Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 10 (10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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RM gegenüber 3644 000— RM im Vorjahre. Es war alsa möglich, die Unterstützungen etwa in demselben Umfange wie im vorangegangenen Jahre zu gewähren. Der einzelne Hilfsbedürftige hat durchschnittlich einen Betrag von etwa RM 40— empfangen. Hierbei handelt es sich jedoch eben um eine Durchschnittszahl, die in den Notstandsgebieten nicht immer in voller Hohe erreicnt worden ist. Die Beträge wurden verwendet für die drei groben Teilgebiete der Versorgung: Lebensmittel, Kohlen und Kleidung. Die Kohlenversorgung war einheitlich geregelt und erfolgte mittels Kohlengutscheinen, die vom Winterhilfswerk des Deutschen Volkes unter dem Einzelhandelspreis erworben wurden. Insgesamt wurden 91 506 Zentner Steinkohlen im Werte von 106600.— RM und 151010 Zentner Braunkohlen-im Werte von 180144— RM verteilt Ausblick. Wer sich die Tatsachen dieses Rechenschaftsberichts genau vergegenwärtigt, dem wird die Schwere der in der Dritten Aktion für die Jüdische Winterhilfe zu bewältigenden Aufgabe ohne weiteres voll zum Bewußtsein kommen. Alle die Not steigernden Faktoren haben an Kraft gewonnen, alle die Leistung mindernden Umstände haben an Bedeutung zugenommen. Seit dem Abschnitt der letzten Aktion sind wiederum Tausende von opferwilligen Spendern durch Auswanderung ausgeschieden.. Andererseits sind neue Tausende hilfsbedürftig geworden, darunter auch solche, die ehedem von den Ausgewanderten unterstützt wurden. Der Rechenschaftsbericht schafft aber auch darüber volle Gewißheit: Die Schwere der Zeit hat nicht nur die Not, sondern auch .die Bereitschaft zum Opfer gesteigert. Die Not schlief» uns aWe fester zwummm f>shnlh geht die Jüdische Winterhilfe trotz des Bewußtseins erhöhter Schwierigkeiten doch wieder mit dem Glauben an das Oelingen an die Arbeit. Alle, die an dieser Arbeit teilnehmen, wissen, daß die Not nicht nur Kräfte verringert, sondern daß sie, wie die Geschichte unserer Gemeinschaft oft genug bewiesen hat, ebenso sehr neue Kräfte zur Hilfe weckt. Das neue Korrespondenzblatt Ober Auswanderungs- und Siedlungswesen Der Hilfsverein der Juden in Deutschland hat dem neuesten Heft seines Korrespondenzblattes „Jüdische Auswanderung"») einen allgemeinen Teil vorausgeschickt, der wichtige und für die Praxis außerordentlich wertvolle Ratschlage für jüdische Auswanderer enthält, und der besondere Beachtung verdient. In der ersten Abhandlung werden typische rehler jüdischer' Auswanderer erörtert. Auf einige dieser Fehler ist in unserer Zeitschrift schon mehrfach hingewiesen worden-, so z. B. auf die Neigung, in den größten Städten des Einwanderungslandes zu verbleiben, anstatt in die kleineren Städte oder gar aufs Land zu gehen, wo die Erwerbsmöglichkeiten oft wesentlich besser sind, ferner auf die oft ungenügende Beherrschung der Landessprache der gewählten neuen Heimat sowie auf die Unfähigkeit, sich innerlich umzustellen und sich den Anschauungen und Kutturformen der neuen Umgebung anzupassen oder wenigstens den andersgearteten Verhältnissen weitgehendes Verständnis entgegenzubringen. Die Mahnung, diese Fehler künftig sorgsam zu vermeiden, ist nur allzu berechtigt. Zwei weitere Aufsätze sind insbesondere für diejenigen Auswanderer bestimmt, die nach heißen, tropischen toct subtropischen Ländern liehen. Die Zusammenhänge zwischen geographischer Lage, Klima und köroerüther Beanspruchung des an europäische Verhältnisse gewöhnten Menschen werden in sachkundiger Weise aufgezeigt, und es werden geeignete Verhaltungsmaßnahmen gegeben, durch deren Befolgung die Anpassung in dem fremden Lande wesentlich erleichtert werden kann. Es wird aber auch dargelegt, welch: körperliche Beschaffenheiten und gesundheitlidhen Schwächen das Leben in bestimmten Gebieten unratsam und gefährlich machen. Schließlich werden noch wichtige Fragen der Haushaltführung und der häuslichen Hygiene In tropischen Ländern besprochen. Auch hinsichtlich dieser Dinge werden Verhaltungsmaßnahmen gefeben, die auf wissenschaftlicher Erkermtn* und praktischer rfahrung beruhen. Die jüdische Auswanderung in tropische und subtropische Länder wird an Zahl und Bedeutung zunehmen, je mehr in den Reihen der jüdischen J u g e n «T geeignete Siedler und Farmer herangebildet sein werden, deren Vorhandensein ja unabdingbare Voraussetzung für die Verwirklichung der Idee der jüdischen Massensiedlung an Uebersee bildet. Der Länderteil des Korrespondenzblatts bringt (nachdem das vor einem Jahre erschienene Heft Südamerika *) „Jüdische Auswanderung". „Herausgegeben vom „Hilfsverein der Juden in Deutschland". Herbst 1937. Preis RM 1.50.