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Der jüdische Handwerker · 1938-02-01 · 2 (2.1938) · p. Seite 3

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
2 (2.1938)
Date
1938-02-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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2. Steuerfreier Neuhausbesitz. Für das Oebiet der Reichsfluchfsteuer wird auch der Wert von Grundstücken dem Oesamtvermögen de» Steuerpflichtigen hinzugerechnet, der sonst auf Grand der Bestimmungen Ober die Steuerbefreiung von errichteten Wohngebäuden in dem durch die letzten Vermögenssteuerbescheid festgestellten Oesamtvermögen nicht enthalten war. Auch hier zeigt sich die Sonderstellung, die die Reichsfluchtsteuer inmitten aller anderen Steuerarten eingenommen hat, Indem sie auch Werte ergreift, die sonst der Besteuerung nicht unterliegen. Auch diese Vorschrift wird unter Umständen dazu führen, daß vorliegende Sicherungsbescheide erhöht werden. 3. Verzugszuschläge. Bisher waren für fällige Reichsfluchtsteuer-Beträge außerordentlich hohe Zuschläge, nämlkh 5 Prozent für jeden angefangenen halben Monat zu entrichten. Diese aus dem Jahre 1931, der Zeit außerordentlich hoher Zinssätze, stammende Bestimmung ist nunmehr dahin geändert worden, daß für jeden dem Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden angefangenen Monat 1 Prozent mindestens aber 2 Prozent Zuschlag zu entrichten sind. 4. Freistellungen und Billigkeitsmaßnahmen. Der Reichsfrnanzminister hat in einem RE vom 23. 12. 1937 neue Grundsätze aber die Freistellung von der Reichsfluchtsteuer, sowie Ober die Ermäßigung und den Erlaß derselben im Billigkeitswege getroffen. Während für Reichsbürger die grundsätzliche Bestimmung getroffen ist daß bei einer Abwanderung nach den durch den Versailler-Vertrag abgetretenen Gebieten, diese von der Reichsfluchtsteuerpflicht freizustellen sind und nur ausnahmsweise bei Umgehungsfällen die Reichsfluchfsteuer zu erheben ist, kommt bei auswandernden Juden und jüdischen Mischlingen eine Freistellung grundsätzlich nicht in Frage- Für Ausnahmefälle hat sich der Reichsf inanzminisKr selbst die Entscheidung vorbehalten. Des weiteren sollen in Fällen, in denen die an sich erwünschte Auswanderung eines Juden oder jüdischen Mischlings durch die Erhebung der Reichsfluchtsteuer verhindert wird, derartige Anträge auf Ermäßigung oder Erlaß der Reichsfluchtsteuer ebentalb dem Reichsfinanzminister zur Entscheidung vorgelegt werden. Im übrigen erhalten die Oberfinanzpräsidenten (also das Landesfinanzamt) die Befugnis, über Billigkeitsanträge auf Erlaß oder Ermäßigung selbst zu entscheiden, wenn die zu erlassende Reichsfluchtsteuer den Betrag von RM 1000.— nicht übersteigt 25 Jähre Dusseldorf Der Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender Düsseldorf e. V. begeht am 20. Februar 1938 die Feier seines 25jährigen Bestehens. Der eigentliche Gründungstag war der 13. Januar 1913. Eine kleine Gruppe von jüdischen Handwerksmeistern (es waren insgesamt 9) schlössen sich damals zusammen und gründeten; nachdem bereits in fast allen größeren Städten auf Anregung des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Ortsgruppen ins Leben gerufen worden waren, auch in Düsseldorf den oben genannten Ortsverein. Die kleine Anzahl der Männer, die an der Gründung tatkräftig teilnahm, war erfüllt von starkem Idealismus und legte so den Grundstein für d> heute gefestigte und tätige Organisation in Düsseldorf. Der erste Vorsitzende des Vereins war Malermeister Koll. Moses Vogelsang. Er blieb es auch bis zum Jahre 1925, legte dann aber sein Amt des hohen Alters wegen nieder und ist im Jahre 1933 gestorben. Moses Vogelsang verstand es, den Verein aus kleinsten Anfängen zu einer beachtlichen Organisation in Düsseldorf zu entwickeln. Die Mitgliederzahl nahm stetig zu, und der Aufbau machte bis zum Kriege gute Fortschritte. Fast alle Mitglieder waren während des großen Ringens an der Front Schon damals zeigte sich ab eine der schönsten Fruchte echter Kameradschaft das enge Zusammenwirken der an der Front stehenden Leo Winter, Düsseldorf Kollegen im Felde regelmäßig Liebesgabenpakete zusandten. Nach dem Kriege wurde die Vereinstätigkeit lebhafter. Im Jahre 1925 fand aus Anlaß der Jahrtausendfeier der Rhein- und der wenigen daheimgebliebenen Mitglieder, die den ~elde Nach den