Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 12 (12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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melfmirtlUiafflidiss äonjunhfurbncomßtec Während die Weltwirtschaft noch vor einigen Moniten im Zeichen der Hochkonjunktur stand, hat diese jetzt eine deutlich erkennbare Unterbrechung erfahren, die freilich vielfach für vorübergehend gehalten wird. Besonders scharf ist die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von den Rückschlägen betroffen worden. Allem Anschein nach war auch diesmal eine Ueberproduktion die Ursache der Störungen. Auf die Kursstürze an den Börsen und Warenmärkten Folgte ein Rückgang der Industrieproduktion. Namentlich die Investitionstätigkeit verminderte sich erheblich, und infolgedessen gingen natürlich auch die Auftragseingänge in den Produktionsgüter herstellenden -Industrien zurück. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, daß die Verbrauchs güterindustrien in den Vereinigten Staaten diesmal kaum wesentlich in Mitleidenschaft gezogen wurden. , Die Folge davon ist, daß die angehäuften Vorräte der Industrie und des Handels an Verbrauchsgütern wie auch an Rohstoffen, die zu ihrer Erzeugung notwendig sind, weiter abgenommen haben. Man erwartet deshalb, daß der Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage auf vielen Gebieten der amerikanischen Wirtschaft ziemlich schnell wiederhergestellt sein, und daß hiervon dann eine neue Belebung der gesamten Wirtschaftstätigkeit ausgehen wird. Versucht man die Ursache der amerikanischen Konjunkturunterbrechung zu erforschen, so wird man feststellen müssen, daß sie vor allem auf psychologischem Gebiet liegen. Die weltpolitischen Verwicklungen riefen Furcht vor einem Rückschläge hervor, und diese Furcht erzeugte dann wirklich den Rückschlag. Die Regierung Roosevelt hat in letzter Zeit den Kämpf gegen die drohende ^Gefahr einer neuen wirtschaftlichen Depression mit großer Energie aufgenommen. Durch eine staatliche Krediterweiterung soll die private Wirtschaft aufs neue angekurbelt werden. Für die zahlreichen jüdischen Auswanderer, die ihre Blicke heute in erster Linie nach den Vereinigten Staaten richten, da sie sich dort eine neue wirtschaftliche Existenz aufbauen wollen, ist die schnelle Ueberwindung des konjunkturellen Rückschlags, der in der amerikanischen Wirtschaft empfindliche Störungen hervorgerufen hat, von größter Bedeutung. Erfreulicherweise kann man die Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten wie die weltwirtschaftliche Lage überhaupt zurzeit wieder optimistischer beurteilen. Eine beachtenswerte Auswirkung der konjunkturellen Störungen, die. die Weltwirtschaft betroffen haben, sind die Preisrückgänge an den internationalen R j hstoffmärkten. Da Amerika auf fast allen Gebieten der größte Rohstoffverbraucher ist, mußte das unerwartet eingetretene Nachlassen der amerikanischen Nachfrage zu entsprechenden Preissenkungen führen. Am größten waren sie an den Märkten der Nichteisenmetalle, des Kautschuks, der Baumwolle Daneben unterlagen auch einige weltwirtschaftliche Genußmittel, — Kaffee und in geringerem Grade auch Tee — erheblichen Preisrückgängen, widerstandsfähiger zeigten sich im großen und ganzen die Getreide- und Wollmärkte; aber auch sie waren zeitweise von der Baisse ergriffen. Man beziffert die in den letzten Wochen eingetretenen Rückgänge der Metallpreise auf durchschnittlich 20 Prozent, die der Spinnstoffpreise auf durchschnittlich 10 Prozent Eine Folge des Sinkens der Rohstoffpreise war die Abwärtsbewegung des gesamten Preisniveaus in den meisten Ländern, die mit der Weltwirtschaft eng verbunden sind. In England, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz u. a. waren aber nur sehr leichte konjunkturelle Rückschläge zu beobachten, die wesentlich geringer als die amerikanischen waren und m einigen anderen Ländern haben die Produktionsgüterindustrien sogar ihren hohen Beschäftigungsstand behaupten können. Weltwirtschaftliche Rückschläge pflegen den zwischenstaatlichen Handelsaustausch am empfindlichsten zu treffen. Der Welthandel ist demgemäß im 3. Vierteljahr 1937 wertmäßig um 1 Prozent, mengenmäßig sogar um 2 Prozent zurückgegangen. Da aber in den ersten drei Quartalen ein sehr schneller und starker Aufschwung des Welthandels vorausgegangen war, ist der jetzige Rückschlag nicht von großer Bedeutung. Unter den Gesichtspunkten der Jüdischen Auswanderung ist darauf hinzuweisen, daß die Rohstoffausfuhr der überseeischen Agrar- und Rohstoffländer teilweise etwas nachgelassen hat, hauptsächlich infolge der Verminderung der Einfuhr der Vereinigten Staaten. Dagegen haben die überseeischen Rohstoffländer ihre Einfuhr von Industrieerzeugnissen auf Grund der aus der umfangreichen Exporttätigkeit gewonnenen Devisenreserven aufrecht erhalten Können. Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft muß im Augenblick als nicht klar erkennbar angesehen werden, da Einwirkungen von außen her unter Umstanden eine' ganz neue Lage schaffen können. Organisation der jüdischen Landwirt« In USA. ' Ein Bruderorden jüdischer Landwirte in den Vereinigten Staaten ist auf ejner von 350 Vertretern besuchten Konferenz ins Leben gerufen worden. Man schätzt die Zahl der in U.S.A. vorhandenen jüdischen Farmer und anderer in der Landwirtschaft berufstätiger Juden gegenwärtig bereits auf 100 000. Auf der erwähnten Konferenz machte der Direktor der Jüdischen Landwirtschaftsgesellschaft Oabriel Davidson auf die große Krisenfestigkeit aufmerksam, die die amerikanische Landwirtschaft im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen gezeigt habe. Die jüdischen Landwirte und Siedler seien besser als die Angehörigen vieler anderer Berufe über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Depressionsperiode hinweggekommen. Steuerecke Steuerfreiheit für Weihnachtszuwendungen Das Reichsfinanzministerium hat bezügl. der Befreiung einmaliger Weihnachtszuwendungen, die Arbeitgeber ihren Gefolgschaftsmitgliedern gewähren, von der Einkommen- (Lohn-) und Schenkungssteuer neue Bestimmungen erlassen, die von den vorjährigen abweichen. Hiernach sind solche Weihnachtsgratifikationen steuerfrei, wenn 1. die einmalige Zuwendung in der Zeit vom 20. November bis zum 24. Dezember 1937 erfolgt, 2. die einmalige Zuwendung über den vertraglichen (tariflichen) Arbeitslohn hinaus gewährt wird, 3. die einmalige Zuwendung die Höhe eines Monatslohnes oder Monatsgehaltes nicht übersteigt und 4. der Empfänger einen Monatslohn von nicht mehr als RM 20G\— bezieht. Steuerrückstände nicht vergessen I Wenn fällige Steuern bis zum Ablauf des Jahres 1937 nicht beglichen sind, entsteht für den Steuerpflichtigen die Gefahr, daß er auf die Liste der säumigen Zahler gesetzt wird. Jeder, der Steuern oder Vorauszahlungen, die vor dem 1. Januar 1938 fällig geworden*sind, nicht bis zu diesem Zeitpunkt entrichtet, kann in die Liste der säumigen Zahler aufgenommen werden. Abzugsfählge Repräsentationsausgaben Geschäftsleute, die in Gastwirtschaften Waren verkaufen und hierbei genötigt sind, besondere Aufwendungen für Verzehr zu machen, können nach einer Entscheidung des Reichsfinanzhofs/diese Ausgaben bei der Einkommensteuerveranlagung als Betriebsausgaben oder Werbungskosten von ihrem Einkommen in Abzug bringen. Voraussetzung ist natürlich. daß die Aufwendungen ausschließlich der gewerblichen oder beruflichen Tätigkeit dienen und nicht als Privatausgaben des Steuerpflichtigen anzusehen sind. Steuerkalender vom 20. Dezember 1937 bis; Ende Januar 193t Evtl. Anfragen sind an die Geschäftsstelle des Verbandes, Berlin W 50, Nachodstr. 8, zu richten. In besonderen Steuerfällen steht zur Information und Raterteilung ein Sachbearbeiter zur Verfügung. , 20. Dezember Lohnsteuer: Zahlung der vom 1.-15. Dez. einbehaltenen Betröge. An Finanzamt. 20. Dezember Bürgersteuer;]Zahlung der bis zum 15. Dez. einbehaltenen Betröge. An Steuerkasse. 24. Dezember Bürgersteuern; Zahlung dervon denWochenlohnempfängern einbehaltenen Betröge. An Steuerkatse. 5. Januar Lohnsteuer der vom 16.— 31. Dez. einbehaltenen Betröge. An Finanzamt. 10. Januar Bürgersteuern,Zahlung dervon den Wochenlohnempfängern einbehaltenen Betröge. An Steuerkasse. 10. Januar Umsatzsteuer für Monats- und Vierteljahres. zahler. An Finanzamt. 15. Januar [Lohnsummensteuer für Dezember w. o. An Steuerkatse. 15. Januar Grund- und Gebäudesteuern.' An Steuerkasse. 20. Januar Lohnsteuer der vom 1.-15. Januar einbehaltenen Betröge, m **1 An Finanzamt. 24. Januar Bürgersteuemi für Wochenlohnempfänger. An Steuerkasse. Sämtliche Steuern sind pünktlich zu zahlen, da es keine Schonfrlsten gibt.