Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 6 (6.1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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höhung der Warenpreise an den internationalen Märkten. Aber zu zwei Dritteln, also erheblich überwiegend Ist sie auf eine Steigerung der Mengenumsätze im zwischenstaatlichen Warenaustausch zurückzuführen. Besondere Erwähnung verdient die Tatsache, daß an der Zunahme des Welthandels die überseeischen Linder erheblich stärker als die europäischen beteiligt sind. Nach einer Zusammenstellung des Statistischen Reichsamts sind die Wertumsätze des Außenhandels der überseeischen Länder gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent gestiegen, die der europäischen Läader nur um 15 Prozent. Die Erklärung hierfür ist wohl äarin zu suchen, daß der Aufstieg des Welthandels von den Bedarfsteigerungen der Industrien, insbesondere der Produktionsgüterindustrien, an Rohstoffen seinen Ausgang genommen hat. Diese Verbrauchsteigerung, die mit einer ziemlich allgemeinen Erhöhung der Weltmarktpreise verbunden war, ist in erster Linie den überseeischen Rohstoffe und Lebensmittel erzeugenden Ländern zugute gekommen. Ausdrücklich wurde vom Statistischen Reichsamt festgestellt, daß die Weltmarktpreise der Rohstoffe und Lebensmittel bisher stärker gestiegen sind ab die der industriellen Fertigwaren. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß der weltwirtschaftliche Aufschwung den Ueberseeländern den größeren Vorteil gebracht hat. Besonders starke Steigerungen der Ausfuhr haben Argentinien (Zunahme gegenüber dem Vorjahr 103 Prozent!), die Ver- Maschinen abzugeben Zwei Jiachstrickmaschinen für Pullover, Westen, Socken u. a., Fabrikat Walter mit Zehnerteilung und Fabrikat Irmscher u. Witte Siebenerteihing, beide mit Oberführung und Handbetrieb. Ferner ist abzugeben eine Knopflochmaschine für Wäsche, eine Knopflochmaschine für Herrenkonfektion, eine Nähmaschine. Anfragen sind an die Geschäftsstelle Berlin W 50, Nachodstraße 8, zu richten. einigten Staaten, Britisch-Indien und Canada erzielt. Unter den europäischen Lindern weisen England, Deutschland, Italien und Belgien-Luxemburg die größten Ausfuhrsteigerungen aus. Für die deutsche Wirtschaft ist das Ansteigen der Weltkonjunktur und der Weltmarktpreise deshalb von großer Bedeutung, weil hierdurch die Exportaussichten der deutschen Fertigwarenindustrien günstiger gestartet werden. Wie sich die starke Zunahme des Rohstoffbedarfs der Industrieländer und der Anstieg der Rohstoffpreise in den überseeischen Ländern auswirken, zeigt am deutlichsten die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens. Die Aktivierung seiner Handelsbilanz hat es diesem Lande möglich gemacht, seine Auslandsschuld in - schnellem Tempo anzuhauen. Ausländisches Kapital strömt zurzeit in so großen Mengen nach Argentinien, um dort sichere und gewinnbringende Anlage zu suchen, daß es der argentinischen Regierung leicht fällt, größere Inlandsanleihen unterzubringen, um mit dem Erlös die ausländischen Anleihen zurückzuzahlen. Die Aufwärtsentwicklung der Rohstoff- und Lebensmittelpreise erstreckt sich freilich nicht gleichmäßig auf alle für den internationalen Warenhandel wichtigen Stoffe und Lebensmittel. Auf manchen Marktgebieten, so z. B. am B a u m w o 11 - und am Kupfer markt waren in letzter Zeit Stockungen oder sogar Rückschläge zu beobachten. Die Kaffee preise, die namentlich für Brasilien von Bedeutung sind, haben infolge der guten Ernteaussichten wieder einen Rückgang erfahren. Dagegen erweist sich der Weltwollmarkt, der maßgeblichen Einfluß auf die Wirtschaftslage Australiens hat, als außerordentlich fest, da das Wollangebot mit der steigenden Nachfrage offenbar nicht Schritt halten kann. Auch das Vordringen der Zellwolle erfolgt allem Anschein nach mehr auf Kosten der Baumwolle als der Wolke. «Sehr stark belebt sind ferner die Welteisenmärkte. Hier ziehen die Preise noch ständig weiter an, da die Nachfrage die Produktion weit übersteigt, sodaß sich in der ganzen Welt ein Mangel an Eisen fühlbar macht. Die Weltarbeitslosigkcit hat sich zwar infolge der industriellen Hochkonjunktur erheblich vermindert. Trotzdem werden noch immer 16'/j Millionen Arbeitslose in der Welt gezählt. Wenn sich ihre Zahl auch seit einem Jahre um 3y> Millionen vermindert hat, so beweist die hohe Weltarbeitslosenziffer, daß an dem Konjunkturaufschwung der Weltwirtschaft nicht alle Linder und nicht alle Wirtschaftsgruppen beteiligt sind. Man rechnet jedoch damit, daß die Zunahme des Welthandels zu einer weiteren Abnahme der Weltarbeitslosigkeit führen werde. 