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Der jüdische Handwerker · 1937-09-01 · 9 (9.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
9 (9.1937)
Date
1937-09-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Diese Entscheidung wird in ein noch helleres Licht gerückt, wenn man sie mit einer früheren Entscheidung des Reichswirtschaftsgerichts in Parallele stellt, in welcher eine Möbeltischlerei auf Grund einer ähnlich eingehenden sachlichen Prüfung der Verhältnisse als Handwerksbetrieb erachtet wurde. In diesem Falle stellte sich das Oericht auf den Standpunkt, daß weder die serienmäßige Herstellung bei zweckentsprechender Aufteilung der einzelnen Arbeiten, noch die Verwendung mannigfacher Maschinen die Handwerkszugehörigkeit des Betriebes aufheben könnten, weil die für die Möbelherstellung erforderlichen Arbeiten in allen Qroßbetrieben der Möbeltischlerei so aufgeteilt zu werden pflegen, daß jeder die ihm übertragene Teilarbeit ausführt. Als ein industrielles Unternehmen ist hiernach ein Betrieb nur dann anzusehen, wenn auf Orund einer eingehende Prüfung der gesamten Verhältnisse einwandfrei festgestellt werden kann, daß die Tätigkeit des Betriebes über den handwerklichen Wirkungsbereich hinausgeht. Aus der Praxis des sogenannten 8000 Mark Transfer Der sogenannte 8000 Mark-Transfer, oder wie man ihn auch nennt, der Transfer der „Kleinkapitalisten" oder „Minderbemittelten" hat immer größere Bedeutung gewonnen, da andere Transfermöglichkeiten für die Auswanderer sich immer mehr verringert haben. Auch in unserer Zeitschrift sind über diese Art des Transfers bereits wiederholt Mitteilungen gemacht worden. (Vergl. Nr. 11 aus 1936, Seite 6 und Nr. 3 aus 1937, Seite 3). Als bekannt darf vorausgesetzt werden, daß es sich hier um eine Möglichkeit des Bartransfers mit einem Verlust von Auswanderung nach Chile Wir erfahren vom Hilfsverein der,Juden in Deutschland: Es besteht die Möglichkeit, eine beschränkte Anzahl jüdischer Familien nach Chile zu bringen — einem Lande, in das sonst die Einwanderung fast völlig gesperrt ist, und. das in klimatischer Hinsicht als besonders günstig gelten gelten kann. Die Voraussetzungen sind folgende*. Der Familienvater muß einen manuellen Beruf (Handwerk oder dergl.) ausüben. Er soll ferner möglichst nicht übet; 40 Jahre sein, mehrere Kinder haben und imstande sein, ein kleines Kapital nach Chile zu transferieren. Hierbei ist zu betonen, daß für Chile besonders günstige Transfermöglichkeiten gegeben sind. Zuschriften sind zu richten an den Hilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin W35, Ludendorffstr. 20. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII 50 Prozent handelt. Diese Transfermöglichkeit beruht auf den Runderlassen 153/36 und 73/37. Es haben sich aber auch einige Grundsätze bei der praktischen Handhabung dieses Auswanderungsverfahrens herausgebildet, die nicht unmittelbar aus den oben erwähnten Runderlassen abgelesen werden können. So ist in der Praxis der Begriff des „Minderbemittelten", wie diese Kategorie in den Runderlassen genannt wird, dahin ausgelegt worden, daß minderbemittelt nur derjenige ist, der zusammen mit seinen Kindern, Eltern, Schwiegereltern und Großeltern ein Vermögen von nicht mehr als etwa RM 20 000.— hat. Da diese verhältnismäßig günstige Transfermöglichkeit zur Förderung der Auswanderung geschaffen wurde, ist die Möglichkeit eines sogenannten Nacntransfers auf dieser Grundlage für bereits ausgewanderte Personen nicht möglich. Aus demselben Gesichtspunkt wird man die Tatsache herleiten müssen, daß auch die Verwendung dieser Transfermöglichkeit für Personen über 60 Jahre in der Praxis auf Schwierigkeiten stößt, und diesen Personen häufig diese günstige Transfermöglichkeit versagt wird. Nun ist es aber auch irrtümlich, zu glauben, daß, wie gemeinhin angenommen wird, nun ohne weiteres jeder, auf den an sich die Voraussetzungen der oben erwähnten Runderlasse zutreffen, die Möglichkeit hat, einen Barbetrag von RM 8000.— mit 50°/o Abschlag zu transferieren. In der Praxis haben sich bestimmte Staffelsätze herausgebildet. Es werden für ledige Personen nur für kinderlose Ehepaare für Ehepaare mit Kindern RM 4—5000,-- RM 6000.— RM 7 - 8000.