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Der jüdische Handwerker · 1938-04-01 · 4 (4.1938) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
4 (4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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Mode - Zeichnen - Dekorieren als Aüsbiidungs- und Umschichtungsfächer Wir haben unseren Mitarbeiter Werbeberater Fritz Dresel gebeten, über die Ausstellungen von Schülerarbeiten der Privatschule für Mode- und Reklamekunst Georg Hausdorf sowie dar Privaten kunstgewerblichen Lehrgänge Jakob Knoller zu berichten und zu dar Frage dar kunstgewerblichen Schulung Stallung zu nahmen. Die nachfolgenden Darlegungen umfassen diesen Bericht sowie unsere Vorschläge für eine Ausgestaltung der Auabildung. Dl* Schriftleitung. Im Rahmen der Berufsausbildung der jüdischen Jugend und der Berufsumschichtung Erwachsener dürfen diejenigen Berufszweige nicht außer Acht gelassen werden, dl* bestimmten besonderen Begabungen den Weg zu einer erfolgreichen Betätigung bahnen. Die Ausstellungen, die die beiden obengenanntes Inatitute kürzlich veranstaltet haben, geben willkommenen Anlaß, die jüdische Allgemeinheit auf die Bedeutung der Schulung besonders Befähigter in diesen Auabildungsst&tten hinzuweisen. Denn nicht alle jüdischen Menschen sind für einen handwerklichen Beruf geeignet. Wo überdurchschnittlich* künstlerische, zeichnerische oder ähnliche Begabungen vorhanden sind, bilden sie bei richtiger und sachgemäßer Ausbildung ebenfalls eine gute Grundlage für einen Existenzaufbau in fremden, namentlich in überseeischen Landarn. Hierfür liegen in Gestalt bereits erreichter guter Erfolge praktische Beweise in erheblicher Anzahl vor. Die nachstehenden Berichte über die Ergebnisse der Besichtigungen beschränken sich nicht auf die beiden oben erwähnten Institute, sondern es sind auch noch zwei andere graphische Ausbildungsstätten besucht und in die Gesamtbetrachtung einbezogen worden, um so ein einheitliches Bild über die jüdische Berufsausbildung auf diesem Spezialgebiet zu erhalten. Alle vier Inatitute bilden die Kursusteilnehmer und -teilnehmerinnen in Schrift und Plakatgestaltung aus, zwei von ihnen stellen das Modische in den Vordergrund. Ein* Schule bildet besonders Schaufensterdekorateure aus, «in* andere legt in der Hauptsache auf das praktische Zuschneiden und Modegestalten Wert Zusammenfassend kann über den Eindruck der Besichtigungen gesagt werden, daß eine große Anzahl guter Leistungen der Schüler und Schülerinnen festgestellt werden konnte, und daß die Freude über daa Talent und den Fleiß der Schüler lauter und eindringlicher zum Ausdruck gebracht werden darf als die Verbesserungswünsche, die der verantwortungsbewußte Kritiker hier und da nicht verschweigen konnte. * Bei der Besichtigung der genannten Schulen haben wir an den Leistungen einzelner Schüler gesehen, daß die Jüngsten wie die Altesten mit tiefem Ernst gearbeitet haben, und daß es gottlob noch immer jüdische Menschen gibt, die im Glauben an ihre Zukunft mit tapferem Optimismus daran arbeiten, einmal mehr als der Durchschnitt leisten zu können. Und diese von Depressionen nicht getrübte seelische Grundhaltung wiegt vielleicht ebensoviel wie die Leistung selbst Wae hier blutjunge Knaben und Mädchen, was ein ehemaliger Schauspieler, Rechtsanwalt, Börsianer oder Kaffeehausbesitzer