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Der jüdische Handwerker · 1935-10-01 · 10 (10.1935) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
27 (1935)
Issue
10 (10.1935)
Date
1935-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Maßnahmen müssen darüber hinaus aber auch alle Hausbesitzer und Bauherren unserer Gemeinschaft anregen, dem Beispiel der Gemeinde oder ihrer Körperschaften nachzueifern, damit diese Bauten und diese Arbeitsbeschaffung nicht nur einmalig sind, sondern stetig im Rahmen des möglichen Fortsetzung finden. Dazu bedarf es auch, was die Beschaffung von Arbeit für das Handwerk und die Nebengewerbe anbelangt, der gute.ii Absicht der Beteiligten, solche Arbeiten auch künftig und in noch gröfierem Umfange zu ermöglichen. Nun zu den Arbeiten an der neuen Synagoge: Auch sie haben nach von uns angestellten Schätzungen eine Mehrbeschäftigung von ungefähr 50—60 Arbeitnehmern während der Dauer der Arbeiten herbeigeführt. Wegen der Kompliziertheit der Arbeiten und der diffizilen Arbeitsmethoden im Muurer- und Malerhandwerk dürfte hier die Zahl relativ noch größer sein als bei den einheitlichen Arbeiten der Roonstrafle, d. h. es müssen hier relativ mehr Arbeitskräfte angesetzt' werden als beim reinen lläuserbau. Auch hier hat die dankenswerte Absicht der Gemeinde also wirklich, wenn uueh geldmäßig in nicht so großem Umfange, dem Arbeitsmarkt neue Belebung gegeben. Die Ausgaben, die der Gemeinde entstehen, sind im Verhältnis zu dem Nutzen der Arbeit und zu den Folgen für die Arbeitsbeschaffung unbedeutend. Es kann sieh daher jeder Steuerzahler wirklich beruhigen, zumal auch nicht vergessen werden darf, daß die baulichen und sonstigen Notwendigkeiten für die Renovation, wie noch auszuführen sein wird, direkt dringend geworden waren. Heute wollen wir aus den Einzelarbeiten der Renovation nur das hervorheben, was auch den Laien interessiert, aber auch das, was darüber hinaus jeden an •der schönen und künstlerischen Ausgestaltung unserer neuen Synagoge interessieren muß. Die Putzbeschaffenheit einerseits, der Zustand der Eisenkonstruktion in der Zwischenkuppel andererseits bestätigen die Notwendigkeit der Instandsetzung der Synagoge. Der neue Tempel .wurde vom Jahre 1864 bis 1872 erbaut. Seit 63 Jahren steht dieser Riesenbau, dessen innere Fläche Uber ca. 110 000 qm ohne Fußbodenfläche umfaßt, ohne daß bisher irgend eine Renovation größeren Umfanges zur Edbaltung der Bausubstanz vorgenommen wurde. Die auf wxt Säulen stehende Mittelkuppel, deren lichte Höhe 36 m ist, während die Seitengewölbe immer noch 20 m Höhe betragen, wies in ihrem Putzzustande so zahlreiche schadhafte Stellen auf, daß fast die Hälfte dieser Flächen entfernt werden mußte. Auch die starke Rifibildung, sowie die 2—5 cm breiten Senkrisse lassen darauf schließen, daß Gefahr im Verzuge ist. Wir brauchen wohl nicht. darauf hinzuweisen, welche Verantwortung dies gegenüber den Besuchern der Synagoge für die Gemeinde bedeutete. Die Mengen des Putzes, welcher abgeschlagen werden mußte, veranlaßten die den Gerüstbau ausführenden Firmen, zu verlangen, daß die Zwischenpodeste mehrmals vom Schutt gereinigt wurden, da sonst die Arbeitsgemeinschaft der Gerüstbauer befürchtete, daß dies die Tragfähigkeit des Gelüstes beeinträchtigen wUrde. Dieses Gerüst, das Uber 320 Leitern und Tausende von Bohlen umfaßte, war eine Lieferfirma in Breslau nicht in der Lage zu stellen. Interessant war festzustellen, daß, trotzdem bisher keine Renovation in dem Tempel stattgefunden hatte, unter den uns bekannten Deckenmalereien andere Malereien vorhanden waren, die also vor über 60 Jahren gleich nach ihrer Fertigstellung durch andere ersetzt wurden. Aber nicht nur die alte Farbe mußte abgewaschen werden; auch der Staub der Jahrzehnte, der speziell an den Klostergewölbedecken verlagert war, machte ungeheuer zu schaffen. Als die Maler mit der Streichbürste an diese Flächen kamen, um mit Wasser den Staub abzuwaschen, sog derselbe die Feuchtigkeit aus der Bürste, ohne daß sich