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Der jüdische Handwerker · 1938-01-01 · 1 (1.1938) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
1 (1.1938)
Date
1938-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Wohnungsschwierigkeiten ein überhöhter Mietzins gefordert wird. Bei Wohnungen, die durch Teilung einer Altbau- Wohnung entstanden sind, darf in der Regel kein höherer Mietpreis gefordert werden ab der, der der gesetzlichen Miete der ungeteilten Wohnung entspricht. Keinesfalls darf er höher sein ab der von Neubau-Wohnungen gleicher Größe, Ausstattung und Lage. Auch die Untervermietung unterliegt dem Eingriff der Preisbildungsstelle. Ist die Erhebung eines Zuschlages für die Untervermietung ohne Ausnahmebewilligung der Preisbildungsstelle nur dann zulässig, wenn er am 30. November 1936 bereits vereinbart war, so kann darüber 'hinaus die Preisbildungsstelle dem Mieter auch bei, nicht erlaubter Untervermietung die Genehmigung an Stelle des Vermieters hierzu erteilen. Denn die Pretabildungsstellen haben die Befugnb, auch solche Bestimmungen von Mietverträgen, die nicht unmittelbar den Mietzins betreffen, aufzuheben oder zu ändern, wenn sie für den Mieter unter Berücksichtigung aller Verhältnisse eine unbillige wirtschaftliche Belastung bedeuten. * Strafbestimmungen sorgen* für die Innehaltung der Anordnungen des Preiskommissars, der den Vermieter sogar anhalten kann, erforderliche Instandsetzungen vorzunehmen und bei schweren Verstößen die Verwaltung des Hauses einem besonderen, von der Preisüberwachungsstelle zu bestimmenden Verwalter übertragen kann. Dr. Manfred Meyer. Argentinien in iDictrdioftlidiem Aufllieg Unter allen südamerikanischen Ländern ist Argentinien im letzten Jahre am meisten von der weltwirtschaftlichen Entwicklung begünstigt worden, und es ist bisher auch von Rückschlägen, wie sie z. B. in Brasilien durch die Krise des Weltkaffeemarkts hervorgerufen worden sind, nicht betroffen worden. Der argentinische Außenhandel beruht auf zwei großen Säulen: auf der Ausfuhr von Weizen und von Gefrierfleisch. Die Weltmärkte dieser beiden Agrarprodukte sind bisher von größeren Preisrückgängen verschont geblieben. Insbesondere hat sich der Weltweizenmark t gut behauptet. Aber selbst wenn künftig auch diese Märkte von dem allgemeinen Rückgang des Verbrauchs und der Nachfrage, der sich auf den internationalen Märkten fühlbar macht, in Mitleidenschaft gezogen werden sollte, so ist die argentinische Binnenwirtschaft inzwischen bereits in so hohem Maße erstarkt, daß ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber vorübergehenden Schwankungen der Wettmarktkonjunktur sehr groß sein dürfte. Argentinien hat die K a p i - t a 1 z u f u h r, die ihm die günstige Weltmarktkonjunktur im letzten Jahre gebracht hat, dazu benutzt, in erster Linie seine Binnenwirtschaft mit allen Kräften auszubauen und zu beleben. Die Industrialisierung des Landes vollzieht sich in außerordentlich schnellem Tempo. Hier sind freilich teilweise auch ausländische Kapitalien zum Zwicke der Finanzierung eingesetzt worden. Die Investitionsbereitschaft des nordamerikanischen Kapitals ist offenbar durch die Rückschläge, die die Wirtschaft der Vereinigten Staaten erlitten hat, noch verstärkt worden. Man hält eine Anlage des Kapitals in argentinischen industriellen Unternehmungen zurzeit vielfach für aussichtsvoller ab eine solche in einheimischen Unternehmungen. In engem Zusammenhange mit der argentinischen Industrialisierung steht die gegenwärtige Hochkonjunktur im argentinischen Bauwesen. Hier wird die privarwirtschaftliche Initiative durch eine planvolle Tätigkeit der argentinischen Regierung wesentlich unterstützt und ergänzt. In dem ganzen Gebiet Argentiniens ist auf Grund eines Zehnjahresplanes der Regierung ein großzügiger Straßenbau in Angriff genommen und teilweise bereits durchgeführt worden. Hand in Hand damit gehen Ve rkehrsverbesserungen auf allen Gebieten. Umfangreiche Käufe von Automobilen sind in den letzten Monaten in den Vereinigten Staaten getätigt worden. In Buenos Aires wird mitten durch das Stadtzentrum eine große Verkehrs- und Geschäftsstraße neu angelegt. Zahlreiche Hochhäuser sind im Bau oder bereits fertiggestellt. Der Hafen der Hauptstadt wird erweitert und modernisiert. Neue Krankenhäuser, Schufen, Wasserleitungen, Kanäle für den Schiffsverkehr usw. befinden sich im Bau. Die Provinz Santa Fi hat kürzlich eine große Anleihe zur Finanzierung öffentlicher Bauten aufgenommen. Um die Industrialisierung zu fördern, bt die Einfuhr von Maschinen sowie von den verschiedensten Materialien, deren die einheimische Industrie bedarf, und die im lnlande nicht oder noch nicht hergestellt werden, von Einfuhrzöllen freigestellt worden. Wie ungewöhnlich lebhaft die Bautätigkeit gegenwärtig in Argentinien ist, zeigt am besten die außerordentlich starke Zunahme der Zementeinfuhr. Diese bt notwendig, obwohl die inländbche Zementerzeugung im letzten Jahr bedeutend gesteigert worden