in Tages- und Abendkursen erlernt haben, zeigt jedem Besucher, daß sie befähigt sind, Werbung von Niveau zu gestalten. Unter den Plakaten, die in einer der Schulen auagestellt waren, ist daa dee 16jährigen Walter Pollak, ein „Silberlöffel", zu nennen. Mit einfachsten Mitteln erzielt, nur weiß auf schwarz und aehr gekonnt Der 18jährige Maurice Schreckinger zeigt ein Plakat für Violinsaiten. Wirkungsvoll im Aufbau, edel in den Farben und sehr einprägsam. Daa Plakat „Osram- Lampe" der 19jährigen Eva Hauadorf ist fast reproduktionsreif. Der Gegenstand materialgetreu dargestellt, der Aufbau klar und ungekünstelt der Stil modern und vornehm. Daa Obstplakat des 20jährigen Herald Kahnemann ist in Farbe und Gestaltung einzig schön. Auch das Obstplakat der Abiturientin Erika Salomon ist gedanklich und malerisch erfaßt leider ist die Schrift nicht gleichwertig. Hingegen malte Fredi Goldsticker mit 16 Jahren ein Marokko-Plakat In herrlichen gedämpften Tönen, in dem die wenige Schrift harmonisch wirkt Ein reifes Plakat der Verkehrawerbungl Der 16jährige Walter Pollak verrät in seinem Kinoplakat eine besonders feinfühlige Begabung, der man eine Vollreife von Herzen wünschen kann. Die Plakat* „Hag" und „Zuntz" sind dar Beweis dafür, daß auch der Rechtsanwalt als Umschichtler in diesem Fache etwaa Schönes leisten kann. In der Klasse der Schaufensterdekoration Oberragt daa Konfektionefenster des 19jährigen Hans Meißner bei weitem das allgemeine Niveau. Solche Fenster können getrost die anspruchsvollsten Geschifte zieren. Meißner hat alles selbst gemacht: sowohl die Schrift als auch die einzelnen Bestandteile des dekorativen Beiwerke. Das Wische-Fenster eines früheren Kaufhausbesitzers Verrät Sinn für die Praxis. Nicht zu wenig und nicht zu viell Die Ware kommt gut zur Geltung. Solche Fenster braucht die Wirtschaft überall Erwähnenswert ist auch ein Fenster der 16jährigen Inge Brück: Zwei gut gesteckte Kleider fallen auf. "i Der unangemeldete Besuch während de* Unterricht* in einer anderen Schule zeigt* uns einen gut organisierten Lehrbetrieb. Die zumeist weiblichen Schüler arbeiteten ernst und eifrig. Di* Fortgeschritteneren zeigten z. T. beachtliches Können im Modezeichnen und in den praktischen Fächern. Di* Schul* befaßt sich mit dar Ausbildung im Modezeichnen für Konfaktion und Warbung sowie mit der praktischen Auabildung zum Konfektionär und zur Directrlce. Beide Ausbildungsziele werden geschickt miteinander vereint, so daß die Schüler der graphischen Klassen auch daa technisch* und die der modetechnischen Kurse auch das notwendig* zeichnerische Können erwerben. Putzkurse ergänzen den reichen Lehrplan. Von den als Wandschmuck aufgehängten Plakat-Entwürfen fielen die für „Lofoten" und „Lord-Zigaretten" besonders auf. * Die Ausstellung einer anderen Schule zeigte vorwiegend praktisch* Arbeiten, also selbstgeschaffene Damen-, Kinder- und Wischemoden, Handschuhe, modische Kleinigkeiten und Putz. Die graphischen Arbeiten legen Zeugnis dafür ab, daß die Starke des Unterrichts vor allem in der praktischen Ausführung dar Arbeiten liegt Der Besuch einer weiteren Schule zeigte wiederum, daß es besonders talentierte und strebsame Schüler hier verhältnismäßig schnell zu etwaa bringen können. Obwohl die Hauptaufgabe der Schule im Modezeichnen besteht, sahen wir doch als stärkste Arbeiten die