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Der jüdische Handwerker · 1937-09-01 · 9 (9.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
9 (9.1937)
Date
1937-09-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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und einen neuen Aufschwung geben werde, oder mag man diesen Staat mit Ussischkin für ein Phantom, einen Sprung ins Ungewisse halten, oder mag man sogar, wie Felix Warburg, um 'das Schicksal der jetzt in Palästina lebenden 400000 Juden besorgt sein, in jedem Falle muß nunmehr mit der Tatsache gerechnet werden, daß Palästina fortan nur einen Teil, wenn auch ganz gewiß einen wichtigen Teil des jüdischen Gesamtproblems darstellt. Am schärfsten und klarsten hat Schalom Aach auf der Tagung der Jewish Agency diesem Oedanken mit den Worten Ausdruck gegeben: „Man muß vor der ganzen Welt verkünden, daß Palästina allein nicht imstande ist, die ganze Judenfrage in vollem Umfange zu lösen. Wenn man aber auch die Illusion aufgeben muß, daß Palistina die ganze Judenfrage lösen kann, so kann es sehr viel zu ihrer Lösung beitragen." in dieser Erkenntnis sollten und müßten sich Zionisten und Nichtzionisten, Judenstaatsanhänger und Judenstaatsgegner heute zusammenfinden können. Jede Tatsache, und sei sie noch so hart und bitter, schafft das Fundament für neue Entschlüsse und neue Arbeit. Vielleicht hat der Bericht der Peel-Kommissipn, der die harten Tatsachen, vor der das Judentum in Palästina steht, so rücksichtslos herausstellt, die eine gute Seite, daß Illusionen zerstört und neue Wege freigemacht werden. Palästina kann eine Heimstätte sein für die Juden, die in ihren bisherigen Heimatländern nicht bleiben können. Aber es wird nur einem kleinen Teil dieser eine neue Heimat suchenden Menschen aufnehmen und ihnen Daseinsmöglichkeiten bieten können. Die in Ost- und Mitteleuropa ent- Wirtschaftliche Folgen Ueber die wirtschaftlichen Folgen, die eine Durchführung des Teilungsplans für Palästina haben würde, sind bisher noch keine eingehenden Untersuchungen vorgenommen worden. Es ist ja auch sehr schwer, über die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Teilung des Landes Feststellungen zu machen, solange Aenderungen des Plans im Einzelnen in Frage kommen, über die eine Entscheidung noch nicht getroffen ist. Trotzdem haben Finanz- und Wirtschaftszeitungen in verschiedenen Ländern bereits mit der Erörterung der wirtschaftlichen Auswirkungen einer Teilung des Landes begonnen. Sie beschränken sich dabei freilich meist auf allgemeine Ausführungen über die'mögliche und zu erwartende Entwicklung der palästinensischen Wirtschaft in der vorgesehenen langen Uebergangszeit sowie nach der endgültigen Durchführung des Teilungsplans, wie er gegenwärtig vorliegt. Ausgangspunkt der Erwägungen über diese Frage ist die Tatsache, daß Palästina den wirtschaftlichen Aufschwung, den es in den letzten Jahren erlebt hat, ausschließlich dem jüdischen Zuzug von Menschen und Kapital verdankt. Je nach den Schwankungen der Einwanderungsziffer schwankt auch die Konjunktur der Wirtschaft des Landes. Die Unruhen des vorigen Jahres haben eine wesentliche Verminderung der Einwanderung und der Kapitalzufuhr mit sich gebracht Die Folge war ein Konjunkturrückgang, unter dem der arabische Sektor der palästinensischen Wirtschaft fast noch stärker als der jüdische gelitten hat. Doch sind immerhin auch im Jahre 1936 noch nahezu 32 000 luden nach Palästina eingewandert (gegenüber fast 62000 im Jahre 1935). Der Plan der Königl. Kommission will dagegen für die nächsten fünf Jahre, also die Zeit des Uebergangs, nur eine Einwanderung von höchstens 12000 Menschen jährlich zulassen. Hieraus folgt ohne weiteres, daß zum mindesten in den nächsten Jahren die wirtschaftliche Oesamtentwicklung Palästinas durch die starke Einwanderungsbeschränkung niedergehalten werden dürfte. In einem Lande, dessen Landwirtschaft und Industrie in erster Linie von der Kaufkraft der einheimischen Bevölkerung und der Zunahme dieser Bevölkerung abhängen, in der zurzeit fast ein Drittel aller Arbeiter im Baugewerbe und in den Baustoffindustrien tätig ist, muß eine künstliche Hemmung des Einwanderungsstroms schwere wirtschaftliche Störungen hervorbringen. Dazu kommt noch, daß in Palästina auch die Kapitalzufuhr, die das Fundament des wirtschaftlichen Autbaus bildet, aufs engste mit der Einwanderung zusammenhängt. Die Zahl der eingewanderten sogenannten Kapitalisten (Einwanderer mit mindestens 1000 Pfund Kapital] hat bereits von 5500 im Jahre 1935 auf 3014 im Jahre 1936 abgenommen. Sie