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Der jüdische Handwerker · 1937-08-01 · 8 (8.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
8 (8.1937)
Date
1937-08-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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vorausgesetzt, sondern die Schüler in den meisten Fällen Das Alter unserer jugendlichen Schüler liegt zwischen auf die voraussichtliche Eignung hin geprüft, und in Zweifels- 14 und 18 Jahren, wobei die Fünfzehn- und Sechsfällen eine psycho-technische Prüfung veranlaßt Der Erfolg zehnjährigen am stärksten vertreten sind. Die Zahl der Siebdieser sorgsamen Auswahl macht sich bereits jetzt dadurch zehn- und Achtzehnjährigen ist in diesem Jahre ebenfalls bemerkbar, daß wir, entgegen den erfahrungsgemäßen Erwarnoch recht groß, da aus Mangel an notwendigen Ausbiltungen, nach drei Monaten noch keinen Abgang von dungsstätten viele Schüler älterer Jahrgänge auf die Errich- Sc hü lern zu verzeichnen haben. Dies dürfte auch ein hing unserer Schule warten mußten, um ihre Ausbildung zu Zeichen dafür sein, wie wohl sich unsere Schüler in unserer 'erhalten. Lehranstalt fühlen. Wir legen Wert auf ein gutes, kamerad- Wir glauben, auf diesem Wege in der vom „ORT" schaftliches Verhältnis der Schüler untereinander und auf ein errichteten Lehranstalt eine lugend heranziehen und aus¬ Vertrauensverhältnis der Schüler zu den Lehrern. Wir haben bilden zu können, die uns Ehre machen wird, und die auf keine Schwierigkeiten In der Erhaltung der notwendigen Orund der erworbenen gründlichen fachlichen Kenntnisse Disziplin, wobei wir bewußt den Schülern die größtmögliche nicht nur für sich selbst eine Zukunft bauen wird, sondern Freiheit lassen, jede Störung jedoch unnachsichtlTch im Keime darüber hinaus auch als Pioniere für jüdische Aufbauarbeit ersticken. in fernen Lindern zu wirken imstande ist. . Jugend macht sich auswanderungsreif Wenn man ein abschließendes Bild von den Schicksalen und Erfolgen der mehr als 100000 Juden, die in den letzten 4 Jahren aus Deutschland ausgewandert sind, zu entwerfen versucht, So kann man an der Tatsache nicht achtlos vorübergehen, daß ein sehr erheblicher Teil der Ausgewanderten ganz ungenügend oder in ungeeigneter Weise vorbereitet in ein anderes Land gekommen ist und kommen mußte. Die verfehlte einseitige Berufsschichtung der in Deutschland lebenden Juden hat sich hier schwer gerächt Den meisten Auswanderern war es aus Orunden des Alters, des Zeitmangels usw. nicht möglich, sich die erforderliche Auswanderungsfähigkeit in beruflicher und sprachlicher Hinsicht noch nachträglich zu erwerben. Das bat zweifellos den wirtschaftlichen Erfolg der Auswanderer in vielen Fällen behindert und beeinträchtigt, hat das Scheitern zahlreicher Pläne und Hoffnungen verursacht und hat schließlich sogar hier und da in den Einwanderungsländern fühlbare Widerstände gegen die jüdische Einwanderung überhaupt hervorgerufen. Das soll nun anders werden, und das muß anders werden, wenn die Aufnahmefähigkeit vieler Lander für die jüdische Einwanderung aus Deutschland erhalten und verstärkt werden soll. Die Zahl der Länder, die gut ausgebildeten, produktiv arbeitenden, leistungsfähigen jungen jüdischen Menschen die Tore zu öffnen bereit sind, ist groß genug. Die Aufgabe, die gelöst werden muß, besteht lediglich darin, die in Deutschland lebende und auf die Auswanderung sich vorbereitende jüdische Jugend in richtiger Weise instand zu setzen, sich draußen durch produktive Arbeit eine Existenzgrundlage zu schaffen. Voraussetzung hierfür ist in der Regel der Erwerb einer guten handwerklichen, technischen oder auch landwirtschaftlichen Berufsausbildung. Oanz gewiß ist es heute für einen jüdischen Jungen nicht leicht, In einer 3 bis 4 Jahre dauernden Lehrzeit einen Beruf zu