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Der jüdische Handwerker · 1935-10-01 · 10 (10.1935) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
27 (1935)
Issue
10 (10.1935)
Date
1935-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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/ HANDWERK UND MITTELSTAND SETZEN SICH GESCHLOSSEN EINI Kollegen, Meister, Gesellen- und Lehrlinge! Uns ist das Opfer für die Gemeinschaft nie ein leerer Begriff gewesen. Was uns dieThora lehrt, befolgen wir seit Tausenden von Jahren. Unser Gesetz sagt: Wenn du einen Hungernden siehst, dann gib ihm Nahrung und wenn du einen Nackten siehst, so kleide ihn. Unsere Gemeinschaft hat den Begriff der Zedokoh beispielgebend und bahnbrechend für die Welt entwickelt. Seien wir dessen eingedenkI Tausende unserer Brüder und Schwestern in Berlin und im Reich leben in bitterlichster Armuf. Und in den harten Wintermonaten verschärft die Natur ihre Lebensnöte. Wir dürfen sie nicht hungern lassenI Wir dürfen sie nicht frieren lassen! ■ » * v » Wir müssen in brüderlicher Hilfe, im Bewußtsein unserer auf Gedeih und Verderb verbundenen Schicksalsgemeinschaft ihr Los mildem. Solange einer von uns geben kann, muh er geben I Solange einer helfen kann, muh er helfenI Keiner von uns, der im Erwerb steht, kann sich freisprechen und herauslösen aus der groben Hilfsgemeinschaft, die wir alle bilden müssen Unsere Gemeinschaft ist in der Betreuung ihrer Ärmsten auf sich selbst gestellt. Brot, Kleidung und Heizung zu schaffen für diese Ärmsten, ist das Ziel der jüdischen Winterhilfe. Alle, die nicht selbst betreut werden, müssen sich in den Dienst dieser Hilfe stellen. Dee-After und die Jugend, der Mann und die Frau, der Meister, der Geselle und der Lehrling, ein jeder eh dem Platz, der ihm von der Winterhilfsorganisation zugewiesen wird! Kotlegen aus Handwerk und Mittelstand, seid Euch Eurer Pflicht bewufjt, helft mit allen Euren Kräften! Handwerker, Mittelständler, wir zweifeln nicht an Eurem Willen. Larjt ihn zur Tat werden! ZENTRAL VERBAND JÜDISCHER HANDWERKER DEUTSCHLANDS E. V., SITZ BERLIN Wilhelm Marcus, Louii Wold, Robert Gutheim, Max Silberberg, Hermann Müller, Siegfried Peisachowitz, Selomon Weis», Erich Salinger. REICHSVERBAND DES JODISCHEN MITTELSTANDES Wilhelm Marcus, Louis Wölfl, Alexander SkurnJk, Alfred Jaulus. FÜR DIE ORTSGRUPPEN: Louis Wollt, Berlin; Hermann Badrian, Beuthen; Hugo Spanler, Breslau; Leo Winter, Düsseldorf; Marlin Peli, Essen; H. Joseph, Frankfurt a. M.; Emsl Fleischer, Gleiwitz; Bernhard Heinemann, Hamburg; Paul Goldmann, Hannover; Hugo Ehrmann, Hindenburg; Isi Levi, Köln; L Fatkenstain, Königsberg I. Pr.; H. Herl, Nürnberg; Allem Letter, Schneidemühl; J. Landauer, Stuttgart; O. Rosanberg, Wiesbaden. '"■ ^'mHk 1 \ , -v . ■ ,; Praktische Arbeitsbeschaffung Renovierung eines Tempels Nachstehend geben wir Ausführungen unserer Breslauer Ortsgruppe bzw. zweier Personen aus dieser Ortsgruppe über Arbeitsbeichaffungsmahnahman der Synagogengemeinde Breslau auf dem Baugebiet und über interessante Einzelfragen aus der Renovalion einer Synagoge wieder, dia sicherlich jeden Handwerker und Architekten Interessieren warden. Hoffentlich finden diese produktiven Mahnahmen auch in anderen Gemeinden, soweit die hierfür notwendigen Mittel vorhanden sind, Nachahmung. Vielfach hört man innerhalb der Gemeinde kritische AeuBerungen etwa der Art: „Wozu muH die neue Synapse renoviert werden, wozu muH auf der Roonstrafle gebaut werdenf Das sind doch alles Ausgaben, für die wir nur höhere Steuern zahlen müssen:" Es sei damit also zunächst Sesagt, dafl unsere lieben Gemeindemitglieder vorerst daran enken, dafl möglicherweise ihre Börse dadurch in Ansprudi genommen werden könnte. Manche kritischen Stimmen sprechen aber auch von der nicht einzusehenden Not wendigkeit der Renovation und dergl. Ehe wir auf das Hauptthema „Renovation der .neuen Synagoge" kommen, »ei grundsätzlich doch einmal folgendes gesagt: Die Bauten auf der Roonstrafle (5 Wohnhäuser für bedürftige Familien, Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene) werden nicht aus dem Etat der Gemeinde gedeckt, sondern aus den vorhandenen Mitteln der Oestreicber-Stiftung. Hiermit' wird also der jüdische Steuerzahler nicht beiastet. Dafl die zuständige Stelle der Oestreicher-Stiftung diese Bauten beschlossen hat, kann ihr nicht genug gedankt werden. Sie hat hierbei einmal im Sinne der Reichsregierung die Idee der Arbeitsbeschaffung praktisch in die Tat umgesetzt und gleichzeitig auch soziale Gesichtspunkte in weitestem Maße befolgt und gefördert. Die Behebung der Wohnungsknappheit ist eine weitere nützliche Folge dieses Entschlusses. Weiterhin aber hat sie innerhalb unserer Gemeinschaft für eine produktive Arbeitsbeschaffung gesorgt, wie sie leider nicht häufig vorkommen kann. Wir glauben, da wir den Umfang der Arbeit noch nicht genau voraussehen können, doch immerhin nicht zu optimistisch zu schätzen, wenn wir annehmen, dafi bei den Bauten in der Roonstrafle etwa 80 Arbeitnehmer neu Beschäftigung immerhin für eine geraume Zeit finden und damit eine Entlastung des Arbeitsmarktes und, soweit angängig, auch des Arbeitsmarktes innerhalb unserer Gemeindemitglieder geschaffen wird, die noch dazu im Bauhandwerk auch durchaus nennenswerte Lohnhöhen bedeutet. Welche indirekten Folgen diese Arbeitsbeschaffung durch Vermehrung der Arbeitnehmer in den an den Bauten beteiligten Betrieben hat, liiBt sich nicht genau ausrechnen, geht hieraus aber klar hervor. Diese wenigen Sätze beweisen, welchen' Segen diese Beschlüsse haben und zeigen darüber hinaus auch den Weg, auf dem die Gemeinde und Institutionen innerhalb der Gemeinde fortzuschreiten die Möglichkeit haben. Die 2

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