Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Handwerker · 1937-07-01 · 7 (7.1937) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
7 (7.1937)
Date
1937-07-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492337-5771060-5771265--490-4883284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

üffiiidfö önKDiööloriDilDtrt D J.....} " 'J iithtitii-hi . i o L j .d.M t Q__i 5. 1 0 III IUI'! } im hu llllllil.jil.U hm ii?J ' f .....II jajümfe irö-fiö^smtnm&s fe^BiftorTIffir^ifltnSm ftauMtoctai wrni3mtmtof*anJ jfiMfiljalVmtnxihr &mt fdjlanfie cVÜttflßctftn ratrawkttunßlini^maraieöallnlt 24, g)ranlfltburn.rrftr 1 aHcfim b 2 tDf ibcnb. s joj. Xafragm nur «n tu ®«(*äf(«|»«D«: Q5«tlin SB 50, OMobflrof« 8, 9 4 Vavaria 1030 29. Jahrg. Nr. 7 VERLAG i ZENTRALVERBAND JÜD. HANDWERKER Juli 1937 IfiWdie £ri>Msm00lid|ltefteii in flufttnlten Australien ist der entfernteste von allen Kontinenten. Es ist so groß wie die Vereinigten Staaten von Amerika und könnte leicht 60 Millionen Menschen, wenn nicht noch mehr ernähren. Tatsächlich wird es von nur 6% Millionen bewohnt. Nur ein Bruchteil der Landfläche wird angebaut Denn Australien fehlt vor allem du Wasser. Ein Drittel de* Landes ist fast wasserlos, ein zweites Drittel wasserarm, das letzte Drittel aber hat Regen und Feuchtigkeit fenug und ist daher sehr fruchtbar. Im Innern und im üden gibt es ausgedehnte Steppen und Wüsten. Dabei ist das Klima in dem größten Teil des Landes für Euro- Säer «ehr gesund. Man hat Australien das Land des onnenscneins genannt. Nur zu einem Drittel liegt» es in der tropischen, zu zwei Dritteln dagegen in der gemißigten Zone. Durch Bewässerung könnten noch weitere große Teile des Landes urbar gemacht werden. Die wirtschaftliche Struktur Australiens erscheint unter mehreren Gesichtspunkten für eine jüdische Einwanderung als < besonders günstig. Denn Australien ist heute ein Industrie-Agrarland. Etwa 22<y0 der Bevölkerung leben von der Land- und Forstwirtschaft, 35 Prozent von Industrie und Bergbau, während 25 Prozent im Handel und Verkehr, der Rest in anderen Berufen tätig sind. Besonders bemerkenswert ist, daß mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den sechs großen Städten des Landes wohnt. Die australische Landwirtschaft ist auf zwei Haupterzeugnisse eingestellt, die die weitaus wichtigsten Exportartikel sind: Wolle und Welzen. Bekanntlich ist Australien das bedeutendste Wollerzeugungsland der Weit. Mehr als 106 Millionen Schafe werden im Lande gehalten, d. h. etwa 15 auf den Kopf der Bevölkerung. Der Wollexport bringt Australien eine Einnahme von jährlich durchschnittlich 1,2 Milliarden Ooldmark. Auf der Schafzucht sind zwei große australische Exporthandelszweige begründet: der Wollexport und die Gefriert leischausfuhr, durch die hauptsächlich England versorgt wird. An der Oefrierfleischausfuht sind außer den Schafauch die Rindviehzüchter Australiens beteiligt; doch stehen die Rinderzucht und die übrige Viehzucht des Landes neben der Schafzucht erst an zweiter Stelle. Australien liefert die besten Wollen der Welt, nämlich die feinen Merinowollen. Wertmäßig stellt die Wollausfuhr etwa die Hälfte des Oesamtexports Australiens dar. Die W e-i z e n ausfuhr nimmt heute den zweiten Platz unter den australischen Ausfuhrwaren ein. Sie unterliegt freilich wegen der Unsicherheit der australischen Ernten sehr erheblichen Schwankungen. Außer dem Weizen werden auch fast alle anderen