— in der Regel bewilligt. Auch bezüglich des Verfahrens haben sich einige Grundsätze herausgebildet, die später besprochen werden sollen. Von Dr. Heinz Cohn. Neue Bestimmungen für die Einwanderung nach Australien Für die Einwanderung nach Australien sindneue Bestimmungen erlassen worden. Die Zulassung von Einwanderern wird in Zukunft davon abhängig gemacht, daß sie eine Bestätigung vorlegen können, aus der hervorgeht, daß sie für ein bestimmtes Unternehmen fest angestellt sind. Bisher genügte für die Zulassung in der Regel eine Oarantie der jüdischen Oemeinde, daß der Einwanderer der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen werde, um die Aufenthaltserlaubnis zu erlangen. Einheitliche Regelung des jüdifchen Lehrwerkstättenbetriebes Die Leiter der jüdischen Lehrwerkstätten und der Verwaltungsstellen, die die Träger der Lehrwerkstätten sind, traten am 25. August d. J. auf Veranlassung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abtig. Berufsausbildung', zu einer Tagung zusammen. Ziel der Beratungen war die Vereinheitlichung des Betriebes aller Lehrwerkstätten, in denen der judischen Jugend eine handwerkliche Ausbildung vermittelt wird. Es wurde ein verbindlicher L e h r p I a n sowohl für die praktische Unterweisung als auch für den Fachunterricht aufgestellt. Außerdem wurden Anordnungen für die Ausbildung im Einzelnen gegeben. Den Beratungen lag ein Referat des Herrn Dipl. Ing. Aron, Berlin, des technischen Leiters des von der Jüdischen Oemeinde Berlin errichteten Handwerker-Ausbildungslehrgangs, zugrunde. Das Referat umfaßte Richtlinien für die Ausbildung sowie Arbeitsordnung und Lehrpläne. Die Grundlagen zu diesen Richtlinien sind in einer Gemeinschaftsarbeit der in Berlin auf diesem Gebiete tätigen Personen, zu denen auch die vom Zentralverbande jüdischer Handwerker in den Handwerker-Ausschuß bei der Reichsvertretung delegierten Vertreter gehören, gegeben worden. Die praktische Ausbildung lehnt sich im wesentlichen an die von dem Deutschen Ausschuß für technisches Schulwesen (DATSCH) aufgestellten Lehrpläne an, berücksichtigt dabei aber die besonderen Notwendigkeiten der jüdischen Lehrwerkstätten, die im Gegensatz zu den Lehrwerkstätten der Industrie bekanntlich nicht für den Markt produzieren können. Die Ausbildungsordnung sieht Zwischenprüfungen und eine Abschlußprüfung vor. Es ist dafür Vorsorge getroffen, daß die Schüler in allen jüdischen Lehrwerkstätten ein annähernd gleiches Maß von Kenntnissen und Fertigkeiten erwerben können, das geeignet ist, sie zur Ausübung ihres Berufes im Auslande zu befähigen. In einem sehr aufschlußreichen Referat des Leiters der neugegründeten jüdischen Lehrwerkstätten in München, Dipl. Ing. Rosenthal, wurden ferner die großen Bildungswerte des technischen Wissens für den heranwachsenden jüdischen jungen Menschen in eindrucksvoller Weise aufgezeigt. Handelsfchule der jüdifchen Gemeinde Am 1. Oktober 1937 eröffnet die Handelsschule der Jüdischen Oemeinde zu Berlin cjvieder eine neue Sprachenklasse. Diese ist besonders für diejenigen bestimmt, die die Absicht haben, in absehbarer Zeit auszuwandern und sich vorher eine eingehende Kenntnis der Weltsprachen Englisch und Spanisch verschaffen wollen. Der In - tensivunterricht soll die Teilnehmer der Sprachen- Wasse, die außerdem einen Unterricht in englischer und spanischer Stenographie und Schreibmaschine erhalten, instandsetzen, später im Ausland eine entsprechende Stellung zu bekleiden. Diesem Zweck dient auch die Einführung in Kultur und Wirtschaft der Auswanderungsländer, in denen englisch und spanisch gesprochen wird. Die Schule eröffnet ferner am 1. Oktober 1937 einen Halbjahreskursus, der in gedrängtester Kürze junge Menschen für die praktische kaufmännische Tätigkeit vorbereitet. Dabei wird besonderer Wert auf die technische Seite der Ausbildung gelegt (Stenographie und Schreibbmaschine). Auskunft erteilt der Schulleiter, Herr Dipl. Handelslehrer Berger, Berlin W 15, Joachimsthaler Str. 13. Exlstenzmögllchkelten Kaufmännisch versierte jüdische Dame mit kleinem Kapital sucht Mitarbeit an kleinem Engros- oder Fabrikationsbetrieb, evtl. auch Uebernahme. Perfekte Handschuhnäherin sucht Anschluß an R«eigneten Betrieb, wie Mode- oder Putzsalon oder auch landschuhnäherei. . Für jüdischen Handwerker bietet sich Uebernahme einer Hausmeisterstelle. Nähe Bahnhof Tiergarten.

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