wird sich infolge des allwurzelten und in eine neue, große Wanderungsbewegung eingetretenen jüdischen Maasen brauchen aber nicht eine, sondern viele derartige jüdische Heimstätten. Wenn Palästina allein keine Lösung der Judenfrage zu bringen vermag, so müssen neue, weitere Lösungen gefunden werden. Dazu aber ist die Zusammenarbeit aller Juden in allen Ländern ohne Unterschied der innerjüdischen Parteistellung erforderlich. Und sind nicht überhaupt diese durch das Judentum gehenden Parteigrenzen gegenüber der Entwicklung, die sich draußen in der Welt der Realitäten vollzogen hat, sinnlos und überflüssig geworden? „Niemals ist es wichtiger gewesen als jetzt, daß Zionisten und Nichtzionisten zu harmonischer Verständiung gelangen", rief Weizmann auf der Tagung des ouncils der Jewish Agency aus. Felix Warburg aber betonte im Namen der nicntzionistischen amerikanischen Juden, sie würden die Juden Palästinas nicht verlassen, wenn sie auch Palästina nicht als das einzige Land ansehen könnten, dem ihre Fürsorge gelte. Hier ist eine breite Plattform für gemeinsame Arbeit vorhanden, auf der alle Juden sich finden und für gemeinsame Ziele wirken können. Der Streit darüber, ob eine oder viele jüdische Heimstätten geschaffen, ob sie nur in Palästina oder auch in anderen Teilen der Welt, wo immer Möglichkeiten vorhanden sind, geschaffen werden sollen, kann heute kein Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten mehr sein. Aus den langen und bewegten Auseinandersetzungen in Zürich soll das eine Wort festgehalten werden und bleiben: „Niemals war Einigkeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten wichtiger als jetzt." Br. H. N. der Teilung Palästinas emeinen Rückgangs der Einwanderung und der Ungewißheit her das endgültige Schicksal des Landes sicherlich in der Uebergangszeit noch werter vermindern. Dagegen wird nach der endgültigen Errichtung des jüdischen Staates zweifellos eine Steigerung der Einwanderung von Menschen und Kapital erfolgen. Allerdings werden ihr auch dann wegen der Kleinheit des Staates und aus anderen Gründen bestimmte Grenzen gesetzt werden müssen. Soweit überhaupt heute schon Voraussagen über die zu erwartenden Auswirkungen der endgültigen Teilung Palästinas auf die einzelnen Wirtschaftszweige des Landes möglich sind, wird man voraussagen können, daß sie für die Landwirtschaft des künftigen Araber Staates in Palästina sehr schwerwiegend sein dürften. Denn diese wird ihr wichtigstes bisheriges Absatzgebiet in den Städten des neuen jüdischen Staates voraussichtlich _ ganz oder zum größten Teil einbüßen. Andererseits wird einem Versuch, in diesem Araberstaate Industrien aufzubauen, die an sich in dem niedrigen Lohniveau eine Stütze finden könnten, das Fehlen einer genügend kaufkräftigen Verbraucherschaft entgegenstehen. Wesentlich günstigere Perspektiven bieten sich vergleichsweise dem jüdischen Staate. Die jüdische Landwirtschaft wird das Absatzgebiet erhalten, das die arabische verliert. Uebergangsschwiertgkeiten werden mit dieser Verlagerung schon deswegen nicht verbunden sein, weil bereits im letzten Jahre die Verflechtungen zwischen dem jüdischen und dem arabischen Wirtschaftssektor zum großen Teil gelöst worden sind. Die Landwirtschaft des neuen jüdischen Staates wird jedenfalls die Aufgabe der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ohne eine erhebliche Steigerung der Einfuhr aus den arabischen Ländern lösen können. Sicherlich wird hingegen das Absatzgebiet der jüdischen Industrien nach der Teilung des Landes etwas schmäler sein. Dieser Nachteil kann aber durch die Schaffung eines wirksamen Zollschutzes zugunsten der jüdischen Industrien ausgeglichen oder sogar überkompensiert werden. In dem Bericht der Königl. Kommission wird ausdrücklich vorgesehen, daß die künftigen Teilstaaten Palästinas in Bezug auf ihre Zoll- und Außenhandelspolitik vollkommen selbstständig sein sollen. Das wird zweifellos dazu führen, daß die Industrie in dem jüdischen Staate endlich den wirksamen Zollschutz erhält, der für sie schon heute von lebenswichtiger Bedeutung ist Gegenwärtig leidet die junge palästinensische Industrie bekanntlich sehr schwer unter der ungenügenden Höhe der Einfuhrzölle, die eine Ueberschwemmung des Landes mit japanischen, syrischen und anderen Importwaren zur Folge hat. Die Zoll- und Handels- E Mg- B^aM— KUR FÜRSTEN DAMM Ml ^L^> f 4 gy tf / -m-u r t J7 § PRIBDR1CH3TRASSB IM WT&?titG/irtI%iiu£> ZZirv TPGaAjBsC *"*"™»™«»™ M M W*'* m m m —---^ womersdortbr str. «? SCHÖNHAUSER ALLEE 11» 3

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