Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 27 (1935)
- Issue
- 9 (9.1935)
- Date
- 1935-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Einkauf - aber verschiedene Wirkungen Uhrmacher MAX GUTTMANN Wir sind als Beobachter im Geschäft eines Uhrmachers einer Kleinstadt. Den Laden betritt eine Dame, die an diesem Orte zu den Honoratioren gehört und dem Uhrmacher bekannt ist. „Denken Sie, Herr Zifferblatt, meine Pcrlnadel. die ich kürzlich bei Ihnen zur Reparatur hatte, habe ich vor 14 Tagen verloren. Ich war mit meinem Mann in der benachbarten Großstadt, wir fuhren vom Bahnhof aus mit der Straßenbahn zum Theater. Die Straßenbahn war derart Überfüllt, daB man sich weder vor noch zurück bewegen konnte. In diesem Gedränge muß ich die Nadel verloren haben. Eine Anzeige auf dem Fundbüro hat bisher keinen Erfolg gehabt, nun muH ich mir eine andere Nadel kaufen. Es gibt doch in Silber ganz schöne Sachen, die ebenso aussehen, aber nicht soviel kosten. Wenn man diese dann verliert, so ist doch der Verlust nicht so groB; kann ich einmal solche Nadel sehen?" Unser Kollege Zifferblatt legt einige silberne Nadeln vor, und eine solche für RM 3.50 wird käuflich erworben. So spielt sich doch wohl im allgemeinen ein solches Verkaufsgeschäft ab. Anders war dies bei unserm Herrn Zifferblatt. Er legte der Kundin einige billige Nadeln in Silber vor, das mußte er tun, da sie solche zu. sehen wünschte und der Wunsch des Kunden in jedem Fall respektiert werden muB. Er legte aber auch noch einige Nadeln in Gold mit Perle vor, in der gleichen Art, wie die Kundin eine verloren hatte, nahm eine dieser Nadeln zur Hand und sagte: ..Ja. gnädige Frau, wenn Sie eine solche Nadel getragen hätten, so hätten Sie die Nadel nicht verlieren Können". „Warum", fragt die Kundin, „hätte ich eine solche Nadel nicht verlieren können?" „Diese Nadel ist unverlierbar, sie besitzt eine besondere Sicherung, die sie unverlierbar macht." Die Dame betrachtet sich die Nadel, sucht in ihrer Handtasche und sagt: „Ich kann das leider nicht recht sehen, ich habe mein Augenglas vergessen." Zifferblatt geht einen Schritt zurück, holt aus der Auslage für Optik ein Augenglas, reicht es der Dame und sagt: „Jetzt werden Sie die Sicherung beobachten können." Die Kundin setzt das Augenglas auf, ist erstaunt, wie gut sie damit sehen kann, und fragt: „Woher wissen Sic, daß ich dies Glas benötige?" Darauf erklärt Zifferblatt, daB er vor längerer Zeit einmal das Augenglas der gnädigen Frau zum Befestigen eines Glases in der Werkstatt hatte. Er habe sich sofort die Sehschärfe des Glases in seiner Kartei vermerkt und halte das Augenglas seit dieser Zeit vorrätig, um in Eilfällen ein zerbrochenes Glas sofort ersetzen zu können. „Das finde ich sehr nett von Ihnen", laßt sich die Kundin Steuerkalender vom 10. September bis 15. Oktober 1035 Evtl. Anfragen lind an die Geschäftsslelle das Verbandes, Barlin W SO, Nachodttr. 8, zu richten. In besonderen Steuerfällen steht zur Information und Ralerleilung «in Sachbearbeiter zur Verfügung. Am 11. September Umsatzsteuer-Vorauszahlung (falls monatlich). An Finanzamt. , 11. September Einkommensteuer-Vorauszahlung. An Finanzamt , 1 f. September Grund- und Gebäudesleuern. An Steuerkasse . 11. September Lohnsummensteuer und Berufsschulbeitrag lOr den Monat August 1935 (1,62*/.). An Sfeuerkasse. . 10. September Lohnsteuer; Zahlung der vom t. bis 15. September einbehaltenen Betrege. An Finanzamt . 10. September Bürger steuern; Zahlung der bii zum 15. September einbehaltenen Beträge. An Steuerkasse . 14. September Bürgerileuern; Zahlung der von den WochenlohnempUngern einbehaltenen Betrage. An Sfeuerkasse. J. Oktober Lohnsteuer der vom 16. bis SO. September einbeheltenen Betrege. An Finanzamt. . 10. Oktober Bürgersteuern; Zahlung der von den Wochenlohnempfengern einbeheltenen Beträge. An Sfeuerkasse. . 10. Oktober Umsatzsteuer für Monats- und Vierleljahreszahler. An Finanzamt. . II. Okiober Lohnsummensteuer für September w. o. An Sfeuerkasse. . 