5 Prozent Kinder, Schüler und Studenten. r" Der neue Schedule Gift« Auslichten für die Jugendalijah Der neue Schedule, der am 10. März herausgegeben und teilweise ungünstig beurteilt worden ist, bietet bei genauerer Prüfung für die jüdische Einwanderung nach Palästina bestimmte Möglichkeiten beachtlicher Steigerung. Die Vollmacht des High Commlssioners, den Umfang der Einwanderung nach politischen Gesichtspunkten zu bemessen, ist vorläufig noch nicht außer Kraft gesetzt, sondern verlängert worden, und zwar mit der Maßgabe, daß diese Verlängerung vorläufig für die nächsten sechs Monate (1. April bis 30. September) praktisch wird. Nach den neuen Bestimmungen soll die Erteilung von Einwanderungs-Visen an Kapitalisten (Kategorie A I des Einwanderungsgesetzes) großzügig gehandhabt werden und 2000 Visen im nächsten Halbjahr umfassen. Diese A I- Visen gelten wieder, wie früher, für Familien. In der Kategorie C (Arbeiter) werden 1000 Zertifikate ausgegeben werden, und es ist sicher, daß verheiratete Zertifikatsempfänger mit Frau und Kindern werden einwandern können, ohne daß diese Familienmitglieder innerhalb des Gesamtschedules besonders gezählt werden. Die Kategorie D (Verwandte) ist diesmal nur mit 200 Zertifikaten bedacht worden, wobei bemerkt wird, daß diese Zahl für Härtefälle reserviert bleiben darf, da Frauen und Kinder, die bisher unter diese Kategorie fielen, nunmehr (wie oben dargetan) mit den Zertifikatsempfängern ins Land kommen bzw. ihnen nachwandern können, ohne besonders gerechnet zu werden. Es werden demnach nunmehr in der Hauptsache Eltern über 55 Jahre auf die Kategorie D angewiesen sein. Die große und neuartige Chance des Schedules liegt darin, daß die Kategorie B des Einwanderungsgesetzes Ziffern-