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Der jüdische Handwerker · 1937-02-01 · 2 (2.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
2 (2.1937)
Date
1937-02-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Jüdifche Winterhilfe Die Betreuung der 30 000. Eine dankenswerte Anregung stellte die Führung: der Vertreter der jüdischen Presse durch die verschiedenartigen Einrichtungen der Jüdischen Winterhilfe dar. Unter Leitung des Gemeindevorsitzenden, Direktor Heinrich Stahl, des Dezernenten für die Jüdische Winterhilfe, vermittelte diese Führung ein eindrucksvolles Bild von dem Aufgabengebiet und der Tätigkeit der jüdischen Winterhilfe. Sie zeigte die weitverzweigte vielgestaltige Organisation dieses sozialen Werkes, die Betreuung der verschiedenartigsten Menschen. Sie ergab, welch wesentliche Rolfc die Jüdische Winterhilfe im jüdischen Leben überhaupt spielt Auch unter dem Gesichtspunkt der jüdischen Wirtschaftsbetriebe ist die Bedeutung der Jüdischen Winterhilfe nicht genug einzuschätzen. Trotz des selbstverständlichen Bestrebens, ein Höchstmaß an Leistungen zu erzielen, wird doch entscheidender Wert auf eine gleichmäßige Verteilung der Aufträge an möglichst viele, aber auch an wirtschaftlich schwache Betriebe gelegt Neben den Oroß- und Einzelhandelsbetrieben der Bekleidungsbranche finden Schneider und Schuhmacher durch direkte Arbeitszuteilung Verdienstmöglichkeiten. Auch die „Seelische Winterhilfe" dient nicht nur ihrem eigentlichen Zweck, sondern sie ermöglicht es jüdischen Künstlern, sich in ihrem Beruf angemessen zu betätigen, und wird so zu einer das Selbstbewußtsein stärkenden Hilfsaktion. Von ganz besonderer Bedeutung aber ist die moralische Kraft, mit der dieses Werk wahrer Zedokoh die gesamte jüdische Gemeinschaft erfüllt Tausende ehrenamtlich tätige Helfer tragen in hohem Maße dazu bei, die Zusammenarbeit zwischen Oemeindemitgliedern und Oemeindeführung lebhafter zu gestalten und das Solidaritätsgefühl erheblich zu stärken. So hat sich diese Einrictaung als ehr Segen für die große Zahl derer erwiesen, die diese Betreuung so dringend benötigen. Die eigentliche. Arbeit der Jüdischen Winterhilfe hat enorme Ausmaße angenommen. Sie gestaltet sich Inf zweiten Jahr insofern schwieriger, als einerseits die Zahl der Spenden abgenommen hat, auf der anderen Seite aber die zu erfüllenden Ansprüche wesentlich gestiegen sind.' Das große Reservoir der in diesem Jahr zu betreuenden etwa 30.000 jüdischen Menschen stellen nicht wie im vorigen Jahr die Bezirke der Innenstadt und des Nordens, sondern -die westlichen Stadtgegenden wie Schöneberg, Wilmersdorf und Charlottenburg. Auf jeden Unterstrrtzungsantrag kommen durchschnittlich zwei Personen. Während fast die Hälfte (45%) der Anträge von Einzelpersonen gestellt werden, stammt nur ein ganz unwesentlicher Teil (1 >'..<"«) von Familien mit mehr als 6 Personen. Diese Zahlen beleuchten deutlich den starken Rückgang der Kinderzahl. In Zusammenarbeit mit dem Wohlfahrtsamt werden die verschämten Armen in schonendster Weise erfaßt und liebevoll betreut In der ersten Hälfte des 'Monats Januar ha* die Jüdische Winterhilfe bereits RM 160.000.— für Bekleidung. Lebensmittel und Kohlen — also nur für diesen halben Monat — aufgewendet. Von dem bbherigen diesjährigen Oesamtbetrag von etwa 500000.— RM (in der Oesamtzeit des Vorjahres 600000.— RM) wurde ein Drittel allein fürBekleidungbe nötigt. So hat die Kleiderkammer der Gemeinde im Jahre 1936 annähernd 54 000 Personen abgefertigt, dazu kommt noch die Bekleidung von 4000 Kindern zu Chanukkah. Im November 1936 wurden 7018 neue und 1143 gebrauchte Kleidungsstücke verteilt. Der Wert der m einem Monat zur Ausgabe gelangenden Lebemsmittelscheine beträgt 55—60 000.