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Der jüdische Handwerker · 1938-04-01 · 4 (4.1938) · p. Seite 5

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
4 (4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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/ Wahl ihm noch möglich blieb, betätigen könnt«. Diese» Witten unterscheidet ihn von dem jungen Juden unterer Tage in Deutschland. Die- Ungewißheit über den Ort, dat Land der Ausübung det künftigen Berufet kennzeichnet die eigentümliche Schwierigkeit, in der sich die jüditche Jugend in ihrer Berufswahl befindet. Et ist zwar richtig, daß der Inhalt der einzelnen Berufstätigkeiten in den verschiedenen Teilen der* Welt nicht wesentlich voneinander abweicht, daß ein Maurer in Palästina ähnlich arbeitet wie in Argentinien, ebenso richtig aber itt et, daß die Berufsvorbereitung lieh nicht auf die eigentliche Fachausbildung beschränken kann, und daß auch die sprachliche und kulturelle Einführung in den neuen Lebentkreil unentbehrlich itt; vor allem aber stehen dem jüdischen Einwanderer praktitch keinetwegt in federn Lande alle Berufe offen: rechtliche, wirtschaftliche, soziale Hindernisse versperren bald hier, bald dort den Zugang zu dem einen oder anderen Beruf, zu der einen oder anderen Berufsgruppe; zu alledem kommt die Gestaltung det Arbeittmarktet in jeder nationalen Wirtschaft hinzu. Der folgerichtige Gang der Berufsentscheidung wir« daher, die subjektiven Momente der Eignung und Neigung in Ein- , klang zu bringen mit den objektiven Gesichtspunkten der Verwertbarkeit det Beruft; dabei mag zumindest die Neigung (die ja keinetwegt starr igt) auch durch dat oben angedeutete Witten um die Zutammenhinge zwischen individuellem Beruf und dem Schicktal der Geiamtheit, der der Jude alt Jude unentrinnbar angehört, beeinflußt werden. Aut solcher Abwägung ergäbe lieh dann dat Land oder die Landergruppe, in der der in Ausiicht genommene Beruf wirtschaftlich verwertbar itt und nach dem Einwanderung!- und Arbeitsrecht ausgeübt werden kann. Dieser von der Logik vorgezeichnete Weg der Berufsentscheidung kann aber nicht zu Ende gegangen werden, weil der — für eine auf Auswanderung eingestellte Jugend — besonders wichtige geographische Faktor nicht beständig, sondern mindeitent zurzeit stets wechselnd fit. Wie bei einem großen Stellwerk ichließen lieh eben noch offene Gleite und öffnen lieh überraschend — leider nur leiten — solche, die lange Zeit nicht befahren wurden. Wer sich eben noch in voller Fahrt zu einem aussichtsreichen Ziel befand, steht plötzlich auf einem toten Gleit, von dem es nur noch einen Weg zurück gibt, um wieder von vorn anzufangen. Dabei aber handeln die Mentchen im Stellwerk nach einem vorher aufgestellten, einheitlichen Plan, der nur den einzigen Zweck verfolgt, den Verkehr aufrechtzuerhalten und zu erleichtern, während die Weichenstellung für den jüdischen Auswanderer aut Deutschland nicht nur von dem Zentralstellwerk der Aus Wanderungsplanung, sondern gleichzeitig von jedem Einwanderungsland her und oft genug mit dem Ziele erfolgt, dauernde Schranken aufzurichten, den Verkehr für lange Zeit unmöglich zu machen. Wollte man diete Schwierigkeiten zu Ende denken, 10 müßte man an der Lösbarkeit der Aufgabe verzweifeln: aut Furcht, auf dem Verschiebebahnhof zu enden, würden viele die Fahrt gar nicht antreten. Dat