Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 27 (1935)
- Issue
- 10 (10.1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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meinden, Bürgen zu finden. Hier muH an die Stelle der Bereitschaft Einzelner die Zusammenarbeit der Gemeinschaft treten; aus kleinen Beiträgen von Vereinsmitgliedern oder Forderern und aus der Leistung von Solidarbürgschaften mit kleinen Beträgen — die in Abschnitten von etwa lp—20 und 90 RM vorgenommen werden können — muH die Möglichkeit einer Inanspruchnahme der Kasse auch für solche gegeben werden, die kefne Bürgen zu stellen vermögen. Unter geringen Opfern für den Einzelnen kann so mit Hilfe der Kooperative der Gemeinschaft ein brauchbares Werkzeug jüdischer Sozialpolitik geschaffen werden, das geeignet ist, durch Stützung von Existenzendaa Abgleiten in den Bereich der Wohlfahrtspflege und damit in den Bereich des von den Einzelnen aufzufüllenden Gemeindeaäckels zu verhindern. Soll das sozialpolitische Werk gelingen, haben die Darlehnsnehmer einem Mindestmaß von Ansprüchen an die Schuldnerdisziplin und -moral zu entsprechen Sie müssen wissen, dafl die Kasse als eine Organisation der indischen Gemeinschaft mit dem pünktlichen Eingang der lückzahlung rechnet, damit die Mittel für andere wieder Zuc AuswandecuHQ Viele von uns beschäftigen sich mit der Frage der Auswanderung. Wohin sollen wir gehen? Wie sind die Existenz- und Erwerbsmöglichkeiten in dem betreffenden Lande? Was kostet das Leben? Welche Schuk und Ausbildungsmöglichkeiten haben die Kinder? Alle diese Fragen müssen geklärt werden, um zu einem einigermaßen abgerundeten Bild zu kommen, das die Entschlüsse erleichtern kann. Eine Fundgrube für die vielfältigen Fragen, die an uns in dem Moment herantreten, in dem wir den Entschluß gefaßt haben, uns eine neue Heimat zu suchen, die nicht Palästina ist, bietet die soeben neu herausgekommene Nummer des „Korrespondenzblattes über Auswanderung»- u. Siedlungswesen", das der Hilfsverein der Juden in Deutschland herausgibt Dieses Mitteilungsblatt des Hilfsvereins, der bekanntlich die jüdische Auswanderung (mit Ausnahme von der nach Palistina) betreut, wird von den Interessenten stets mit Spannung erwartet, denn es spiegelt die vielseitigen Erfahrungen wieder, die der Hilfsverein — dessen Korrespondentennetz sich Uber die ganze Erde erstreckt und der tausende von Auswanderern berät — gesammelt hat. Die neue Nummer ist noch vielseitiger als die bisher erschienenen Hefte; sie zählt, trotz des niedrigen Preises von RM 1.—, 109 Seiten in Quartformat 76 Länder werden behandelt und zwar besonders eingehend: Belgien, Frankreich, Großbritannien, Holland, Luxemburg, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Tschechoslowakei, Türkei, Indien, Japan, Maadschukuo, Iran (Persien), Kanada, Vereinigte Staaten, Mexiko, Argentinien, Brasilien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Paraguay, Venezuela, Südafrika, Australien. Es wird auch über die allgemeinen Verhältnisse und die Aussichten für zahlreiche Berufe — Akademiker, Techniker. Kaufleute, Handwerker, Arbeiter usw. — berichtet. Besondere Sorgfalt wird der Erörterung der Möglichkeiten landwirtschaftlicher Siedlung zugewandt. Den diesbezüglichen Verhältnissen in Argentinien und Brasilien ist ein eigener Abschnitt gewidmet. Au&tUdiutqsecfotQ. ' Bei der diesjährigen Ausschreibung der Ofensetzer- Lehrlinge hat der bei unserem Kollegen, Töpfermeister M. Kramarski, Berlin ausgelernte und zum Gesellen freigesprochene Lehrling Georg D a m e s seine Prüfung als Ofensetzer als Bester mit Auszeichnung bestanden. Wir beglückwünschen den jungen Gesellen und unseren Meisterkollegen zu diesem schönen Erfolg, der sich würdig anreiht an die wiederholten Beweise seiner AifBbildungsbefähigung. Wir erinnern in diesem Zusammenhange daran, dafi der Betrieb Kramarski schon des öfteren erste Preisträger im Berufswettkampf nicht nur