bt. Trotz dieser starken Zunahme der Zementeinfuhr und der Zementerzeugung aber herrscht in Argentinien ein fühlbarer Zementmangel! Denn der Baueifer war noch niemals so groß wie gegenwärtig. Die argentinische Gesamteinfuhr betrug in den ersten zehn Monaten des Jahres 1937 rund 1 270 Millionen Peso. Sie war damit um rund 350 Millionen Peso größer ab in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Diese Einfuhrzunahme entfiel vorwiegend auf Investitionsgüter, die im Lande selbst nicht oder nicht in ausreichendem Maße erzeugt werden. Argentinien braucht außer Zement vor allem Eisen und Stahl, Maschinen und Fahrzeuge aller Art sowie Kabel, Zentralheizungsanlagen u. a. m. Trotz der starken Steigerung der Einfuhr hat sich der Ausfuhrüberschuß des Landes im •letzten Jahre noch bedeutend vergrößert. Denn die Ausfuhr hat noch in erheblich stärkerem Maße ab die Einfuhr zugenommen. Infolgedessen hat sich der Ausfuhrüberschuß Argentiniens in den ersten zehn Monaten des Jahres 1937 auf 702 Millionen Peso erhöht, während er in der gleichen Zeit des Vorjahres nur 367 Millionen Peso betragen hatte. Diese außerordentlich günstige Gestaltung der Au ßen - Ein Berufsjubiläum Am 23. Januar begeht unser Freund und Vorstandsmitglied der Malermebter Robert 0uthe,m seht JOjähriges Berufsjubiläum. Denn seit dem Jahre 1908 Ist er als selbstständiger Malermeister tätig. Nicht diese Feststellung allein bt das Bedeutsame, sondern auch die Art der Betrlebafflhrung unseres Freundes. Sauberkeit der Berufsgesinnung bt das hervorstechendste Merkmal der Tätigkeit unseres Q u t h e i m. Den strengen Mafistab, den er an sstne eigenen Leistungen anlegt, verlangt er auch von jedem seiner Kollegen. In diesem Sinne hat er seit Jahrzehnten In unserer Mitte bb auf den heutigen Tag gewirkt. Ab Idealbild des jüdischen Handwerkers wie wir es nicht ab Ausnahme, sondern alr Regel geformt sehen mochten, bt Freund Gut heim vielen unserer Kollegen zum Lehrmelstur und damit zum Vorbild geworden. Mögen Ihm noch viele Jahre glucklichen Berufslebens beschieden sein. L.W. —————————————■ handelsbilanz ermöglichte der argentinischen Regierung die Aufhebung der Devisenzwangswirtschaft. Die Ertrage des - erhöhten Exports werden in erster Reihe dazu verwendet, die für den Aufbau der Industrie und die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse erforderlichen Importe zu ermöglichen. Die heute vorhandenen großen Devisenreserven, deren Ansammlung die alle Erwartungen übersteigende günstige Entwicklung der Ausfuhr im lahre 1937 ermöglichte, sichern die Finanzierung der Importe auch für den Fall eines etwaigen Rückschlages der Exportkonjunktur. - Ein solcher liegt freilich im Bereich der Möglichkeit. 'Denn wenn auch bisher die Weltmarktlage für Weizen, das wichtigste Ausfuhrprodukt Argentiniens, günstig geblieben bt, so sind doch hier Gefahrenmomente vorhanden. Sie können vor allem von einer Verminderung der argentinischen Ernte ihren Ausgang nehmen. Während die vorjährige Weizenernte in Argentinien außergewöhnlich reichlich war, kamen in diesem Jahre aus den Provinzen Cordoba und Santa Fi Meldungen über Ernteschädigungen infolge von Regenmangel und Nachtfrösten. Man glaubt, daß hierdurch der Ertrag der Weizenernte um ein Viertel vermindert werden wird. Infolgedessen bt der argentinische Weizenpreb, der bb jetzt über dem Weltmarktniveau lag, nicht zurückgegangen. Das bt umso bemerkenswerter, als andererseits die Nachfrage nach argentinischem Weizen, namentlich in den Vereinigten Staaten, etwas nachgelassen hat. Aber weder eine Verminderung der inländischen Weizenernte noch ein Rückschlag der Wettmarktpreise können heute den wirtschaftlichen Aufschwung Argentiniens ernstlich gefährden. Denn die argentinische Prosperität beruht nicht auf einer einseitigen Monokultur, auch nicht auf der des Weizens. In der Ausfuhr Argentiniens spielen neben der des Weizens auch die Exporte von Leinsaaten und von Gefrierfleisch eine bedeutende Rolle. Beide sind aber kaum von Rückschlägen bedroht. Der Stand der argentinischen Leinsaaten wird auch in den neuesten Berichten ab günstig bezeichnet, da hier keine größeren Wetterschäden eingetreten sind. Aber selbst wenn der Gesamtexport des Landes einen gewissen Rückgang erfahren sollte, wurde dadurch die Binnenmarktkonjunktur nicht wesentlich beeinflußt werden. Argentinien geht einer sehr gesicherten wirtschaftlichen Zukunft entgegen. Die innere Lage ist nach der Wiederwahl des Präsidenten Dr. R. M. Ortiz, des früheren Finanzministers, vollkommen stabil. Wirtschaft und Finanzen des Landes befinden sich in einem so starken Aufschwung, daß wie schon hervorgehoben wurde, Teilrückschläge auf dem einen oder anderen Gebiete ohne eine schwere Beeinträchtigung der Prosperität der Oesamtwirbchaft ertragen werden könnten. . »■ Jeden Montag, 6-8 Uhr, Oranlenstr. 611 (direkt am Moritzplatz). Jeden Mittwoch, 4—5 Uhr, Nachodstr. 8 in der Oeichäftsstelle.

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