Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 27 (1935)
- Issue
- 12 (12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Handwerker und Hausfrau Was wünscht sich die Hausfrau vom Handwerker... 1. Aufstellung eines zuverlässigen Kostenanschlages! Sie muß rechnen und würde manchen Auftrag geben, wenn sie die möglichen Kosten voraussehen könnte. Die \ n« urtcn: „Da« wird nicht so schlimm sein" oder „wir werden schon einig werden", sind kein Kostenanschlag. 2. Innehaltung des Kostenanschlages! Ein Mann — ein Wort! Wenn Arbeitsänderungen im Laufe der Auftragsausführungen notwendig werden, so soll der Handwerker die sich erhöhenden Kosten näher bezeichnen. Die Rechnung soll keine unangenehme Ueberraschung sein. Das verhindert weitere Aufträge. 3. Rechnungslegung sofort nach Fertigstellung der Arbeit! Kleid und Stiefel mag man nicht gern bezahlen, wenn sie schon abgetragen sind. Der höfliche Handwerker tut mit den Worten: „Das eilt ja nicht" sich selbst und seiner Kundin keinen Gefallen. 4. Innehaltung der vereinbarten Arbeitszeit! Wenn die Hausfrau den Maler, den Tapezierer, den Tischler, den Töpfer erwartet, der sich angesagt hat, so muß sie zu Haus bleiben, den Arbeitsplatz in der Wohnung vorbereiten. Sie wird ärgerlich, wenn sie umsonst wartet. 5. Vermeidung unnötiger Gänge, die den Auftraggeber belasten und ihm teuer zu stehen kommen. Wenn ein Auftrag vorher genau durchgesprochen wird, so hat der Handwerker eben „alles da" und verliert nicht Stunden zur Materialbeschaffung. 6. Vermeidung von unnötiger Verschmutzung der Räume und Gegenstände. Sorgfalt gegenüber dem Eigentum des Auftraggebers. Daß die handwerkliche Arbeit oft Schmutz verursacht, ist selbstverständlich. Es ist aber nicht absolut nötig, daß der Maler alle Scheiben und Wasserhähne mit anstreicht und daß er den Ausguß mit seiner Farbbrühe verstopft. 7. Zusammenarbeit der verschiedenen Handwerker, die gleichzeitig eine Arbeit ausführen. In den seltensten Fällen findet hier ein Überlegtee sich In - die - Hände - arbeiten statt, ßer Fleck an, der Wand zeigt oft, daß hier der Installateur nach dem Maurer gearbeitet hat. Wann soll man werben? . Ii In jüdischen Wirtschaftskreisen gilt das Channukkah- Fest für viele Branchen als günstige Werbegelegenheit. Man macht sich gegenseitig Freude, schenkt sich Dinge, die man kaufen muß, und der Geschäftsmann hat eine zusätzliche Absatzgelegenheit' Gewiß liegt es nahe, gerade vor Festen, die einen bestimmten Warenbedarf mit sich bringen, erhöhte Werbeanstrcngitngen zu machen; aber wenn man im Einzelhandel und im Handwerk oft beobachtet, daß sich im Jahre die Werbung an ganz bestimmten Terminen zusammendrängt, so muß man sich doch fragen, ob das gerade für den kleinen Geschäftsmann günstig ist. Jeder Haushalt wird in diesen Tagen mit einer Flut von Werbedrucksachen Uberhäuft. Die großen Bekleidungsgeschäfte, die Schuh - Filialunternehmen und hunderte andere Geschäftsleute schicken einem manchmal geradezu luxuriös ausgestattete Drucksachen zu. Da wird es selbst für die Käufer, die sich schon gedanklich auf das Schenken vorbereitet hal>en, nicht leicht, sich für eines der vielen Angebote ZU entscheiden. Wie soll man es aber machen, um gegen die Werbung der Großunternehmen aufzukommen? Nun, man braucht ja nicht gerade an den Tagen mit der Reklame herauszukommen, wo alle Welt mit Werbesachen an die Kunden herantritt. Man wählt einfach eine etwas frühere oder spätere Zeit zur Werbung. Gerade die Angst, man könne mit der Reklame zu früh oiler zu spät herauskommen, veranlaßt viele Geschäftsleute an einem einzigen Tage (z. B. am Sonnabend vor dem silbernen Sonntag) ihre Wurfsendungen verteilen zu lassen. Aber man sollte doch Uberlegen, daß eine Reklame viel mehr Aussicht hat, gelesen zu werden, wenn sie einzeln, als wenn s i.e i n einem Wust von verschiedenen ankommt. Nach dem Fest tritt erfahrungsgemäß eine große Pause in der Werbung ein. Sie wird insbesondere von den Firmen unterbrochen, die InVentiirverkäufe veranstalten können. Im ... und was der Handwerker von der Hausfrau? 