in seinem engeren Berufszweig, sondern auch für das allgemeine Baugewerbe gestellt hat. Dieser erneute Erfolg schließt sich auch würdig an an die lange Kette von Ausbildunperfolgen, die unsere Meister im Reich sowohl all auch in Berlin in allen Zwei- ' gen des Handwerks zu verzeichnen haben. bereitgestellt werden. Der Darlehnsnehmer muß sich gerade in dieser Hinsicht bewußt sein, dafl er weder von der Kasse als Empfänger öffentlicher Wohlfahrtsmittel angesehen wird, noch dafl er sich selbst" als einen solchen betrachten kann. Die Kassenleitung wird es sich angelegen sein lassen müssen, durch schnelle Mahnung usf. das Aufkommen von Laxheiten bei der Zahlungsdisziplin zu verhindern: das gilt vor allem bei der Gewährung von Stundungen. Hohe moralische Anforderungen und tiefschürfende wirtschaftliche Einsicht fordert somit der Gedanke der jüdischen Darlehnskassen: Disziplin von den Darlehnsnehmern, Verantwortungsfreudigkeit, Klugheit und Beweglichkeit von der Geschäftsleitung, Verständnis und freien Willen zur MHträgerschaft von der Gemeinschaft. Wo diese drei Bedingungen gegeben sind, kann — wie die bisherigen Erfahrungen beweisen — die jüdische Darlehnskasse eine sehr segensreiche Wirkung entfalten, Existenzen erhalten und ausbauen, der Gemeinschaft nützen, ohne den Einzelnen mit besonderen Opfern zu belasten. Die wichtige Frage der Gehälter, Löhne und Lebenshaltungskosten wird bei jedem einzelnen Lande behandelt. Außerdem wird noch eine Gesamttabelle über Lebenshaltungskosten und Gehälter in 96 Ländern gebracht, die eine schnelle Vororientierung gestattet. Eingehend und gemeinverständlich sind die oft so verwickelten Einwanderunsbestimmungen dargelegt, speziell die Vorschriften für die Erlangung der Visa für die einzelnen Länder sowie der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Die allgemeiner gehaltenen Ausführungen sind durch zahlreiche Briefe ergänzt, die bereits Ausgewanderte an den Hilfsverein gerichtet haben; diese Briefe vermitteln lebendigste Eindrücke von den Sorgen und Erfolgen der judischen Einwanderer in der Fremde. Das neue „Korrespondenzblatt'' enhält einige wertvolle Neuerungen. So ist ein Ueberblick Uber das Schul- und Bildungswesen in einer Reihe von Ländern angefügt der besonders Eltern interessieren wird, die mit ihren Kindern auszuwandern gedenken. Weiter sind je eine Karte von Afrika und Südamerika beigegeben, die eine rasche Orientierung über die Lage der einzelnen Länder in dieaen Erdteilen gestatten, der Ueberblick über Zahl und Verteilung der Juden auf der Erde dürfte fast allen von .uns neue Informationen vermitteln, und der Gesamtüberblick über die Weltwirtschafts- und Wanderungslage wird, wie der ganze Inhalt des Blattes, jedem reiche Anregung bringen. Für den AuswanderungswiTligen ist das Korrespondenzblatt eine Notwendigkeit, wenn er sich informieren und so den zahlreichen Gefahren entgehen will, die eine nicht genügend vorbereitete Auswanderung, infolge der Weltwirtschaftskrise mehr als je, mit sich bringt. Das „Korrespondenzblatt Uber Auswanderung«* und Siedlungswesen" kostet RM 1.— (bei Zusendung durch die Post: RM 1.30) und ist zu bezieben beim Hilfsverein der Juden in Deutschland E. V., Berlin W 39. Steglitzer Str. 9 (Telephon: Lützow 6238/39, Postscheckkonto vorläufig noch wie folgt: Hilfsverein der Deutschen Juden, Berlin Nr. 331 26). Unsere Stammtische Westen: Restaurant Hefter, W62, Wittenbergplatz 3. Jeden 2. und 4. Dienstag 12.11. 26.11. Nordwesten: Conditorei Hansa, NWS7. Flensburger Str. 19. Jeden t. und 3. Donnerstag 7.11. 21.11. Norden: Conditorei Dobrin, C2, Spandauer Brücke 7. Jeden 2. und 4. Mittwoch 13.11. 27.11. Nordosten: Hotel König von Portugal, C2, Burgstr. 16. Jeden 1. und 3. Donnerstag 7.11. 21.11. Süden-Südosten: Cafe-Restaurant Hansa, S42, Ritterstr. 33. Jeden 2. und 4.Mittwoch 13.11. 27. II. Osten: Concordia-Festaäle, 027, Andreasstr. 64. « Jeden 1. und 3. Dienstag 9.11. 19.11. 3