Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 27 (1935)
- Issue
- 11 (11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Ortsgruppen Berlin JuBiiäm: Die Blinden - Bürstenwerkstätte „Friedenau", Inhaber Moritz Rosenzweig, N54, Sophiensir. 8, blickt am 19. November d. J. auf ihr fünfzehnjähriges Bestehen zurück. Am 15. 11. 1930 verlieft* unser Kollege Roscnzwcift. der im 20. Lebensjahr erblindete, seine Ausbildungsstätte in Steglitz und gründete die obige Blindenwerkstätte. Dank großer Energie, vieler Mühe und Zähigkeit gelang es Herrn Kosenzweig, sein Unternehmen trotz mancher schwerer Jahre zum heutigen Umfang auszubauen. Es werden heute insgesamt 36 Menschen, davon 29 Blinde, beschäftigt. Wenn wir auch im allgemeinen ein fünfzehnjähriges Bestehen nicht zum Anlafi einer besonderen Ehrung machen, so möchten wir in diesem Falle von diesem Grundsatz abgehen. Der Kollege Rosenzweig hat trotz seiner schweren körperlichen Behinderung einen mustergültigen und anerkannten Betrieb aufgebaut. Wir wünschen ihm, daß es ihm auch in der Folgezeit gelingen möge, seinen Betrieb nicht nur zu halten, sondern auch weiter zu entwickeln. Ein seltenes Jubiläum konnte der Kollege, Friseurmeister Max Schulz, der in Berlin-Charlottenburg 4, Sybelstr. 92, einen Damen- und Herren-Salon unterhält, dieser Tage begehen. Von den 40 Jahren, die er als Theater-Friseur tätig ist, arbeitet er bereits 30 Jahre in Berlin. Im Jahre 1903 brachte ihn Ferdinand Bonn aus Wien nach dem damals von ihm geleiteten „Berliner Theater". Im Laufe der Jahre war. Kollege Schulz an fast sämtlichen namhaften Berliner Theatern wie Volksbühne, Lessing-Theater, Komödie, Deutsches Künstler-Theater u. a. tätig. In den Jahren 1903 bis 1914 fanden unter der Regie des Dr. Schmieden alljährlich im Winter Festaufführungen bei Hofe statt. Die mitwirkenden Söhne des Kaisers sowie eine grolle Anzahl von Bundesfürsten wurden aus diesem Anlall von dem Kollegen Schulz geschminkt und frisiert. Auch heute noch zählen eine Reihe bekannter und beliebter Schauspieler zu seinen ständigen Kunden. Seit Bestehen des jüdischen Kulturbundes ist der Kollege Schulz als Theaterfriseur dort tätig und empfindet eine tiefe Befriedigung, seine Kunst nunmehr seinen eigenen Glaubensgenossen zeigen zu können. Es erfüllt auch uns mit besonderer Freude, den Aufstieg eines tüchtigen Handwerksmeisters an dieser Stelle schildern zu können. Wir nehmen deshalb besonders gern Veranlassung, unseren Freund und Kollegen Schulz anläßlich seines 40jährigen Berufsjubiläums auf das herzlichste zu beglückwünschen. Möge seine Kunst auch in den kommenden Jahren die Anerkennung finden, auf die sie einen Anspruch hat. Am 13. November feierte unser Kollege, Klempnermeister Markus Rüben, SW68, Alte Jakobstrafie 5, seinen fünfzigsten Geburtstug. Seil vielen Jahren unserem Verein angehörend, nahm er jederzeit mit besonderem Interesse an den Bestrebungen und der Entwicklung unserer Organisation regen Anteil. Mit Unserer Gratulation zu seinem fünfzigsten Geburtstug verbinden wir den Wunsch, daß es dem Jubilar poch recht lange vergönnt sein möge, seinem Betrieb mit unverminderter Schaffenskraft vorzustehen. Wir aber danken ihm gleichzeitig für seine treue Mitgliedschaft und geben dabei dem Wunsche Ausdruck, daß uns diese noch recht lange erhalten bleiben möge. Eine Anzahl weiterer Kollegen konnte in der letzten Zeit Geburtstage oder andere Familienfeste begehen. Wenn wir nicht für jedeu einzelnen besondere Ehrung durch Bekanntgabe in unserer Zeitung durchfuhren können, so dürfen alle dennoch davon Uberzeugt sein, daß unsere in jedem Falle schriftlich zum Ausdruck gebrachten Glückwünsche ebenso herzlich gemeint sind. Tleue Tttitgiiedec ■aMMMhrWM«« Brzezinski, S.. 027, Blumenstr. 94. E 3 Königstadt 0636. Druckt« kau Jacobsohn, Gustav, Neukölln, Hobrechtstr. 22. F2 Neukölln 5533. Zwischenhändler für Drucksachen, Geschäftsbücher. Goldschaladln Kawitzer, Annie, Charlottenburg, Niebuhrstr. 72. 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Nach Bekanntgabe einiger freudiger Familienfeste wurde das Protokoll der letzten Versammlung verlesen und angenommen. Nach Einführung einer Anzahl neuer Mitglieder gibt Kollege Heinemann bekannt, daß er seine Berichte von nun an möglichst kurz fassen wird, um allen Kollegen die Gelegenheit zu geben, ihre Wünsche voll zum Ausdruck zu bringen. Auch im letzten Monat wurde die Geschäftsstelle in einer starken Anzahl von Fällen zu Rate gezogen. Anliegen aller Art wurden vorgebracht, Niederlassungsmöglichkeiten erörtert, Auswanderungs-, Existenzerhaltungs- und Umschichtungsfragen wurden beantwortet. Mitglieder unseres \er eins reichten durch uns Anträge bei der Darlehnskasse ein, die durchweg Erfolg brachten. Die Fälle, in denen der Verein für die Lehrlingsbetreuung eintritt, sind so zahlreich, daß unsere Mittel nicht ausreichen. Meist gelingt es durch private Zuwendungen, allen Bittstellern gerecht zu werden. Die Unterbringung von Handwerkslehrlingcn ist in diesem Jahre schwerer denn je. Darum ist es Pflicht jedes ausbildungsberechtigten jüdischen Handwerkers, freie Lehrstellen zu melden. Anläßlich der Hohen Feiertage hat die Fraueng nippe eine große Anzahl von Lebensmittelpaketen zur Verteilung gebracht. Streitigkeiten unter den Mitgliedern konnten durch die Vereinsleitung geschlichtet werden. Kollege Heinemann wurde in das Kuratorium des Kulturbundes berufen und bittet, die Bestrebungen dieses Bundes nach jeder Richtung zu fördern. Durch seine Mitgliedschaft zum Kulturbund und den Besuch der Verunstaltungen trage ein jeder dazu bei, der Not der jüdischen Künstler zu steuern. Die Versammlung erklärte ihr Ein- M'rxtändhis mit der Berufung des Herrn Dr. jur. H. Braunschweiger zum Syndikus des Vereins. Herr Dr. Braunschweiger erklärte sich bereit, den Mitgliedern jeden Montag und Mittwoch nachmittag »im 5—7 Uhr in seinem Büro in allen Rechts-, Wirtschaft*-. Werbe- und Berufsfragen kostenlosen Rat zu erteilen. Der Vorsitzende ermahnte alle, für das jüdische Winterhijfswerk nach besten Kräften zu spenden, damit kein unterstützungsbedürftiger Glaubensbruder zu hungern und ZU frieren braucht. Ueber die Durchführung des judischen Winterhilfswerks werden Richtlinien erlassen, die denjenigen des allgemeinen Wintorhilfswerks angepaßt sind. lO