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Der jüdische Handwerker · 1935-11-01 · 11 (11.1935) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
27 (1935)
Issue
11 (11.1935)
Date
1935-11-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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„Darf es etwas Besseres sein?" Uhrmacher MAX OUTTM ANN, Berlin Ging ich da neulich in ein Herrenartikelgeschäft. Dienstbeflissen kam eine Verkäuferin auf mich zu und fragte mich mit lächelndem Gesicht, so wie es immer bei einer Verkäuferin sein sollte, nach meinem Begehr. „Ein Oberhemd wünsche ich zu kaufen." „Darf es etwas Besseres sein,** war hierauf die Frage der Verkäuferin. „Nein," sage ich, „ich wünsche etwas Schlechtes," worauf die Verkäuferin mich fragte, ob dies mein Ernst sei. „Auf Ihre unangebrachte Frage kann ich leider keine andere Antwort geben," erwidere ich. „Ich komme, um ein Oberhemd zu kaufen und will selbstverständlich etwas Gutes." Früher hörte man die gleiche Frage dieser Verkäuferin sehr oft, und darauf ist es wohL auch zurückzuführen, daß der schöne Witz entstand: Ist es für die Frau Gemahlin, oder darf es etwas Besseres sein? Heute sollte man diese Frage nicht mehr stellen. Einmal gibt sie unumwunden zu, daß man auch schlechte Ware führt, und schlechte Ware soll man nichfverkaufen. Dann aber gibt diese Frage auch zu verstehen, daß in diesem Geschäft vorwiegend nach der weniger guten Ware gefragt wird, und das macht auf den Käufer keinen guten Eindruck. Wenn ich schon als Käufer einen bestimmten Wunsch habe, in diesem Fall ein Oberhemd zu kaufen wünsche, so sollte docR 'dte" Abwicklung rtt's Verkaufes die denkbar einfachste sein. In jedem Fall soll ein langes Frage- und Antwortspiel mit dem Kunden vermieden werden. Die Verkäuferin kann also lediglich noch fragen, wenn ich dies nicht schon selbst angesagt habe, welche Halsweite gewünscht wird, und schon muB sie mit verschiedenen Oberhemden auf dem Ladentisch aufwarten. Sie nennt hierbei die Preise und wird von selbst „Volk" in der Werbung Entsprechend früheren Verlautbarungen des Werberats der deutschen Wirtschaft hat die Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammer in einem Gutachten die Auffassung vertreten, dafl die Verwendung des Wortes „Volk" in Firmennamen ebenso abzulehnen sei, wie Firmenzusätze „deutsch", „national", „nationalsozialistisch" und „vaterländisch". Nachdem im heutigen Staat das Wort „Volk" wieder einen ethischen und ideellen Wert erhalten habe, sei eine Anwendungsmöglichkeit nur für ganz besonders geartete Fälle gegeben-, nämlich dann, wenn sich eine Anwendung dieses Wortes aus Gründen des Gesamtwphls der deutschen Wirtschaft vertreten lasse. Eine Verwendung aus Gründen der Wirtschaftswerbung, die nicht dem Gemeinwohl zu dienen bestimmt sei, müsse grundsätzlich unterbleiben. Danach sei auch die Firmierung „Volksbedarf" für ein Kleinpreisgeschäft nicht zulässig. Warnung! Es Ut III zu Ohrel gekommen, dal in einer großen Anzahl von Fällen eil gewisser Redlich, der sich neuer - dlags such Wasser nennt und angibt, Buchdrucker bzw. Setier aus Zwickau in Sachsen zu sein, sich unter Berufung auf unsere Geschäftsstelle oder unseren Hern Wolff an unsere Mitglieder um Unterstützung weidet Wir machen darauf aufmerksam, dal der genannte Redlich ein Schwindler ist der licht das Recht hat, sich auf Iis zu beziehen. Nach besonderen Vorkommnissen warnen wir •■ dieser Stelle nochmals, Redlieh anzuhören oder Ii die Wohnung zu lassen. sehen, bei welcher Preislage ich als Käufer mich besonders aufhalte. Von dieser Preislage legt sie mir dann weitere Stücke vor und überläßt das weitere zunächst mir als dem Kunden. Wenn sie dann schon glaubt, noch etwas reden zu müssen, dann nur einen Hinweis auf die besondere Qualität der einzelnen.Hemden. Wenn ich dann als Kunde frage, ob das Hemd zu RM 5.— auch gut ist. so wird sie mir doch bestimmt nicht sagen, nein, es ist schlecht, also wozu die eingangs erwähnte Frage, ob ich etwas Besseres wünsche? Jede Ware, die in einem Geschäft geführt wird, ist entsprechend dem angelegten Preis gut. Werden von einem Artikel mehrere Preislagen, mithin auch mehrere Qualitäten geführt, so ist es in jedem Falle richtig, vorausgesetzt, daß der Kunde nicht von vornherein eine bestimmte Preislage verlangt, mit der mittleren Preislage zu beginnen. Von der Mitte aus kann man dann nach unten sowohl wie auch nach oben viel leichter und überzeugender argumentieren, als beispielsweise von der oberen nach der unteren Preislage. Argumente, die einen Preis rechtfertigen sollen, müssen Uberzeugend sein. Es ist kein Argument, wenn mir erklärt wird, daß das Oberhemd zu 8 RM besser ist als das zu 5 RM. Ich finde aber den Preisunterschied gerechtfertigt, wenn mir von der Verkäuferin erklärt wird, daß das Hemd zu 8 RM pe^eniilirr jwn fii < RM einmal -HW-fcräftiffprem Slnff frp. macht, dann aber auch garantiert waschecht und etwas langer gearbeitet ist. Ich komme dann auch nicht auf die Idee, daß ein billiges Hemd nun unbedingt schlecht sein und ein. teueres als „etwas Besseres" bezeichnet werden muß, sondern habe das Gefühl, daß ich für mein angelegtes Geld das Beste erhalte. Unsere Wahrzeichen Unsere ausschließlich für die Mitglieder gesetzlich geschützten Wahrzeichen für Handwerk und Mittelstand haben wir im redaktionellen Teil der maßgeblichen jüdischen Presse der jüdischen Oeffentlichkeit zur Kenntnis gebracht. Diese Veröffentlichungen werden wir in geeigneter Weise in gewissen Zeitabständen wiederholen. -' * Ein erheblicher Teil unserer Mitglieder hat unsere Wahrzeichen in seinen Inseraten bereits verwandt. Im Interesse der Verbandstolidarität erwarten wir. daß auch die übrigen in der jüdischen Presse inserierenden Mitglieder sich dieser Zeichen in der Folgezeit bedienen werden. Für Inserate gibt es aus Gründen der Raum-Ersparnis ein besonders kleine«, aber gwt erkennbares Signet (vgl. Inseratenteil „Gemeindeblatt"), das auf Wunsch des Inserenten vom Verleger köTfenlos geliefert wird. FUr die Benutzung zur schriftlichen Werbung sind Matern in der oben angegebenen Größe, aber auch in Form von Stempeln und Klebemarken, vorrätig. Diese Wahrzeichen können von unserer Geschäftsstelle bezogen werden. Louis Wolff „Handwerk im Judentum" Preis RM 1.- zuzügl. RM 0,15 Porto, 96 Seiten Zw beziehen durch dl* Geichaftistelle, W 50, Nachoditr. 8, Im Reich durch die GtschiHsit.llan unserer Ortsgruppen. Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands üiefes Buch gehört in Jedem Jüdische Uauml

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