Plakatentwürfe dea 16jährigen Fredi Jacobsohn und des 20jährigen Gerd Fuß an. Fuß ist der Typus eines talentierten Graphikers, der nicht nur malerisch begabt ist, sondern auch bis in die Details hinein exakt arbeitet. Auch hier sollten die Lernenden unsere* Erachtens vor allem Schrift und Inserat mit größtem Nachdruck pflegen. Die gerade beim Modecaichnen beschäftigten Schüler zeigten naturgemäß unterschiedliche Leistungen. Der Lehrer gibt sich ersichtlich Mühe, aus dem Talent seiner Schüler das Mögliche herauszuholen und den Lernenden gegebenenfalls auf ganz bestimmte Gebiete umzuleiten, sobald sich besondere Begabungen bei ihm bemerkbar machen. * Wann wir die gewonnenen Eindrück* überblicken, so können wir wohl sagen, daß überall Gut** geleistet wird. Wann man Vorschläge zum Ausbau dea Unterrichte machen so IL so wir* vielleicht auf die Notwendigkeit einer intensiveren Ausbildung im Schriftzeichnen hinzuweisen. Für den Anfänger und den Lernenden kommt es in erster Linie darauf an, daß er Inserate und Prospekte einwandfrei beschriften kann. Das groß* und mehrfarbige Plakat ist zwar für daa Können und den Stil de* Graphikers repräsentativ. In dar Praxis kommt es aber darauf an, daß die aehr viel häufiger geforderten einfacheren Arbeiten gut gekonnt werden. Auf dem wichtigen Gebiete der Photo-Graphik und der Photo-Montage waren noch erweiterte Ausbildungseinrichtungen erwünscht Der Unterricht liegt fast überall in guten und bewahrten Händen. Die Lernenden sollten freilich nicht unbeachtet lassen, daß es nicht ihr Beruf sein soll, Kunstwerke zu schaffen, sondern wirkungsvolle Mittel der Kundenwerbung. Diesem Ziele stehen oft die persönlichen Wünsche der Schüler entgegen. Ebensowenig wie ee dem Musiklernenden benagt, tagtäglich Fingerübungen zu machen, schätzen es die kunstgewerblichen Lernenden, immer wieder Schrift und Raum-Aufteilung zu üben oder anspruchslosere Werbemittel vollendet ausführen zu lernen. Sie wollen lieber mehr oder weniger hübsehe farbenfrohe und nach etwas aussahende Bilder malen. Aber die praktische Berufstätigkeit stellt meist ganz andere, scheinbar einfachere Aufgaben, die aber dennoch an die qualitative Leistung des Berufsausübenden höchste Anforderungen stellen. Es ist naturgemäß in solchen Unterrichtskursen unvermeidbar, daß Schüler verschiedenen Könnens in einer Klasse beschiftigt werden müssen. Berücksichtigt man die Ziele dieser Anstalten, die ja nicht so sehr darin bestehen sollen, hohe Spitzenleistungen Einzelner zu erzielen, als vielmehr ein gutes Durchschnittsniveau der Gesamtleistungen, und beachtet man weiter, daß die Ausbildungszeit aus Gründen, über die hier nichts gsaagt zu werden braucht verhlltnismißig kurz tat, so wird man feststellen dürfen, daß in diesen Ausbildungsstätten in systematischer Arbeit Befriedigend** erreicht wird. Einem Teil der Lernenden muß man freilich immer wieder vor Augen führen, daß sie sich nicht allzu früh an die anspruchsvollste Aufgabe, an daa Plakat, heranwagen sollten, wahrend es doch noch soviele kleinere und in der praktischen Erwerbsarbelt meist wichtigere Dinge gibt wie z. B. Entwürfe für Kinoreklama usw. Und dann vor allen Dingen: Werbetechnik und ein Mindestmaß an Werbepsychologie muß jeder Graphiker besitzen. Man darf nie vergeasen, daß der Gr»-

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