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Der jüdische Handwerker · 1937-06-01 · 6 (6.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
6 (6.1937)
Date
1937-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ständen abhängig sind. Das eilt insbesondere hinsichtlich der Palästina Wanderung, die im 4. Vierteljahr 1936 erheblich nachließ, aber auch andererseits hinsichtlich der Auswanderung nach Südafrika, die sich in diesem Quartal aus den bekannten Gründen stark erhöht hatte. Trotzdem sind diese Zahlen unter den verschiedensten Gesichtspunkten bemerkenswert. Sie zeigen z. B. den sehr großen Umfang der Amerika- Auswanderung, die mit einer Gesamtzahl von 1804 nicht weniger als 43,3 Prozent sämtlicher registrierter Auswanderer umfaßte, wobei die Vereinigten Staaten und Südamerika ungefähr die gleiche Zahl Auswanderer aufgenommen haben. Betrachten wir nun die jüdische Binnenwanderung, so dürfen wir feststellen, daß für sie bereits ein vollständigeres Zahlenmaterial als für die Auswanderung vorliegt. Denn für das letzte Vierteljahr 1036 sind zwar noch nicht die Wegzugmeldungen, wohl aber bereits die Zuzugsmeldungen auch aus Süddeutschland, Düsseldorf und Hannover vorhanden. Das wesentliche Kennzeichen der jüdischen Binnenwanderung ist der Zug aus den Klein- und Mittelstädten nach den Großstädten. Er wir schon vor dem Jahre 1933 vorhanden, ist aber seitdem noch wesentlich stärker geworden. Die Ursachen sind nicht schwer zu finden. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Ausgliederung der Juden macht sich in den kleineren und mittleren Städten sowie auf dem flachen Lande in stärkerem Maße als in den Großstädten fühlbar. Sie erzeugt ganz naturgemäß ein erhöhtes Anschlußbedürfnis an andere Juden und damit eine verstärkte Abwanderung nach den Großstädten. Dabei besteht freilich ein gewisser innerlicher Zusammenhang zwischen der Abwanderung in die Großstädte und der Auswanderung insofern, als viele bisher in den Mittel- und Kleinstädten sowie auf dem Lande ansässigen luden zunächst in eine Großstadt übersiedeln um dort ihre Auswanderung vorzubereiten und durchzuführen. Dei ' Falle nur e führen. Der Zug nach der Großstadt ist also in diesem tja derung. In welchem Umfange die Auswanderung Ursacne tue in U ebergangsstadium zur Auswan- und Endziel der Binnenwanderungen ist, wird wiederum erst durch eine endgültige und lückenlose Statistik aufgezeigt werden können. Die bisherigen Zählungen ergeben für das 3. Quartal 1936 insgesamt 2043, für das 4. Quartal 2282 Binnenwanderungsfälle. Das würde für die Binnenwanderung eine Gesamtjahresziffer von 8500 bis 9000 bedeuten, die aber wegen der Unvollständigkeit der bisherigen Meldungen um mindestens 25 Prozent, also auf 11 bis 12000 erhöht werden muß. Der Umfang der Binnenwanderung Ist also gegenwärtig etwa halb so groß wie der der Auswanderung. In Wirklichkeit ist er aber großer, da an der Binnenwanderung ja nur die in den Klein- und Mittelstädten sowie auf dem Lande wohnenden Juden beteiligt sind, die noch nicht ein Drittel der in Deutschland lebenden Juden umfassen. Wenn man das berücksichtigt, so ist die Binnenwanderung, d. h. der Zug nach der Großstadt außerordentlich stark. Schätzt man die Zahl der in den kleinen und mittleren Städten sowie auf dem Lande wohnenden Juden auf 100 000, so kommt man zu dem Ergebnis, daß 10 Prozent dieser Juden in einem einzigen Jahre in die Großstädte abgewandert sind. Rechnet man hierzu noch die Auswanderungsziffern hinzu, so gewinnt man ein eindrucksvolles Bild der Abwanderung der Juden aus den Klein» und Mittelstädten sowie aus' den Dörfern, durch die die Struktur der jüdischen Bevölkerung Deutschlands wesentlich bestimmt wird. Das Ziel der jüdischen Binnenwanderung sind in der Hauptsache die sechs' Großstädte Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg, Breslau, Köln und Düsseldorf. Von den 4325 Zuzügen, die in dem zweiten Halbjahr 1936 gemeldet wurden, entfielen auf Berlin 968 Zuzüge Frankfurt 381 Zuzüge Hamburg 216 Zuzüge Köln 163 Zuzüge Breslau 159 Zuzüge Düsseldorf 77 Zuzüge. Diese sechs Großstädte meldeten also eine jüdische Zuwanderung von zusammen 1964 Personen. Auch die übrigen Binnenwanderungen waren überwiegend Umzüge aus kleinen nach größeren Gemeinden. / Unternimmt man es, die Binnenwanderung, soweit es auf Grund des vorliegenden Zahlenmaterial« bereits möglich ist, zu betrachten, so ist bezüglich der