Jahre 1925 lande eine große Kundgebung der jüdischen Handwerker- Vereine statt, an der unsere Brudervereine aus dem ganzen Reich sowie Vertreter der Behörden, Qemeindevorstand, Repräsentanten und wohl alle jüdischen Organisationen teilnahmen. Nach dem Rücktritt von Moses Vogelsang wurde der damalige zweite Vorsitzende, Kollege Schlossermeister los. Erle, zum ersten Vorsitzenden gewählt. Auch er erfreute sich allgemeiner Beliebtheit, und unter seiner Leitung konnte die Stellung des Vereins sowohl nach innen als auch nach außen weiter gefestigt werden. Er starb leider allzu früh, noch in den besten Jahren im Jahre 1928. Zum ersten Vorsitzenden wurde nunmehr Kollege Installateurmeister Leo Winter gewählt. Er ist abo jetzt genau 10 Jahre Leiter des Dusselorfer Vereins. Sein besonderes Verdienst besteht in seiner Tätigkeit für die Errichtung einer Darlehnskasse im Bezirk Düsseldorf, die vor einigen Jahren auf Anregung des Handwerkervereins ins Leben gerufen wurde. Sie ist heute eine der am besten arbeitenden Kassen im ganzen Reich. Ferner gelang es dem Düsseldorfer Verein auf seinen Antrag hin, in Anguederung an die private jüdische Volksschule die Einrichtung eines Fortbildungskursus für jüdische Handwerkslehrlinge durchzusetzen. An dledem Kursus nehmen schon jetzt etwa 40 Lehrlinge teil. Besondere Verdienste um den Verein haben sich außer den beiden genannten Verstorbenen erworben: der Kassierer Sallv Levisohn, der gleichzeitig 25 Jahre Kassierer des Vereins bt, ferner Klempnermeister Jos. Keyzer, Malermeister Hermann Vogelsang, der in Amerika lebt, sowie der Koll. Schreinermeister Adolf C a h n, der ebenfalb zu denjenigen gehört, die bereits 25 Jahre dem Verein angehören. Zu den Gründern gehören ferner die Kollegen Klempnermebter D. S a 1 o m o n , Polsterer S. Steinhardt, Malermeister Luis Berliner, Schreinermeister L. Lew, der verstorbene Malermeister A. Rosenthal und Berthold Erle, der im Kriege auf dem Felde der Ehre gefallen bt Von den Gründern des Düsseldorfer Ortsverems leben abo noch folgende Kollegen in Düsseldorf: Kassierer S a 11 y Levisohn, Schreinermeister Adolf Cahn, Klempnermeister Jos. Keyzer, Klempnermebter D.,Si- 1 o m o n, Polsterer Siegm. Steinhardt und Schreinermeister Leopold Levy. Die Ortsgruppe hat in den 25 Jahren ihres Bestehens die Interessen des jüdischen Handführen und auch künftig keine Mühe scheuen, durch Erfolge vertreten. Im Vertrauen auf die gute Sache die sie vertreten, werden die Düsseldorfer Kollegen ihre Arbeit fortführen und auch künftig keine Mühe scheuen, durch Erziehung der Mitglieder zur Qualitätsarbett und durch Pflege der Kollegialität der Gesamtheit zu nützen. Die Jüdische Auswanderung Im Jahre 1937 Die vor l'/t Jahren ins Leben gerufene Meldestelle für Binnen- und Auswanderung beim Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden hat sich die wichtige Aufgabe gestellt, alle Auswanderungsfälle, an denen Juden beteiligt sind, auf Grund möglichst lückenloser Meldungen zu sammeln und dadurch zuverlässiges Material für eine Statistik der jüdischen Auswanderung zu beschaffen. Ueber die Ergebnisse dieser Statistik in den ersten 9 Monaten des Jahres 1937 hat Max Birnbaum, der Leiter der Meldestelle, im Januarheft der Zeitschrift des Landesverbandes eingehend berichtet. Es wurde eine Oesamtzahl von 16 76 2 jüdischen Auswanderern in einem Zeitraum von drei Vierteljahren ermittelt. Das würde, wenn man diese Ziffer auf das ganze Jahr 1937 umrechnet, einer Oesamtzahl Von rund 22 300 jüdischen Auswanderern entsprechen. Da die Meldungen aber In einigen Bezirken noch immer unvollständig sind, wird man die Gesamtziffer der Ausgewanderten in Wirklichkeit für das Jahr 1937 auf etwa 24000 bis 25 000 veranschlagen dürfen. Wohin richtete sich nun diese jüdische Auswanderung? Von den nahezu 14000 registrierten Auswanderern, deren Auswanderungsziel ermittelt werden konnte, gingen in den ersten drei Quartalen des verflossenen Jahres nach den Vereinigten Staaten . . . „ Palästina........ „ Süd- und Mittel-Amerika . . . „ westeuropäischen Ländern . . , „ nord- und Mittel-Europa .... „ Afrika......... „ Ost- und Südost-Europa . . . 4566 _ 32,7 v. H 2538 ■B 18,2 „ „ 2364 im 16,9 „ M . 2258 16,2,, „ 1180 mm 8s^ it h 448 Mi 3»2 u m 430 mm 3 1 "'l1 Ii n 139 — 1 * »» >• 3

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