6 Steuerecke Dia künftige Gewerbesteuer Vom 1. April d. J. ab ist bekanntlich ein einheitliches Oewerbesteuergesetz an die Stelle der bisher geltenden Landesgesetze getreten. Zur Durchführung des' neuen Gewerbesteuergesetzes vom 1. Dezember 1936, zu dem bereits unterm 26. Februar 1937 eine Erste Durchführungsverordnung erlassen worden ist, hat der Reichsfinanzminister inzwischen Richtlinien herausgegeben. Sie sind im Reichssteuerblatt veröffentlicht und zum Preise von RM 0.30 durch den Buchhandel zu beziehen. Die Veranlagung zur Gewerbesteuer für das Jahr 1937 ward bereits einheitlich für das ganze Reich auf Grund des neuen Oesetzes und der Richtlinien des Reichsfinanzministers vorgenommen werden. In den Richtlinien wird insbesondere der Begriff des Gewerbebetriebes, der die Steuerpflicht begründet, eingehend erliutert. Jeder stehende gewerbliche Betrieb, der im Inlande ausgeübt wird, unterliegt der Gewerbesteuer (also nicht das ambulante Gewerbe). Das stehende Gewerbe wird vor allem gegenüber der Landwirtschaft und gegenüber der selbständigen Arbeit in den Richtlinien genau abgegrenzt Als Gewerbetreibende werden u. a. auch Hotelbesitzer angesehen, ebenso Industriehausbesitzer, die selbst ihre Grundstücke als Betriebsvermögen betrachten und bei der Verwertung ihrer Qebiude erhebliche Verwaltungsarbeit leisten. Die bloße Nutzung von Grundvermögen stellt hingegen keinen Gewerbebetrieb dar, wenn dabei eigene Arbeit in wesentlichem Umfange nicht geleistet wird. Ebenso gilt die Vermietung möblierter Zimmer grundsätzlich nicht als Gewerbebetrieb. Dagegen ist die Beherbergung in Gaststätten (Hotels, Logierhäusern, Pensionen) gewerbesteuerpflichtig. In zweifelhaften Fällen entscheidet die Verkehrsauffassung. Wer einen Gewerbebetrieb verpachtet, wird dadurch grundsätzlich nicht zum Gewerbetreibenden. Hausgewerbetreibende und Zwischenmeister sind selbständige Gewerbetreibende und daher gewerbesteuerpflichtig, Heimarbeiter, die unselbständige Arbeit leisten, dagegen nicht. Selbständige Handelsvertreter können als gewerbliche Unternehmer angesehen und in die Oewerbesteuerpflicht einbezogen werden. Ein in der Auflösung befindliches gewerbliches Unternehmen bleibt gewerbesteuerpflichtig. Auch durch die Eröffnung eines Konkursverfahrens Wird das Weiterbestehen des Gewerbes und damit die Oewerbesteuerpflicht nicht berührt Dasselbe gilt für die Liquidation einer gewerblichen Gesellschaft. Der Berechnung des Oewerbeeinkommens werden im allgemeinen die Grundsätze des Einkommen- und Körperschaftssteuergesetzes zugrundegelegt, jedoch unter Hinzurechnung und Absetzung bestimmter Posten. Auf die hierbei geltenden Einzelbestimmungen wird bei der Erläuterung der Veranlagungsvorschriften noch näher eingegangen werden. Steuerkalender vom 20. Juni bis End» Juli 1937 20. Juni Lohnsteuer: Zahlung der vom 1.—15. Juni einbehaltenen Betröge. An Finanzamt. 20. Juni Börgersteuer; Zahlung der bis zum 15. Juni einbehaltenen Betröge. An Steuerkasse. 24. Juni Bürgersteuern; Zahlung dervon den Wochenlohnempfängern einbehaltenen Betröge. An Steuerkasse. 5. Juli Lohnsteuer der vom 16.—31. Juni einbehaltenen Betrag«. An Finanzamt. 10. Juli Bürgersteuern;Zahlung der von den Wochenlohnempfängern einbehaltenen Betröge. ■ An Steuerkasse. 10. Juli Umsatzsteuer für Monats- und Vierteljahreszahler. An Finanzamt. 15. Juli Lohnsummensteuer für Juni w. o. An Steuerkasse. 15. Juli Grund- und Gebäudesteuern. An Steuerkasse. 20. Juli Lohnsteuer der vom 1.-15. Juli einbehaltenen Betröge. An Finanzamt. 24. Juli Bürgersteuern; für Wochenlohnempfänger. An Steuerkasse. Sämtliche Steuern sind pünktlich zu zahlen, da es kein« Schonfristen gibt. Jeden Montag, 6 — 8 Uhr, Oranienstr. 611 (direkt am Moritzplatz). Jeden Mittwoch, 4—5 Uhr, Nachodstr. 8 in der OeschlftssteUe.