Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 30 (1938)
- Issue
- 4 (4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
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lalle" erinnert man eich der Mitarbeit von Handwerkern. Hier stört wieder einmal der grüne Tisch. Dieter Vorgang ateht nicht vereinzelt da. Auch in der Wirtschaftshilfe der Gemeinden glaubt man der aktiven Mitarbeit der Handwerkerorganisation nur in ganz bescheidenem Maße Rechnung tragen zu müssen. Wir haben keine Zeit, Akten zu wälzen, und dringen auf schnelle Entschlüsse und Entscheidungen. Denn jede Arbeit, die heute in den zentralen Organisationen geleistet wird, ist die Erfüllung von Forderungen, die wir seit Jahren in öffentlichen Kundgebungen und auf Verbandstagen gestellt haben. Beweis: die Resolution des Verbandstages Breslau am 23. 6. 1924: 1. „Der 6. Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands richtet an die deutschen Juden den Aulruf, mit ihren geistigen und materiellen Klüften das Handwerk unter den J u - denzufördern, insbesondere zur Erhaltung bestehender und zur Gründung neuer handwerklicher Betriebe mitzuwirken." 2. „Der 6. Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands macht es allen angeschlossenen Vereinen und allen Verbandsmitgliedern zur Pflicht, die jüdische Jugend zum Handwerk heranzuziehen, sie in der Berufsberatung zu unterstützen und ihr nach Kräften handwerkliche Ausbildungsmöglichkeiten, vor allem Lehrstellen, zu vermitteln. Eine enge Fühlungnahme mit den an diesen Aufgaben interessierten jüdischen Organisationen, insbesondere den Jugendvereinen, ist anzubahnen und dauernd zu pflegen." 3. Der Verbandsvorstand und die Vorstände der Ortsvereine werden ersucht: a) „darauf hinzuwirken, daß gemeinnützige Darlehnskassen gegründet werden mit dem Zwecke, dem erwerbstätigen jüdischen Mittelstand Kredite für produktive Zwecke zu gewähren, b) genossenschaftliche Verbände jüdischer Handwerker zu schaffen, welche die flüssigen Mittel der Genossen aufnehmen und als kurzfristige Kredite an Genossen vergeben sollen." Ferner die Resolutionen, die auf dem Verbandstag in Hannover am 5. Juni 1928 gefaßt wurden: „Der Verbandstag fordert von den jüdischen Gemeinden und Landesverbänden: 1. die Gründung von Dar'lehns,- und Kreditkassen umgehend in die Wege zu leiten;, falls solche nicht bestehen, Neugründungen vorzunehmen, einesteils, um den jüdischen Mittelstand vor weiterer Verelendung zu schützen, andererseits zum Existenzaufbau und -ausbau. 2. Der Verbandstag fordert von den Gemeinde- und Landesverbänden sowie von allen jüdischen Organisationen, daß sie der Frage des Ausbau esder jüdischen Arbeitsnachweise größte Aufmerksamkeit widmen. Der Verbandstag hält die Einheitlichkeit der jüdischen Arbeitsnachweisbewegung für unerläßlich und spricht sich deshalb gegen jede Sondergründung aus, die eine Zersplitterung der Arbeitsnachweise bewirken könnten." — „In Anerkennung der Tatsachen, daß sich in verschiedenen Handwerksberufen bereits ein Mangel an qualifizierten Arbeitern und Lehrlingen bemerkbar macht, hält der Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands es für notwendig, darauf hinzuweisen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt für eine Normalisierung der jüdischen Berufsgliederung durch eine Förderung des handwerklichen Nachwuchses besonders geeignet ist. Der Verbandstag beschließt deshalb: 1. das deutsche Judentum, besonders aber die verantwortlichen Körperschaften auf diesen Umstand hinzuweisen und die Errichtung von Berufsberatungsstellen zu fordern, da eine sinnvolle .Umgestaltung der Berufsgliederung der deutschen Juden nur auf dem Wege einer systematischen Berufsberatung möglich ist. 2. fordert der Verbandstag von den Gemeinde- und Landesverbänden die Einsetzung von Etatsmitteln zur Förderung jener Kreise der jüdischen Jugend, die sich den handwerklichen Berufen zuwenden. Diese Mittel sollen sowohl für die Errichtung von Lehrlingsheimen wie auch für Lehrzuschüsse an Minderbemittelte sowie Ergänzungsansbildungen bereitgestellt werden. 