Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 11 (11.1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492337-5771060-5771273--557-4883343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bergbaugebiet, in dem ungeheuer große Eisenerzvorräte lagern. Dieses brasilianische Industriezentrum, das bisweilen mit dem Ruhrgebiet verglichen worden ist, liegt in dem Bundesstaate Minas Oeraes. Außer der Eisenindustrie haben dort auch zahlreiche große Elektrizitätswerke, Sägewerke, holzindustrielle Betriebe, Schuhfabriken, Hutfabriken und Nahrungsmittelfabriken ihren Sitz. Die hochentwickelte Baumwollindustrie dieses Landes ist auf einer sehr umfangreichen inländischen Baumwollgewinnung aurgebaut. Die brasilianische Textilindustrie ist die bedeutendste in Südamerika. Besonders ausdehnungsfähig aber ist die Baumw o 11 industrie. Uebrigens führt Brasilien auch große Baumwollmengen aus. Der Ausfuhrwert seines Baumwollexports ist gegenwärtig sogar größer als der seines Kaffee-Exports. Brasilien verfügt über so reiche Bodenschätze, daß die Zukunftsaussichten seiner Industrien schon hierdurch weitgehend gesichert sind. Da die Kaufkraft des Landes (ebenso wie die der beiden anderen genannten südamerikanischen Länder) durch die Steigerung des Exports und der Exporterlöse wesentlich erhöht, und gleichzeitig dadurch auch die finanzielle Kraft des Landes gestärkt worden ist, darf man die weitere Entwicklung der Industrien Brasiliens sehr optimistisch beurteilen. Außerhalb der drei ABC-Staaten findet man auch in den südamerikanischen Ländern Uruguay und Peru Ansätze zur Entstehung von Industriezentren. Uruguay besitzt eine ausreichende Rohstoffgewinnung für seine Woll-, Leder- und Holzindustrie. Außerdem hat man in diesem Lande auch chemische Industrien aufzubauen begonnen. Peru hat sich auf Grund seiner großen Baumwollerzeugung eine Baumwollindustrie geschaffen, die zukunftsreich zu sein scheint. Schließlich sind auch noch in einigen anderen südamerikanischen Ländern, so z. B. in Venezuela, dem drittgrößten Petroleumproduzenten der Welt, bescheidene Anfänge eines industriellen Aufbaus vorhanden. In der Hauptsache werden aber jüdische Einwanderer, die sich eine berufliche Existenz schaffen und dazu ein industriell entwicklungsfähiges Land wählen wollen, an das Vorhandensein der oben erwähnten Industriezentren anknüpfen müssen. Neue Devifenbeftimmungen über den Reifeverkehr Von Dr. Heb» Cohn, Devisenberater für jüdische Auswanderer. Durch einen neuen Runderlaß 142/37 vom 20. Oktober 1037 sind die Grundsätze für den Reiseverkehr mit Ländern, mit denen ein Reiseverkehrsabkommen ' besteht, neu geregelt worden. Hiernach dürfen nur natürliche Personen, die ihren Wohnsitz im Inland haben, ein Reiseverkehrsabkoromen in Anspruch nehmen, d. h. also, nur solche Personen, die Devise n - i n 1 ä n d e r sind. Ein Auswanderer darf ein Reiseverkehrsabkommen nicht in Anspruch nehmen. Die Reisezahlungsmittel dürfen grundsätzlich nur für eigene Reiseausgaben verwandt werden. Es ist also unzulässig, daß der Erwerber der Reisezahlungsmittel Barbeträge an mitreisende Personen abgibt, oder über den Rahmen des Lieblichen hinaus Ausgaben für diese bestreitet. Es ist jedoch starthaft, daß ein Ehegatte dem anderen mitreisenden Ehegatten, oder Eltern ihren mitreisenden Kindern im Rahmen der Unterhaltspflicht Teilbeträge zur Verfügung stellen, und daß diese hierüber ohne besondere Genehmigung zur Bestreitung eigener Reiseausgaben verfügen. In derselben Weise können Teilbeträge an mitreisendes Dienstpersonal (z. B. Kindermädchen, Kraftwagenführer) zur Verfügung gestellt werden. Es ist also nicht mehr statthaft, daß z. B. zwei Freunde, welche gemeinschaftlich ins Ausländ reisen, ihren Auslandsaufenthalt in der Weise bestreiten, daß derjenige, der die Reisezahlungsmittel erworben hat, hiervon dem anderen, der solche nicht erworben hat, abgibt Bei Reisen nach Reiseabkommensländern, die nicht an Deutschland angrenzen (z. B. Italien, Jugoslavien, Ungarn und Rumänien), sind die Reisenden berechtigt über die übliche Freigrenze von RM 10.— hinaus, noch eine Freigrenze von weiteren RM 20.— neben den Reisezahlungsmitteln in Anspruch zu nehmen. Die Nachsendung von Reisezahlungsmitteln für den 1. Monat des Aufenthaltes bedarf der Genehmigung der Devisenstelle. Eine Nachsendung Ist jedoch ohne Genehmigung der Devisenstelle für den 2. und 3. Kalendermonat des ununterbrochenen Aufenthaltes in dem betreffenden Abkommensland zulässig, nachdem der Paß des Reisenden zur Vornahme der vorgesehenen Paßeintragung eingesandt worden ist. Reisende, die Reisezahlungsmrrtel bereits für 3 Kalendermonate während eines Kalenderjahres erworben haben, dürfen weitere Reisezahlungsmittel nur mit Genehmigung der Devisenstelle erwerben. Wird die Reise nicht spätestens 3 Monate nach Erwerb der Reisezahlungsmittel angetreten, so sind die Reisezahlungsmittel wieder abzuliefern. Die im Rahmen der Freigrenze von RM 10.