15 Oktober Grund- und Gebäudeiteuern. An Sfeuerkasse. Sämtliche Steuern sind punktuell zu labte«, de es keine ScbeefrIlten gibt. F. K. vernehmen, „ich habe diese Gläser bisher immer in der benachbarten Großstadt besorgen lassen, werde dies aber jetzt durch Sie beziehen, bisher wußte ich nicht, dafl ich das auch hier bekommen kann." Sie wendet sich nunmehr wieder der Nadel zu und sieht die besondere Sicherung. „Und diese Sicherung kann nie versagen?" „Nach menschlichem Ermessen nicht, aber unmöglich ist nichts. Da ich ja Ihren Schmuck in gewissen Zeitabständen erhalte, um daran festzustellen, ob sich irgend welche Steine gelöst haben, wäre es auch richtig, mir eine solche Nadel zum Nachsehen mit zu überlassen. Hat sich die Sicherung wirklich etwas gelöst, so ist es für mich eine Kleinigkeit, es wieder in Ordnung zu bringen." „Und diese Nadel kostet?" „RM 62.—." „Schön, ich werde sie nehmen." Die Nadel wird verpackt, die Kundin zahlt und verläßt den Laden. Wir als Beobachter geben nun Zifferblatt den Rat, der Dame schnell nachzulaufen, da sie ja sein Augenglas mitgenommen hat. Er aber winkt ab. „Warten wir ab", sagt er. Und schon nach kurzer Zeit läutet das Telefon. „Herr Zifferblatt", sagt die Kundin, „ich habe aus Versehen das Augenglas, das Sie mir freundlichst ausgeliehen haben, mit nach Hause genommen. Ich bitte das zu entschuldigen. Das Augenglas ist ja das modernste, was man jetzt hat: ich habe diese Form kürzlich im Theater gesehen. Es gefällt vor allem meinem Mann so gut. Was kostet so ein Glas?" „RM 32.—", sagt Zifferblatt. „Dann werde ich es behalten." „Damit habe ich natürlich nicht gerechnet, gnädige Frau, ich darf Sie darum bitten, nochmals bei mir mit dem Glas vorzusprechen, damit ich mich davon überzeugen kann, ob es auch richtig sitzt." Am gleichen Tag kommt die Kundin wieder zu Zifferblatt, aber in Begleitung ihrer Freundin. Das Augenglas wird auf guten Sitz untersucht, bezahlt, und die Freundin kauft ein gleiches Glas für sich. Aus dem Kaufwunsch eines silbernen Broschetts ist ein solches aus Gold mit echter Perle geworden, und gleichzeitig sind zwei Augengläser mit verkauft worden. Und wodurch? Weil Zifferblatt es verstanden hat, das richtige Verkaufsargument zu finden. Die Kundin hatte eine wertvolle Brosche verloren. Das richtige Verkaufsargument also: das Unverlierbare. Nachdem dieses Wort gefallen war, spielte der anzulegende Preis keine Rolle mehr. Man lerne daraus, sich Verkaufsargumente für alle Waren zu sammeln. Der Vorteil wird sein, daß man leichter, meistens aber auch mehr verkauft. In einer am 6. August in Kraft getretenen Verordnung des Reichsfinanzministers wird bestimmt, daB bei Zöllen und Verbrauchssteuern die Zahlung fälliger Beträge auf Antrag des Steuerpflichtigen nur hinausgeschoben werden darf, wenn der Betrag, dessen Aufschub beantragt wird, in jeder Stcuerart mindestens 10 Mark erreicht. Unsere Stammtische Zum Beginn des Winterhalbjahres, ab Oktober d. J. linden unsere Stammtische wieder regelmäßig, wie unten angegeben, statt. Es ist Vorsorge getroffen worden, daB in jedem Bezirk allmonatlich ein Vortragsabend stattfindet. Der aweite im Monat angesetzte Abend bringt interessante Informationen. Wir machen immer wieder darauf aufmerksam, daß der Besuch der Stammtische im eigenen Interesse Pflicht der Mitglieder ist Nnr durch personliche Bekanntschaft kann eine geschäftliche Belebung anf dem Wege der gegenseitigen Unterstützung erreicht werden. Die nächsten Stammtische finden statt: Westen: Restaurant Hefter, Wittenbergpletz 3. Jeden 2. und 4. Dienstag im Monat. 24. 9. 8. 10. 22.10. Nordwesten: Konditorei Hansa NW 87, Flensburger Str. 19. Jeden I. und 3. Donnerstag im Monat. 3.10. 17.10. Norden: Konditorei Dobrin, C 2, Spandauer Brücke 7. Jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat. 23. 9. 9. 10. 23.10. Nordosten: Hotel König von Portugal, C2, Burgstr. 16. Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat. 3.10. 17.10. Süden-Südosten: Cafe-Restaurant Hansa, S42. Ritterstr. 33. Jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat. 23. 9. 9. 10. 23. 10. Ostens Concordia-Festsäle, 0 27, Andreasstr. 64. Jeden 1. und 3. Diensteg im Monat. 1.10. 13.10. 5