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Der jüdische Handwerker · 1937-08-01 · 8 (8.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
8 (8.1937)
Date
1937-08-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Pressebesichtigung der neuen Lehranstalt Die Gesellschaft „ORT" zeigte kürzlich den Vertretern der jüdischen Presse zum ersten Male die Einrichtungen der neuen Lehranstalt für handwerkliche und gewerbliche Ausbildung auswanderungswilliger Juden. In den überraschend großen, hellen Räumen in der Siemensstraße in Moabit sind schon mehr als 100 jüdische Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren — zwei Drittel Berliner, ein Drittel Auswärtige — an der Arbeit, um zunächst einmal die Schlossergrundlehre zu absolvieren. In den beiden nächsten Jahren Photo: Sonn«nf»ld sollen sie dann eine Spezialausbildung in der Elektrotechnik, im Gas- und Wasserfach oder in der Feinmechanik, je nach Neigung und Befähigung, erhalten. Dann werden in die Schlosserwerkstart neue Gruppen von Schulentlassenen einziehen, sodaB der Wirkungskreis der Anstatt sich von Jahr zu Jahr erweitert. In seiner an die Besichtigung sich anschließenden Ansprache betonte der Vorsitzende der ORT-Oesellschaft Abt. Deutschland Wilhelm Qraetz, daß das neue Institut der Verwirklichung des „ORT"-Prinzips „Selbsthilfe durch Arbeit" dienen solle. Es sei mit opferbereiter Unterstützung der englischen ORT-Gesellschaft, die die zur Einrichtung der Anstalt sowie zur Anschaffung der erforderlichen Maschinen und Werkzeuge benötigten Geldmittel bereitgestellt habe, ins Leben gerufen worden. Zu den laufenden Unterhaltungskosten, die natürlich durch das Schulgeld von monatlich 25 Mark nicht gedeckt werden, hat die Zentralverwaltung des ORT in ihrem Budget einen erheblichen Zuschuß vorgesehen. Die Ausführungen zeigten, welche Mühen es machte, und welche Hemmungen und Schwierigkeiten überwunden werden mußten, bevor die Lehranstalt ihre Tätigkeit aufnehmen konnte. Am Schlurf sein« Ausführungen konnte aber Herr Wilhelm Oraetz mit Genugtuung feststellen, daß hier mit Mitteln des ORT und aus seiner eigenen Initiative heraus ein notwendiges und gutes Werk geschaffen worden ist, und daß die auf diese Weise zustande gekommene Handwerkerschule eine Musteranstalt im Dienste jüdischer Berufsausbildung zu werden verspricht. Hervorragende Lehrkräfte stehen ihr zur Verfügung: Die Oberleitung liegt in den Händen von Herrn Dipl. Ing. Behrendt. Den Unterricht in Physik und Elektrotechnik leitet Herr Postrat a. D. Dr. Feige. Außerdem hat sich Herr Regierungsrat i. R. Dipl. Ing. H e i 1 b o r n als ehrenamtlicher Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Leiter der Geschäftsführung ist Herr Ingenieur D. Ktementinowsky, der sich um die Verwirklichung des Gedankens der Berliner „ORT'"-Schule besondere Verdienste erworben hat. Drei Meister und mehrere Gesellen unterweisen die Lehrlinge in den praktischen Arbeitsleistungen. Theoretische und praktische Schulung sollen sich in der neuen Anstalt vereinen, damit die jüdischen Jungen, die hier ihre Ausbildung erhalten, brauchbare Handwerker und Facharbeiter werden, die draußen in der Welt sich durchsetzen und vorwärts kommen können. Im Zeichensaal Jugendtürsorge der Berliner Jüdischen Gemeinde Die besondere Bedeutung der Jugendfürsorge für die Gesamtheit besteht darin, daß sie sozialen Nöten vorbeugt und daher die künftigen sozialen Lasten der Gemeinschaft vermindert Das Ziel jeder jugendfürsorgerischen Tätigkeit ist daher die Erziehung zur wirtschaftlichen Selbsterhaltung. Jeder Jugendliche soll nach Möglichkeit instandgesetzt werden, für sich selbst zu sorgen und seine eigene wirtschaftliche Existenz zu sichern. Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist die Schaffung und Erhaltung einer körperlich, geistig und sittlich gesunden Jugend. Die Tätigkeit des Jugendamts der Berliner Jüdischen Gemeinde, das in enger organisatorischer Verbindung mit dem Wohlfahrtsamt arbeitet, beginnt daher mit der Pflege der Kleinkinder, soweit deren gesunde Entwicklung durch die Familie nicht oder nicht ausreichend sichergestellt werden kann. Etwa 450 Kinder sind durch das Jugendamt in Heimen und Privatpflegestellen untergebracht worden. In II Kindergärten und Horten werden ferner 470 Kinder im Alter Ms zu 14 Jahren betreut, um hierdurch die berufstätigen Ehern zu entlasten. Dazu kommen noch 5 Kindertagesheime sozialer Vereinigungen, in denen für insgesamt 550 Kinder In gleicher Weise gesorgt wird. Die Betreuung der Schulkinder gliedert sich in die Kinderspeisung und die Verschickung der Kinder in Erholungsstätten. Von den 9 Schulspeiseanstalten der Gemeinde, die auf die verschiedenen Stadtgegenden verteilt sind, werden täglich etwa 1500 Portionen. Essen ausgegeben. Die hierfür Abteilung Herrenschneiderei des „ORT". Der „Privaten jüdischen Lehranstalt für handwerkliche und gewerbliche Ausbildung auswanderungswilliger Juden des Ort in Berlin" soll im Oktober d. J. eine Abteilung für Herrenschneiderei (Lehrdauer 3 Jahre) angegliedert werden. Die Schulgebühren sollen RM 20.— monatlich betragen. Es werden aufgenommen nur 25 jüdische Jugendliche im Alter von 14—18 Jahren, die nachweislich auszuwandern beabsichtigen. Aufnahme- Sesuche sind bis spätestens den 30. August d. J. an die lesellschaft „ORT", Abt. Deutschland, Berlin NW 87, Siemensstraße 15 einzureichen. aufzuwendenden Kosten werden auf jährlich 50 000 Mark beziffert. In Erholungsheime sind von dem Jugendamt im Jahre 1936 insgesamt 1141 Kinder und im Jahre 1937 bis zum 31. Juli insgesamt 698 Kinder verschickt worden. Eine Er- ^VttoftAutk tuVl KUR FÜRSTEN DAMM all FRIEDRICH STRASSE 154 S AAR LAND STRASSE 1» WILMERSDORFER STR. 117 SCHÖNHAUSER ALLEE IIS

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