3. Der Verbandstag verpflichtet sämtliche Mitglieder, sich mit allen Kräften in den Dienst der Arbeitsnachweis-Bewegung zu stellen, insbesondere aber bei den Gemeinde- und Landesverbänden für die Förderung der Nachweise einzutreten." Wir stellen also fest, daß die Forderungen, die wir vor' Jahren in unseren Resolutionen erhoben haben, in weitestem Umfange durchgeführt werden — ohne nennenswerte Heranziehung der Urheber. Das Aufgabengebiet unseres Verbandes hat sich geweitet. Die Arbeit wird ohne allzu große Betriebsamkeit und ohne Instanzenwege geleistet. Wir brauchen zu die- Durch das Reichsgetetz über die Recht soerhältnitse der jüdischen Kultu$oereinigungen vom 28. Märt 1938 ist bestimmt, daß die jüdischen Synagogengemeinden und ihre Verbände die Stellung als Körperschaften des öffentlichen Rechts verlieren. Sie tragen fortan den Charakter rechtsfähiger Vereine des bürgerlichen Rechts. Durch diese Maßnahme wird die Stellung der Gemeindemitglieder zu derjenigen Synagogengemeinde, der sie angehören, nicht berührt. Ihre Verpflichtungen gegenüber ihrer Gemeinde bestehen unverändert fort. Im Rahmen der neuen Form verbindet das gleiche rechtliche und sittliche Band die Gemeinde und ihre Mitglieder. Unverändert werden die jüdischen Kultusvereinigungen und ihre Verbände als privatrechtliche Körperschaften sich weiterhin ihrer Aufgabe der kulturellen und sozialen Betreuung ihrer Mitglieder widmen. Unverändert besteht die rechtliche und sittliche Pflicht jedes Gemeindemitgliedes, durch finanzielle Leistungen und durch Teilnahme am Gemeindeleben wirtschaftlich und moralisch der Gemeinde und den Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft zu dienen. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland Dr. Baedc. ser Arbeit auch nicht die Belehrungen über Handwerk, die in geradezu beängstigender Fülle im jüdischen Blätterwald zu finden sind. Was wir aber wünschen, ist die sichtbare Anerkennung unseres jüdischen Wollens. Vor ca. sechs Wochen fand eine Jubiläumsfeier des Düsseldorfer Handwerkervereins, verbunden mit einer imponierenden Leistungsschau jüdischer Lehrlingsarbeiten, statt. Bei der würdigen Feier im Gemeindehaus, an der etwa 500 Personen teilnahmen, wurden .vom Gemeindevorsitzenden und Vertretern fast aller jüdischen Organisationen unserer Ortsgruppe Düsseldorf Dank und Anerkennung für 25jährige erfolgreiche Arbeit, insbesondere bei der Zuführung der Jugend zum Handwerk, ausgesprochen. - Kein Wort im jüdischen Blätterwald über diese Feier. Die Zeitschrift einer unserer größten Organisationen gesteht für diese Veröffentlichung wegen — Platzmangel sage und schreibe 5 Zeilen zu. In der gleichen Nummer fand man eine Seite Sport, eine Seite „Gespräche" eines Schriftstellers, eine Seite Reisebriefe, eine Seite Romanfortsetzung und mehrere Spalten Veranstaltungen des Kulturbundes, aber nur — 5 Zeilen über eine Kundgebung und Leistungsschau der Handwerker-Organisation in Düsseldorf. So geschehen von einer Organisation, die in der Zeit der früheren Wahlkämpfe sich für ihre öffentlichen Versammlungen wiederholt einen Handwerksmeister als Redner verschrieb, um ihre Mittelstandsfreundlichkeit unter Beweis zu stellen. Es herrscht in den jüdischen Büros und Redaktionsstuben immer noch eine nicht überwundene Weltfremdheit, die an den grünen Tisch erinnert. Es ist höchste Zeit, daß dieses Hindernis in den Orkus verschwindet. OPSHQUS W^UTEN HERREN UND UNQBEN Ul^DÜNG cy? rjcr-m; BERLIN SCHONEBERG, HPUPTSTR.1