Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 6 (6.1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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die er schuldig ist. Dagegen kann einem guten Wirte nichts angenehmer sein, als sich alle Tage die Summe seines wachsenden Glücks zu ziehen. Selbst ein Unfall, wenn er ihn verdrießlich überrascht, erschreckt ihn nicht; denn er weiß sogleich, was für erworbene Vorteile er auf die andere Wagschale zu legen hat". III. Uebergang zur ordnungsmäßigen Buchführung. Der Uebergang ist bereits erfolgt. Wer die in der Einkommensteuererklärung tur1936r von Kleingewerbetreibenden und .Handwerkern verlangten Angaben mit denen der früheren Jahre vergleicht, wird wesentliche Unterschiede finden. 1. Anstatt Angaben über die Ausgaben für Waren- und Materialeinkauf zu machen, war der Waren- und Materialeinkauf (Rohstoffe und Zutaten) laut Wareneingangsbuch anzugeben. 2. Die andern Betriebsausgaben haben eine weitere Teilung erfahren. Sie sind wie folgt unterteilt (Die im folgenden gesperrt gesetzten Sätze sind Erläuterungen des Verfassers). a) Oehälter und Löhne der im Betrieb tätigen Arbeitskräfte (die Ehefrau und Kinder, für die Steuerermäßigung gewährt wird, gehören nicht dazu.) b) Kost und Wohnung für fremde Arbeitskräfte. (Die anrechnungsfähigen Beträge sind bei den Innungen zu erfragen). c) Miete der Geschäftsräume (nach Abzug von... RM anteiliger Wohnungsmiete). Als anteilige Wo h nun gs m i e t e ist der Betrag einzusetzen, der für eine gleichartige Wohnung im selben Hause gezahlt wird. d) Beheizung und Beleuchtung des Geschäftes. (Es ist zu beachten, daß z. B. die Kohlen, die ein Bäckermeister zur Heizung des Backofens geiraucht, nicht Unkosten, sondern Ware sind, die ins Wareneingangsbuch eingetragen werden). e) Entrichtete Umsatz- und Gewerbesteuern. Einkommensteuer, Vermögenssteuer, Jüdische Gemeindesteuern sind Privat entn a h m e n , letztere können, soweit sie im Kalenderjahr entrichtet worden sind,als Sonderausgaben abgesetzt werden, nicht aber Zuwendungen an die Winterhilfe. f) Sonstige Betriebsausgaben mit der Unterfrage: „Wofür und in welcher Höhe sind Neuanschaffungen im Kalenderjahr erfolgt?" (Bei den sonstigen Betriebsausgaben sind zu unterscheiden zwischen tatsächlichen Betriebsausgabenund solchen, die für Privatzwecke gemacht werden. Ein Handwerker, der einen Kraftwagen besitzt, und ihn auch für Privatzwecke (Ausflüge) verwendet, muß den Verbrauch von Oel und Benzin an solchen Tagen als Privatentnahme buchen). Mit dem Jahre 1936 ist durch die neue Veranlagungsform tatsächlich der Uebergang zur ordnungsgemäßen Buchführung in allen Betrieben erfolgt. An Hand, vorstehender Angaben kann der Bearbeiter 'des Finanzamts eine regelrechte Bilanz und Gewinn -und Verlustrechnung nach den Grundsätzen der doppelten Buchführung aufstellen. IV. Die Einrichtung der ordnungsmäßigen Buchführung. Aus den vorstehenden Ausführungen wird jeder Gewerbetreibende entnehmen, wie wichtig es für ihn ist, möglichst schnell mit der Einrichtung einer ordnungsgemäßen Buchführung zu beginnen, und zwar schon für das Jahr 1937. Dazu ist die Aufstellung einer Eröffnungsbilanz für den 1- 1. 1937 nach folgendem Schema erforderlich: Besitzwerte (Aktiva) Waren ..... M3500.- Inventar langlebig M 1000. Inventar kurzlebig M 500.— Geld..... M 200.- Forderungen an Kunden . . M1000. - Schulden (Passiva) Lieferantenschulden M 1000 — Langfristige Darlehen . . . M1000. Betriebsvermögen M 4200.- M 6200— M 6200.— Hat man am 1- Januar 1937 eine Warenbestandsaufnahme nicht gemacht, so kann man den Warenbestand am 1. 1. 37 rückschauend wie folgt errechnen. Man macht beispielsweise am 31. 3. 37 eine Bestandsaufnahme, die, sagen wir, einen Bestand von RM 6000.—. ergibt. Zu diesem Bestand werden die Losungen vom 1. 1. 37 bis 31. 3. 37 hinzugesetzt — RM 12000. . Abgesetzt wird der Wareneingang vom 1. 1. 37 bis 31. 3. 37 RM 6000.