Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 30 (1938)
- Issue
- 4 (4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492337-5771062-5922611--637-4883412- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1 tat iiiöifdjff liiniwiniTOCT (fiii${lipfot^^ ftnuMtyrtm vom 3mtralnrrban& jüßifditr fian erorrrcr b tut fdjlani 0 c V JÜU Tßcrün IWKm&elcttimO'^ (ßcfa»iTIMbtn&.8£>j. Xnfragta nur an tit ®«fd>äfl«ft*ne: Qttlin SS $0, OlaajotflraSe 8, flj 4 S5awria 1030 30. Jahrg. Nr. 4 VERLAG: ZENTRALVERBAND JDD. HANDWERKER April 1938 Der otfine tifdi Von Louis Wolf f. Wer kennt ihn nicht, dieses Mahnmal einer gottgewollten Ordnung, diese Barriere zwischen Weltenferne und Lebensnähe. Hier stand oder steht der sogenannte Intellektuelle dem einfachen Mann gegenüber, ihn oftmals seine geistige Ueberlegenheit fühlen lassend. E r war der unfehlbare Vertreter einer höheren Ordnung, jener der verängstigte Bittsteller oder Empfangende. Der grüne Tisch entschied häufig über Sein oder Nichtsein. Er hat in den letzten Jahren seine Schrecken verloren, und das ist gut so. Könnten jedoch grüne Tische aus ihrer Vergangenheit reden, die lebhafteste Phantasie eines Schriftstellers über Menschenschicksale würde gegen die Wirklichkeit dieser Sprache verblassen. Wir haben endlich einmal, besonders aus den Erfahrungen der letzten Jahre, gelernt, daß Mensch — Mensch ist, daß viele, die früher hinter grünen Tischen saßen, heute vor diesen Platz nehmen müssen. In höherem Sinn eine ernste Warnung gegen die Ueberheblichkeit, in unserer Zeit aber eine Mahnung zur verpflichtenden Gemeinsamkeit i n-d e r A r b e i t für die Substanzerhaltung unserer so wankend gewordenen Existenzgrundlage. Die Gemeinsamkeit des Wollens, die Fülle neuer Aufgaben äußern sich in einer Vielfältigkeit der Arbeit in den verschiedensten Bezirken jüdischen Lebens, die eine Unzahl von Kräften in den Dienst der wetteifernden Mitarbeit herangezogen hat. Die zentralen Organisationen und Gemeinden sind zum Rückgrat jeder jüdischen Arbeit geworden. Ihr Aufgabenkreis umfaßt das ganze Gebiet der kulturellen und insbesondere der materiellen Gemeinschaftshilfe wie Darlehns- und Kreditkassen, Wirtschaftshilfe, Berufsberatung, Berufsausbildung und das gewaltige Problem der Auswanderung. Ein übermenschliches Maß von Gemeinschaftsarbeit, die eine .Mobilisierung von Fachkräften und Sachbearbeitern in weitestem Umfange erforderte. Wir anerkennen die aktive und überaus verantwortungsvolle Arbeit, die von den jüdischen Stellen geleistet wird, und die Geschichte wird einmal von den Leistungen der Juden in Deutschland zu berichten wissen. Die zentralen Organisationen sollten aber nicht vergessen, daß ihre Arbelt nur Stückwert wäre, wenn sie sich nicht die Erfahrungen der seit Jahrzehnten bestehenden Organisationen mit deren Specialaufgaben zunutze machen würden. Wer den Film „Schaffender Wille" gesehen, aber auch miterlebt hat, den überkam ein Gefühl der Freude und Genugtuung. Junge Menschen machen sich frei von einer überspitzten Geistigkeit, befreien sich von den Traditionsberufen ihrer Väter und treten in lebensnahe Berührung zu Boden und Handwerk. Es wäre überheblich und auch undankbar, an diesem Film Kritik zu üben. Es soll aber auch keine Herabsetzung der jüdischen Leistung bedeuten, wenn wir feststellen, daß wir vieles in der handwerklichen Abteilung dieses Films gesehen haben, was dem fachlichen Auge und Urteil nicht standhält. Das soll, wie gesagt, keine Minderung der Leistung an sich sein, berührt aber etwas Grundsätzliches, zu dem wir Stellung nehmen müssen. Die jüdische Handwerkerorganisation blickt auf eine fast 45jährige Tätigkeit und Erfahrung zurück. Sie hat in den Tagen des Umbruchs aus ihrer jüdischen Verpflichtung heraus sofort ihre Organisationsarbeit und ihre aktive Mitarbeit in weitestem Umfange zur Verfügung gestellt. Wo waren die Männer sonst in den zentralen Organisationen zu finden, die Handwerk „planen" konnten? Eine systematische Berufsplanung war nur möglich durch stärkste Heranziehung aller Fachkräfte. Nach langen Verhandlungen wurde innerhalb der Reichsvertretung ein Handwerkerausschuß errichtet, dem unter handwerklichen Gesichtspunkten eine der schwersten und dennoch schönsten Aufgaben zufallen sollte. Die ganze Berufsausbildung und Planung sollte in diesem Ausschuß zusammengefaßt werden. Es hat nicht sollen sein. Er führt ein Dornröschendasein und im „Bedarfs- Wir erwarten Sie am Sonnabend, den 23. April 1938 ' im groben Saal des „Jüdischen Brüdervereins" Berlin W62, Kurfüfstenstrane Nr. 115/116 su unserem GeseUschattsabend zum Tanz Fritz Lachs und sein Swing-Orchester •EMMI M.» Uhr zum Kabarett Ruth Lehnberg Fritz Taehauer Inningen! WUlner EINTRITT: in Vorvsrkauf 2. n dir «btndkasis 2.60 Kommen Sie bestimmt! 1