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Der jüdische Handwerker · 1937-08-01 · 8 (8.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
8 (8.1937)
Date
1937-08-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Aufbau der „ORT"-Lehranstalt // Der Zweck, der „Privaten jüdischen Lehranstalt für handwerkliche und gewerbliche Ausbildung auswanderungswilliger luden des ORT" in Berlin ist, den Schülern gröBtmögliche Kenntnisse in d e n Hand werk« zw eigen zu vermitteln, die nach eingehender Ueberlegung zum Lehrgegenstand unserer Schule gewählt worden sind. Diese Kenntnisse werden untern Absolventen bessere Auswanderungsmöglichkeiten sichern und ihr Fortkommen draußen außerordentlich erleichtern. Bei der Wahl der Fächer ist berücksichtigt, daß gerade die von uns ausgewählten Handwerksberufe geeignet sind, den Ausgebildeten schnell und mit bescheidenen Mitteln den Aufbau einer selbständigen Existenz zu ermöglichen. Folgende drei Abteilungen werden zunächst eingerichtet: 1. Elektrotechnik. Licht- und Kraftleitungen, Klingel-, Signal- und Telefonanlagen, ferner Reparatur und Montage von elektrischen Apparaten und Maschinen, sowie Radio- und Fernsehtechnik. 2. Installation von Oas-, Waaser und sanitären Anlagen. Einbau von Oasherden, Badeeinrichtungen. Be- und Entwässerungsanlagen, Ausführung von Anlagen für Warmwasserversorgung usw. 3. Spezialmechanik. Montage und Reparaturen von Fahr- und Motorrädern, Nähmaschinen, Schreibmaschinen und sonstigen Büromaschinen. Diese drei Handwerkszweige sind so miteinander verwandt, daß sie alle ak Grundlage die Schlosserei- und Schmiedelehre haben müssen. Es wird daher das erste Jahr der dreijährigen Ausbildungszeit an unserer Schule ausschließlich der Schlosserei und Schmiede gewidmet. Aus diesem Grunde läßt heute ein Rundgang durch die Räume unserer Lehranstalt nur erst wenig an Elektrotechnik und Rohrlegerei erkennen. Unsere Werkräume sind zunächst bis Ostern 1938 nur für die Ausbildung in der Schlosserei eingerichtet Von Dipl.-Ing. H. Behrendt. zeugausgabe selbst aufbauen, die Transmissionen selbst anbringen und die Maschinen selbst aufstellen müssen. Diese Schüler haben beim Aufbau ihrer Lehrstätte außerordentlich viel gelernt und sind stolz darauf, ihre Werkstitte selbst geschaffen zu haben. Dieser Aufbau der Werkstatt ist jedoch noch lange nicht 'beendet. Es sind zurzeit nur eingerichtet: die Schlosserei, die Schmiede, die Schweißerei und der Maschinenraum. Für die Elektrotechniker beginnt vom 1. Oktober d. J. ab die Einrichtung ihrer Abteilungen, und auch sie werden Gelegenheit haben, an dem Aufbau tüchtig mitzuarbeiten. Hier müssen Prüffelder gebaut, Schalttafeln aufgestellt und elektrische Maschinen montiert werden. Gleichzeitig wird auch mit der Einrichtung der anderen Abteilungen begonnen werden. Die Mitarbeit der Schüler an diesen Arbeiten wird ein beachtenswerter Faktor in ihrer Ausbildung in den ersten drei Jahren des Auf- und Ausbaus der Werkstätten bleiben. Die Hauptsorgfalt der praktischen Ausbildung wird ungeachtet dessen auf die Ausfuhrung unserer Programmarbeiten gelegt. Diese Arbeiten, die nach einem sorgfältigst von Ingenieuren und Meistern gemeinsam mit dem Inspektor für Fachausbildung bei der Zentralverwaltung der „ORT"-Union, Herr Ing. L. Frinkel, aufgestellten Programm ausgeführt werden, bilden das Gerippe der praktischen Ausbildung, um das herum die übrigen Arbeiten zur Festigung des Gelernten gelegt sind. Die wichtigste Ergänzung der praktischen Werkstattarbeit bildet der theoretische Unterricht. Davon ausgehend, daß unsere Schüler sehr schnell in die Lage versetzt sein sollen, sich in ihrer neuen Heimat evtl auch selbständig zu machen, glauben wir, ihnen auch in den theoretischen Fächern möglichst umfassende Kenntnisse mitgeben zu müssen. Der theoretische Unterricht umfaßt im ersten Lehrjahr 2 Stunden Zeichnen, 2 Stunden Berufskunde, Miotoi Sonncnftld Di* Schlonarei Die Einrichtungen wurden zum großen Teil von unseren Schülern unter Leitung unserer Meister selbst geschaffen. Sie werden von ihnen nach Möglichkeit auch werter hergestellt werden. Als unsere Schüler am ersten Tage die Werkstatt betraten, haben sie nichts an Einrichtung vorgefunden. Es lagen gußeiserne Füße, Schraubstöcke und Holzbohlen in den Räumen. Einem jeden Schüler wurde das notwendige Handwerkzeug ausgehändigt. Die ersten Schüler mögen enttäuscht gewesen sein und sich nicht vorgestellt haben, wie es möglich ist, in diesen leeren Räumen etwas zu lernen. Unterdessen haben sie jedoch erfahren, wie wertvoll es ist, eine Werkstatt mitaufzubauen, welche außerordentliche Kenntnisse man sich hierbei aneignen kann. Sie haben ihre Werkbänke selbst aufstellen, ihre Schraubstöcke selbst anschrauben, die Schmiede selbst montieren, die Werk- 3 Stunden Rechnen, 1 Stunde Stoffkunde und 1 Stunde Physik in der Woche. Er hält sich möglichst an die in der Werkstatt durchgeführten Arbeitsvorgänge. In den zweiten und dritten Lehriahren werden die vorerwähnten Fächer entsprechend den Erfordernissen der dann vorgesehenen Spezialausbildung geändert bzw. ergänzt werden. Das harmonische Hand-in-Handarbeiten der Schulleitung, des Lehrkörpers, der Meister mit der Geschäftsführung der Gesellschaft „ORT", Abt. Deutschland, das durch ständige gemeinsame Konferenzen, gefördert wird, gewährleistet eine exakte Durchführung des Lehrprogramms. Entsprechend den recht hohen Anforderungen, die wir im theoretischen Unterricht an unsere Schuler stellen müssen, wurden die Schüler aus der großen Anzahl der einegangenen Aufnahme-Gesuche sorgfältig ausgewählt. Wir aben nicht nur den Besuch einer achtstufigen Volksschule I

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