—. Da aber in den Losungen noch der Bruttogewinn mft enthalten ist, muß dieser auch noch abgezogen werden. Im Handel beträgt er etwa 33>/i °/» des Umsatzes =■ »/, von 12000 4000.—. Der Warenbestand hat demnach «in 1. 1. 37 RM 8000.— betragen. Der Handwerker, bei dem der Materialautwand nur einen Bruchteil der erhaltenen Entgelte enthält, wird einen höheren Anteil der Entgelte absetzen. Er wird unter Umständen bei den kleinen Vorräten, die er zu halten pflegt, einfach den Bestand vom 31. 3. 37 als Anfangsbestand einsetzen können: Der Kassenbestand am 1. 1. 37 dürfte überall bekannt sein. Die Außenstände und Schulden für den 1. 1. 37 zu ermitteln, dürfte keine Schwierigkeiten bereiten. V. Das Kontobuch einer einfachen Buchführung Ein Kassabuch, in welches die Einnahmen und Ausgaben eingetragen werden, wird wohl jeder Gewerbetreibende oder Handwerker führen. Dieses Kassabuch in ein Kontobuch umzuwandeln bereitet keine Schwierigkeiten. Anstatt eines Buches, das nur auf jeder Seite e i n e~ Betragspalte enthält, nimmt man ein Buch mit etwa 10 Spalten auf jeder Seite (Anschaffungspreis etwa 3.— Mark) und verfährt wie folgt: Die Einnahmeseite- Man trägt wie bisher in die erste Betragspalte den eingenommenen Betrag ein, verteilt ihn aber nach der Art der Einnahme. Es kommen in Betracht: 1. Barverkauf. 2. Zahlungen der Kreditkunden. 3. Sonstige Einnahmen. Diese sonstigen Einnahmen können sein: Vergütungen von Lieferanten, erstattete Kosten eines verklagten Kunden. Es können auch Einzahlungen sein, die man aus gewährten Darlehen erhält. Diese Unterscheidungen sind notwendig, weil umsatzsteuerpflichtige Entgelte nur die Losungen und die Zahlungen der Kreditkunden sind. Die Ausgabenseite wird man sinngemäß nach den Vorschriften der Steuererklärung gliedern. Das hat den Vorteil, daß man bei einer steuerlichen Betriebsprüfung dem Betriebsprüfer einen schnellen Ueberblick gewährt, und die Arbeit der oft von ihm verlangten nachträglichen Aufteilung spart. Man kann auch einfacher verfahren und außer der Betragspalte nur folgende Spalten einrichten: 1. Zahlungen an Lieferanten, 2. Arbeitslöhne, 3. Unkosten, worunter man alle unter 2, a—f angefegebenen Betriebskosten zusammenfaßt und am cnluß des Monats eine Aufteilung nach obigen Unterrubriken anfertigt und ins Kontobuch einträgt, 4. Privatentnahmen, 5. Sonstige Ausgaben wie Inventaranschaffungen, Darlehnsruckzahlungen u. dgl. Die Nebenbücher. Neben diesem Kontobuch ist selbstverständlich das vorgeschriebene Wareneingangsbuch zu führen. Ein Warenausgangsbuch wird man nur führen, wenn man ein umfangreiches Kreditgeschäft hat. Als Warenausgangsbuch kann man ein Wareneingangsbuch benutzen, indem man die Spalte „Name des Lieferers" in „Name des Kunden" ändert. Wie man die Buchhaltung für den Verkehr mit der Kreditkundschaft einzurichten hat, ist ein besonderes Oebiet, das deshalb für einen späteren Aufsatz vorbehalten sei. Hat man jeden Monat ordnungsgemäß das Kontobuch geführt, jeden Monat für sich abgeschlossen, so bereitet der Jahresabschluß keine Schwierigkeiten. Man kann eine Jahresbilanz und eine Oewinn- und Verlustrechnung nach den Regeln der sogenannten doppelten Buchführung aufstellen, und die Frage: „Führen Sie Bücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches mit „Ja" beantworten. Man genießt alsdann alle steuerlichen Vorteile, die den ins Handelsregister eingetragenen Kaufleuten gewährt werden. M. Jastrow. fflDllmirtrdiaftlidiDS äonjunfttotlmrometM Im ersten Vierteljahr 1937 hat eine lebhafte Aufwärtsbewegung des Welthandels eingesetzt. Während bisher der zwischenstaatliche Warenaustausch in auffälliger Weise hinter der aufsteigenden Entwicklung der industriellen Produktion zurückblieb, kann nunmehr Derichtet werden, daß sich auch der Welthandel um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahrsstande gehoben hat. Allerdings beruht diese Belebung des Handels zu einem Drittel auf der Er-