Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 8 (8.1937)
- Date
- 1937-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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HANDWERKERFRAGEN ■ ■ . t \ Das Elektro-Handwerk Nach den Ergebnissen (kr Betriebszählung 1933 gibt et mehr ab 20 000 elektrogewerhliche Handwerksbetriebe, in denen insgesamt 70 000 Menschen ihr Brot finden. Hierzu kommen noch etwa 9000 Reparaturwerkstätten, die nicht von einem Handwerksmeister geleitet werden, und in denen noch weitere 12000Menecnen beschäftigt sind. Aua diesen Ziffern ist zu ersehen, eine wie große Bedeutung das Elektrohandwerk, das im Verhältnis zu den meisten anderen Handwerkszweigen sehr jung ist, in verhältnismäßig kurzer Zeit infolge der schnellen Entwicklung der Energiewirtschaft und der fortschreitenden Elektrifizierung erlangt hat. Im Rahmen der modernen Energiewirtschaft hat das Elektrohandwerk ganz bestimmte wichtige Aufgaben. Et hat auch noch eine sehr große Zukunft, denn mit der Steigerung der Erzeugung von elektrischer Energie (aie betrug im vorigen Jahre bereits 42 Milliarden Kilowattstunden) wächst auch der Bedarf an Elektrohand werkern. Die Durchführung des Vier jahresplan* erfordert ferner große Werkstoff Umstellungen. Zu diesem Zwecke müssen neue Fabriken ins Leben gerufen werden, die wiederum mehr elektrische Kraft verbrauchen- Auch die Versorgung der Landwirtschaft mit elektrischer Energie bedarf der tatigen Mithilfe des Elektrohandwerks. Dessen Arbeitsgebiet wird nicht nur durch die Zunahme der Neuanschlüsse ständig erweitert, sondern es erstreckt sich auch auf dlt Reparaturarbeiten an den bestehenden Anschlüssen und insbesondere auf die Pflege der elektrischen Anlagen. Es ist also nicht zu befürchten, daß es dem Elektrohandwerker einmal an Arbeitsmöglichkeiten fehlen wird» Ueberall in der Welt findet er infolge der schneiten Ausbreitung der Elektrowirtschaft Arbeit und Verdienst, wenn er durch vollwertige Leistung sein Fachkönnen zu erweisen vermag. ,> Olm Lehrlingsauabildung Im Handwerk Die Oesamtzahl der Handwerkslehrlinge, die im Jahre 1933 insgesamt 419000 betrug, ist im Jahre 1930 auf 599348 gestiegen. Am 31. Dezember 1936 befanden sich 5 30 803 minn11 che und 58 543 weibliche Handwerkslehrünge in der Ausbildung. Die Zahl der Lehrlinge hat also seit 193? um 170000 oder um mehr als 40 Prozent zugenommen. Besonders stark hat sich die Zahl der Lehrlinge in den baugewerblichen und in den metallverarbeitenden Handwerkszweigen erhöht. Auskunftspflicht gegenüber der Handwerkskammer Jeder Handwerker ist verpflichtet, die von der Handwerkskammer an ihn gerichteten Fragen vorschriftsmäßig zu beantworten. Er muß deshalb auch Fragebogen, die ihm von der Handwerkskammer übersandt werden, sorgfältig ausfüllen und pünktlich zurücksenden. Ein Handwerker in Greiz, der dies unterließ, erhielt einen Strafbefehl über 10 Mark. Als er hiergegen gerichtliche Entscheidung anrief, wurde er vom Gericht zu einer Geldstrafe und Tragung der Kosten verurteilt. Bin neuer Handwerkszweig Vor der Handwerkskammer Düsseldorf ist kürzlich nies, erste Meisterprüfung im Segelflugzeugbau abgehalten worden. Damit ist der Segelflugzeugbau zu einem neuen handwerklichen Berufszweige geworden. Es ist ein Beweis für die große Lebens- und Entwicklungsfähigkeit des Handwerks, daß immer neue Handwerkszweige entstehen oder sich von anderen abtrennen und selbständig werden. Im letzten Jahre sind z. B. 4 neue Reichs in nungsver- Existenzmöglichkelten Für nichtigen jüd. Bäcker mit Meisterbrief bietet sich in Großstadt Oberschlesiens mit 700 jüdischen Familien infolge Erkrankung des bisherigen Inhabers gute Existenzmögllchkeit. Anfragen sind an die Geschäftsstelle dieses Blattes zu richten. binde errichtet worden, nämlich für das Glas- und Gebäudereiniger-Handwerk, für das Wäscher- und das Plätter- Handwerk sowie für das Roßschlichterhandwerk. Et gibt zurzeit 51 Reichsinnungsverbände. Wieviel Handwerkszweige et gibt, ist schwer feststellbar, weil es dabei ganz auf die Abgrenzung und die Art der Zählung ankommt. In einer vor einiger Zeit der Oeffcntlichkeit zugängig gemachten Uebersicnt wurden 104 Handwerkszweige aufgeführt. Bei der letzten Volks- Berufs- und Betriebszählung sind nicht weniger als 672 Oewerbezweige in den amtlichen Listen unterschieden worden. Doch kann <he\ natürlich nur ein Teil von ihnen zum Handwerk gerechnet werden. Der Reichsstand des deutschen