— bezw. RM 30.— erworbenen fremden Zahlungmittel sind jedoch bereits nach einem Monat wieder abzuliefern, wenn in diesem Zeitraum nicht die Reise angetreten wird. Während im allgemeinen die Reisezahlungsmittel nur für nichtgeschäftliche Reisen in Anspruch genommen werden können, können Reisezahlungsmittel auch für Geschäftsreisen nach Italien, Ungarn und Rumänien erworben werden. Ein Mann dar Tat In Felix M. Warburg, der am 20. Oktober in New York im 67. Lebensjahre dahinging, hat das gesamte Judentum einen führenden Kopf verloren, der nicht leicht zu ersetzen sein wird. Sein Werk war vor allem die vor 20 Jahren erfolgte Gründung des American Joint Distribution Committee, und wie in dieser großen überparteilichen jüdischen Organisation, so hat Warburg in seinem ganzen Wirken und Schaffen stets die weitausschauende helfende Tat über alle theoretischen Auseinandersetzungen gestellt. In weitesten Kreisen bekannt ist seine Tätigkeit als Führer der Nichtzionsten in der Jewish Agency. In der letzten Züricher Tagung der Agency nahm er mit großer Entschiedenheit gegen den Peel-Bericht und gegen die Errichtung des jüdischen Teilstaates Stellung. Wer damals seine maßvollen und tiefdurchdachten, aber zugleich sehr entschiedenen Darlegungen hörte, mußte umso mehr überrascht sein, als dieser tatenfrohe Mann so plötzlich den leidenden Juden der ganzen Welt entrissen wurde. Sie alle, denen seine unablässige Sorge und Arbeit galt, werden «einer immer dankbar gedenken und seinen klugen Rat wie seinen stets bereiten Beistand oft vermissen. Eröffnung der Lehrwerkftfitte in München Die Lehrwerkstätte, die der Verband "Bayerischer Israelitischer Gemeinden in München zum Zwecke der Ausbildung auswanderungswilliger jüdischer Jugendlicher errichtet hat, ist eröffnet worden. Die Lehrwerkstätte umfaßt eine Tischlerei mit 30 Arbeitsplätzen sowie weitere Arbeitsplätze für 70 Schlosser- und Mechaniker-Lehrlinge. Neuaufnahmen in der Umfchichtungsfrelle Niederfchönhaufen Infolge vorzeitiger Auswanderung einiger Schüler hat die Umschichtungsstelle der Reichsvertretung in Berlin-Niederschönhausen die Möglichkeit, sofort einige Ausbildungsplätze für Schlosser und Tischler neu zu besetzen. Es werden Jugendliche im Alter von über 16 Jahren aufgenommen, die im Internat wohnen und verpflegt werden. Nähere Auskünfte erteilt der Leiter der Umschichtungsstelle Niederschönhausen L. Kuh, Wartenbergstraße 64. Berichtigung von Handwerksbetrieben Die Beauftragten der Innungen und der Handwerkskammer sind gemäß § 46 der Ersten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 15. Juni 1934 berechtigt, Handwerksbetriebe zu besichtigen. Das Gleiche gilt für die Gewerbeaufsichtsbeamten und die Beauftragten der Berufsgenossenschaften. In allen sonstigen Fällen ist zur Besichtigung eines Handwerksbetriebes die Genehmigung des Betriebsführers erforderlich. 75 Jahre F. V. GrOnfeld Die weltbekannte Landeshuter Leinen- und Gebiidweberei F. V. Orünfeld kann auf ein 75 jähriges Bestehen zurückblicken. Aus dem kleinen Laden, den der Gründer des Unternehmens im Jahre 1862 in Landeshut in Schlesien eröffnete, ist im Laufe der Zeit ein führendes WAschenaus, ein bedeutender Großbetrieb geworden. Dieser Entwicklungsgang wird in einer Jubiläumsausstellung in Berlin durch interessante Modelle und Bilder illustriert. Im Jahre 1873 wurde die Versandabteilung der Firma ins Leben gerufen, die den Landeshuter Erzeugnissen eine ungeahnte Verbreitung schuf. Die Herstellung der eigenen Erzeugnisse, die bis dahin durch Handweber in den benachbarten Gebirgsdörfem erfolgte, wurde im Jahre 1884 in einer neuerrichteten eigenen Fabrik in Landeshut konzentriert. Fünf Jahre später wurde das Berliner Verkaufshaus errichtet, das unter Leitung von Ludwig und Heinrich Orünfekt einen ungeheuren Aufschwung nahm. Seit dem Jahre 1900 befinden sich auch die Hauptgeschäftsleitung und die Versandabteilung der Firma in Berlin. Im Jahre 1905 wurde dann der Oesamtbetrieb m das eigene Haus in der Leipziger Str. 20/21 verlegt Das Zweiggeschäft m Köln wurde im Jahre 1924, da* zweite Berliner Verkaufshaus am Kurfürstendamm im Jahre 1928 errichtet. Die Jubiläumsschau der Firma zeigt an 75 gedeckten Tischen auserlesenes Tischzeug und erleichtert es der Hausfrau, ihren Bedarf an geschmackvoller Leinenwäsche zu decken.