— Verlag Schmoller und Gordon, Berlin. besonders eingehend behandelt hatte) diesmal in erster Linie systematische Abhandlungen über die beiden britischen Dominions Australien und Neuseeland ab Zieiländer der jüdischen Auswanderung. In dem Artikel „Jüdische Lebensmöglichkeiten in Australien" im Juli-Heft unserer Zeitschrift (Nr. 7) ist die Frage der Auswanderung nach Australien bereits eingehend erörtert worden. Auf einen Umstand, auf den wir schon damals aufmerksam machten, sei aus Anlaß der neuen Veröffentlichung des Hil.'averems erneut hingewiesen: Australien (und ebenso auch Neuseeland) ist kein geeignetes Ziel jüdischer Massen auswanderung. Nur beruflich besonders vorgebildete jüdische Menschen, insbesondere tüchtige Fach- und Spezialhandwerker, werden hier ein Betätigungsfeld finden, das für s i e allerdings meist recht günstige Aussichten bietet- Wer sich etwa mit dem Oedanken einer Auswand;- Existenzmöglichkelten Berlin. Out eingeführte Schuhmacherei in Berlin W ist auswanderungshalber sehr preiswert abzugeben. Langjährig eingeführte Fleischerei, Berlin W, mit gutem Kundenkreis sofort preiswert zu verkaufen. Hofland. * Für tüchtige Schneiderin, die selbst nähen und zuschneiden kann, und auch in der Lage ist Personal anzulernen, ist in Holland Uebernahme eines Schneiderateliers mit Wohnung zu günstigen Bedingungen möglich. Brasilien. Für Zahnarzt, der über moderne Praxiseinrichtung und etwas Kapital verfügt, bietet sich in Großstadt Brasiliens eine Beteiligung an bereits bestehender Zahnpraxis. Diese seit Jahren bestellende gut eingeführte Praxis ist stark ausbaufähig und bietet tüchtigem Zahnarzt die Möglichkeit, sich an einer sicheren Existenz zu beteiligen. Auswanderungserleichterung möglich. Paraguay. Bäckerei mit angeschlossener Kolonialwarenhandlung zu verkaufen. Schlächterei mit Wurstfabrik ist gegen Zahlung in Reichsmark zu erwerben. rung nach diesen Ländern trägt, bedarf daher einer besonderen individuellen Beratung, wie sie nur der Hilfsverein auf Grund seiner umfassenden Informations- und Beratungstätigkeit zu geben vermag---Die Veröffentlichung einer Reihe von Briefen jüdischer Auswanderer aus Australien und Neuseeland ergänzt in anschaulicher Weise die sachlichen Darlegungen des Korrespondenzblatts. Das Heft enthält dann noch eine Reihe interessanter Informationen über die Emwanderangsmöglxhkeiten in verschiedenen anderen Ländern. Ueber Mexiko, die britischostafrikanische Kolonie Kenya. Südrhodesien ua. werden wertvolle Mitteilungen veröffentlicht. Schließlich werden noch die Ein wanderungsbesummungen der Vereinigten Staaten und der Südafrikanischen Union gemäß dem neuesten Stande der Dinge bekanntgegeben. Ein Nachtrag zu dem Sonderheft „Südamerika" macht auf eine Reihe wichtiger Aenderungen der Einwanderungsbestimmungen in Argentinien, Brasilien, Columbien, Ecuador, Paraguay, Peru und Uruguay aufmerksam. Die Korrespondenzblätter des Hilfsvereins, namentlich die beiden letzten, sind ein unentbehrliches Beratungs- und Informationsmittel für jeden luden, der jetzt oder später auszuwandern beabsichtigt. Nirgends anders sind in der gleichen Reichhaltigkeit die wichtigsten Erfahrungstatsachen, über die der Auswanderer unterrichtet sein muß, zusammengefaßt. Aber auch für den jüdischen Leser, der selbst nicht auswandern will oder kann, der aber Verwandte, Freunde und Bekannte in überseeischen Ländern hat, sind die Blätter interessant und belehrend. Einstellung jugendlicher Arbeitskräfte Nach einem Erlaß des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 8. 7. 1937 dürfen nunmehr Angehörige sämtlicher Berufsgruppen im Alter von unter 25 Janren eingestellt werden, wenn sie dem Betriebe vom Arbeitsamt zugewiesen sind. In der Zuweisung durch das Arbeitsamt liegt bereits die Zustimmung zur Beschäftigung des Zugewiesenen, und der Betriebsführer braucht datier keinen Genehmigungsantrag mehr zu stellen. Das Arbeitsamt bestätigt durch einen Stempel auf der Zuweisungskarte, daß die Genehmigung durch die Zuweisung und zwar unbefristet ausgesprochen ist Um bei Betriebsprüfungen Schwierigkeiten zu vermeiden, kann sich der Betriebsführer auch die Zuweisung noch ausdrücklich vom Arbeitsamt bestätigen lassen.