Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 4 (4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wirtschaftlich werben! Es ist vielleicht schade darum, daß seit Jahrzehnten die hohe Kunst in der Werbung auf vielen Gebieten der Werbegestaltung in den Hintergrund getreten ist. Man denke an die kunstvollen Plakate der Klinger, Oipkens, Bernhard u. a. Dafür aber hat sich das künstlerische Durchschnittsniveau ht der Werbung erheblich erhöht, und es ist eine neue Patfci in das Leben der Werbung getreten, die Wirtschaftlichkeit. Seither regiert die planmäßige Werbearbeit die werbende Wirtschaft. Leider — und das »t das Unglück i— fast ausschließlich in den Großbetrieben der Industrie, des Handels, des Verkehrs und der Versicherungswirtschaft. Die mittleren und kleineren Unternehmungen hinken ihren großen Brüdern sehr nach. Aber die Werbung soll nicht das Reservat der Großbetriebe bleiben. Oerade das mittelständische Unternehmen hat es notig, seinen Absatz durch Werbung zu erhalten und zu regulieren, durch eine Werbung, die mit den besonderen Bedingungen des einzelnen Betriebes rechnet, die die Werbekosten wirtschaftlich bemißt und alles aus den Werbemöglichkeiten an Wirkung und Erfolg herausholt, was denkbar ist. Hier spielt die Kunst nicht immer die gleiche glückbringende Rolle wie anderwärt»: Denn die Kosten verbieten es dem kleineren und oft selbst auch dem mittleren Unternehmen, seelische Wirkungen durch künstlerische Gestaltung hervorzurufen. Hier muß die Kunst durch ihren Bruder, den guten Oeschmack ersetzt werden. Aber auch der beste Geschmack kam» den Werbeerfolg nicht ,n »Hen Fällen bringen. Dazu sind die Werbeaufgaben oft viel zu nüchtern. Die Erfahrung lehrt tausendmal am Tage, daß selbst gutgestaltete Werbemittel versagen und scheinbar nüchterne Erfolge bringen. So kann ein ganz einfaches Inserat in einem Branchenadreßbuch, eine Preisanzeige ohne jedes schmückende Beiwerk, ja selbst ohne einen Werbetext gut wirken und gute Erfolge bringen. Woran aber soll sich der Werbende halten, wenn Wirkung und Erfolg immer ungewiß sind? O ja, der Werbende kann sich an etwas halten, denn die Ungewißheit ist nur scheinbar! Wer planmäßig wirbt und Werbeerfahrung hat, der weiß schon, mit welchen Mitteln und mit welcher Qestaltungsform die Werbemittel wirksam zu gestalten sind. Aber das kann nicht jeder. Deshalb gib? es nur zwei Möglichkeiten für den mittelständischen Wirtschaftler, seine Werbung wirtschaftlich zu gestalten: die eigene Schulung oder die Mithilfe des Fachmanns. Voraussetzung für eine dauernd vernünftige Werbung ist allerdings, daß der Werbende nicht nur immer den einzelnen Fall bedenkt, sondern sich reiflich überlegt, was die Werbung seines Betriebes für Aufgaben zu erfüllen hat, welche Möglichkeiten zu ihrer Erfüllung bestehen, welche Kosten tragbar sind, und wie diese wirtsehaftlich aufgeteilt werden müssen. Ohne Planmäßigkeit bleibt selbst die gute Einzelleistung Stückwerk; jedoch im Plan kann selbst das unscheinbare Werbemittel seine erfolgreiche Funktion ausüben. Aus diesem Grunde sollte auch die werbliche und graphische Gestaltung einzelner Werbemittel, seien es Schaufenster, Inserate, Prospekte, Werbebriefe usw. erst dann erfolgen, wenn man geprüft hat, welche Aufgabe das Mittel sowohl als Einzelmaßnahme wie auch im Rahmen des Oroßen und Oanzen zu erfüllen hat. Das aber ist die Vernunft des Werbens, die nie ersetzt werden kann durch Inspiration und künstlerische Begabung. Die großartige Werbeidee und die aesthetische Form können zu leicht Selbstzweck werden. Und dann merkt sich der Kunde wohl die Werbung, aber er vergißt zu leicht den Werbezweck. Werbung, über die man spricht, ist meistens schlecht. Aber wenn die Kunden kaufen, dann war die Werbung gut. D a ß sie kaufen, das ist die Hauptsache. Die Mittel, sie kaufwillig zu machen, sind Nebensache. Man kann es so und so tun. Am besten tut man es wirtschaftlich, d. h. man erfüllt seine Werbeaufgabe so billig wie möglich. Wo die Kunst hierzu notwendig ist, da muß man sich ihrer bedienen, denn oft kamt die Wirkung nur erreicht werden, wenn man das Seelische im Menschen berührt. Und dazu verhilft in vielen Fällen ausschließlich das künstlerisch gestaltete Werbemotiv, sei es In der Farbe, in der Form, Im Wort oder im Klang. Sie sind In der Werbung nie Selbstzweck, sondern - immer nur Mittel zum Zweck. Und auf den Zweck kommt es an. F. Dresel, Betriebswerber. Ausbildung In der Werbekunst In dem ersten Artikel dieser Zeitschrift spricht Albert Reimann, der Begründer und langjährige Leiter der früheren Reimann-Schule, tn sehr beachtenswerter Weise über die Kunst des Werbens. Er zeigt die Bedeutung der Werbung für die beiden großen Oruppen von Menschen, die in der Werbung arbeiten: für die Werbungtreibenden und für die Werbefachleute. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Werbung wird allein schon durch die Tatsache, daß in der deutschen Wirtschaft im letzten Jahre nach zuverlässigen Berechnungen 1,1 Milliarden Mark für Werbezwecke aufgewendet worden sind, deutlich gemacht. Diese Summe von 1,1 Milliarden Mark Werbeausgaben ist ungefähr ebenso hoch wie der gesamte Produktionswert der deutschen Automobilindustrie tn dem gleichen Zeitraum. Ohne Zweifel sind in reicheren Volkswirtschaften die Aufwendungen für Werbezwecke noch beträchtlich größer. Mit Recht macht daher Albert Reimann auf die guten Berufsaussichten aufmerksam, die sich Auswanderern mit guter Eignung für die Ausübung der Werbekunst im Auslande bieten, vorausgesetzt, daß sie eine gründliche Ausbildung in dieser Kunst erhalten haben. Es bleibt noch die Frage zu erörtern, welche besonderen Fähigkeiten und Begabungen jüdische junge Menschen besitzen müssen, wem sie im Auslande auf diesem Gebiete erfolgreich tätig sein wollen, und welche Ausbildungsmöglichkeiten ihnen heute zur Verfügung stehen. Die Werbekunst ist für den, der nicht sehen von Natur eine besondere Eignung besitzt, nicht erlernbar. Erforderlich sind u. a. Zeichentalent, Phantasie, Blick für Wirkung und Raumverteilung sowie eine Reihe anderer teils künstlerischer teils handwerklicher Fähigkeiten. In dem Beruf des Werbefachmanns gibt es zwar, wie in den meisten Berufen, verschiedenartige Betätigungs- und SpezialiBierungsmöglichkeiten. Man unterscheidet u. a. Werbezeichner, Dekorateure, Plakat- und Schildermaler u. a. m. (Photomontage). Eine gewisse Vielseitigkeit in der Berufsausübung ist aber gerade für den Auswanderer von großem Vorteil und häufig sogar nötie. Neben der künstlerischen sollte außerdem auch eine kaufmännische Befähigung und Vorbildung vorhanden sein. Der Beruf des Schaufensterdekorateur» z. B. wird oft in engster Verbindung mit dem des Verkäufers im Einzelhandel ausgeübt. Das gilt natürlich ganz besonders in industriell noch nicht sehr hochentwickelten Ländern. Oute Warenkenntnis ist in jedem Falle für den Dekorateur unentbehrlich. Angesichts der günstigen Berufsaussichten, die im europäischen wie im überseeischen Ausland für tüchtige und gut ausgebildete jüdische Werbefachleute vorhanden sind, gehört die Sorge für eine erstklassige Ausbildungsstätte auf dem Gebiet der Werbekunst zu den vordringlichen Aufgaben, die die jüdischen Gemeinden in Deutschland im Dienste des großen und wichtigen Zieh), die jüdische Jugend auswanderungsreif zu machen, heute zu lösen haben. Es gibt zwar einige private jüdische Schulen, in denen junge Menschen, die über die erforderlichen Mittel verfügen, auf einzelnen Oebieten der Werbektmst, so z. B. im Modezeichnen, in der Gebrauchsgraphik, als Dekorateure usw. ausgebildet werden. Aber die umfassende, von der jüdischen Oesamtheit getragene und jedem befähigten jüdischen Jungen offenstehende Werbekunstschule muß erst noch ins Leben gerufen werden. Auf die Dringlichkeit der Schaffung einer solchen künstlerischen Bildungsanstalt hinzuweisen, ist der Zweck dieser Zeilen. Wir würden es uns als besonderes Verdienst anrechnen, wenn es uns gelänge, auch bei der Erreichung dieses Ziels anregend und vorwärtsdrängend mitzuwirken. Welthandel ohne Belebung Der Bericht über die Entwicklung des Welthandels Im letzten Vierteljahr 1936 bedeutet für diejenigen, die nach den Ansätzen im letzten Sommer eine kräftige Belebung und beträchtliche Steigerung des zwischenstaatlichen Güteraustausches erwartet hatten, eine Enttäuschung. Zwar war der Oesamtumsatz im Außenhandel der 52 Länder, deren Berichte statistisch ausgewertet werden, im vierten Quartal 1936 um 11,4 Prozent höher als im dritten. Aber diese Zunahme entspricht nur der alljährlich zu beobachtenden saisonmäßigen Umsatzsteigerung vom dritten zum vierten Vierteljahr. Auch im Vergleich zu den Welthandelsumsätzen im letzten Vierteljahr 1935 sind die ermittelten Umsätze allerdings um 6 Prozent gestiegen. Aber diese Zunahme beruht überwiegend auf der in der Zwischenzeit eingetretenen Preissteigerung. Die mengenmäßigen Welthandelsumsätze waren im letzten Vierteljahr 1936 nur um Lainah * Wäsche ♦ Ausstattungen Land*lhut*r l*ln«nu. G b 11 d w» b r 1 F. V. GRUNFELD OrflCMM Sp.ilalg»ichäM Kr L.ln.n und Wo«*.» •rill WS, leipziger StraO. 20-23 2. Oatchifti KurfjnUndomm 227 1862-" Köln. Höh* Slnlt 77/79 Fabrik und W«rkitStl*n t Land»»hut In Schl«tl*n