Handwerks gelangte kürzlich in einem Ueberbück über das Prüfungswesen im Handwerk zu einer Feststellung von 113 Han_dwerkszweigen. Wie man sieht, ist die Abgrenzung der einzelnen Handwerkszweige ständig im Fluß und wird es wohl auch bleiben, da eben, wie oben schon erwähnt wurde, immer neue Handwerkszweige . entstehen oder von anderen sich abtrennen. meliiDietfiliafflidiM fionjunhfucbatomDtßt Ein Aufschwung der Wirtschaft, wie er sich im letzten Jahre in fast allen Lindern der Welt vollzogen hat, bringt stets die Gefahr einer Uebersteigerung der Investitions- und Aufbautätigkeit und damit eines Rückschlags mit sich. Doch die letzte große Weltkrise liegt zeitlich noch so nahe, und die Erinnerung an sie ist im Gedächtnis der führenden Wirtschaftskreise noch so lebendig geblieben, daß überall große Anstrengungen gemacht werden, Ueberspannungen der Preisbewegung und der Kreditgewährung zu verhindern und den konjunkturellen Aufschwung in gern ä ß i g t e n Bahnen zu halten. In einer besonders günstigen Lage befinden sich noch immer die Agrar- und Rohstofflinder, die ihre Erzeugnisse zu erheblich erhöhten Preisen abzusetzen vermögen. In den überseeischen rolistjfferzeugenden Ländern ist daher die Besserung der Wirtschaftslage weitaus am meisten fühlbar. Aber die Bedarfssteigerung, die von der Rohstoffhausse ermöglicht und finanziert wird, kommt bereits der ganzen Weltwirtschaft zugute. Ausgeschlossen von der sich entwickelnden neuen Prosperität sind nur einige wenige Länder, in denen die Unsicherheit der allgemeinen Lage und der Zukuft die wirtschaftliche Betätigung hemmt. Leider gehört zu diesen wenigen Lindern auch Palästina, dessen wirtschaftliches Schicksal aufs stärkste durch' den Teilungsplan und die durch ihn geschaffene Ungewißheit beeinflußt wird. Ein besonders günstiges Merkzeichen der gegenwärtigen konjunkturellen Entwicklung ist die Zunahme des Absatzes und der Erzeugung der Verbrauchsgüterindnstrien. Am Beginn der neuen Wirtschaftsbelebung blieb die Verbrauchsgütererzeugung fast überall in augenfälliger Weise hinter der Produktionsgütererzeugung zurück. In den letzten Monaten hat sie kräftig autgeholt. Wegweisend ist in dieser Hinsicht die Absatz- und Produktionsgestaltung der Textil- und Bekleidungsindustrie, die ja neben der Nahrungsmittelerzeugung die wichtigste Verbrauchsgüterindustrie ist. Gegenüber dem Jahre 1932, d. h. dem Tiefpunkt der Krise, hat sich die gesamte Industriegüterproduktion der Welt um 77 Prozent gehoben, die Textil Produktion dagegen nur um 30 Prozent. Es kommt hinzu, daß sich die Sitze der Textilerzeugung nicht unerheblich verlagert haben, da die Rohstoffländer vielfach dazu übergegangen sind, selbst Textilwaren zu erzeugen. Diese Entfaltung der Textilverarbeirung in den überseeischen Ländern verdient auch unter dem Gesichtswinkel der jüdischen Auswanderung in überseeische Länder besondere Beachtung, zumal, da auch andere Verarbeitungsindustrien in diesen Ländern geschaffen und ausgebaut werden. Die Industriealisierung der überseeischen Agrarländer ist vielfach geeignet, die wirtschaftlichen Aussichten der jüdischen Einwanderer in diesen Ländern zu verbessern. Der Gesamtwert der Welttextilerzeugung im Jahre 1936 wird auf 52 Milliarden Mark veranschlagt. Er bleibt damit noch immer erheblich hinter dem wertmäßigen Stande der Welttextilerzeugung im Jahre 1928 zurück, denn damals wurde der Wert der in der ganzen 'Welt erzeugten Textilwaren auf 85 Millarden Mark beziffert. Doch ist diese Wertverminderung überwiegend auf das Absinken der Preise seit 1928 zurückzuführen. Denn infolge der Wihrungsabwertungen in vielen Lindern und aus anderen Gründen haben die Textil p r e 11 e den Vorkrisenstand noch bei weitem nicht wieder erreicht. Das Preisniveau erhöht sich aber offenbar weiter, auch wenn gelegentlich Rückschlige eintreten. Aehnlich wie die Verbrauchsgutermit der Produktionsgütererzeugung hat auch der Welthandel mit der Wettproduktion nicht Schritt gehabten. Doch ist in der letzten Zeit auch im zwischenstaatlichen Güteraustausch eine fühlbare Belebung zu beobachten. Bei der gegenseitigen Verflechtung der Volkswirtschaften kann et ja auch nicht ausbleiben, daß sich der auf vielen Gebieten fühlbare Warenhunger in der Richtung einer leichteren Ueberwindung der vorhandenen Handelsschranken auswirkt. Entscheidende Fortschritte auf dem Wege zu weltwirtschaftlicher Zusammenarbeit lind freilich bis jetzt nicht erreicht worden.