— RM. Die von den Frauenverbänden durchgeführte Pfundsammlung gibt monatlich 15—16000 Pakete im Wert von 45—50000— RM aus. Diese Zahlen wirken in ihrer Oröße imponierend, geben aber noch nicht restlos das wieder, was tatsächlich in iWnen enthalten ist. Der Wert der Winterhilfe liegt nicht ausschließlich Im Umfang ihrer zahlenmäßigen Leistungen, vielmehr ki dem Qeist, in dem sie durchgeführt wird. Diesen Oeist spürten alle, die bei dieser Führung Gelegenheit hatten, persönliche Fühlung mit den wichtigsten Stellen der Jüdischen Winterhilfe aufzunehmen. Nicht entscheidend ist die Tatsache, daß 1500 Damen bei der Pfundspende-Sammlung und -Verteilung ehrenamtlich tätig sind, sondern das tiefe Verständnis für die jeweiligen Bedürfnisse des Einzelnen und die große Liebe zur Sache, mit der diese Tätigkeit ausgeübt wird. Nicht immer einfach ist die Behandlung der aus den verschiedensten Kreisen stammenden Menschen. Nur mit Verständnis und Taktgefühl ist es möglich, das Vertrauen der Betreuten, besonders der sogenannten verschämten Armen, die erst der Jüdischen Winterhilfe nähergebracht werden mußten, zu gewinnen. In den meisten Fällen ist es gelungen, den persönlichen Kontakt herzustellen und so zu festigen, daß ehe wirkliche Betreuung in materieller, vor allem aber auch in seelischer Hinsicht erreicht wird. Umfangreich ist das Aufgabengebiet der Jüdischen Winterhilfe. Es umfaßt die Einrichtung der Zentral- und BezirkssteJIen, der Organisierung der Mittelaufbringung (Haus-, Eintopf-, Büchsensammlung), der. Beschaffung und Lagerhaltung von Lebensmitteln und Bekleidung (Zentrallager und Kleiderkammer), vor allen Dingen aber die Verteilung an die zu Betreuenden. Dieses bedeutende Werk kann von der Jüdischen Winterhilfe erfolgreich nur durchgeführt werden, wenn alle Olieder unserer Gemeinschaft es ab ihre Pflicht betrachten, zum weiteren Gelingen nach besten Kräften beizutragen. Die Not ist groß; sie kann aber bei nicht erlahmender Gebefreudigkeit und Opferbereitschaft gelindert weiden. Di« Steuerfrag« in den jödifchen Gemeinden Die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg hat vor kurzem den Beschluß gefaßt, daß auswandernde Gemeindemitglieder die bis Ende desjenigen Jahres steuerpflichtig sind, in dem sie sie Auswanderung vornehmen. Bei der Besprechung dieses Beschlusses ist aber in der jüdischen Presse auch die Frage erörtert worden, ob nicht ein noch weiterer Zeitraum zur Veranlagung der ausgewanderten Steuerzahler festgelegt werden konnte, soweit es sich um finanziell leistungsfähige Oemeindemrtglieder handelt. Die finanzielle Lage der jüdischen Gemeinden, die durch die Auswanderung finanziell leistungsfähiger Mitglieder häufig erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird, konnte zweifellos wesentlich gebessert werden, wenn es möglich wäre, die ausgewanderten Steuerzahler noch für einige Zeit zu steuerlichen Opfern für die Gemeinde, der sie bisher angehört haben, heranzuziehen. Es ist selbstverständlich, daß .hierbei nur Steuerzahler mit größerem Vermögen in Betracht kommen. Existenzmöglichkeiten Berlin. Elektro-Fachmann, zeichnerisch begabt und ideenreich, Spezialist für lichttechnische Apparate, in der Lage, eigene und fremde Ideen und Erfindungen praktisch auszuarbeiten und durchzuführen, sucht für ihn geeigneten Wirkungskreis. Unterlagen über bisherige Tätigkeit, auch in Bezug auf kaufmännische und werbetechnische Kenntnisse, sind vorhanden. * Kaufmann der Lebensmittel-, Wein- und Spirituosenbranche sucht' Betätigung. Evtl. auch andere Branchen. Bevorzugt Seifen- oder Süßwarenfabrikation. Vorhandenes Kapital RM 3-5000.— Für Handwerker geeigneter kleiner Laden mit Nebengelaß in Neukölln, evtl. für Glaser, Maler (auch Kurzwaren) ist bei billiger Miete abzugeben. Handwerker könnte auch Hausarbeiten ausführen. Mietserleichterungen für die ersten drei Monate möglich. \ Nur Anfragen mit Rückporto werden beantwortet! Düsseldorf. 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