erlernen, der ihn draußen in der Welt zu einem gesuchten und gern beschäftigten Menschen macht. Aber dieser oft steinige Weg muß gegangen werden, nachdem man ja durch Erfahrung gelernt hat, daß die bequemeren oder gewohnten Wege In vielen Fällen nicht zum Ziel fuhren. Der Jugend die Bahn zu einem geeigneten Beruf und damit zur Auswanderungsreife zu ebnen, das ist heute die wichtigste Aufgabe der jüdischen Gemeinschaften und Organisationen. Als sich in den letzten fahren ein großer und ständig wachsender Teil der in Deutschland lebender jüdischer Jugend, in der richtigen Erkenntnis, auf diese Webe am ehesten zur Auswanderungsreife gelangen zu können, zu den handwerklichen Berufen drängte, konnte die verhältnismäßig zu geringe Zahl der ausbildungsberechtigten jüdischen Handwerker sehr begreiflicherweise die Aufgabe, alle diese Jugendlichen richtig und ordnungsmäßig auszubilden, nicht mehr allein bewältigen. Die jüdischen Gemeinschaften und Organisationen mußten hier einspringen, um eine Lücke auszufüllen. Die Errichtung von Lehrwerkstätten, in denen die jüdischen Schulentlassenen, für die eine geeignete Einzellehre im Handwerk nicht gefunden werden konnte, durch geeignete Lehrmeister zu tüchtigen Handwerkern und qualifizierten Facharbeitern in planmäßiger Weise ausgebildet werden, erwies sich als unbedingt notwendig. Aber die Lösung dieser Aufgabe erforderte vieles, was nicht vorausgesehen und nicht vorbereitet worden was* Oeeignete große Räume für die Lehrwerkstätten mußten gefunden, die erforderlichen Maschinen und Werkzeuge angeschafft, tüchtige Lehrmeister für Theorie und Praxis herangezogen werden. Die Judischen Oroßgemeinden haben in Gemeinschaft mit der Reichavertretung nach Kräften an dieser für sie neuartigen Aufgabe Searbeitet In Berlin, Hamburg, Dresden, Leipzig und in einer eine anderer Städte sind handwerkliche Lehrwerkstätten und Lehrgänge eingerichtet worden, durch die eine handwerkliche Ein zellehre in den wichtigsten handwerklichen Fächern durch eine gleichwertige praktische und theoretische Ausbildung nach Möglichkeit ersetzt werden solL Es kann nur mit Befriedigung aufgenommen werden, wenn sich diesen gemeindlichen Institutionen nunmehr in der vom „ORT" ge- 4 «chaffenen „Privaten Jüdischen Lehranstalt für handwerkliche und gewerbliche Ausbildung auswanderungswilliger luden" ein neues, wertvolles Olied angereiht hat Es kann heute gar nicht genug jüdische Ausbildungswerkstätten für handwerkliche und technische Fertigkeiten geben. Der starke Andrang der jüdischen Jugend zu der neuen „ORT"-Fachschule beweist allein schon, wie groß das Bedürfnis auf diesem Photo. SonnonMd An der Bohrmaschine Gebiete ist, und wie groß die Entwicklungsmöglichkeiten für derartige Anstalten noch sind. Der jüdische Handwerkerstand, der seit Jahrzehnten in seinem Verbände dafür gekämpft hat den handwerklichen und technischen Fächern den ihnen gebührenden Platz in der Berufswahl und der Berufsschichtung der Juden einzuräumen, begrüßt die Mitarbeit der neuen Berlmer „ORT"- Schule aufs herzlichste, begrüßt vor allem auch die jüdische Jugend, die sich hier den weg zum Handwerk und zur produktiven Arbeit bahnen will. An den Vorarbeiten die zur Einrichtung der neuen „ORT"-Schule notwendig waren, sind führende Männer des Zentralverbandes jüdischer Handwerker insbesondere die Herren Wilhelm Marcus; Louis Wolff und Walter Callmann, beteiligt gewesen. Die in den beiden vorstehenden Aufsätzen von führenden Männern der neuen „ORT"-Fachschule in ihren Zielen und in ihrem vorausgedachten stufenweisen Aufbau geschilderten Einrichtungen sind von erfahrenen Fachleuten nach bewährten Grundsätzen entworfen. Sie können der jüdischen Jugend, die später im Auslande durch eine handwerkliche oder Fach- 3

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