irgendwelche Najaaeanzeichen an dieser Staubschicht zeigten. Auch war es technisch unmöglich, den Staub auf diese Weise zu entfernen. Es mußten mit richtigen Besen diese Flächen erst abgestaubt werden, und es entwickelte sich dabei eine derartige Staubwolke, daß die Arbeiter mit Gasmasken geschützt werden mußten. Es ist auch nicht zu verwundern, da die Staubschicht nach den Messungen ca. 3—4 cm Dicke aufwies. Eigenartigerweise war in der 36 m höhen Mittelkuppel nichts von Staub zu merken. Auch über dem Heizkörperkranz an dem oberen Kuppelrundgang hörte die Verstaubung vollkommen auf, während der Rundgang mit einer ungeheuren Staubschicht belegt war. Diese Erscheinung ist nur so zu erklären, daß durch die Mittelknppel die frische Luft angesogen wird, die durch den oberen Heizkörperkranz im Kuppelrundgang vorgewärmt wird. Die eigentliche Erwärmung aber erfolgt durch die im Betraum befindliche Heizung. Die kältere Luft senkt sich nun durch ihre Schwere nach unten, während die warme Luft dadurch nach oben gestoßen wird. Dieselbe reißt hierbei den Staub mit in die 1 leihe, der sich* an den bezeichneten Stellen festgesetzt hat. Die Eisenkonstruktion in der Zwischenkuppel, die man vom Betraum aus weder sehen noch erreichen kann, war zentimeterdick vom Rost durchfressen und bedurfte zu ihrer Erhaltung unbedingt eines Anstriches. Die Hauptrenovationsarbeiten waren die anstrichtechnischen Malerarbelten. Die Anforderungen, die an die ausführenden Firmen gestellt wurden, waren bezüglich der Techniken außerordentlich schwierig und verlangten die fachliche Erfahrung der bewährtesten Firmen, um Haltbarkeit, Aussehen und technische Ausführung so zu gestalten, daß wir uns vor den früheren Handwerkern nicht zu schämen brauchen. Trotzdem waren die diesmal ausführenden Firmen vor erheblich schwierigere Aufgaben gestellt als s. Zt. die Erstausführenden, da der damalige Neubau keine besonderen Probleme aufwarf. Ein Teil des Putzes war mit Kasein, ein anderer Teil mit Knochenleim gestrichen, zum Teil sind Malereien mit Dextrin und Ei als Bindemittel ausgeführt worden; sogar chinesische Tusche ist damals verwendet worden. Diese Präparate, teils tierischen, teils pflanzlichen Ursprungs haben eine unwahrscheinliche Härte durch Versteinerung erhalten, indem sie eine organische Verbindung mit dem Untergrund eingegangen sind. Die Goldmalereien, die allerdings nicht echt Gold, sondern Lackbronze waren, mußten vollkommen isoliert, sie mußten ferner von den Ziegeln entfernt werden, um eine einwandfreie dekorative Wirkung des gesamten Tempels zu gewährleisten. Die vorstehend angeführten Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Kreis der Arbeiten an diesem Gebäude. Sie, zeigen aber auch dem Laien sicherlich deutlich, wie kompliziert solch eine Renovation ist, und welche Aufgaben den Architekten hierbei entstanden sind. Johehi. Zw Auskunttsertellung Uber Werbungs-Möglldikelten, Insbes. Wurfsendungen usw., stahl unseren Mitgliedern lederielt die Geschäftsstelle oder unser Werbeberater, Herr FrltiDresel(B6 Cornelius 5316) ZW Verfügung. Juristische Sprechstunde . Die juristische Beratung für unsere Mitglieder aus Handwerk und Mittelstand findet statt: Jeden Montag, nachmittags von 4—5 Uhr, Oranieustraße 61 (direkt am Moritzplatz) durch unseren Syndikus, Herrn Dr. jur. Manfred Meyer, früher Rechtsanwalt bei den Landgerichten Berlin (nicht mehr Mittwoch, Oranienburger Str. J). i— Jeden Mittwoch, nachmittags von 4—5 Uhr, in unserer Geschäftsstelle, W 50, Nachods tr. 8, durch unseren Syndikus, Herrn Fritz G o 111 i e b, früher Rechtsanwalt bei den Landgerichten Berlin. AUS DEM INHALT: Jüdlidie Winterhilfe Praktische Arbeitsbeschaffung Darlehnskasse Im Dienst der Gemeinschaft von o,. t«*«^ ■•<»•« Geregelter Wettbewerb Fragen das Handwarki und dar Arbalt Das Mglldia Rächt Existenz« und Nlederlauungsmöglldhkeltan Aus dam Handwerker.Verband Aus der Mittelstandsbeilage: Finanzierung das Einzelhandels u. a. 3

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