landwirtschaftlichen Erzeugnisse angebaut, Jedoch vorwiegend für den Inlandsbedarf. Das tropische Queensland liefert neben den meisten Südfrüchten auch Baumwolle, Rohrzucker, Tabak u. a. m. Tasmanien ist als das Haupterzeugungsland der australischen Aepfel bekannt, die gleichfalls ein nicht unwichtiger Exportartikel sind. Arm ist Australien an Wildern und daher auch an Holz für industrielle und Bauzwecke. Dafür ist es überaus reich an Bodenschätzen aller Art. Das Oold war früher der zweitwichtigste Exportartikel neben der Wolle. Zwar ist die australische Golderzeugung wegen der hohen Erzeugungskosten zurückgenen. Doch gehört Australien noch immer zu den Bern ästen Goldrändern der Ende. Silber, Kupfer, Blei, Zinn und andere Metalle werden ebenfalls in großen Mengen Im Lande gewonnen. In Victoria sind reiche Eisenerzläge r, und Braunkohle wird dort im Tagebau gefördert. Die großen Steinkohlenlager von New South Wales bilden die Basis der weit fortgeschrittenen i n d u - strieklen Entwickhing Australiens. Es würde zu weit führen, hier auf die zahlreichen und weitverzweigten Industrien und Qewerbe Australiens näher einzugehen. Einige Fertig-Industrien sind heute noch vorwiegend sogenannte Endindustrien, d. h. sie beziehen die Einzelteile aus dem Auslande und setzen sie zu Fertigwaren zusammen. Der weitaus größte Teil des Eigenbedarfs an industriellen Erzeugnissen wird im Lande selbst hergestellt. Ausgeführt können freilich die australischen Industriewaren in der Regel nicht werden. Das hingt aufs engste mit der australischen Wirtschafts- und Sozialpolitik zusammen. Australien ist nämlich das Land der hohen Arbeitslöhne. Der Aufbau und die Entwicklung der einheimischen Industrien erfolgte unter dem Schutze hoher Zölle. Diese sind dazu bestimmt, die hoch entlohnten australischen Arbeiter gegen die Konkurrenz von Ländern mit niedrigeren Löhnen zu schützen. Die Zollmauem sind sowohl für die australische Industrie als auch für die australische Arbeiterschaft eine Existenzfrage. Auch die Arbeiter und namentlich die Gewerkschaften ver teidigen daher die hohen Einfuhrzölle mit aller Kraft, weil sie wissen, daß ohne sie ihre hohen Verdienste nicht möglich wären. Natürlich müssen sie infolgedessen auch für industrielle Waren — die Agrarerzeugntsse sind ungeschützt und billig — hohe Preise-bezahlen. Trotzdem Ist ihre wirtschaftliche und soziale Oesamtlage außerordentlich günstig. Die sozialpolitischen Ziele der australischen Gewerkschaften sind einmal kurz und treffend folgendermaßen zusammengefaßt worden: „In der Jugend nicht unbillig ausgenützt werden, im reifen Alter gut verdienen und anständig leben können, im hohen Alter nicht darben, bei Unfällen geschützt sein, beim Tode die Angehörigen nicht brotlos zurücklassen I" Diesen Zielen konnte man selbst in einem so reichen Lande wie Australien nur bei weitestgehender wirtschaftlicher Abgeschlossenheit, also unter dem Schutze sehr hoher Zollmauern einigermaßen nahekommen. Die australischen Gewerkschaften, die sehr mächtig und einflußreich sind fauch wenn sie nicht die Regierung (teilen), bekämpfen aber nicht nur die Einfuhr industrieller Waren, sondern aus den gleichen Erwägungen heraus auch die Einwanderung fremder Arbeitskräfte, besonders wenn sie von ihnen eine Unterbietung der Löhne, Gehälter und Preise befürchten. Allerdings richteten sich die strengen Einwanderungabestim- \

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.