1. Klare Darlegung ihrer Wünsche: Nur bei sachlichen Angaben und etwas Materialkenntnis kann sie verlangen, daß ein Kostenanschlag genau ausfällt. Jede sorgfältige und ehrlich ausgeführte Arbeit verdient ihren Lohn. 2. Einmal Bestelltes nicht unnötig abzuändern: Plan und Ueberlegung gehen der Ausführung voran. Ein Phantasiegebilde der Hausfrau sieht oft anders aus, als der fertige Gegenstand. Einen Kostenanschlag muß man sich genau ansehen und Einwendungen vor Beginn der Arbeit machen. 3. Die Rechnung sofort zn bezahlen; Auch der Handwerksmeister muß seine Gesellen sofort entlohnen, und sein Material bekommt er nicht umsonst. Seine Spesen wachsen, je länger die Begleichung der Rechnung ausbleibt. Er kann bei Barzahlung des Bestellers billiger arbeiten. Sind Ratenzahlungen vereinbart, so ist der Zahlungstermin gleichmäßig innezuhalten. 4. Jede Hausfrau freut sich, wenn sie „die Handwerker hinter sich hat". Sie wird ihnen aber die Gerätschaften, die sie vielleicht benötigen — Leiter, Eimer usw. —, in guter Verfassung und bereitwilligst zurVerfügung stellen. 5. Ihre Aufträge Uber das ganze Jahr verteilen: Der Töpfer soll nicht geholt werden, wenn schon der erste Schnee fällt. Die Anfertigung der Sommerkleidung im Februar- März verlängert die Vorfreude auf den Sommer. 6. Die Wohnung herzurichten, damit der Handwerker arbeiten kann und gar nicht erst Gefahr läuft, ihre Sachen zu beschädigen. Durch Hilfeleistung während der Arbeit zeigt sie, wie viel ihr an einer möglichst sauberen und schnellen Erledigung liegt. 7. Keinen Schwarzarbeiter zu beschäftigen und keine Pfuscharbeit zu dulden, denn damit schädigt sie den ehrsamen Handwerker. Auch von ihr selbst ausgeführte Pfuscharbeit ist letzten Endes teurer. Günther K a 11 m a n n Lehrling im Verbandsbüro - Februar sinkt die Kurve der Werbetätigkeit im Handwerk und im Einzelhandel wieder herab. Da wäre es zu Uberlegen, ob nicht gerade die „stille Zeit" für den kleinen Geschäftsmann günstig für die Wirkung wäre. Schließlich wird das ganze Jahr hindurch gegessen und getrunken, Reparaturen werden ausgeführt, man ergänzt den fehlenden Bedarf an Kleidung, und auch an jenen Artikeln, die nicht unbedingt zum Leben nötig sind. Abgesehen von der jetzigen Zeit sollte der Geschäftsmann seine Werbung weniger nach seinem Gefühl als vielmehr auf Grund sachlicher Erwägungen vornehmen. Die. folgenden Punkte sollen einige Gründe für die Bestimmung der Werbezeit angeben. Die Festsetzung der Werbezeit kann erfolgen: 1. Nach dem Gebrauch der Ware. Wann wird die Ware gebraucht? Wann wird sie eingekauft? 2. Nach dem Interesse der Käufer für das Angebot.~""~ 3. Nach der Konjunktur und der Mode. 4. Nach der Konkurrenz. Wann wirbt der Nachbar? 3. Nach den Bedürfnissen des eigenen Geschäftes. Wann muß ich Reklame machen, um gewisse Waren schneller abzusetzen? Am besten ist es, man verteilt die Reklame annähernd gleich auf das ganze Jahr und wirbt in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen. Dann reiht sich ein Eindruck an den anderen, und man sorgt am besten dafür, daß man nicht aus dem Gedächtnis der Kunden verschwindet. Dabei ist es dann auch nicht so gefährlich, wenn man einmal zugleich mit Angeboten der Konkurrenz herauskommt. Der Geschäftsmann, der regelmäßig wirbt, hat auch vor dem, der zuweilen mit einem sehr eindrucksvollen Werbeangebot herauskommt, den Vorzug voraus, daß er sich die Umworbenen näher gebracht hat und dadurch dem anderen gegenüber im Vorteil ist. Fritz Dresel, Verbands-Werbeberater 100 Made UidöcUaäsweduha w w ww www W ww fVW w ■ w WVFVVv ^rwrwrwwwwmw 4