Altersgliederung der Wanderer deutlich zu erkennen, daß der jugendliche Nachwuchs besonders stark an der Abwanderung in die Großstadt beteiligt ist. Die gleiche Erscheinung ist bekanntlich auch bei der Auswanderung zu beobachten. Die Vergreisung der jüdischen Bevölkerung der Klein- und Mittelstädte wird also in zwiefacher Weise durch die Wanderungsbewegung verstärkt. Sie wird nur dadurch etwas gemindert, daß auch die älteren Jahrgänge, also die über 50 Jahre Alten an der Abwanderung in die Großstädte stark beteiligt sind. Hier wirkt sich scheinbar der Wunsch eines Zusammenlebens' mit den schon früher in die Großstadt verzogenen Kindern aus. Interessante Aufschlüsse gibt ferner—eine Btmfa g 1 i e d e r u gl - der Binnenwanderer, die Birnbaum vornahm. Es zeigt sich hierbei, daß an der Binnenwanderung selbständige Kaufleute mit 15 Prozent, kaufmännische Angestellte mit 10 bis 13 Prozent, Angehörige freier Berute mit 5 bis 7 Prozent, Hausangestellte mit 10 bis 15 Prozent, Schüler mit 9 bis 10 Prozent beteiligt sind, selbständige Handwerker dagegen mit nur 3 bis 3>/> Prozent und Handwerksgehilfen nur mit 1 bis lVa Prozent. Wenn man auch diese Ziffern mit Vorbehalt betrachten muß, namentlich deshalb, weil sie erst dann, wenn sie zu der Berufszusammensetzung der in den Klein- und Mittelstädten wohnenden Juden in Vergleich gestellt werden könnten, größere Bedeutung gewinnen würden, so gewinnt man doch schon aus dem vorliegenden Zahlenmaterial den Eindruck, daß die jüdischen Handwerker einen besonders seßhaften und bodenbestfindigen Bestandteil der jüdischen Bevölkerung bilden. Dieser Eindruck wird durch die Tatsache verstärkt, daß der Anteil der selbständigen Handwerker an der Auswanderung mit etwa 9 Prozent bedeutend höher ist als an der Binnenwanderung. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Auswanderung der Handwerker meist viel leichter als die der Angehörigen anderer Berufe ist, da ein Handwerksmeister im AusTande in der Regel ohne Schwierigkeiten eine Existenz findet. Andererseits ist der jüdische Handwerker meist in seiner Heimat fest verwurzelt und nimmt wohl deshalb an der Binnenwanderung nur in verhältnismäßig geringem Maße teil. Wie die angeführten Beispiele zeigen, wird die Weiterführung und Vervollständigung des Meldewesens der jüdischen Oemeinden uns noch manche interessanten Einblicke in den Umfang, die Zusammensetzung und die Entwicklungstendenzen sowohl der jüdischen Auswanderung als auch der jüdischen Binnenwanderung tun lassen. Sie wird uns insbesondere erkennen lassen, ob und in welchem Umfanee der Zug nach der Großstadt andauert und in welchem Maße er die jüdische Bevölkerungsstruktur umgestaltet. Neues zum Palfistina-Transfer Von Dr. Heinz Cohn. Ein RE. Nr. 73/37 vom 24. 5. 37 bringt neue, ergänzende Bestimmungen die insbesondere den Palästinatransfer betreffen. Die bisherigen Grundlinien des Palästinatransfers bleiben jedoch unberührt. Es sollen hier ,nur einige Bestimmungen der neuen Regelung erwähnt werden, die für unseren Leserkreis ein gewisses Interesse haben. Die Inhaber von Arbeiterzertifikaten brauchen bekanntlich ein Vorzeigegeld nicht aufzuweisen. Sie konnten aber bisher bescheidene Beträge ähnlich wie das Vorzeigegeld transferiert erhalten. Dieser bescheidene Betrag ist jetzt auf höchstens 250 £ festgesetzt worden. Die Inhaber von Handwerkerzertifikaten konnten bisher ebenfalls über das notwendige Vorzeigegeld von 250 £ hinaus Beträge transferiert erhalten'. Diese Beträge sind jetzt — einschließlich des notwendigen Vorzeigegeldes von 250 £ — auf 500 £ festgesetzt worden. Die Inhaber von Ruf-Angehörigen-Zertifikaten konnten bisher das volle Vorzeigegeld von 1000 £ erwerben, wenn der nachrufende Angehörige im Ausland über nicht mehr als den Oegenwert von 25 000.— RM verfügte. Diese Bedingung ist jetzt zwar fortgefallen, aber der nachrufende Angehörige kann nunmehr noch eine Oenehfmigung bis zu 500 £ erhalten. Bezüglich des Schulgeld- und Rententransfers sind die bisher festgesetzten Beträge (bis zu 200 bzw. bis zu 500 RM monatlich) den neuen Transfersätzen angeglichen worden, sodaß die Einzahlungen für Schulgeld und Unterhaltszahlungen bis zu 250 RM, für Versorgungsbezüge und Unterhaltsrenten bis zu 550 RM betragen können. ^ÜtkwAwk, mt KUR FÜRSTEN DAMM »1 FRIEDRICH STRASSE IM SAAR LAND STRASSE 11» WILMERSDORFER STR. 127 SCHÖNHAUSER ALLEE 113 3

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