Wagnit einer solchen Reite wird zweifellos verkleinert, wenn der, der tie antritt, gut ausgerüstet itt, wenn er zur Not auch anderswo Station machen kann. Dat itt aber nicht bei allen Berufen möglich, ganz abgesehen von der sprachlichen Schwierigkeit, die mit jeder Wahl einet anderssprachlichen Lande« verbunden ist. Für bestimmte Berufe gibt et eine Verwertbarkeit nur in einem bettimmten Lande, und umgekehrt — in einigen Lindern lind bestimmte Berufe von vornherein von einer Verwertung ausgeschlossen. Da kann man nicht unterweg« einfach das Reiteziel Indern, sondern muß wieder von vorn anfangen, wenn lieh dat vorher gewählte Ziel all nicht erreichbar erweist. Dat itt z. B. bei der Landwlrttchaft dar Fall. Wagen der sozialen Bedingungen der Auaübung det landwirtschaftlichen Beruft kommt dieter Beruf mindeitent zurzeit nur für solche Mentchen in Betracht, die lieh für ein Leben in Palästina oder in einem anderen Lande vorbereiten, in dem sie lieh auf eine leistungsfähige und leistungswillige Siedlungsgesellschaft stützen können. Günstiger liegen die Verhältnisse im Handwerk, am ungünstigsten andererseits bei den kaufmännischen und allen akademitchen oder sonst auf ttaatliche Berechtigungen angewiesenen Berufen. ronfnndzwonzUtoliricicr In Düsseldorf Untere Düsseldorfer Ortsgruppe beging am 6. März ihr 25jähriges Jubiläum in feierlicher Form. Sie hatte alle Ortsgruppen des Verbandet zu tich geladen, um gemeinsam mit den Kollegen die Wegstrecke noch einmal abzuschreiten, die in der langen Zeit von 25 Jahren zurückgelegt war, in einem Wandel der Zeiten, die naturgemäß eine Anpassung det einzelnen Mentchen und des Vereint an die Geschehnisse der Zeit erfordert hatten. Die Düsseldorfer Ortsgruppe itt in den letzten Jahren durch ihre besondere Aktivität und ihre Treue zum Verband zu einem wertvollen Mitglied^ der jüdischen Handwerkerorganisation geworden, und 10 war et nicht verwunderlich, daß von nah und fern die Ortsgruppen aus dem Reiche ihre Delegierten entsandt hatten, um den Düsseldorfer Kollegen ihre Grüße zu übermitteln und mit ihnen einige frohe Stunden gemeinsam zu erleben. Die Jubiläumsfeier wurde zum Höhepunkt im Leben dei Dütteldorfer Vereint. Die Düsseldorfer Kollegen hatten alles aufgeboten, um der Feier einen würdigen Rahmen zu geben, der tie gleichzeitig zu einer großartigen Demonitration für das jüditche Handwerk und zu einem Erlebnis für die jüditche Gemeinde in Düsseldorf machte. Schon Tage vor dem Fett liefen von allen Seiten Glückwunschschreiben ein, die ahnen ließen, welchen Anteil die Gemeinde und die jüdischen Organisationen an dem Jubiläumstage det Dütteldorfer Vereins nehmen würden. Und so war es keine Ueberratchung, daß der für die tchlichte Morgenfeier ausgewählte Raum bei weitem dl« Zuhörermengen nicht faßte, die in dat Gemeindehaua geströmt waren. Die Feier mußte noch in andere Räum« des Gemeindehauses übertragen werden, und viele Manschen konnten keinen Einlaß mehr finden. Et war eine Wall« dar Sympathie, dl« dem Handwerkerverein in Düsseldorf aut allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung und von allen iüditchen Organitationen, gleich wo tie stehen, entgegengebracht wurde. Der Raum war feierlich mit Grün ausgeschmückt, und untere Düsseldorfer Freund« verstanden es. dar Frier durch künstlerische Darbietungen «in festliches Gepräge zu geben. Die Begrüßungsansprache det Vortitzenden, Kollegen Leo Winter, vermittelt« den Teilnehmern einen ttarken Eindruck von den Zielen und der Arbeit det Vereins, die durch den Wandel der Zeiten heut« im Mittelpunkt jeder jüdischen Diskussion tteht. Er stellte klar die Schwierigkeiten heraut, mit denen die Gründer det Vereint zu kämpfen hatten, um ihre Idee, die heute doppelt wahr itt, zu verwirklichen, die Idee, der jüditchen Gemeinschaft «in« gesunde Berufs- truktur zu geben. Mit Ergriffenheit folgte die Versammlung den ehrenden Worten, die den verstorbenen Kollegen gewidmet wurden. Kollege Winter hob noch die segensreiche Arbeit det Vereint mit und innerhalb der Gemeinde, insbesondere die Gründung der Darlehnskaste und die tatkräftige Arbeit det Syndikus' hervor, die dem Verein in den letzten Jahren den starken Auftrieb gegeben hat. Die Fettrede hielt der stellvertretende Verbandsvorsitzende Kollege Louit Wolff, Berlin.. Er gab dem Dank det Verbandet für die aufopfernde Arbeit det Dütteldorfer Vortitzenden Leo Winter Ausdruck und betonte, daß dat Gedeihen einer Ortsgruppe im wesentlichen davon abhängig tei, daß Mentchen unter Zurückstellung ihrer eigenen Interessen freudig dem Ganzen zu dienen bereit lind, wofür er ala Vorbild Leo Winter anführte. In seinen weiteren Aulführungen fordert« der Redner die Umschichtung nicht nur nach technischen Gesichtspunkten. Er verlangte dat Vorhandensein bzw. die Schaffung einet itarken Berufsethos, das den Menschen dl« Kraft gebe, dl« Lieb« zur erlernten und erwählten Arbeit zu empfinden. Sodann ertfriff für die Delegierten der angeschlossenen Ortsgruppen Kollege Paul Goldmann, Hannover, dai Wort und knüpfte an den vergangenen Wochenabschnitt an um darzutun, daß die Ortsgruppen Düsseldorf und Hannover Zwillingskinder seien. Er forderte, daß aich der junge jüditche Mensch mehr all bisher zur Religiotität bekenne. Im Anschluß hieran tprach der Vorsitzende der Düsseldorfer Gemeinde, Herr Erich Felsenthal. In humorvollen, andererseits aber auch von tiefem Ernst durchdrungenen Ausführungen schilderte er die Bedeutung det Handwerkervereint für die Dütteldorfer Gemeinde und das Wirken det Vereinsvorsitzenden all Reprätentanten für die Gemeinde. Er legte dar, wie zahlreiche soziale Anregungen vom Verein ausgegangen seien und ihre segensreiche Verwirklichung innerhalb der Gemeinde gefunden hätten. Nur dem Handwerkerverein sei et gelungen, in einer kritischen Stunde die Einheit der Gemeinde zu retten. Der Verein bilde die Verwirklichung des Strebeni der Gemeinde: eine Einheit zu tchaffen ohne Rücklicht auf die Art det jüditchen Denkern und Wollens. Nachdem noch Herr Rabbiner Dr. Klein für daa Rabbinat die Glückwünsche überbracht hatte, wurde «in« Ausstellung von Arbaltan jüdischer Lehrlinge eröffnet. Die Feier hinterließ bei allen Teilnehmern einen itarken Eindruck. Der darauf folgende Gang durch die Ausstellung gab einen Einblick in daa Streben und die Leistungen der jüditchen Lehrlinge, die für sie selbst und ihr« Lahrherren die besten Zeugnisse darstellten. Die Arbeiten wurden allerseits außerordentlich bewundert und zeigten manchem Besucher die Bedeutung dei jüditchen Handwerkerstände! für eine gesund« Berufsstruktur unterer Jugend. LwlutntK LtUMfturt GaUMmkml fVGRÜNFELD Mta LripmuStraDe 20-31 Uta Mannt»»-!*

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